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Ausgabe:

1911 Nr. 24

Spalte:

763

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Elsenhans, P. Chr. (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Lesegottesdienste für die Hand des Predigers 1911

Rezensent:

Hoffmann, Georg

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763

Theologifche Literaturzeitung 1911 Nr. 24.

764

man, wo es irgend möglich ift, in diefer perfönlich-prak- I
tifchen Weife zu reden fuchen; und der anderen Gefahr,
über dem Lebensbild den Ernft der religiös und fittlich
anwendenden Grabrede zu vergeffen, ift L. durchaus fieg-
reich begegnet. So können diefe Reden wirklich als ausgezeichnete
Vorbilder gelten, um fo mehr, als feine, ge- !
legentlich rednerifch-fchwungvolle Sprache und eine hohe ;
Kunft, die Situation für die Hörer aller Arten fruchtbar
zu machen, fie belebt. Sie gehören zu den beiden Grabreden
, die wir im Druck befitzen.

Gießen. M. Schian.

Lefegottesdienfte für die Hand des Predigers. Unter Mitarbeit
zahlreicher auf den befonderen Gebieten fachverftän-
diger Kollegen herausgegeben von Pfr. P. Chr. Elfenhans
. (VIII, 387 S.) gr. 8°. Stuttgart, M. Kielmann
1909. M. 6—-; geb. M. 7 —

Der Inhalt des Buches ift beffer als die Formulierung
feines Titels. Allerdings, Lefegottesdienfte, vom eignen
Pfarrer der Gemeinde gehalten, erfcheinen mir — obwohl
in manchen Gegenden üblich — als ein Unding
. Man denke fich den Paftor loci lefend am Jahres-
fchluffe (S. 250) oder am Nachmittage des .Konfirmations-
feftes' — E. kennt auch ein ,Adventfeft' — vor den Konfirmierten
(S. 191). Für Vielprediger, die in Feftzeiten
befonders überbürdet find, empfiehlt fich weit mehr:
Sammle Gedanken zu verfchiedenen Predigttexten in der
Zeit, fo haft du in der Not! Wohl aber kann das, was
die fachverftändigen Kollegen über Äußere und Innere
Miffion, Kirchengefchichte (fehr wenig!), Guftav-Adolf-
Verein, Evang. Bewegung oder über einzelne Themata
(Chriftentum und Tierfchutz, Einrichtung des Gotteshaufes,
chriftliche Freundfchaft, Ehrfurcht vor dem Alter, Gottes
Wille bei der Berufswahl ufw.) fagen, als erwünfchte und
dankenswerte Stoffdarbietung zur Behandlung in Neben-
gottesdienften begrüßt werden. Die im 2. Teil des Buches
ganz oder auszugsweife abgedruckten Feft- und Katechismuspredigten
von Joh. Arndt, Brenz, Kübel, Schleiermacher
, Luther, Herberger, Kingsley, Spener, Martenfen u. f. f.
bieten gewiß auch Gutes, zum Teil aber auch Antiquiertes
und laffen ein für ihre Auswahl maßgebendes Prinzip nicht
erkennen. Und ift wirklich ein Paftor fo geiftverlaffen,
daß er — wenn er fchon eine fremde Predigt vorlefen
will — nicht felbft eine geeignete zu finden vermöchte?
Der 3. Teil ,Liturgien für Feftzeiten' (foll heißen: Ordnungen
für liturgifche Feftgottesdienfte) fteht mit dem Thema
des Buches in keinem Zufammenhange; die hierbei vor-
gefehenen ,Anfprachen' find hoffentlich nicht wieder als
,Vorlefungen' gedacht. Ceterum censeo: Weg mit Teil
2 und 3; dafür reicherer Ausbau von Teil 1!

Breslau. Georg Hoffmann.

Referate.

