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1911 Nr. 17

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540

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(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Sigfrid oder Christus?! Kampfruf an die german. Völker zur Jahrtausendwende von einem Deutschen 1911

Rezensent:

Scheibe, Max

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539

Theologifche Literaturzeitung 1911 Nr. 17.

540

werden, fo daß wir von dem verborgenen Treiben fo gut
wie gar nichts erfahren'.

Der Druck könnte forgfältiger fein. Schon das Inhaltsverzeichnis
zeigt eine unheilvolle Verwirrung.

Halle a. S. Paul Drews.

Referate.

Wright, William Aldis, M. A.: The Hexaplar Psalter being the Book

Of P8alm8 in six English versions. Cambridge, University Press 1911.
(VI, 389 S.) Lex. 8° s. 25 —

Diefer ftatfliche Band ift offenbar eine ,Liebarbeit', ,a work of
love' feitens des Vize-Meifters des Dreieinigkeits-Kollegium in Cambridge.
Er bietet uns zuerft auf 365 Seiten in klar gedruckten Spalten eine Hexapla
folgender fechs Formen des Texts des englifchen Pfalters: 1. Coverdale,
15351 — 2- Great Bible, 1539; — 3. Geneva, 1560; — 4. Bishops',
1568; — 5. Aufhorised, 1611; — 6. Revised, 1885. Der Appendix
zählt zuerft, S. 366—378, die Randlesarten in den fechs Verfionen auf,
doch liefert die Great Bible keine und Coverdale nur drei. Intereffant
ift es zu bemerken, daß unfere wachfende Kenntnis des Hebräifchen und
unfere größere Peinlichkeit mit dem Text bisjetzt nur die Wirkung gehabt
haben, den Kreis unterer Unwiffenheit zu vergrößern, die Zahl der doppelt
erklärbaren Stellen zu erhöhen. Statt der etwa 72 Stellen vom Jahre 1560,
der 240 vom Jahre 1568, und der 231 vom Jahre 1611, finden wir im
Jahre 1883 etwa 542.

Dann zählt S. 379—381 die Verfchiedenheiten in den Coverdale
Texten von 1535, 1537, und 1550 auf, während S. 382—386 für die Great
Bible die Abweichung der fechs Ausgaben von 1540 und 1541 nach dem
Maßftab der Ausgabe von 1539 liefert, und S. 387—389 für die Bishops'
Bible die Unterfchiede zwifchen den Ausgaben von 1568 und 1569 vorführt
. Ein Vorwort von wenig mehr als einer Seite gibt gedrängte Auskunft
über die Entftehung der fechs Verfionen.

Wright, der in feinen Ausgaben von und Schriften über Bacon,
Shakefpeare, Milton, Fitzgerald, und Roger Afcham fo viel für die Gefchichte
der englifchen Literatur getan hat, und der fowohl als Schriftführer der
Reviforen des Alten Teftaments in den Jahren 1870—1885 als auch in
feiner großen Arbeit über die Verfion von 1611 an der Gefchichte der
englifchen Bibel forfchend und fchaffend teilgenommen hat, verpflichtet
durch diefes neue Werk alle, die fich für jene Bibel und für die Pfalmen
überhaupt intereffieren.

Eine folche Vorführung der verfchiedenen Überfetzungen macht es
wieder fbnnenklar, welch hohen Wert Überfetzungen als exegetifche namentlich
als homiletifche Kommentare haben. Die Brechung der Gedanken-
ftrahlen, wie fie durch die Medien der verfchiedenen Geifter gehen, die
neuen Lichtflächen oder Fazetten, die in abwechfelndem Wortlaut begegnen,
find außerordentlich anregend. Ich fuchte den 23. Pfalm — bei Coverdale
ift es der 22., weil der 10. mit dem 9. verbunden wird — und fand
ihn ein Lied mit reizenden Variationen. Gewiß wird Coverdale jeden Lefer
anheimelnd berühren:

The Lorde is my shepherde, I can wante nothinge. He fedeth me in
a grene pasture, äd ledeth me to a fresh water. He quickeneth my soule,
& bringeth me forth in the waye of rightuousnes for his names sake.
Though I shulde walke now in the Valley of the shadowe of death, yet
I feare no euell, for thou art with me: thy staffe & thy shepehoke
cöforte me. Thou preparest a table before me agaynst mine enemies:
thou anoyntest my heade with oyle, Sc fyllest my cuppe füll. Oh let
thy louynge kyndnes & mercy folowe me all the dayes off my life,
that I maye dwell in the house off the Lorde for euer.

Leipzig. Caspar Rene Gregory.

