Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1911 Nr. 16

Spalte:

503

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Jevons, F. B.

Titel/Untertitel:

The Idea of God in early Religions 1911

Rezensent:

Mayer, Emil Walter

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

503 Theologifche Literaturzeitung 1911 Nr. 16. 504

3. und 4. Predigt aus der Gegenwart behandelt find, ift
nicht erfichtlich. Auch das ift nicht erfichtlich, weshalb
den meiften Pfalmtexten je ein Abfchnitt des N. T. zur
Seite fteht; ein Doppeltext kann nicht beabfichtigt fein,
■ ti c t> t> t tl u - 1 n j ■ 1.. I da auf jene Abfchnitte keine Rückficht genommen wird;

Jevons, Prof. F. B., Litt. D.: The Idea of God in early ! foUen ^ vielleicht die liturgifchen Lektionen bezeichnen?

Sachlich gleiche Themata werden in der 2. und 8. (Kampf

die Geiftesbewegung vor 100 Jahren in unfere ärmere
und dürftigere Zeit hinüberzuretten.

Bafel. Johannes Wendland.

Religions. Cambridge, University Press 1910. (X,
170 p.) 8° s. 1 —

Das Buch gehört ins Bereich der anthropologifch-
pfychologifchen Religionsphilofophie. Der Autor hat
lieh bereits durch mancherlei einfehlägige Werke einen
Namen gemacht und wird gern und oft zitiert auch in
Forfcherkreifen, deren Sympathie für die Religion nicht
fo groß ift wie die feine. Nach ihm ift die Religion ein
mit Gefühlen der Abhängigkeit und der Ehrfurcht verbundenes
Vertrauen zu einer übermenfehlichen, perfön-
lichen Macht, die irgendwie das Wohl der Gefamtheit
will, und die mit ethifch-fozialen Forderungen an den
einzelnen herantritt. In fünf Kapiteln bemüht fich die
Schrift um den Nachweis, daß, wie die Gefetze der Logik
und die Tendenz logifch zu denken von jeher, auch ehe
der Menfch fich deffen bewußt war, die geiftigen Operationen
des Denkenden beherrfchten, fo auch ein derartiges
religiöfes Vertrauen latent oder virtuell oder,
richtiger noch, der Tendenz nach, gleichfam als ein er-
ftrebtes Ziel, allen Religionen, felbft den früheften, zugrunde
lag, wenn gleich undifferenziert, vermifcht mit
und verdunkelt von anderen pfychifchen Erfcheinungen.
Die Entwicklung der Religion aber faßt der Autor nicht
als eine nur auf einer Linie fich bewegende auf, fondern,
eine Konzeption Henri Bergfons fich aneignend, als eine
,radiative', fächerförmige, in verfchiedenen Strahlungen
aus- und fortfehreitende. Die auf ein reiches anthro-
pologifches Material und vortreffliche anthropologifche
Kenntniffe fich ftützende Schrift muß, ob man ihr
in allem zuftimme oder nicht, als äußerft anregend
bezeichnet werden und intereffiert auch durch eine
Reihe von Details wie befpielsweife die Formulierung
des Unterfchieds zwifchen Gott und Fetifch (jener wirkt
fozial, diefer rein individuell und antifozial) oder die
Formulierung des Unterfchieds zwifchen Religion und
Magie (abermals: jene dient fozialen Intereffen, diefe rein
individuellen und antifozialen), oder auch endlich die eigenartige
, freilich zugleich etwas gewagte Theorie von der ur-
fprünglichen Bedeutung des Opfers.

Verzeichnet zu werden verdienen einzelne Urteile, wie
etwa die Bemerkung, daß in aller Religion ,we must re-
cognise not merely fear but some trust and confidence';
oder: ,fo wurden von der früheften Periode an, wo übermenfeh-
liche Wefen fich in Götter und Fetifche differenzierten, die
Götter von dem Gefamtbewußtfein als Wefen betrachtet,
die das Befte der Gemeinfchaft aufrecht erhalten und
diejenigen, welche ihr zu nahetreten, beftrafen'.

Straßburg i. E. E. W. Mayer.

Baumgarten, Prof. D.Otto: Altes und Neues aus dem Schatz

des Plalters. 11 Pfalm-Predigten, in der Aula der Kieler

Univerfität geh. (Moderne Predigt-Bibliothek IX. Reihe, I menfehen beftätigt find. In eigentümlichem Kontraft da

wider alle Ungerechtigkeit im Namen des Gottes der
Gerechtigkeit), in der 3. und 5. (religiöfe Naturbetrachtung
), in der 4. und 6. Predigt (Sünde und Gnade) behandelt
. Der Schatz des Pfalters wird dadurch wefent-
lich befchränkt, was umfomehr zu beklagen ift, als
koftbarfte Perlen der Pfalmendichtung, wie Pf. 46, 91, 139,
nicht berückfichtigt find.

