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Ausgabe:

1911 Nr. 25

Spalte:

796

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Veen, S. D. van

Titel/Untertitel:

Het stipendium Bernardinum 1911

Rezensent:

Regula, ...

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Theologifche Literaturzeitung 1911 Nr. 25.

796

in den einzelnen Entwickelungsperioden. Der zweite Teil
ift einer Darftellung der hiftorifchen Entwickelung der
rechtlichen Verhältniffe der braunfchweigifchen Landeskirche
von der Reformation ab bis hinauf in die Gegenwart
gewidmet. Er inftruiert in klarer und für jeden
Laien leicht verftändlicher Weife über die Ausbildung
der eigentümlichen konüftorialen wie gemeindlichen und
fynodalen Verfaffungselemente, desgleichen über den kon-
feffionellen Charakter der Kirche, jedoch ohne irgendwelche
tiefere Durchleuchtung des Stoffes. Im letzten
Teile endlich ftellt Verfaffer kirchenpolitifche Betrachtungen
an über die gegenwärtige Lage und weitere Entwickelung
feiner Landeskirche. Er weift hin auf den
bedenklichen Rückgang der Theologieftudierenden und
erörtert im Anfchluß hieran befonders die Einkommens-
verhältniffe und die foziale Stellung der Geiftlichen, die,
wie er meint, fich rückläufig bewegt gegenüber der der
übrigen Akademiker. Er befpricht die durch die neue
Kirchenordnung realifierte Loslöfung der kirchlichen Gemeinden
von den politifchen und die jenen gewährte Bewegungsfreiheit
auch auf vermögensrechtlichem Gebiete
und nimmt endlich Stellung zum Werte des landesherrlichen
Kirchenregiments für die evangelifchen Landeskirchen
der Gegenwart. Auch hier find jedoch irgendwelche
neuen Gedanken nicht entwickelt, und fo wird die
Lektüre des Vortrages nur denNichtfachleuten etwas bieten.

Göttingen. Schoen.

Zeitfchrift für Millionswiffenfchaft. Hrsg. von Prof. Dr.
Schmidlin. 1. Jahrg. 1911. 4 Hefte. Münfter i. W.,
Afchendorff. gr. 8°. M. 6—; einzelne Hefte M. 1.80

Auch das Erfcheinen diefer Zeitfchrift ift ein bedeut-
fames Zeichen des Auffchwungs, den der Miffionsfinn
im katholifchen Deutfchland in der Gegenwart aufweift.
Nach einem Geleitwort des Kardinals Fifcher-Cöln, der
die heiligen drei Könige für diefes neue Unternehmen als
Fürbitter anruft, gibt der Herausgeber ein kurzes Programm
der Zeitfchrift: in der Jetztzeit, wo der Unglaube
und Islam wie der Prottftantismus zu mächtiger Propaganda
fich rüften, dürfe die katholifche Miffion wiffen-
fchaftlich und praktifch nicht im Hintertreffen bleiben.
In einem befonderen, klaren und zufammenfaffenden Auf-
fatz legt Schmidlin fodann feine Auffaffung einer katholifchen
Miffionswiffenfchaft dar. Jefus als Begründer der
Heidenmiffion wird von Prof. Meinertz-Münfter namentlich
gegenüber den Aufftellungen von Harnack und Spitta
verteidigt. Der Auffatz von Prof. Knöpfier-München
über die Akkomodation im altchriftlichen Miffionswefen
greift fogleich eines der wichtigften praktifchen Miffions-
probleme heraus, bleibt aber freilich ziemlich an der
Oberfläche. Ein gelehrter Beitrag ift der Auffatz von
Pater Autbert Groeteken-Dorften ,Zur mittelalterlichen
Miffionsgefchichte der Franziskaner', der aber (S. 53) die
Miffionstätigkeit der Cifterzienfer und Praemonftratenfer
unterfchätzt, indem er fie ganz übergeht. Friedrich
Schwager-Rom berichtet in der ,Miffionsrundfchau' in
gefchickter Weife über die gegenwärtige Lage der katholifchen
Heidenmiffion. Vortrefflich ift der Abfchnitt ,aus
dem heimatlichen Miffionsleben', in dem Schmidlin über
die akademifche Miffionsbewegung, den miffionswiffen-
fchaftlichen Lehrftuhl in Münfter, die Publikation miffions-
gefchichtlicher Quellen, die Miffionsintereffen der Katholikentage
, den Berliner Kolonial-Kongreß, den Kongreß
für freies Chriftentum und religiöfen Fortfehritt, die Edin-
burger Weltmiffionskonferenz und das Ableben Guftav
Warnecks berichtet. Es folgen Befprechungen des Werkes
des Jefuiten Huonder ,Der einheimifche Klerus in den
Heidenländern' (1909) und der Schrift von Nösgen ,Paulus
der Apoftel der Heiden'. Eine ausführliche Miffions-
bibliographie von 10 enggedruckten Seiten, zufammen-
gestellt von Pater Robert Streit, macht den Befchluß.
Wird die Höhe diefes erften Heftes beibehalten, fo wird

das ganze Unternehmen wirkungskräftig und fruchtbar
fein und kann auch von proteftantifchen Miffionsforfchern
nur mit Freude und Dank begrüßt werden, wenn felbft-
verftändlich auch im einzelnen die Gefichtspunkte und
Urteile auseinandergehen müffen. Wichtig ift, daß in
diefer Zeitfchrift grundfätzlich Miffion nicht ohne weiteres
mit Propaganda identifiziert, fondern auf die Wirkfamkeit
unter Nichtchriften befchränkt wird; fo darf man hoffen,
daß endlich auch in der Miffionsftatiftik eine formale Ver-
gleichung möglich ift. Erfreulich ift auch die häufige
und meift auch gründliche Auseinanderfetzung mit proteftantifchen
Forfchern, wie denn durch dies ganze Heft
auch immer wieder die Tatfache hindurchgeht, daß für
die Neubelebung des katholifchen Miffionsintereffes und
für die Entftehung, Anlage und Eigenart der vorliegenden
Zeitfchrift die Arbeit der evangelifchen Miffionswiffenfchaft
ein befonderer Antrieb geworden ift. Als Beifpiel für
das jetzt vorhandene katholifche Miffionsintereffe mag erwähnt
fein, daß in der Bibliographie etwa 60 katholifche
Miffionszeitfchriften und aus der letzten Zeit nicht weniger
als etwa 30 Schriften und Auffätze zur heimatlichen
Miffionskunde aufgezählt werden.

