Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1911

Spalte:

641-643

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Breasted, J. H.

Titel/Untertitel:

Geschichte Ägyptens. Neu bearb. Ausg. 2. Aufl 1911

Rezensent:

Wiedemann, Alfred

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack
Fortgeführt von Professor D. Arthur TitiU8 und Oberlehrer Hermann Schuster
Jahrlich 26 Nm. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandliing, Leipzig Halbjährlich 9 Mark

Mnnufkripie und gelehrte Mitteilungen find ausfchließlich an
36. Jahrff. Nl*. 21 ProfeirorD. Titius in Göttingen, Nikolausberger Weg 66, rufenden. JZy,,, OKLODSr 1911

Rezenfionsexemplare ausfchließlich an den Verlag.

Breafted, Gefchichte Ägyptens (Wiedemann).
Wallefer, Der ältere Vedanta (Strauß).
Weffely, Die griechifchen Lehnwörter der fahi-

difchen und boheirifchen Pfalmcnverfion

(Rahlfs).

Ginzel, Handbuch der matheniatifchen u. tech-
nifchen Chronologie (Oscar Holtzmann).

Klein, Ift Jefus eine hiftorifche Pcrfönlichkeitf
(M. Dibelius).

Edghill, The Revelation of the Son of God
(Hennecke).

Pfättifch, Der Einfluß Piatos auf die Theologie

Juftins des Märtyrers (Dorner).
Schultz, Dokumente der Gnofis (Koet-

fchau).

Röfel, Die Reichsfteuern der deutfehen Judengemeinden
(Bacher).
Beiträge zur fächfifchen Kirchengefchichte, her-

ausg. von F. Dibelius u. Th. Brieger (O. j (Drews).
Clemen). Dörries, Die Welt Gottes (Simons).

Poelchau, Zwei Jahrhunderte Rigafche Kir- Mofer, Religion und Strafrecht, iusbefondere die

Heinze, Ethifche Werte bei Ariftoteles (Wundt).
Niebergall, Die paulinifche Erlöfungslehre im
Konfirmandenunterricht und in der Predigt

chengefchichte 1710—1910 (Graß).
— Rigas evangelifche Kirche im 19. Jahrhundert
(Derf.).

Carl Heinrich Rappard (Bomemann).
Kirchlicher Liberalismus von heute, herausg.

Gottesläfterung (Auguft Köhler).
Referate: Soden, Paläftina u. feine Gefchichte.
— Schufter, Gott unfer Gut. — Calm,
Lehrbuch der Sprechtechnik.
Mitteilungen: (61) Die urfpriingliche Bedeutung

von Loewenfeld (Lobftein). der Medufa. (62) Prokop von Safa, Oktateuch-

Logos. Internationale Zeitfchrift f. Philofophie

der Kultur (E. W. Mayer).
K ü 1 p e, Einleitung in die Phiiofophie (Goedecke-

meyer).

Erklärung.

Berichtigung von K. Thieme und Entgegnung

von P. Lobftein.
Wichtige Rezenfionen. — Neuefte Literatur.

Brealted, Prof. J. H.: Gefchichte Ägyptens. Vom Verf. neu- ! der Verfaffer im allgemeinen von den Auffaffungen von
bearb Ausg Deutfch v. Priv.-Doz. Dr. Hermann Ranke. Eduard Meyer und der fogenannten Berliner Schule der
2. Aufl. 2 Halbbde. Berlin, K. Curtius 1911. (XVI, i Ägyptologie aus Auf den Arbeiten des erftern deffen
„ „ ~. r , ir . t>i- i m der ünckenfehen Sammlung erfchienene Gefchichte