Wie tief und warmherzig der Verfaffer den religiöfen
Gehalt der hl. Schrift, befonders des Pfalters, zu fchätzen
weiß, kommt wohltuend und erhebend fogleich in der
erften Predigt zum Ausdruck (S. 4). Ob es jedoch richtig
ift, die ,vorwärts drängende führende Bildung des
Geiftes' in den der Kirche und der Religion Entfremdeten
zu den gläubigen Gemeindegliedern als den Vertretern
der ,rückwärts fchauenden, an Gefchichte und hl. Schrift
gebundenen Bildung des Herzens' in Gegenfatz zu
ftellen (S. l£), erfcheint fraglich; mehr noch, ob Freude
an den Pfalmen durch die Darlegung erweckt werden
kann, daß der ,Grundton'(?) des Pfalters, nämlich die
Forderung der Kongruenz von ,Glück und Verdienft', wie
die Gruppierung der Menfehen in Fromme und Gottlofe
als völlig unhaltbar hingeftellt werden. Selbftverftänd-
lich foll beides der Gemeinde nicht verfchwiegen, auch
nicht verfchleiert werden, allein der Eindruck müßte doch
vermieden werden, daß unfere reifere und tiefere Welt-
anfehauung zu der der Pfalmen in ausfchließendem
Gegenfatz ftehe. — Auf die in fchöne und reine Sphären
erhebenden Naturpredigten: ,Himmel und Sonne'(19,1—7)
und ,Gott fuchen am Himmel' (36, 6—10) fei der Kürze
wegen dankend nur hingewiefen. Zum Widerfpruch fordern
dagegen die Parallelpredigten: ,Von dem Segen der
offenen Schuld' (32) und ,Pfingftfehnen' (51,12—14) heraus.
Nicht zu verkennen ift die gewiffenerfchütternde Wucht,
mit der der Verfaffer von Sünde und Gnade, vom Segen
des Bekennens und vom Segen der Vergebung redet.
Aber mitten darin fpricht er von dem ,Segen der Sünde',
weil ,feiig und fröhlich im Tiefften nur die find, die die
tiefften Brüche des Lebens kennen und durch Gottes
Gnade darüber hinausgeführt find' (35f.). ,Wer keine
durchfehneidende Verfehlung, keine großen dunklen
und hellen Stunden erlebt hat, in dem find keine
großen Gedanken und kein reines Herz' (49h). Weiter:
,Wehe dem, der nicht feine Sünden allezeit gegenwärtig
hat und nicht mit fich durchs Leben fchleppt
das Kettenende der vergangenen Schuld' (49). Auch das
fei notiert, daß der Verfaffer von einer beftimmten
Stunde fpricht, in der Chrifti Geift in uns ein neues
Leben fchafft (56). Das find Reden, die man fonft wohl
nur in Konventikeln des methodiftifchen Pietismus hört,
die aber in ihrer Verallgemeinerung weder in der
hl. Schrift begründet, noch in dem Leben vieler Gottes-

1 Heft) Göttingen Vandenhoeck & Ruprecht 1911. ! ™ ftehtf c"e 9- Predigt (73,23-26.28) über die durch
™4 ^Urningen, vcuiuc, u r . y Zeitungsfehden in Kiel veranlaßte Präge: .Gibt es einen

(HI, 112 S.) 8» M. 1.20; geb. M. 1.80 Gott?, mit der TeiluQg nach SchiUer. Es- ift nicht drauI,5en,

Umfomehr ift diefe kleine Predigtfammlung zu be- da fucht es der Tor. Es ift in dir, du bringft es ewig
grüßen, als der Verfaffer außer den ,Predigten aus der hervor'. Der erfte Teil erörtert die durch Natur-
Gegenwart' 1903 m. W. bisher keine Sammlung feiner aka- j und Gefchichtswiffenfchaft gefchaffene Schwierigkeit, den
demifchen Predigten hat erfcheinen laffen. Gedankenreich- 1 Gottesglauben feftzuhalten, und die vergeblichen Ver-
tum, hochgefpanntes fittliches Pathos, das im Gewände fuche, ihn durch Nachweis des Zweckftrebens in der
aggreffiver Gemütstöne fich darbietet, rückfichtslofe Wahr- I Natur ufw. zu ftützen. Der zweite Teil fucht zu beweifen,
haftigkeit, — das mögen die charakteriftifchen Züge feiner I daß wir Gott ,durch des Geiftes Licht in uns fuchen
Rede fein, die ihre Kraft der Anziehung und Anregung I müffen'; aus dem Bedürfnis der Seele wird die Gottes-
erklären. I gewißheit abgeleitet: ,ich brauche ihn, und weil ich ihn

Ob der Titel: ,Altes und Neues' fich darauf be- j brauche, fo finde ich ihn; das ift's, weshalb wir uns einen
zieht, daß die Texte der 7. und 9. Predigt bereits in der Gott fchaffen' (98). Das liegt weit ab vom Evangelium,