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Ausgabe:

1911 Nr. 21

Spalte:

645-646

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ginzel, F. K.

Titel/Untertitel:

Handbuch der mathematischen und technischen Chronologie. 2. Band 1911

Rezensent:

Holtzmann, Oskar

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Theologifche Literaturzeitung 1911 Nr. 21.

646

d-Ußuv, frvola u. v. a. oft im fah., aber nie im boh. Pfalter.
Aber andrerfeits ift die Verteilung auf drei Liften doch
recht unbequem und fachlich nicht recht begründet. Manche
Wörter muß man in zwei, manche, wie z. B. dyufröq,
aoeßr]q, yag, yevsü, 'i&voq, eXnlq und iXxKfitv, fogar in
allen 3 Liften fuchen, weil fie an der einen Stelle nur im
Boh., an der anderen nur im Sah., an der dritten in beiden
Dialekten vorkommen, und doch ift es, wie auch Weffely
öfters hervorhebt, in der Regel die reine Willkür, daß der
eine Überfetzer fie hier, der andere dort verwendet. Etwas
gemildert wird allerdings die Unbequemlichkeit dadurch,
daß in der dritten Lifte zugleich ein .allgemeines Verzeichnis
der griechifchen Fremdwörter im koptifchen
Pfalter' gegeben wird; aber der Notwendigkeit, die beiden
anderen Liften fortwährend zu vergleichen, wird man
dadurch nicht überhoben. Richtiger wäre es wohl gewefen,
das Material in einer einzigen Lifte zu bieten; dabei würde
fich die Verteilung der griechifchen Wörter auf die beiden
Dialekte mindeftens ebenfo gut haben darfteilen laffen.

Weffely bietet viel wertvolles Material, aber vollftändig
ift es nicht.

Z. B. tührt er auf S. 30a (unter (/?'/) und 31b (unter ovxit für die
Wiedergabe des griech. ov%i in Fragefätzen durch mh nur fah. boh.
Pf. 13,4; 38,7 (beffer 38,8) und boh. Pf. 93,9 an, aber nicht fah.-boh.
Pf. 43, 22; 52,5; 59,12; 61,2; 107,12; übrigens ift die Gleichfetzung von
ovyl und mh auch gar nicht richtig, denn ovyi wird an allen Stellen
durch die kopt. Negation wiedergegeben und mh bloß als Einführungspartikel
für die Frage verwendet. Ganz fehlt die häufige Wiedergabe von
xat durch Tse (in beiden Dialekten Pf. 72, 22; 87, 14; 108, 21. 28, fah. Pf.
1, 6; 6,4; 34,20; 72,23; 74,11; 88,28; 89,10; 117,11. 12). Zwei Lehnwörter,
not (fah. Pf. 118, 104 =■ awievai) und c-ocon (fah. Pf. 103,33; 145,2
= Fcuc), kommen bei Weffely überhaupt nicht vor.

Alles dies vermißt man ungern, denn gerade diefe
Fälle, in welchen die Überfetzer griech. Wörter verwenden,
die im griech. Originale felbft gar nicht fliehen, find be-
fonders lehrreich, da fie beweifen, daß die Kopten fich
diefe Lehnwörter ganz angeeignet haben (dies zugleich
zur Warnung für diejenigen, welche kopt. Texte zur Wie-
derherftellung der griech. Originale benutzen wollen, damit
fie nicht glauben, wo im Kopt. ein griech. Wort vorkommt
, müffe dasfelbe ftets auch im Original geftanden
haben). Sonft ift befonders zu rügen, daß Weffely die
Varianten des griech. Pfaltertextes nicht genügend be-
rückfichtigt hat; z. B. fagt. er S. 4b. 36a(j in Pf. 135,1
werde in beiden kopt. Überfetzungen ayafroq durch
5CPHCTOC wiedergegeben, obwohl die älteften griech. Hff.
(und daher auch Swete) %Q7]Oz6q bieten.

Göttingen. Alfred Rahlfs.

Ginzel, Prof. F. K.: Handbuch der mathematilchen u. tech-
nilchen Chronologie. Das Zeitrechnungswefen der Völker
dargeftellt. II. Bd. Zeitrechnung der Juden, der Naturvölker
, der Römer u. Griechen, fowie Nachträge zum
1. Bde. (VIII, 597 S.) gr. 8°. Leipzig, J. C. Hinrichs
1911. M. 19 geb. M. 22 —

Der erfte Band diefes ,Neuen Ideler' ift von Schürer
1906, S. 569 fr. angezeigt und freudig begrüßt worden.
Schürers Bemerkungen behalten großenteils auch diefem
zweiten Band gegenüber ihre Geltung. Man erftaunt über
die Menge von Fragen und die große Unficherheit, die
auch auf fo reichlich bearbeitetem Boden, wie dem der
römifchen und griechifchen Chronologie noch überall
herrfcht. Dem Theologen kommt dabei erft recht zum
Bewußtfein, was das leicht hingeworfene dxo ntQVOi des
Paulus II Kor. 8,10; 9,2 alles heißen kann. Allerdings
beruht diefer Eindruck auf dem befondern Arbeitsziel
Ginzels. Er will ,über den Stand des gegenwärtigen Fort-
fchrittes auf dem Gebiete der — Chronologie orientieren
und das Zurückgehen und Einarbeiten in die SpezialLiteratur
erleichtern' (S. 161); er will ,bei den einzelnen
Fragen das Für und Wider der Meinungen in den Punkten,
auf die es ankommt, vorführen und auf die Vorgänge und

