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Ausgabe:

1911 Nr. 1

Spalte:

457-458

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Maier, Friedrich

Titel/Untertitel:

Die Hauptprobleme der Pastoralbriefe Pauli. 1. u. 2. Aufl 1911

Rezensent:

Bauer, Walter

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457 Theologifche Literaturzeitung 1911 Nr. 15.

treueften und verftändnisvollften Gehilfen und Förderer
werden; 3. Kenntnis jüdifcher Apokalyptik kann nicht
bei Heiden fchlechtweg, wohl aber bei Profelyten angenommen
werden; es befleht aber Grund genug zur Annahme
, daß die heidenchriftlichen Gemeinden des Paulus
zum größten Teile aus Profelyten der Synagoge be-
ftanden; 4. in 2,13 ifl ax a(>xyc eine ebenfalls fehr gut
bezeugte Lesart, die einen vorzüglichen Sinn gibt.

Mit diefen Gegenüberlegungen möchte ich indes die
Hypothefe keineswegs ablehnen. Sie bleibt in hohem
Grade der Erwägung wert, weil der Vorteil, den fie zur
Löfung des Problems bietet, zu groß ifl, und H. gebührt
wärmfter Dank für die neue Anregung und Förderung,
die er der Ntlichen Forfchung hier gegeben hat.

Wien. Rudolf Knopf.

Maier, Priv.-Doz. Dr. Friedr.: Die Hauptprobleme der Palto-

ralbriefePauli, i.u. 2. Aufl. (BiblifcheZeitfragen. 3. Folge
Heft 12.) Münlteri. W., Afchendorff 1910. (56 S.) 8°

M. —60

Maier bietet keine Einführung in die Paftoralbriefe
als religionsgefchichtliche Urkunden, fondern er handelt
über ,Die Hauptprobleme der Paftoralbriefe', richtiger ge-
fagt, über das eine vielgeftaltige Problem der Echtheit.
Die Fragen läßt er fich durchaus von der ,Kritik' ftellen
und fucht fie dem weiteren Kreis, welchem die .Biblifchen
Zeitfragen' dienen wollen, in paffender Weife zu beantworten
. Das Heft gibt fich als ein .knappes, . . . vom
wiffenfchaftlichen Apparat tunlichft befreites Pvxzerpt aus
einer... größeren Arbeit', die nächflens erfcheinen foll.
Manchem Lefer wird es trotzdem noch zu gelehrt vorkommen
. Von den angeführten Forfchern ift gewiß der
und jener felbfl vielen Theologen kaum dem Namen nach
bekannt.

Verf. zeigt ein beträchtliches Maß von Empfänglichkeit
für die Kompliziertheit feines Gegenftandes. Er heißt
eine ,allzu zuverfichtliche Apologetik' fchweigen, redet
von ,etwas befremdlicher Eigentümlichkeit der Paft.', kon-
(latiert .Schwierigkeiten', .vielfach fremdartigen Eindruck'
und Ähnliches. Bei der Sprache und Theologie der Pafl.
.fällt es — befonders bezüglich des Gefamteindrucks —
fchwer, der negativen Kritik den giftigen Stachel zu
nehmen' (S. 27). Diefe Worte mögen zugleich als Probe
der erfrifchenden Art feiner Polemik dienen. Auf den
Inhalt der Schrift näher einzugehen, erübrigt fich. Wenn
es M.'s Scharffinn nicht verborgen blieb, daß ,die tonangebende
moderne Kritik im wesentlichen über eine
gefchickte Kombination, Modifikation und kritifche Vertiefung
der Grundgedanken Schleiermachers, Buchhorns,
de Wettes und Baurs nicht hinausgekommen ift' (S. 49),
fo wird fich feine Ehrlichkeit auch gern zu dem Zuge-
ftändnis bequemen, daß die eigne Wehr und Waffen nicht
aus feiner Schmiede flammen, fondern einem Arfenal
entnommen find, das die ArbeitvonGenerationen gefüllt hat.
Nur zweierlei möchte ich bemerken. Gegenüber der
Gründlichkeit, mit der Verf. fonft verfährt, macht es fich
recht feltfam, wenn Marcions Stellung zu den Paft. nur
in einer Anmerkung geftreift wird und zwar mittelft der
Wendung: .Wegen Raummangels ift hier wegen Marcion
nur ein Hinweis auf Zahn, Gefchichte des Kanons I
S. 634 ff. möglich'. Das heißt doch nichts anderes, als
der großen Maffe der Laien einen wichtigen Grund gegen
die Echtheit der Paft. völlig vorenthalten. Sodann wäre
der Verfuch, die Gefchichtlichkeit der zweiten Gefangenschaft
des Paulus durch den Hinweis darauf zu Stützen,
daß manche Gelehrte, die fie vertreten — z. B. Harnack
und Knopf — ,über den Verdacht dogmatifcher Befangenheit
erhaben find' (S. 48,2), beffer unterblieben. Leicht
und ebenfo nichtsfagend kann man darauf erwidern, daß
es mit der Echtheit der Paft. doch Schlecht beftellt fein
niüffe, wenn ein fo wenig vom Gift moderner Zweifelfucht

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durchfeuchter Mann wie Beyfchlag fich niemals von ihr
zu überzeugen vermocht hat.