Gerftung, F.: Das Opfer, das Grundgefetz der Welt. (120 S.) kl. 8°.
Berlin-Schöneberg, Proteftantifcher Schriftenvertrieb 1910. M. I.30
Indem Gerftung auf die Selbfthingabe Chrifti im Kreuzestode den
Begriff des Opfers anwendet, ftellt er feft, daß das Opfer in diefem
Sinne das Prinzip des Chriftentums ift, um daran die Frage zu fchließen,
ob diefes Prinzip in der Welt, wie fie ift, wirklich durchzuführen ift oder
nicht vielmehr mit den Gefetzen des Lebens und der Entwicklung im
Widerfpruch fteht. Im Gegenfatz zum Darwinismus, der den Kampf ums
Dafein für den Vater aller Dinge erklärt, führt er dann aus, wie ihm
das Gefetz des Opfers in der organifchen wie der anorganifchen Welt
übergeordnet ift. Dabei macht er allerdings einen fchweren methodifchen
Fehler. Der Opferbegriff erfährt doch fchon eine Umdeutung, indem er
auf den Kreuzestod Chrifti übertragen wird. Gerftung geht von diefem
umgedeuteten Begriff aus; aber anftatt nun zuerft nachzuweifen, wie fich
nicht nur das Leben der Menfchheit, fondern auch das Leben in der
Tierwelt nur erhalten kann durch die Selbftaufopferung der Individuen
zum Bellen der Gefamtheit, um dann Analogien dazu in der anorganifchen
Natur aufzufuchen, fängt er mit der letzteren an und erblickt in ,der
Differenzierung der urfprünglich einheitlichen Weltfubftanz in Elemente
den erften weltumfpannenden Opferprozeß' (S. 29). Dadurch wird
der Opferbegriff feines urfprünglichen Sinnes vollkommen entkleidet.

Auch fonft entbehrt die Gedankenführung der Gefchloffenheit und Klarheit,
fo daß man das Buch enttäufcht aus der Hand legt.

Osnabrück. Rolffs.

Hilbert, Pfr. Gerh.: Der moderne Perlönlichkeitskultus. (Beiträge

zu konfervativer Politik u. Weltanfchaug. I.) (19 S.) 40. Berlin,
R. Hobbing 1910. M. —40

Die .Beiträge zu konfervativer Politik und Weltanfchauung' führen
fich durch diefes I. Heft äußerft vorteilhaft ein. Hilbert verlieht unter
dem .modernen Perfönlichkeitskultus', gegen den er fich mit vornehmer
Entfchiedenheit wendet, in erfter Linie Nietzfches Herrenmoral, mit der
er fich fchon in feiner Schrift .Nietzfches Herrenmoral und die Moral
des Chriftentums' (Leipzig, Deichert 1910) auseinandergefetzt hat. Die
vorliegende Abhandlung ift eigentlich nur ein Ausfchnitt aus der früheren.
Sie nimmt die dort ausgefprochenen Gedanken wieder auf und führt aus,
daß man eine Perfönlichkeit wird nicht durch Selbftbejahung, fondern
durch Selbftverneinung, nicht durch Egoismus, fondern durch Liebe,
nicht in unbefchränkter Autonomie, fondern in fittlicher Abhängigkeit.
In diefe Abhängigkeit fchließt er die Anerkennung Gottes als des fitt-
lichen Gefetzgebers, wie als des Vergelters des fittlichen Strebens durch
Lohn und Strafe mit ein. Den Vorwurf des Eudämonismus, der fich
auf den letzteren Punkt gründen könnte, weift er durch die Erwägung
zurück, was aus der ganzen herrlichen Perfönlichkeit, zu der man fich
gebildet, am Ende werden folle, wenn fie nicht in Gott zu ewigem
Leben gegründet fei. Die Philofophie der Lebensbejahung, die auf diefen
Gedanken verzichtet, führt fich in der Tat felbft ad abfurdum.

Osnabrück. Rolffs.

Bau mann, Geh. Reg.-R. Prof. Jul.: Eine neue Nachfolge Jefu od. Moral-

chriften u. Wiffenfchaftsfreunde. Zum Weltkongreß f. freies Chriftentum
u. religiöfen Fortfehritt. (48 S.) 8°. Berlin, F. Wunder 1910.

M. — 75

Als realwiffenfehaftliche Gotteslehre vertritt B. einen philofophifchen
Gottesglauben, der wefentlich erfchloffen ift aus der Gefetzmäßigkeit der
anorganifchen Natur; Gott und Welt werden dabei fcharf unterlchieden.
Die Elemente, körperliche wie geiftige, exiftieren in anderen Verbindungen
ftets weiter, nichts geht verloren. Natürliche und menfehliche Verhältniffe
find der Umgeftaltung fähig; daran follen wir arbeiten, dabei das Charak-
teriftifchfte von Jefu Lehre befolgend, daß nämlich des Menfchen Größe
im Dienen befteht. B. hat zur Begründung diefes Programms, deffen
Herausgabe auf den Weltkongreß für freies Chriftentum und religiöfen
Fortfehritt bezug nimmt, eine fo bunte Fülle von Tatfachen und Beobachtungen
aus den verfchiedenften Wiffensgebieten vorgebracht (Naturphilo-
fophie, Religionspfychologie, Kulturgefchichte, Nationalökonomie, Pädagogik
— kein Beurteiler wird alle Einzelheiten nachprüfen können), daß die
kurze Schrift ihren Rahmen fprengt.

