Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1911

Spalte:

709-711

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hänel, Johannes

Titel/Untertitel:

Die außermasorethischen Übereinstimmungen zwischen der Septuaginta und der Peschittha in der Genesis 1911

Rezensent:

Diettrich, Gustav

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

Theologifche Literaturzeitung 1911 Nr. 23.

famkeit im wefentlichen auf die Übereinftimmungen, mit
denen fich P auf ©-Lesarten bezog, die von allen
Handfchriften gleichmäßig bezeugt wurden, die alfo von
vornherein den Stempel der Urfprünglichkeit an fich
trugen, fo war der Gedanke an lucianifche Rezenfions-
arbeit ausgefchloffen. Vielmehr waren es zwei andere
Wege, die zur Erklärung diefer auffallenden Erfcheinungen
offenblieben. Entweder war die hebräifche Vorlage der
fyrifchen Überfetzung näher als imfer maforethifcher Text
an die ©'s heranzurücken, fo daß die beiden Verfionen

überhaupt in einer abendländifchen Sprache aufzutreiben. Gleich der
Anfang des Textes (wo etwa getagt fein will: ,Das Sein (Tao), davon
fich fagen läßt, es fei, ift nicht das ewige Sein') wird nicht vielen
fonderlich verftändlich fcheinen wollen, wenn fie bei W. lefen: ,Der SINN,
deu mau erfinnen kann, ift nicht der ewige SINN. — Und nicht für
fonderlich glücklich kann ich ferner die Wahl der Überfetzung ,der Berufene
' für das fo oft wiederkehrende sheug jen (der vollkommene Weife
oder Heilige) halten.

Große Befchränkung hat W. in feiner Erklärung des
Textes, die auf die Gefchichte der Deutung überhaupt
nicht eingeht, fich auferlegt. Nichtsdeftoweniger bietet er

m diefer, indem er auf bislang nicht verwertete chine- , infame Lesarten bringen müffen, die jenem verloren
fifche Quellen zuruckgnff, auch e.n japantfehes koimnentar- , | oder nje bekannt geworden find fo in gewiffem

W^^zunnt^mz^^dltV^d^^opaK^ gj^e Herbft, Dathe, Hirzel), oder es war eine direkte
Literatur nur fehr nebenfachheh beruckficht.g e, nicht ; B ahme 'p.fl auf'm jn ^wa £ "eg*
wenig Neues. Daß es ihm gefliffentlich nicht darum zu : aljfi teueren)
tun war, ,aus den vorhandenen europäifchen Büchern ' .,

wieder einmal ein neues zufammenzuftellen', das eben ift ! - Diefer gefchichthche Uberblick gibt H. die Unteres
, was m.E. feiner Arbeit ihren fonderlichen Wert verleiht, i g*g?n «. feinem Problem und deren Anordnung. Zuvor
In etwas fchwankend ift w. offenbar bezüglich der rechten Deutung i »teilt er S. 4—24 den Archetypus der überlieferten Pe-

des Ti am Ende von Kap. 4. Die Beziehung diefes bei Laotszc nur hier 1 fchitthatexte feft und gibt S. 25—38 ein limfaffendes

vorkommenden Ausdrucks auf die großen Herrfcher der Urzeit (Einleit. Verzeichnis der Übereinftimmungen, die Zwifchen P einer-

S. XX; anders wieder im Text S 6) aber, für die lieh allerdings auch j fcjfc unfj jen Lesarten @'s andeifeits beftehen, «deichviel

Parker in feiner neuerlichen Überfetzung entfchieden (I do not know , , ., u je u 10. j ' ö'T""^" "

whose offspring it [Tao] is, but indications suggest what is anterior to ! ob letztere von allen Handfchnfteil oder nur von einzelnen

any monarchs) erfcheint mir gänzlich ausgefchloffen. Wie follte Laotsze ! Gruppen vertreten find. Endlich auf S. 39—87 (der
nach allem Hohen, was er fonlt von feinem oberften Weltprinzip ausfagt, Urfprung der außermaforethifchen Übereinftimmuno-en
auch nur zum Aufwerfen der Frage kommen, ob Tao nicht felbft den zvvifchen © und P), wendet er fich dem Kernpunkte der
göttlichen Herrfchern voraufgehe? Ich würde meinen, die Streitfrage T Tnrf>,.r 1 .... 11 -n j_r> M fi-l.il c u :el

