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Ausgabe:

1911 Nr. 22

Spalte:

700

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Grunwald, M. (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Mitteilungen zur Jüdischen Volkskunde. 14. Jahrg. 1911. 4 Hefte 1911

Rezensent:

Fiebig, Paul

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699 Theologifche Literaturzeitung 1911 Nr. 22. 700

trefflich ift, mit den nötigen Karten, Zeittafeln und Worterklärungen
im Anhang des Alten und Neuen Teftaments,
macht es von vornherein nach Form und Inhalt einen
fympathifchen Eindruck. Es will und kann der Jugend
bis zum 16. Jahre ohne Unterfchied der Schulart dienen,
und zwar fo, daß es eine befondere biblifche Gefchichte
überflüffig macht und auf die Vollbibel vorbereitet. Bei
der Auswahl, die in erfter Linie nach pädagogifch-reli-
giöfen Gefichtspunkten erfolgt ift, aber die theologifche
Wiffenfchaft der Gegenwart gewiffenhaft berückfichtigt
hat, ift mit Erfolg das Wertvolle, nicht das Mögliche zum
Maßftabe genommen; immerhin vermiffe ich Einzelnes,
z. B. die zweite Hälfte von Pfalm 19 nur ungern; und
Num. 6,23—27 hätte wohl eine befondere Uberfchrift erhalten
müffen, nicht unter ,die Kundfehafter' untergebracht
werden dürfen. Von den Evangelien ift Marcus ganz, die
andern nur ergänzend wiedergegeben. Auch die Auswahl
aus den Briefen ift gefchickt. Zugrundegelegt ift überall
der Luthertext, aber ftiliftifch, wiffenfchaftlich und päda-
gogifch, wo es nötig fchien, berichtigt. Dargeboten find
überall literarifche Einheiten, nie aus dem Zufammenhange
geriffene Verfe. Poefie ift auch äußerlich als folche gekennzeichnet
. Im Text und am Rande fehlt völlig die
Verseinteilung, was für den Schulgebrauch vielleicht doch
eine Schwierigkeit ift. Oben auf der Seite ift jedesmal
das Kapitel, über jedem Abfchnitt eine — meift recht
zweckmäßige-Uberfchrift gegeben. Das Ganze will Freude
und verftändnisvolles Intereffe wecken und fördern und
ift fehr zu empfehlen.

Frankfurt a/Main. W. Bornemann.

Referate.

Revay, Dr. Jözfef: Minucius Felix. (Aus: Egyetemes Philologiai Köz-
löny 1911.) Budapeft 1911. (32 p.) gr. 8"
Der Verf. diefer Abhandlung befpricht zuerft die Bedeutung, die
handfehriftliche Überlieferung, die Ausgaben und die Literatur des .Octavius'
von Minucius Felix. Dann beftimmt er den Inhalt, die Anlage und den
Zweck des Werkes. Letzteren erfchließt er aus feinem Zufammenhange
mit Cicero's ,de natura deorum' und meint, Minucius Felix wollte zu
diefem Werke Cicero's ein chriftliches Gegenftück bieten, in dem er die
heidnifchen Gegner des Chriftentums mit den Waffen ihrer Philofophen
widerlegt. Die Perfonen des Werkes gelten ihm als gefchichtlich, aber
das Werk felber ift eine Dichtung. Einen ihm eigentümlichen Standpunkt
nimmt der Verf. in der Beftimmung der Zeit der Octavius ein, von dem
er eine neue Wendung in der Minuciusforfchung erwartet. Auf
Grund der äußeren Zeugnifle fetzt auch er den Octavius hinter Tertullian,
aber von Cyprians ,Quod idola dii non sint' — das gewöhnlich zur Beftimmung
des terminus ante quem dient — leugnet er nicht nur mit
Harnack u. A. die Verfafferfchaft des Cyprianus, fondern behauptet auch,
daß diefes Werk Minucius Felix aus dem Apologeticus des Tertullian
um 211 exzerpiert habe, um dann auf diefer Grundlage den Octavius zu
fchreiben. Somit ftellt fich das Jahr 211 als neuerer terminus post quem
heraus, während das Todesjahr Cyprians (249), der den Octavius benutzt
hat, als terminus ante quem beftehen bleibt. Verfchiedene Erwägungen
führen dann zu den Jahren 221—234 und endlich die Vermutung, daß
die Bekehrung des Caecilius Natalis den Anftoß zur Verfaffung des Octavius
gegeben habe, auf die Zeit um 220 als die Zeit der Abfaffung unferes
Werkes. Den Wert und die Haltbarkeit diefes Inhaltes obigen Werkes
mögen die Fachmänner beurteilen.
Preßburg. Georg Daxer.