Marburg/Heffen. Walter Bauer.

Diekamp, Dr. Franz: Über den Urlprung des Trinitätsbe-
kenntniffes. Rede, beim Antritt des Rektorats der
Weftf. Wilhelms-Univerfität, gehalten am 15. Oktober
1910. Münfter i. W., Afchendorff (1910). (31 S.) gr. 8°

M. — 60

Der gegenwärtige Rektor der Univerfität Münfter,
Franz Diekamp, Profeffor der katholifchen Theologie, bekannter
Patriftiker, hat für feine Rede ein im Zeitalter
des Modernifteneides nicht unverfängliches Thema gewählt.
Um den Lefer nicht zu beunruhigen, fetze ich gleich das
Ergebnis her: die ,der fchärfften Kritik ftandhaltenden'
Worte des Herrn Matth. 28,19 ,in Verbindung mit all
den anderen Zeugniffen' berechtigen dazu, es ,fiir eine
der ficherften Tatfachen der neuteftamentlichen Gefchichte
zu halten, daß das Trinitätsbekenntnis in der Urkirche
gang und gäbe war und daß die Apoftel, die es verkündigten
, Zeugnis davon ablegten, es von dem Herrn
felbfl empfangen zu haben'. Buir die .fchärffte Kritik'
wird Bezug genommen auf W. Koch, Die Taufe im Neuen
Teftament, Münfter 1910 (mir noch unbekannt), für die
Verbreitung des Trinitätsbekenntniffes Berufung an Seeberg
(Studien für Zahn 1908) eingelegt. Dem gegenüber
kann nur immer von neuem darauf hingewiefen werden,
daß der fogen. Taufbefehl in unferer Überlieferung ganz
ifoliert dafteht, daß ,all die anderen Zeugniffe' entweder
nicht exiftieren oder, wie 2. Kor. 13,13, ganz anders geartet
find, und daß von Apofteln, die das Trinitätsbekenntnis
verkündigten, gar unter Berufung auf den Herrn,
nichts bekannt ift. Sehr gefchickt weift nun Diekamp
die auch nach meiner Meinung vergeblichen Verfuche, die
Herkunft des Trinitätsglaubens aus außerchriftlichen Vorstellungen
zu erklären, zurück, und es macht fich natürlich
gut, wenn er für feine ablehnende Haltung gegenüber
der religionsgefchichtlichen Betrachtungsweife Harnack
als Kronzeugen zitieren kann. Dann freilich ertappt er
denfelben Harnack doch wieder auf falfchem Weg und
widerlegt, ohne es allzu fchwer zu haben, die jüngfte
Meinung des großen Forfchers, daß das Bekenntnis eine
Frucht der Polemik zwifchen Christen und Juden fei.
Auf Ufener ift er befond ers fchlecht zu Sprechen, und
wieder kann man ihm dabei nicht ganz Unrecht geben.
Gewiß ift es, wie fchon Harnack, auf den Diekamp fich
auch hier bezieht, bemerkt hat, ein unmögliches Beginnen,
in den Allgemeinheiten der Dreiheits-Spekulation die
Löfung des Problems zu Suchen. Es handelt fich bei
den von Ufener beigebrachten Triaden immer nur um
Analogien. Auch erklären fich aus Ufeners Voraussetzungen
keineswegs alle urchriftlichen Dreiheitsformeln.
Man wird, wie ich es, natürlich nicht als der erfte, in meinem
Buch über .Dreieinigkeit und Gottmenfchheit' darzulegen
verflicht habe, auf das liturgifche Bedürfnis und
die liturgifche Gewohnheit zurückzugreifen haben. Daß
aber die Zufammenftellung Vater, Sohn und Geift ihre
Gefchichte gehabt hat, und daß fie —- unter uns unbekannten
Umftänden — an die Stelle einer anderen, nämlich
Gott, Jefus Chriftus und Geift getreten ift, das follte
man füglich fo wenig beftreiten, wie daß urfprünglich
bei der Taufe ein Solches dreigeteiltes Bekenntnis überhaupt
nicht angewendet worden ift.

Gießen. G. Krüger.

Straus, R.: Die Juden im Königreich Sizilien unter Normannen
und Staufern. (Heidelberger Abhandlungen zur mittleren
und neueren Gefchichte. 30. Heft.) Heidelberg,
C. Winter 1910. (115 S.) gr. 8° M. 3—

In der kleinen, aber überaus gehaltvollen Mono-

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