Gout, Raoul: L'affaire Tyrrell. Paris, E. Nourry 1910. (322 S.) 8°

fr. 5 —

Diefe Schrift faßt eine Reihe von Artikeln zufammen, die in der
Revue de Theologie von Montauban (Dezember 1908 bis März 1910)
erfchienen find. Sie enthält einen gedrängten Lebenslauf des berühmten
Moderniften, die vollftäudige Aufzählung und eingehende Analyfe feiner
Schriften, einen ausführlichen Bericht über feine Beziehungen zu Rom,
feine Ausfloßung aus dem Jefuitenorden, die über ihn verhängte Exkommunikation
, fein Lebensende und die auch nach feinem Tode gegen ihn
entfeffelten Verfolgungen. Den größten Teil der Schrift bekam Tyrrell
felbft noch zu lefen; am 25. Mai 1909 fchrieb er an den Verfaffer einen
Brief, aus dem folgende charakteriftifche Stelle hervorzuheben ift. ,1 must
thank you for your very careful and very accurate analysis of my theo-
logical evolution. One who is in the centre of a current cannot estimate
his movement so well as one who watches him from the bank; and you
have enabled me to see myself better than I had done befbre'. Gout ift
durch feine perfönlichen Beziehungen zu Tyrrell und zu deffen Freunden
und Bekannten in den Stand gefetzt worden, ftets aus dem Vollen zu
fchöpfen, und feine Schrift ift reich an urkundlichen Belegen, die bis auf
diefe Stunde fonft nicht zugänglich gewefen find. Den Schluß bildet die
genaue Überfetzung des bis dahin nicht veröffentlichten, fehr langen und
bedeutfamen Briefs, den Tyrrell (n—26. Juni 1904) an den Jefuitengeneral
gefchrieben, und welcher feinen Ausfchluß aus dem Orden zur Folge hatt
(269—321). Die Mitteilungen, die Gout den Freunden und Genoffen
Tyrrells, den letzten Zeugen feiner Kämpfe und Leiden, Miß Petre, Baron
Friedrich von Hügel, Henri Bremond, verdankt, erhöhen fehr wesentlich
den Wert diefes Buchs, bei deffen Abfaffung auch der gründlichfte Kenner
des Modernismus, Paul Sabatier, dem Vf. behülflich war. Daß demnach

Gouts Schrift als Beitrag zur Gefchichte der moderniftifchen Bewegung
jedem künftigen Hiftoriker unentbehrlich fein wird, braucht nicht bemerkt
zu werden. Die Begeifterung, mit welcher Gout die Gefchichte und das
Charakterbild feines Helden fchildert, bringt zwar nicht jede Kritik zum
Schweigen, fie macht aber eine objektive Prüfung der gefällten Urteile
zur felbftverftändlichen Pflicht. Die Schrift ift im Verlag des um die
Verbreitung der moderniftifchen Literatur fehr verdienten Herausgebers
der Bibliotheque de critique religieuse, Emile Nourry in Paris, erfchienen.
Straßburg i. E. P. Lobftein.

Sigfrid Oder Chriltus?! Kampfruf an die german. Völker zur Jahrtaufendwende
von einem Deutfchen. (55 S.) gr. 8°. Leipzig, Neuer Verlag
deutfche Zukunft 1910. M. I —

Der ungenannte Verfaffer fordert die Ausmerzung des Chriftentums
als eines Fremdkörpers auf deutfehem Boden und die Rückkehr zu einer
dem Charakter der germanifchen Raffe entfprechenden Religion, die, wie
dies die Entwicklung der nicht durch das Chriftentum unterbrochenen
indifchen Religion zeigen könne, fich zu einer Verehrung des Unerforfch-
lichen, zu einem agnoftifch-myftifchen Pantheismus zu geftalten habe.
Das fittliche Lebensideal, als deffen wefentlichfte Züge Wahrhaftigkeit,
Freiheitsfinn, Hingebung an die Sache, abfolute Wertfehätzung des
Kampfes hervortreten, erblickt er in dem Sigfridsbilde verkörpert, wie
es die Heldenlieder der Edda und die Sagas der nordgermanifchen Völker,
vor allem die Wolfunga-Saga, im Unterfchied von feiner chriftlichen
Übertünchung im Nibelungenlied bewahrt haben, und wie es in
Richard Wagners Dichtungen neu erftanden ift. Die Ausführungen über
die deutfche Eigenart können mit Gewinn gelefen werden. Dagegen kennt
der Verfaffer chriftlichen Glauben nur als äußere Unterwerfung unter eine
einmalige Offenbarung und chriftliche Sittlichkeit als lediglich durch die
Ausficht auf den jenfeitigen Lohn motivierte, alfo in einer dem innerften
Kern des Chriftentums durchaus nicht entfprechenden Form. Daher ift
es begreiflich, daß das wirklich ernfte und fruchtbare Problem einer Germa-
nifierung des Chriftentums gar nicht in fein Gefichtsfeld tritt.

