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Ausgabe:

1911 Nr. 14

Spalte:

428-429

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Stephan Isaak, ein Kölner Pfarrer und hessischer Superintendent im Reformationsjahrhundert. Sein Leben

Titel/Untertitel:

von ihm selbst erzählt u. ergänzt v. Wilhelm Rotscheidt 1911

Rezensent:

Bossert, Gustav

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Theologifche Literaturzeitung 1911 Nr. 14.

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Worte Auguftinsf!. Das fettgedruckte ,Zitat', das S. 26,
5—26 einleitet, kann den Kurfivdruck nicht erfetzen; ja
es verwirrt den Lefer zunächft, ift auch in den analogen
Fällen (S. 26, 27; 27,16; 42,4; 49,12—17; 54,21; 56, 14;
56,23; 63,5; 63,23; 66,21; 68,16; 69,18; 70,1; 70,13)
nicht wiederholt. Zweitens würde da, wo einleitende
Worte Auguftins (in eckigen Klammern) oder Julians
(in runden Klammern) mitgedruckt worden find, m.E. eine
freiere Wiedergabe diefer einleitenden Worte in deutfcher

Petit-Typen zweckmäßiger gewefen fein als die lediglich
durch diefeKlammern-Geheimniffe denVerfaffer andeutende
wörtliche Wiedergabe kurzer lateinifcher Einführungen.
Die Verfchiedenheit der eckigen und der runden Klammern
überfieht man fo leicht, daß oft erft der Inhalt
des folgenden Textes auf ein folches Überfehen hinweift.
Und überfieht man die Eigenart der Klammern, fo kann
man, da die Auguftinzitate durch den Druck nicht ausgezeichnet
find (vgl. oben), Auguftin-Worte für Julianifche
und Julian-Worte für Auguftinifche halten, bis man über
den Sinn ftolpert (vgl. S. 27, 16—22 und 27, 23—31). Ja
S. 70, 1 ff. fehlt jede Einführung, die den Lefer darüber
aufklären könnte, daß von Julian zitierte Worte Auguftins
geboten werden; und S. 52,6 hat Verfaffer felbft fich verwirrt
und durch irrige Anwendung runder Klammern
anftatt eckiger dem aufmerkfamen Lefer eine Ausführung
Julians zu einer von ihm zitierten Auguftinifchen ge-
ftempelt! Drittens glaube ich, daß ein Hineinarbeiten
manchen Stoffes aus dem von der Anlage der libri ad
Turbantium handelnden vierten Kapitel (S. 78—88) in das

Rings, P. Mannes M., O. P.: Das Werk des heiligen Dominikus,

zufammengeftellt. Dülmen, A. Laumann 1910. (XV,
199 S.) 8° M. 2—; geb. M. 2.80

Das Büchlein ift aus der Praxis eines Novizenmeifters
hervorgegangen, darf alfo nicht mit wiffenfchaftlichem
Maßftab gemeffen werden; der Verfaffer hebt es felbft
hervor, daß der erbauliche Charakter durchaus vor-
herrfche. In 15 Auffätzen werden die Entftehung und

Sprache und womöglich in deutfchen Lettern oder in : Gefchichte, das Wefen und die Gliederung, die Bedeutung

und die Helden des Dominikanerordens befprochen, mit
der deutlichen Abficht die Hörer für denfelben zu be-
geiftern. Uns ift es intereffant, einen Einblick zu tun in
die Art, wie die Novizen für den Eintritt in den Orden
vorbereitet und über denfelben und feine Helden belehrt
werden. Aber es dünkt uns, es müffen naive Jünglinge
fein, die fich durch folch ein Bild, wo alles Gold in Gold
gemalt ift, wirklich gewinnen laffen; denn felbft wenn
man von der wirklichen Gefchichte des Dominikanerordens
gar nichts weiß, ift es doch von vornherein
fchwer zu glauben, daß in einem fo großen und fo alten
Orden lauter Engel in Menfchengeftalt gelebt haben und
leben. Der Dominikanerorden wird immer wieder als
Orden der Wahrheit gepriefen, aber da ift es doch merkwürdig
, daß während fonft feine Verdienfte um die Kirche
allfeitig hervorgehoben und gepriefen werden, z. B. von
feiner Verbindung mit der Inquifition ganz gefchwiegen
wird. Unwillkürlich fielen mir bei dem Büchlein die
Traktate des franziskanifchen Novizenmeifters David von
Augsburg ein. Der Vergleich fällt zugunften Davids

den Text der Fragmente bietende dritte, alfo eine Durch- | aus: in feinen Schriften ift wirkliche Wahrhaftigkeit und
fetzung der Fragmente mit deutfchen, womöglich in 1 Demut,^ während die vorliegende Schrift mehr von der
deutfchen Typen oder in Petit-Satz gedruckten Ausführungen
des Verfaffers, den Text der Fragmente lesbarer
gemacht hätte. So, wie die Texte jetzt gedruckt
find, ift ihr Sinn mehrfach nur dann recht zu ver-
ftehen, wenn man die Schrift Auguftins, aus der fie
flammen, hinzunimmt und feftftellt, wie ein Text zu dem
vorhergehenden fich verhält. Diefe Arbeit hätte der
Herausgeber durch Zwifchenbemerkungen dem Lefer abnehmen
können und müffen.