fchon durch einfachen Verweis auf Chuang-tsze lieh. VI, 7 erledigen zu j Untei iuchung zu. H. weiß, daß CT, II I hier fichereSchritte

können, wenn mir fein Nan-hoa-king nur leider nicht bloß in den zwei [ tun ZU können, die Art der griechlfchen Ulld fyrifchen

englifchen Verfionen von Legge und Giles vorläge, die eben auch hier | Überfetzung kennen muß. Für jene beruft er fich auf
wie hundertfach fonft fo wenig zufammenftimmen, daß man an beider Swete, diefe flicht er S. 39—46 felbftändio- ZU ergründen
Überfetzungsknnft irre wird. Legge (SBE. vol. XXXIX p 243) hat: A f diefe prole„omena f lgt dje Ventilierim" der drei
,From It fthe Tao came the mystenous existences of spints, from It the . . & ■• 5 , . „ &,. , , .

mwteiwün^M of God ( I i), a produced heaven. It produced 1 im gefchtchtlichen Uberblick angedeuteten Möglichkeiten.

earth. It was before the Thäi ki'. Bei Giles dagegen lautet der ent- j S. 46—52 (Lucian und die Pefchittha) fchließt mit dem

fprechende Palfus nur: .Spiritual beings drew their spirituality therefrom, Urteil: Lucian hat nicht die Pefchittha für feine ReviflOll

while the universe became what we cm see it now. To Tao, the Matth j benutzt. S. 52-68 (die Verwandtfcliaft der hebräifdien

is not lieh' (Man mag hieraus lernen, was man riskiert, wo man fich __, J ^ jv n 1 1 n n ■ _ ~MW"

dermalen für Weiterfchlüffe auf eine finologifche Autorität meint ftützen | Vorlagen von © lind 1 ) kann den Schluß nicht umgehen,

zu dürfen!). — Zu w. Erklärung von Kap. 42 (vgl. Einl. S. XXIII): ,Das daß die hebräifche Vorlage der Pefchittha der der grie-

Tao gebiert I, I gebiert 2, 2 gebiert 3, 3 gebiert die Myriaden Wefen' chifchen Überfetzung wefentlich näher fleht, als dies bei

endlich fei mir verftattet zu bemerken, dal keiner der vier oder fünf dem maforethifcheil Texte der Fall ift S 68—87 (Ah-

Roshi-Kommentatoren, deren Vertländnis diefes Paffus ich anziehen kann, Us-j-t-a ,i__ p-f-ujtfi,., „„,, ,< ' • 1

hier etwas von dem Tieffinn der rationalen Philofophie Hegels weiß. Das Bangigkeit d« J elch ttl .l vou dei Septuaginta) kommt

Eine ift ihnen allen das aus feinem Überfein oder aus feiner abfoluten 7A dem Kelllltate, daL5 (M bei der Herftellllllg der fyri-

Tranfzendenz in das Sein heraus- oder herniedertretende und damit nennbar fchen Überfetzung verwertet ift. Die Summa feiner

werdende, von ihnen mit dem LT-K'i, der noch chaotifchen Lebenskraft, Unterfuchllllg zieht Hänel mit folgenden Worten' Die

1^^^^^£^^SX7^ ihnen j ^^^/f^^^t^ .^^»«T^
SöÄV^^ Grundpotenzen Himmel, Erde, Menfch. ' JjggfJ•'J* P laßt_ fich nicht mit Hilfe einer einheit-

H „ . hchen Methode geben. Wahrend allerdings eine Benutzung

Heidelberg._____inans Haas. | p.s durch Lucian für di? Genefis ausgefchaltet ift, läßt fich

Hanel, Ücjohs.: DieauBermalorethilchenÜbereinftimmungen Entwickelu von.gemeinfamem hebräifchen Boden eine

zwifchen der Septuaginta u. der Pelchittha in deruenelis. zweite gleichberechtigte Erklärungsmöglichkeit zur Seite

(Zeitfchrift f. die altteft. Wiff. Beiheft XX.) (88 S.) ftellen, die über einen unmittelbaren Anfchluß P's an