Leipzig. M. Scheibe.

Oberhauler, Prieft. D. Jof.: Das chriftliche Prinzip der Solidarität u.
die Genollenlchaftsbewegung des Mittelftandes. Eine Unterfuchung

der fittlichen Grundlagen und Wirkungen der modernen mittelftänd.
Genoffenfchaften. (VIII, 141 S.) gr. 8". Paderborn, F. Schöningh
1910. M. 3 —

Aus dem Kreis der 800 Kleriker, welche in den bairifchen land-
wirtfchaftlichen Darlehnskaffen im Jahr 1907 Ämter bekleideten, ergreift
hier ein Führer das Wort, um die Tatfache der Solidarität und ihre fittliche
Pflicht von chriftlichen Grundfätzen aus abzuleiten und ihre Wirkfamkeit
in der mittelftändifchen Genoffenfchaft zu fchildern. Er erhofft von der
genoffenfehaftlichen Organifation die Entwicklung ,chriftlicher Charaktere'
durch Pflege von Zufriedenheit, Arbeitsfreude, Pflichtbewußtfein, Ausgleichung
der wirtfehaftlichen Gegenfätze. In der ,anonymen' Wirkung
des chriftlichen Geiftes in der Genoffenfchaftsbewegung fleht der Verfaffer
ein Unterpfand für das Kommen des ,Reiches Gottes'. Der zweite Teil
fucht die Notwendigkeit, fagen wir deutlicher die Ausfchließlichkeit diefer
Zufammenhänge zwifchen Chriftentum und Genoffenfchaft nachzuweifen
im Gegenfatz zum ,Klaffenegoismus' und .Sozialismus'. Der Standpunkt
der Schrift, die mit begeifterter Liebe für die Sache gefchrieben ift, ift
der ftreng katholifche, wonach ihm Chriftentum mit katholifchem Kirchen-
tum und feinen Konfequenzen identifch ift. Verfaffer fucht befonders im
Schlußwort den Klerus zur Arbeit am Genoffenfchaftswefen zu gewinnen.
Das Buch leidet rein methodifch betrachtet an dem Grundfehler, alles auf
das Chriftentum fpeziell das katholifche zurückzuführen, was die Solidarität
der Menfchen begründen und wirtfchaftlich erfolgreich machen kann.
Dortmund. G. Traub.

Hänfen, H.: Die ,0den Salumos' in deutfchen Nachdichtungen. Gütersloh
, C. Bertelsmann 1911. (78 S.) kl. 8° M. I.50
Keine Überfetzung, fondern freie Nachdichtungen ,in abendländifchem
fpeziell germanifchem Kolorit', ,je nachdem es das Bedürfnis zu erheifchen
fchien, teils in kürzerer, ttils in breiterer Ausführung' bietet dies hübfeh
ausgefluttete Büchlein. Die meiften fcheinen mir recht gelungen; aber
auch in den fchönften ift manches nicht nach meinem Gefchmack. Gleich
im erften ,Zweigelein'; in Nr. 3 ,ewig's Glück und ewig's Heil'; ,Verböfung'
in Nr. 38, um auf .Erlöfung' zu reimen. Etwa 25 verfchiedene Melodien
bekannter Kirchenlieder liegen zu Grunde. Was fchou der erfte Herausgeber
empfand, daß fich diefe alten Lieder auch zu einem modernen
Erbauungsbuch eignen — flehe feine kleine Ausgabe: an early Chriftian
Pfalter —, das hat auch diefe Nachdichtungen hervorgerufen. Was ihr
Verf. in der Zeitfchrift ,Der alte Glaube' Nr. 28 veröffentlichte, habe ich
nicht gefehen.

Maulbronn. Eb. Neftle.

Mitteilungen.

50. Neue Ausgrabungen in Paläftina. DerPaleftiue Exploration
Fund hat am 6. April d. Js. feine Ausgrabungen zu 'Ain Shems, der
Stätte des biblifchen Beth-Shemesh, begonnen, die bis zum 17. Mai refp.
i. Juni, von welchem Datum der letzte Bericht herrührt, fchon ausgezeichnete
Refultate gezeitigt haben, fodaß die Möglichkeit vorhanden ift, daß
mit Beth-Semesh ein neues Gezer in Angriff genommen wurde. Das
Quarterly Statement des Paleftine Exploration Fund vom Juli 1911 enthält
dreierlei Berichte Uber das bis jetzt Gelciftete: einen Brief des Leiters der
Ausgrabungen, Dr. Duncan Mackenzie, datiert vom i. Juli d. Js., einen