Über die Abgrenzung der Fragmente und ihre Anordnung
kann man natürlich gelegentlich anderer Meinung
fein als der Herausgeber. Mir ift z. B. zweifellos,
daß S. 27, 23—31 und S. 28, 35—29, 2 nicht aus den libri
ad Turbantium, fondern aus den libri ad Florum flammen.
Doch würde es zuviel Raum fordern, wenn ich hier ausführen
wollte, weshalb der Gegenbeweis des Verfaffers
(S. 27 Anm. 2 und S. 29 Anm. 1) m. E. mißglückt ift. Im
Ganzen aber wird, wie ich glaube, eine Nachprüfung der
Abgrenzung und Anordnung der Eragmente der Sorgfalt
der Verfaffers zur Ehre gereichen.

Der Sprache des Verfaffers wird niemand die fchwei-
zerifchen (?) Provinzialismen ,famthaft' (S. 86 u. 95) und
,an fonft' (S. 98) übelnehmen. Aber das häufige .diesbezüglich
' wird, hoffe ich, auch kein Schweizer fchön
finden; und .verunmöglichen' (S. 17) ift m. E. ein unmögliches
Wort. Auch ,die Infamia ihrer Werke' (S. 85)
wird niemand als eine gut-deutfche Überfetzung des
.infamia eorum' in opus imperf.4, 5 p. 1342 ausgeben können.

Nicht unerwähnt möchte ich laffen, daß ich des Verf.'s
Urteil über die fittlichen Schwächen, die Auguftin in der
Polemik gegen Julian gezeigt hat (vgl. namentlich S. 81),
für durchaus berechtigt halte (vgl. RE3 XV, 761, 53 ff und
762, 58 f.). Auch Auguftin ift ein Exempel dafür, daß
dogmatifche Streiterei das per fönliche Chriftentum auch
deffen, der nach Anficht der Späteren das .rechte Chriftentum
' vertritt, gar leicht gefährden kann.

Daß S. 108, 29 ftatt .immortalem' vielmehr ,eum mor-
talem' gelefen werden muß, ift fchon RE3 XV, 770,31
bemerkt.

Halle a. S. Loofs.

Kunft der ,Verdemütigung' und der .Vergoldung' zeugt.
Für die wirkliche Gefchichte ift aus dem Büchlein kaum
etwas zu lernen.

Stuttgart. Lempp.

Stephan Ifaak. Ein Kölner Pfarrer und heffifcher Superintendent
im Reformationsjahrhundert. Sein Leben, von
ihm felbft erzählt u. aus gleichzeitigen Quellen ergänzt
v. Paft. Wilh. Rotfcheidt. (Quellen u. Darftellungen
aus d. Gefch. d. Reformationsjahrh. 14. Bd.) Leipzig,
M. Heinfius Nachf. 1910. (XIII, 178 S.) 8» M. 6 —

Rotfcheidt bietet den Neudruck zweier Recht-
fertigungsfchreiben des Konvertiten Stephan Ifaak aus
den Jahren 1586 und 1592 mit einem Anhang von zahlreichen
Quellenbelegen namentlich aus Kölner Akten,
aber auch Briefen an Joh. Jak. Grynäus ufw. Ifaak hatte
ein bewegtes Leben. Im Jahr 1542 wurde er als Jude
aus dem Stamm Levi in Wetzlar geboren, 1546 zu Marburg
mit feinem Vater Joh. Ifaak getauft. Da diefer
1547 als Lehrer der hebräifchen und chaldäifchen Sprache
von Granvella nach Löwen berufen wurde, trat die ganze
Familie zur römifchen Kirche über. 1552 kam Joh. Ifaak
nach Köln in gleicher Stellung. Der Sohn wollte Medizin
ftudieren, wurde aber wider Willen in den geiftlichen
Stand hineingedrängt und brachte es bald zu einer an-
gefehenen Stellung als Kanonikus zu S. Urfula und Pfarrer
an Maria Ablaß in Köln und zu einer guten Anzahl
reicher Pfründen. Als Prediger hatte er großen Zulauf
und als Gegner der Evangelifchen großes Anfehen. Eifrig
ftudierte er die Schriften der Ketzer, wozu er Erlaubnis
bekommen hatte, um fie defto beffer bekämpfen zu
können, aber diefe Bücher ließen ihn nicht mehr los und
zeigten ihm die Schwäche der römifchen Theologie. Doch
hielt ihn noch die Autorität der Kirche, die Gott nicht
Jahrhunderte lang hätte irren laffen können. Wir treffen
diefelben Gedanken wie bei dem jungen Luther und heute
noch bei vielen taufend redlichen Katholiken. Aber fchon
wagte Ifaak einzelne Mißbräuche anzugreifen. Zunächft
war es für den geborenen Juden, der gerne über alt-