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Ausgabe:

1911

Spalte:

612-613

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Chavannes, Edouard

Titel/Untertitel:

Le T‘ai Chan. Essai de Monographie d’un Culte chinois 1911

Rezensent:

Haas, Hans

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6n

Theologifche Literaturzeitung 1911 Nr. 20.

612

meffen. Wie umfänglich die Artikel z. T. find, dafür
einige Beifpiele! Der Artikel Accusations contre les chre-
tiens umfaßt 42 Spalten, der über die Märtyrerakten
deren 73, der über Afrika füllt rund 200 Spalten; er
behandelt im erften Teil, bearbeitet von Leclercq, Ge-
fchichte und Topographie, im zweiten und dritten, bearbeitet
von Cabrol, die vor- und nachnicänifche Liturgie,
im vierten, den wieder Leclercq verfaßt hat, die Archäologie
, im fünften endlich (Sp. 747 lies V ftatt IV), von
dem nämlichen Verfaffer, die in Afrika gefprochenen
Sprachen. Der Artikel über die Agapen reicht von
Spalte 775—848. Alexandrien find 84 Spalten gewidmet.
Der Artikel über die Engel füllt 81 Spalten und der über
die Taufe, von Puniet verfaßt, 95 Spalten. Dabei ift
immer durch eine vorangeftellte Dispofition und durch
vorgefetzte Überfchriften bei den einzelnen Teilen eines
Artikels auf das befte für Überfichtlichkeit geforgt, fo
daß man fich mühelos und rafch orientieren kann.

Aber nicht nur der Umfang der Artikel verdient hervorgehoben
zu werden, fondern auch deren Zahl oder richtiger
gefagt deren Auswahl. Wer fich mit der Herausgabe
eines Lexikons befchäftigt hat, wird am heften wiffen,
welche Arbeit und welche Sachkenntnis dazu gehört, die
richtigen und nötigen Artikel feftzuftellen. Prüft man
daraufhin das vorliegende Werk, fo wird man auch in
diefem Punkte nicht mit feiner Anerkennung zurückhalten
können. Um dem Lefer eine Vorftellung zu geben, wie
reich und forgfältig gearbeitet auch nach diefer Seite hin
das Dictionnaire ift, hebe ich einige befonders bemerkenswerte
Beifpiele heraus. So finden wir einen von Leclercq
gefchriebenen Artikel Abecedaire (Sp. 45—61), der diefen
intereffanten r Stoff unter folgenden Paragraphen behandelt
: I. Epigraphie. II. Epigraphistes. III. Paleo-
graphes. IV. Nombre des lettres. V. Nombre d'alpha-
bets. VI. Esquisses. VII. Essai de classement. VIII. Abecedaire
dans l'antiquite ecclesiastique (hier behandelt
Leclercq u. a. auch den Gebrauch des Alphabets bei der
Kircheneinweihung; doch vermiffe ich hier die Berück-
fichtigung des Auffatzes von Ufener). IX. Abecedaria
liturgiques. X. Curiosites. Jeder Liturgiker wird dankbar
die Artikel: Abel dans la liturgie (Sp. 62—66) und
Abraham dans la liturgie (Sp. 121—127), von Cabrol verfaßt
, begrüßen. Wo findet man einen fo reichen Artikel
über Abbreviaturen, wie er hier Sp. 155—183 von Leclercq
geboten wird? Hier wird unter I. gehandelt von dem
Unterfchied zwifchen notae und sigla; unter II. über das
Siegel VD (Vere dignum); unter III. über das Siegel TE
(Te igitur); unter VI. über die Abbreviatur D.M. und
D. M. 5. (Dis Manibus Sacrum) u. f. f. Ein Artikel Accla-
mations (Sp. 240—265) aus der Feder Cabrols behandelt
diefen Gegenftand unter den Paragraphenüberfchriften:
I. Sens primitif. TL Acclamations dans les conciles, pour
les elections et les receptions des eveques, pour le sacre
des empereurs et des rois. III. Acclamations sous forme
d'inscriptions et acclamations des martyrs. IV. Geste
d'acclamation. V. Acclamations liturgiques. VI. Admo-
nition du diacre ou des ministres avec acclamations et
annonce des fetes — in der Tat, eine kleine Monographie
über diefen intereffanten Gegenftand. So könnte ich Fortfahren
. Aber die Beifpiele, die allein dem 1. Hefte entnommen
find, werden genügen, um mein oben aus-
gefprochenes Urteil zu begründen.