Gwatkin, Prof. Flenry Melvill: Early Church History toa. d. 313. in

two volumes. London, Macmillan and Co. 1909. (XII, 310 a. VI,
376 p.) gr. 8" s. 17 —

Verfaffer, nach dem Titel Herausgeber einer Auswahl von Quellentexten
aus dem gleichen Zeitraum (vgl. ThLZ 1894 Nr. 14) und, was
noch mehr fagen will, (feit 1882) fpezieller Mitarbeiter an den Forfchungen
über Arianismus, gibt hier einen Abriß der frühen Kirchengefchichte,
der an Zuverläffigkeit der Mitteilungen, nüchterner Abwägung der
Forfchungsrefultate und Weitblick der Darfteilung im allgemeinen nichts
zu wünfehen übrig läßt. Sein befonderes Anliegen ift, das Anwachfen
des Chriftentums in Verbindung mit der allgemeinen Zeitgefchichte dar-
zuftellen; das gefchieht in breit erzählender Darftelluug, unter Verzicht
auf ein Syftem von Haupt- oder Unterabteilungen. Auf Anwendung der
religionsgefchichtlichen Perfpektive wird bewußt Verzicht geleiftet, was
der Schilderung wichtiger Bewegungen (Gnoftizismus) nicht gerade zum
Vorteil gereicht. Überhaupt ift mir zweifelhaft, ob G. alles, was an
Problemen gerade der jüngfteu Zeit bis zum Erfcheinen feines Buches
zutage gefördert ift, wirklich berückfichtigt hat; die fpärliche Literaturangabe
am Ende der einzelnen Kapitel dient weniger zum Beleg feiner
Ausführungen als der Beftimmung, den Lefer im Studium weiter zu
fördern. Mit Vorliebe (Kap. über Manichäismus) ftützt fich G. auf

Möller- von Schuberts Lehrbuch der KG. Seine Abficht, gegenüber unwiffen-
fchaftlichen und unkritifchen Methoden (Traktarianer I 6) eine folide
Grundlage zu fchaffen, wird man als erreicht anfehen dürfen. Daneben
fchlägt eine apologetifche Abficht in der Richtung auf einfaches pofitiv-
biblifches Verftändnis des Chriftentums überall durch.

Betheln (Hann.) D. Hennecke.

Mitteilungen zur JÜdÜChen Volkskunde. Herausgegeben von Rabb. Dr.
M. Grunwald. 14. Jahrg. 1911. 4 Hefte. Wien (XV, Maria-
hilferftr. 167).

Das find wertvolle Hefte, die vieles Intereffante enthalten, z. B.
Volkslieder, Spezialgefchichte jüdifcher Gemeinden, jüdifche Namenkunde
, jüdifche Schulgefchichte ufw. In dem 1. Heft des 14. Jahrganges
findet fich auch die Überfetzung des Midrafchwerkes Zeena ureena.
Gotha. Fiebig.

Grützmacher, Prof. D. R. IL: Die Jungfrauengeburt. 2. verm. u. verb.

Aufl. 6—10. Tauf. (Biblifche Zeit-u. Streitfragen. II. Serie. 5. Heft.)

(48 S.) 8°. Gr. Lichterfeldc-Berlin, E. Runge 1911. M. —50

Mit vollem Ernft verteidigt hier ein deutfeher Gelehrter des 20. Jahrhunderts
die Gefchichtlichkeit der jungfräulichen Geburt Jefu. ,Die Gewißheit
von der Gottheit und Sündlofigkeit Chrifti von Anbeginn' wird
ihm .durch die Verkündigung von der Jungfrauengeburt fundamentiert.'
Als alternde Frau hat Maria von dem Ereignis aus der Zeit ihrer Jung-
frauenfehaft erzählt; und die Kunde von diefer wunderbaren Geburt hat
fich dann weiter verbreitet. Allerdings ift nach G. ,der Gedanke an die
Gottheit als finnlichen Erzeuger des Jefuskindes ganz unmöglich'! ,Gott
tritt nicht in der Rolle des Mannes, fondern in der des Schöpfers bei
Jefu Geburt auf'J

Gotha. Fiebig.

Mitteilungen.