Frankfurt a. M. W. Bornemann.

Referate.

van Veen, Prof. Dr. S. D.: Het Stipendium Bernardinum. Gefchiedenis

eeuer Utrechtfche Akademie-Beurs. (302 S.) gr. 8°. Utrecht, G. J.

A. Ruys 1911. fl. 3,50

Daß an der Univerfität Utrecht ein namhaftes Stipendium für Studierende
der Theologie aus den Gebieten der ehemaligen Kurpfalz be-
ftehe, war in Deutfchland bekannt, befonders in den Gegenden, für die
es beftimmt ift. Näheres aber über den Stifter, den Betrag des Legates,
fowie über die Art der Verwaltung und Verwendung desfelben wußte
man nicht, oder man hatte nur vage Vermutungen darüber. Zur 150 jährigen
Gedächtnisfeier der Stiftung (anfangs Juni d. J.) hat nun van Veen,
felbft Mitglied des Kuratoriums, eine aktenmäßige Darftellung erfcheinen
laffen, für die man ihm nur dankbar fein kann. Daraus geht hervor, daß
Dirk Bernard, ein in Oftindien reich gewordener Holländer, aber in
Frankenthal (Rheinpfalz) geboren, im J. 1761 eine Summe von 9000 L.
geftiftet hat, von deren Zinfen Studierende der Theologie aus der Kurpfalz
, außerdem auch einige Ungarn, an der Univerfität Utrecht unter-
ftützt werden follen. Durch Erfparniffe wurde das Kapital noch vermehrt
, fo daß es jetzt gegen 300000 M. betragen dürfte. Urfprünglich
erhielt jeder Stipendiat jährlich 300 fl., jetzt aber wegen der hohen
Lebenspreife 800 fl. Im Ganzen haben bis jetzt etwa 1000 Deutfche
und Ungarn die Wohltat genoffen. Mit Bedauern bemerkt dabei der
Verf., daß in der Zeit von 1805—7*> — ganz gegen die Beftimmung des
Teftamentes — auch holländifchen Studenten, darunter mehreren Utrechter
Profefforenföhnen, das Stipendium zugewendet wurde. Im allgemeinen
wird den deutfehen Studenten in Utrecht ein günftiges Zeugnis
ausgeftellt; aber auch Disziplinarfälle und Relegationen kamen vor, die
unferes Erachtens gerade nicht fo breit ausgeführt und mit Nennung der
Namen hätten verewigt zu werden brauchen.

Göttingen. Regula.

Mitteilungen.

68. Die neue OöoinoQia und Alexanders Zug nach dem
Paradies. Zur Erklärung der von A. Klotz im Rhein. Muf. 65 (1910)
606 ff. veröffentlichten und von mir ebenda 66 (19t lj 458 ff. befprochenen
'OSomogia and Eäe/x rov nagaSsiaov gibt H. Greßmann in diefer
Zeitfchrift (Nr. 22 Sp. 700) einen Nachtrag aus dem Gilgamefch-Epos,
indem er auf Parallelen zu dem ,Ort des Überganges' Aiaßä verweift (vgl.
Ungnad und Greßmann, Das Gilgamefch-Epos, 1911 S. 46; 137 f.). Mit
Recht; denn eine Beeinfluffung der Alexandertradition durch das baby-
lonifche Epos ift unbeftreitbar; vgl. Br. Meißner, Alexander und
Gilgamos, 1894. (Jenfen, Das Gilgamefch-Epos I zieht nur gelegentlich
den Alexanderroman bei.) Im wefentlichen kommt jedoch nur eine
; größere Epifode in Betracht, eben die Reife nach dem Lebensquell,
die auch den Abfchnitt vom ,Übergang' enthält. Da diefes ganze Stück
jedoch urfprünglich eine Erzählung für fich bildete, die dem Romankorpus
erft fpäter einverleibt wurde, fo ift der urfprüngliche Alexanderroman
frei von Beeinfluffung feitens des Gilgamefch-Epos. Denn von
fonftigen Anklängen des Romans an das Epos fällt nur noch auf die
j gleichfalls der urfprünglichen Fällung fremde Erzählung vom ,homo pilosus'
I und dem nackten Mädchen (Ps.-Kall. II 33 und die Parallelen in meinen
Kleinen Texten zum Alexauüerroman S. 40), die an das Verhältnis des
Engidu zur Hierodule erinnert. Auch der Befuch der Götterwohnungen und
des Götterberges durch Alexander kann vielleicht genannt werden. Auf
die Sage von der Luftfahrt Alexanders und ihr Verhältnis zum Etana-
Mythos hat Greßmann aaO. 184 bereits hingewiefen; vgl. auch Meißner
S. 17 f. So gehören alle Anklänge an das babylonifche Epos zu den
fekundären Erweiterungen des Alexanderromans und flehen in diefer Beziehung
ziemlich in einer Linie mit ähnlichen Epifoden, die urfprünglich