Die gerühmte Sorgfalt und Gründlichkeit zeigt fich
aber auch u. a. in der Zufammenftellung der Bibliographie
. Nicht allein, daß in fortlaufenden Anmerkungen
gewifienhafte literarifche Verweifungen gegeben werden,
faft jeder Artikel, wenigftens jeder größere Artikel bringt
am Schluß die nötige Literatur. Dabei ift auch die ältere
des 16., 17. und 18. Jahrhunderts, die namentlich reich in
der Bibliothek des Britifchen Mufeums vorhanden ift und
hier benutzt werden konnte, herangezogen, wofür der
Spezialforfcher u. U. ficher fehr dankbar fein wird. Man
vergleiche z. B. die Bibliographie zu dem Artikel .Agapen'

(Sp. 845 ff.). Wie gut man — namentlich in den Artikeln
Cabrois — bibliographifch beraten ift, kann man z. B. an
dem Teil des Artikels .Alexandrien' fehen, der der Liturgie
gewidmet ift: hier füllt die Bibliographie nicht weniger
als 9 Spalten. Daß da und dort kleine Ungenauigkeiten
unterlaufen, wird jeder verftehen, wird jeder gern verzeihen
. So wird z.B. I, Sp. 2578 noch W. Möllers Kirchen-
gefchichte nach der Ausgabe von 1889 zitiert; Sp. 1573
finden wir die Angabe: Grätz, dans Monatsfchrift 1872 —,
aber welche Monatsfchrift ift gemeint? II, Sp. 130 lies
Heinrici ftatt Henrici; Sp. 257 Witzel ftatt Witzes.

Zum Charakteriftikum des Werkes gehört aber nicht
zum wenigften die reiche, faft überreiche Ausftattung mit
Illuftrationen aller Art: Bilder, Pläne, Infchriften, Schriftproben
, Tafeln, Noten, und zwar meift in vorzüglicher
Art. Wo haben wir in Deutfchland ein wiffenfchaftliches
Werk mit folch einem Anfchauungsmaterial? Der Artikel
Bapteme de Jesus z. B. bringt nicht weniger als 30 Abbildungen
.

Es ift unmöglich, fich mit einzelnen Artikeln aus-
einanderzufetzen. Wir hoffen dazu in einer fpäteren Anzeige
Raum zu haben. Für jetzt lag es uns nur am
Herzen, auf diefes einzigartige Werk energifch aufmerk-
fam zu machen und das Intereffe der Fachgenoffen darauf
zu lenken.

Halle a. S. Paul Drews.

Chavannes, Edouard: Le T'ai Chan. Essai de Monographie
d'un Culte chinois. Appendice: Le Dieu du So
dans la Chine antique. (Annales du Musee Guimet.
Bibliotheque d'Etudes. Tome XXI.) Paris, E. Leroux
1910. (591 p. av. ill., plans, facs. etc.) gr. 8° fr. 20 —

Der Titel des vorliegenden Werkes deckt feinen Inhalt
nur zu einem Teile. Die S. 437—525 dargebotene Drein-
gabe ,Le dieu du sol dans la Chine antique' ift eine Studie
für fich, und das eine, die auch die wenigen finologifchen
Fachgenoffen Chavannes' muß fprechen laffen: ,0 wohl
dem hochbeglückten Haus, wo das ift kleine Gabel'
Was fich hier als bloßer Appendice gibt, ift die eingehendere
Ausführung eines von Ch. auf dem Intern.
Kongr. f. Rel.-G. 1900 gehaltenen Vortrags, genauer: eines
Teils diefes Vortrags. Es kommt mir bei der gebotenen
Reumbefchränkung fehr zuftatten, daß eben vor kurzem
erft an leicht zugänglichem Orte (im Arch. f. Rel.-W.
1911, Heft 1) O. Franke-Hamburg den Inhalt jener fcharf-
finnigen, zu den entlegenften Anfängen der urfprünglichen
chinefifchen Religion zurückdringenden Unterfuchung über
die Gottheiten des Erdbodens und der Ernte, wie fie in
der Revue de rhist. des rel. Bd. XLIII, S. 125—146 veröffentlicht
vorliegt, auf zwei Druckfeiten wiedergegeben
hat, und daß ich daher auf diefes Referat verweifen kann.
Nur daß ich dabei nicht verfehlen möchte, zu bemerken,
daß die jetzige bedeutend erweiterte Neubearbeitung doch
den Inhalt des grundlegenden Memoire von 1900 nicht
erfchöpft. —

Ganz neu find, abgefehen von dem 2. Kap. ,Descrip-
tion du T ai chan' — (eine erfte Monographie, die die
ganze Wallfahrtftraße auf dem, im heutigen Schantung
gelegenen, berühmteften der heiligen Berge Chinas be-
fchreibt, haben wir feit 1906 in des Jefuitenpaters A.
Tfchepe ,Der T'ai-Shan und feine Kultusftätten') — in
den Einzelheiten die Erkenntniffe, die uns im übrigen
Chavannes' Band vermittelt. Das gilt befonders von den
hier erftmalig dargebotenen Überfetzungen von Gebeten,
die in verfchiedenen Jahrhunderten an T ai fhan gerichtet
wurden (Kap. 4) und die, im großen und ganzen gleichgeartet
, klar erfehen laffen, welche Rolle diefer Berg je
und je bis auf den heutigen Tag in der Religion Chinas
fpielte, fowie von den ebenfalls hier zuerft erfchloffenen,
auf dem Gebiete der alten Kultftätte zu findenden Infchriften
(Kap. 5), nicht minder aber von den im 3. Kap.