Gießen, A. Töpelmann 1911. M. 3.60 feine Schwefterüberfetzung ausfagf (S. 86).

tv -p'. 1 1 „Ji.^Jp,, Vprnrfenrlirhiimr ift zwei- „. .„DIe ünterfuchung ift mit viel Sorgfalt, Ruhe und Umficht geführt
Der Titel der vorliegenden Veronentlicliung 11t zwei Sie .ft dn tUchti ecimen erudition! das zu fchönen Erwartungen
deutig. Es gibt nicht nur eine hebräifche, fondern auch
eine fyrifcheb Mafora, cfr. meine .Mafforah der örtlichen
und weftlichen Syrer in ihren "Angaben zum Propheten
Jefaia', London 1899. Hänel" unterfucht die Übereinftimmungen
, welche die Septuaginta (®) und die^ Pefchittha
(P) im Gegenfatz zu dem Texbeftande unferer
hebräifchen Bibel (TO) aufweifen. Das Problem, an
das er fich damit heranmacht, hat, wie die Einleitung
S. 1 —3 darlegt, feine Gefchichte. Richtete fich die Auf-
merkfamkeit auf die Übereinftimmungen, mit denen fich
P bloß auf eine Gruppe unter den ©-Handfchriften bezog,
fo war der Schluß fchlecht abweisbar, daß die Gruppe, deren
Eigenart gegenüber den Schweftergruppen in jenem engen
Verwandtfchaftsverhältnis zu beftehen fchien, aus einer
fpäteren Verarbeitung P's in die alte ©. ihre Sonder-

v— ■----er ____j__

_--------7----

für die Zukunft berechtigt. An Ausftellungen notiere ich nur Folgendes:
Unter den Textzeugen, die für die Herftellung des Archetypus der Pefchittha
auf S. 5 f. aufgezählt werden, vermiffe ich die Scholien des
Neftoriancrs Theodor bar Koni, die Lewin (Berlin 1905) zu Gen. 12—50
herausgegeben hat. Die Bibeltexte der fyrifchen Kirchenväter find höher
zu bewerten als H. annimmt. Er kennt nur Aphraates und Barhebraeus.
Hätte er Iso'dddh und Dionysius bar Salibhi nach den bisher veröffentlichten
Partien gekannt, fo würde er das generelle Urteil auf S. 10,
Z. 3 f. nicht ausgefprochen haben. — Bei den Erörterungen über den
lucianifchen Genefistext Hellt fich H. S. 46 auf den Standpunkt von De
Lagarde. Das ift etwas dürftig. Wo bleiben die Arbeiten von Dahse
(ZATW. 1908), Hautfeh (Der Lukiantext des Oktateuch, Berlin 1910) und
Anderen? — Die liuchftabenänderungen, die H. S. 43 f. aufzählt, find
nur z. T. dem fyrifchen Überfetzer zuzufchreiben. Die in den Pefchitta-
Handfchriften fehr häufigen Vertaufchungen von 1 und 3 oder "1 und "1
kommen, anch wenn fie öftlichen und weftlichen Handfchriften gemein-
fam find, faft immer auf das Konto der Abfchreiber des hl. Textes.
Und auch da, wo fie dem Überfetzer zugefchrieben werden müßten, find

ür niehl ™------V.._:r-V.. D--U/V_l---J

geftalt gewonnen habe. Und da das Intereffe nur an der : fie nicht immer mechanifche liuchftabenänderungen, fondern vielfach
für lucianifch ausgegebenen Gruppe haftete, fo lag die ^He^

Foltreruncr nahe daß Lucian zu feiner ©-Revifion P be- £ 1' 41 a 2HebrLa,fcnen ins Armäifche (fo Wik

r oigerung naiie, uaia ouuau z-u 25i 18; zo 32 und v,elleicht auch Riss ■,(, ÄO Das Beifniel

nutzt haben müffe (fo Dr.ver, Stockmeyer, Neftle für ^JS xnrnB s. l8> z. 2of ^ d?n4°»ufam^h^
einige Bücher). Richtete fich hingegen die Aufmeik- Nicht #1 um, wie es s. 63, z. 9 heißt, fondern nur »na Mm(7, 3