Halle a. S. H. Mulert.

Wichtige Rezenfionen.

Von Lic. theol. Paul Pape in Berlin NO. 55, Belforter Str. 28

Bezügl. Hinweise und Sendungen sind jederzeit erwünscht.
Schubert, v.: Das ältefte germanifche Chriftentum (v. V. Schultze: Th-

Ltbl 1910, 13; v. Rinn: ZevgRelUnt 22, 2, 1910; v. G. Ficker: Th-

Rdfch 1911, 6).

Schultz: Dokumente der Gnofis (RevIntTh 1910, oct-dec; v. P. Heinlfch:

ThRev 1911, 4; v. G. Ficker: ThRdfch 1911, 6; v. L. Salvatorelli:

Cultura 1911, 8; v. Leipoldt: ThLtbl 1911, 18).
Schürer: Gefch. des jüdifchen Volkes (v. Schm.: LtZtrbl 1910, 1; v. J.

Boehmer: Studft 1910, 9; v. G. H. Box: RevofThPhil 1910, aug; v.

Hoberg: LtRdfchKathDtfchl 1910, 8; v. Drüner: ZevgRelUnt 22, 3,

1911; v. Haußleiter: ThLitber 1911, 5).
Schwalm: La vie privee du people juif (v. J. C. Matthes: TeylersTh-

Tijdsch 1910, 1; v. G.: BiblZ 1910, 2; RevBibl 1910, 4; v. A. Dunker:

LtRdfchKathDtfchl 1911, 7).
Schweizer: Ambrofius Catherinus Politus (StMarLaach 1910, 7; v. O.

Clemen: ZKgefch 1910, 3; v. A. Weiß: AllgLtbl 1910, 11; v. J. M.:

LtZtrbl 1911, 3; v. K. Schottenloher: LtRdfchKathDtfchl 1911, 7; v.

Schmidt: MttlgHiftLit 1911, 4).
Seeberg, A.: Chrifti Perlon u. Werk (v. G. M.: RevIntTh 1910, juill-

sept; v. Windifch: ZWfchTh 52, 4, 1910; v. A. S. Martin: RevofThPhil

1910, july; v.Bachmann: ThLtbl 1910, 16; v. Th. Schoell: AnnBiMTh

1911, 8/9).

Seeberg, R.: Dogmengefchichte (v. A. S. Martin: RevofThPhil 1910, july;

v. A. Bukowski: AllgLtbl 1910, 6; v. F. v. Dahlen: ibid. 1911, 4).
Seidel: Die Lehre vom Staat bei Auguftinus (v. Zänker: ThLtbl 1910, 18;

v. J. Flamion: RevHistEccl 1910, 4; v. Hertling: LtRdfchKathDtfchl

1910, 7; v. J. Friedrich: DtfchLtz 1911, 3I.
Seil: Katholizismus u. Proteftantismus (v. Kattenbufch: ThRdfch 1910, 3;

v. Meinhold: ZevgRelUnt 22, 1, 1910; v. Mathies: AllgLtbl 1910, 16;

v. Gfpann: ibid. 1911, 4).
- Chriftentum u. Weltgefchichte (v. G. Ficker: ZKgefch 1910, 3; v.

Windifch: ZWfchTh 52, 4, 1910; v. H. Lietzmann: ibid; Studft 1910, 8;

v. G. Grützmacher: ThLtbl 1910, 20; v. G. Ficker: ThRdfch 1910, 12;

v. Uckeley: ThLtber 1911, 5).
- Die Religion unferer Klaffiker (v. H. D. A. Mayor: RevofThPhil

1910, june; v. K. Girgenfohn: ThLtbl 1910, 21; v. E. Schmidt: ZWfchTh
53, 4, 1911).

Skinner: Comment. on Genesis (v. T. K. Cheyne: RevofThPhil 1910,
sept; v. A. Condamin: RevPratApol 1910, sept; v. E. König: ThLtbl