478 S.m. 200 z. Tl. färb. Abbildgn., Karten u. Planen.) ; Ägyptens das Buch in gewiffe^ ginne zu erfetzen begr
. 8° M. 18 — ; geb. M. 22 — | ftimmt ift, beruht die verwertete Chronologie. Den An-
Das Werk von Breafted, welches urfprünglich in ! fchauungen der letztern entfpricht die Umfchrift der
Lieferungen ausgegeben wurde, liegt jetzt vollftändig als : Eigennamen, manche Überfetzung und manche Beurteilung
Buch vor und läßt fleh daher weit beffer überfehen. Dies ftreitiger hiftorifcher Fragen, wie beifpielsweife der Thron-
ift um fo wichtiger, als fleh der Verfaffer nicht auf eine I wirren unter der Königin Hätfchepfut. Auf eine Erörte-
Zufammenftellung der Materialien für eine ägyptifche r.ung der Einwände und abweichenden Anflehten anderer
Gefchichte befchränken, fondern eine einheitliche Schilde- j Agyptologen in derartigen Fällen wird nicht weiter ein-
rung ihrer Entwickelung von den alterten Zeiten bis • gegangen. Im Vordergrunde der Behandlung flehen die
zum Zufammenbruche des nationalen Reiches am Ende i kulturgefchichtlichen und ftaatsrechtlichen Verhältniffe und
der 26te» Dynaftie geben will. Von der Lieferungsaus- I deren Entwickelung, doch wird die politifche Gefchichte
gäbe ift der Umfchlag übernommen worden, der dem j nicht vernachläffigt. Hier hat es der Verfaffer verflicht,
Buche 170 Abbildungen zufchreibt, während der Innen- | trotz des fehr fpärlichen und einfeitigen Materials, für
titel den Tatfachen genauer entfprechend, 200 Abbildungen I eine Reihe der Pharaonen, befonders für Amenophis IV,

und Karten zählt. Die Grundlage, auf der eine Gefchichte
Ägyptens aufbauen muß, ift eine fehr mofaikartige; nur
Einzelangaben liegen in den Infchriften und Papyris vor,
ein altägyptifcher Vernich, die Entwickelung des Reiches
zu fchildem, ift nicht bekannt. Wo längere Schilderungen
eintreten, wie in den Biographien der Gräber und in den
Berichten über königliche Feldzüge und Schlachten, find
diefelben fubjektiv gefärbt und übertreiben meift ftark
renommiftifch die jeweiligen Leiftungen ihrer Helden.
Lieber als nüchterne Tatfachen erzählten die Ägypter
Sagen, die zwar kulturelle Verhältniffe in richtiger Weife
fchildern, für ftreng hiftorifche Zwecke aber nur wenig
zu ergeben vermögen.

Den hiftorifchen Inhalt der ägyptifchen Texte hat
Breafted in feinen fünf bändigen Ancient Records of Egypt,
Chicago 1906—7, chronologifch geordnet in Überfetzung
vorgelegt. Das vorliegende Buch foll aus feinen Tat-
fachetmotizen ein abgerundetes Bild geftalten. Dabei
fetzt es für eine wiffenfehaftliche Verwertung eine fortdauernde
Zurateziehung der Textbände voraus, da der
Lefer nur fo erfehen kann, wo die Angaben der Denkmäler
wiedergegeben werden, und wo der Verfaffer von
ihnen ausgehend Vermutungen aufftellt und eigene Schlüffe
zieht. Die Anmerkungen des Buches verweifen infolgedeffen
in weitaus den meiften Fällen auf die Ancient Records.
Bei feiner Vorführung der ägyptifchen Gefchichte geht

Charakterfchilderungen zu entwerfen, durch welche diefe
fchemenhaften Geftalten Leben gewinnen follen.

Die Überfetzung von Ranke fchließt fleh im allgemeinen
dem englifchen Originale an, nur an einzelnen
Stellen hat diefelbe auf Grund einer knapper gehaltenen
zweiten Arbeit von Breafted den Text gekürzt und dadurch
einheitlicher geftaltet. Das Ganze zeigt eine flüffige,
gut lesbare Form; ein angefügtes Verzeichnis der ägyptifchen
Könige und ein eingehender, zuverläffiger Index
erleichtern das Nachfchlagen; die Ausftattung ift eine
gute, der Druck fehlerfrei. Großes Gewicht ift auf die
llluftrationen gelegtworden. Einige Bilder find als Klichees
in den Text eingefügt, bei weitem die Mehrzahl erfcheint
in Autotypie auf Tafeln auf geglättetem Papier, wobei
vielfach Aufnahmen des Verfaffers zugrunde gelegt
worden zu fein Rheinen. Diefelben enthalten eine Reihe
bisher nicht veröffentlichter Anflehten und find trotz der
gewählten kleinen Dimenfionen im allgemeinen deutlich
ausgefallen, wenn fie auch den mit dem Netzverfahren
zufammenhängenden, etwas grauen und häufig kontraft-
armen Ton zeigen. Dafür find fie, dem mechanifchen
Verfahren entfprechend, auch in Einzelheiten weit zuverläffiger
, als die in den älteren hiftorifchen Werken über
Ägypten gewöhnlich verwerteten Umzeichnungen, bei
denen Stilifierung und Irrtümer von feiten der Zeichner
eine oft fehr Hörende Rolle gefpielt haben. Als Farben-

641 642