63. Alexanders Zug nach dem Paradiefe. Im Rhein. Muf.
für Phil. N. F. Bd. LXVI. 1911. S. 458fr. hat Friedrich Pfifter
einen für Theologen und Orientaliften intereffanten Beitrag veröffentlicht,
auf den ich die Aufmerkfamkeit lenken und den ich in einigen Punkten
ergänzen möchte. Zu dem Orte diaßä, wo Alexander ins Land der
Seligen eintrat, vergl. die „Überfahrtsftelle" im Gilgamefchepos X7lff.
(Das Gilgamefchepos iiberfetzt von Ungnad und erklärt von Grefs-
mann. 1911. S. 46. 137L). Ich habe dort auch die anderen griechifchen
Parallelen aus dem Alexanderroman geftreift (S. 152 fr. 164 fr.) und zu be-
weifen gefucht, daß in der Alexanderfage Nachwirkungen des Gilgamefchepos
enthalten feien (S. 182 ff.). Zu der „Schlucht" findet fich dort keine
Parallele (vgl. S. 164), aber es find drei verwandte Vorftellungen: Der
Himmel oder das Land der Seligen ift umgeben 1. von einem unüber-
schreitbaren Meer (später weiter ausgemalt ,Hinkendes Meer', .Sandfluß')
oder 2. von einem unüberfteigbaren Gebirge oder 3. von einer unüberbrückbaren
Kluft. In diefe letzte Kategorie gehört auch Luk. 16, 26.

Berlin-Weftend. Grefsmann.

64. Mofaikfunde in Aquileja. In Aquileja, im 4. Jahrhundert
einer der neun größten Städte der Welt, Aufenthaltsort des Rufiuus, jetzt
einfam gelegenem Flecken, werden gegenwärtig unter dem Dom (aus der
erften Hälfte des 11. Jahrhdts., im 14. reftauriert) umfaffende Funde
an Mofaiken gemacht, die fich vermutlich in nichts von den altrömi-
fchen uuterfcheiden (vgl. die 1899 im Mittelfchiff von S. Cecilia in Tras-
tevere-Rom aufgedeckten, die man auf das Haus der Caecilier zurückführte
). Geringe Spuren davon, in gleicher Höhe mit der Krypta liegend,
waren fchon bisher bekannt — es wird fich um die altchriftliche Bafilika
handeln —, und auch fonft in der nächften Umgebung der Kirche zahlreiche
römifche Baurefte und Sarkophage aufgedeckt. Auch das Baptifte-
rium ift bekanntlich an der weltlichen Schmalfeite der Kirche in den
Rudimenten erhalten. Vgl. das Monumentalwerk von Karl Grafen Lancko-
ron'ski, Wien 1906 bei Gerlach u. Wiedling (mit Beiträgen zur Erfor-
fchung der örtlichen Märtyrer- u. Heiligengefchichte); einige Anflehten
bei Rivoira, Le origini della architettura lombarda. Über Infchriften-
funde s. meine Notiz ThLZ 1907, Sp. 665. Aquileja fleht kirchlich unter
Görz, deffen Fürftbifchof Exz. Monfg. Franz Borgia Sedej Ehrenpräfident
des Bafilikavereins von Aquileja ift.

E. Hennecke.

65. Epiphanius und der „vorchriftlich e Jefuskult". Da
die Stelle Epiphanius haer. 29, 5.6 in dem gegenwärtigen Streit über
einen vorchriftlichen Jefuskult eine gewiffe Rolle fpielt, tue ich vielleicht
der Sache einen Dienft, wenn ich den handfehriftlichen Tatbeftand mitteile.

Der Text des Abfchnitts fleht auf den beiden Zeugen V(aticanus)
und M(arcianus), über deren näheres Verhältnis ich TU Bd. XXXVI, H. 2
zu vergleichen bitte. V ift von einem Korrektor durchgefeilt worden,
der zwar auf Grund von Handfchriften arbeitete, aber aus ihnen nicht
bloß richtigere Lesarten, fondern auch grammatifche Verfchlimmbeffe-
rungen entnahm (= Vcorc.). — Neben V und M kommt U(rbinas) nicht
in Betracht; denn U ift eine Abfchrift von V. Aus U find wieder der
Jenensis und der Rehdigeranus gefloffen d. h. diejenigen Handfchriften,
auf denen die älteren Ausgaben hauptfächlich beruhten.

Die Sätze, auf die es ankommt, lauten nun

0 °- 5; 85, 13 ff. Dindorf xovxo xö ö'voiia imxtd-eaoiv bavxolq toi"
xaXela&at Na^wgaiovg ' ovyl Natyoalovg, xö igttrjvsvöftEvov %yia<s-
fiivovg. ( xovxo yäg xolg xö naXqiöv nowxoxöxoiq xal &eö> ä<ptEQ<o-
9-Elaiv yntjQXEv xö äq~iwLia, ö>v Elg vnijQXEV ö 2a/xyjvjv xis.

Die Worte ovyl NaX,igttiovg find in M ausgefallen. Offenbar vermöge
der Gleichendung mit Na^viQCtiovq. Daß aber hier etwas herein-