'■ Schwächen der einzelnen Anflehten aufmerkfam machen'
| (S. 297). Wo eine Frage noch nicht entfehieden werden
i kann, da will Ginzel doch von den über fie ,entftandenen
Hypothefen handeln' (S. 341). So ift eine überaus umfangreiche
Literatur in diefem Bande verarbeitet, wie der
Verfaffer mit Recht gelegentlich felbft hervorhebt (S. 297).
Sehr wertvoll find die dem Bande beigegebenen Tafeln
(Aufgänge und Untergänge der Hauptfterne; Sonnen- und
Mondfinfterniffe für Rom und Athen; Neumonde von
100 v. bis 308 n. Chr; Vollmonde von 500 v. Chr bis 100
n. Chr; chriftliche, varronifche und Olympiadenrechnung
mit Berechnung des Sommerfolftitiums von 500 v. bis
300 n. Chr; die attifchen Archonten von 683 bis 31 v. Chr.).
Alle diefe Tafeln hat Ginzel nach S. 208 felbft berechnet.
Wertvoll war dem Referenten, daß Ginzel des öftern (S. 318.
392. 493) betont, ,daß unfre Mondtafeln für fehr zurückliegende
Zeiten den Mondort nur fehr ungenau liefern';
! das wird S. 392 allerdings bedeutend eingefchränkt.

Wichtig für den Theologen ift vor allem die Behandlung
der israelitifch-jüdifchen Chronologie. Es ift begreiflich
, aber bedauerlich, daß Ginzel über das Alter der einzelnen
Quellen hier nicht im Klaren ift. S. 54 werden
Jefaja, Hofea, Arnos zwifchen Ezechiel und Esra in die
nachexilifche Zeit geftellt; fo kann z. B. Arnos 8,4. 5
nicht richtig verwendet werden. Ebenfo wird S. 12 ein
wichtiger Schluß daraus gezogen, daß ,die Bücher der
Könige in einer viel fpäteren Epoche entftanden find als
der Pentateuch'. Die große Belefenheit und das reiche
Wiffen Ginzels fteht auch hier außer Frage. Aber das
Hauptverdienft des Werks ift auch hier der Hinweis auf
die fchwebenden Fragen und die Angabe einer umfang-
; reichen Literatur.

Gießen. Oscar Holtzmann.

Klein, Rabb. Prof. Dr. Gottlieb: llt Jefus eine hiltorifche
Perfönlichkeit? (VII, 46 S.) 8». Tübingen, J. C. B. Mohr
19!°. M. 1 —

Klein findet auf die Frage ,Ift Jefus eine hiftorifche
Perfönlichkeit?' eine einfache Antwort: im Evangelium
hören und fehen wir ,eine beftimmte Perfönlichkeit, die

| zeitgemäße Züge an fich trägt und nur aus ihrer Zeit
und ihrer Umgebung heraus erklärt werden kann'. Die
zeitgefchichtliche Bedingtheit der Lehre Jefu als Bürg-
fchaft der Gefchichtlichkeit Jefu — das ift gewiß ein
fruchtbarer Gedanke; die Vernachläffigung des Studiums
des Judentums als Teilurfache der gegenwärtigen Verwirrung
— das ift gewiß eine richtige Erkenntnis. Aber
der leitende Gedanke der Schrift läßt den Autor auf eine
Auseinanderfetzung mit Drews überhaupt verzichten und
fich auf eine kurze Darbietung jüdifchen Materials be-
fchränken. So gibt er zwar manche beachtenswerte Notiz,
greift aber nicht eigentlich, wie doch der Titel vermuten

I läßt, in die Drews-Debatte ein; denn diefe hat nicht bei
der Verbindung der Lehre Jefu mit der Zeitgefchichte
eingefetzt, fondern bei der angeblich mangelnden Verbindung
apoftolifchen Chriftentums mit dem Evangelium

j Jefu. Was die religionsgefchichtlichen Schlüfie anlangt,
fo wird der Neuteftamentler gewiß immer gern zuhören,
wenn ein um das Verftändnis des Chriftentums ehrlich
bemühter jüdifcher Gelehrter das Neue Teftament interpretiert
. Zu lernen gibt es dabei unter allen Umftänden
etwas, mindeftens dies: wie das Evangelium Jefu in der
Synagoge den Ohren der Schriftgelehrten geklungen
haben mag. Nur war es doch eigentlich nicht auf diefe
Hörer gemünzt — und es ift mir bei aller durch die Art
der Überlieferung gebotenen Vorficht doch völlig außer

I Zweifel, daß Klein das Bild Jefu fynagogal ftilifiert hat.

Jefu Lehre ift dem Verf. eigentlich Vor altem Schriftdeutung. Auch
die erfte Sammlung feiner Worte war ,f.cher' ein in aramäifcher Sprache
I abgefaßter Midrafch. Zum Ausgangspunkt für die Mk. 2 behandelte Unter-
; redung mit feinen Schülern hat Jefus Jef. 61 benutzt (fiehe Lk. 4, 16ff.);
1 !im b',™ch vom IJräutigam klingt Jef. 61, 10b, im Bildwort vom Lappen
| der Schluß desfelben Verfes an. Auch früher von. dem Verf. ausgefpro-