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Ausgabe:

1911 Nr. 13

Spalte:

398-400

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Joachimsen, Paul

Titel/Untertitel:

Geschichtsauffassung und Geschichtsschreibung in Deutschland unter dem Einfluß des Humanismus. 1. Teil 1911

Rezensent:

Brandi, Karl

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Theologifche Literaturzeitung 1911 Nr. 13.

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des vierten Herausgebers B. Carra de Vaux weggefallen
und auf dem Titel des vorliegenden Bandes der Name
des Bearbeiters anders gedruckt als auf dem Textband
(Sedlacek ftatt Sedlacek). Ob letztere Verfchiedenheit
mit dem Druckort zufammenhängt, weiß ich nicht; die
Überfetzung ift in Rom (von Karolus de Luigi), der Text
in der Parifer Nationaldruckerei hergeftellt. Geprüft habe
ich die Überfetzung nur an einzelnen Stellen. Bei dem
Zitat aus Hippolytus, das ich bei der Anzeige des Textes
befprach, umfchreibt auch Sedlacek .Traianus Quintus',
nicht Quietus: ,Et Vespasianus non erexit idola in templo,
sed illa legio quam collocavit Traianus Quintus, vir
nobilis Romanorum, erexit ibi idolum quod vocatur köre'.
Vgl. die Erörterung der Stelle bei Schürer3'4 I, 701. Im
Text ift, falls diefe Überfetzung richtig ift, legio zuerft
als Femininum, dann als Maskulinum behandelt: möglich
ift auch, mit Annahme eines Anakoluths zu überfetzen:
,fondern (bei der) Legion, welche Trajan fandte, errichtete
Quietus ein Bild der Kore'. Dann ift die Stelle für
Hippolytus gerettet und keine Annahme einer Gloffe aus
der dezianifchen Verfolgung nötig. S. 150 Z. 30 wird
-nop zu 2 Petr. 2, 15 Schreibfehler für "1103 = Bosor fein,
und nicht fo zu erklären, wie es am Rand von S. 116
gefchieht. Die angezogenen Bibelftellen find forgtältig
nachgewiefen. Das Heft darf fomit als bequeme Überficht
über einen lehrreichen Beitrag zur Gefchichte der
Exegefe empfohlen werden.

Maulbronn. Eb. Neftle.

Graf, Pfr. Dr. Georg: Die arabilchen Schriften des Theodor

Abü Qurra, Bifchofs von Harran (ca. 740—820). Literar-
hiftorifcheUnterfuchungen u. Überfetzung. (Forfchungen
z. chriftl. Literatur- u. Dogmengefchichte. X. Bd. 3.
u. 4. Heft.) Paderborn, F. Schöningh 1910. (VIII, 336 S.)
gr. 8° M. 12 —

Das vorliegende Werk des in der Gefchichte der
chriftlich-arabifchen Literatur rühmlichft bekannten Ver-
faffers führt uns in die großen chriftologifchen Kämpfe
zwifchen den verfchiedenen Sekten des Orients und ihrer
Polemik gegen das Judentum und den Islam zur Zeit
der Chalifen Harun al Rafchid bis Mamün. Abu Qurra
war in diefer Zeit der gefeiertfte Disputator in theolo-
gifchen Fragen. Durch glückliche Kombinierung ver-
fchiedener Angaben gelingt es dem Verfaffer, einige
fichere Daten aus dem Leben diefes Bifchofs von Harran
zu gewinnen. Er ift ein Mönch des Sabasklofters bei Je-
rufalem und war 813 vom Patriarchen in Jerufalem mit
einer Miffion nach Armenien beauftragt, um die dortigen
Kirchen für die Entfcheidung des Konzils von Chalcedon
zu gewinnen.

Nach der Schilderung des Lebenslaufes geht der
Verfaffer dazu über, das theologifche Syftem des Abu
Qurra darzuftellen. Daran fchließen fich Überfetzungen
feiner Werke an. Aus der Darfteilung des Verfaffers
geht hervor, daß wichtige theologifche Fragen des Syftemes
von Abu Qurra, z. B. die Beftimmung des Wefens des
Glaubensaktes, der Eigenfchaften Gottes, der Gottesbe-
weife mit denfelben Fragen in der fpekulativen Theologie
des Islam derfelben und der folgenden Zeit faft überein-
ftimmen. Eine Beeinflußung des Islam durch das Chriften-
tum ift deshalb m. A. n. nicht abzuweifen. Die Sprache
diefer Gattung der chriftlichen Literatur ftimmt zudem
mit der den islamifchen Philofophen eigentümlichen Ausdrucksweifen
in vielen Punkten überein. Die Werke Abu
Qurras find alfo ein Zeugnis für die nahe Berührung, in
der die beiden Kulturkreife des Orientes, das Criftentum
und der Islam, in jener Zeit ftanden. Der Verfaffer hebt
von feinem kirchlichen Standpunkte aus die für die Kirchen-
gefchichte fich ergebenden Konfequenzen (die Beziehungen
der verfchiedenen chriftlichen Sekten zueinander wie Ne-
ftorianer, Jakobiten ufw., ferner den Monotheletismus der

Maroniten) in einleuchtender und fachlicher Form hervor.
Auch diefes Werk bildet neben den bereits bekannten
Werken des Verfaffers einen neuen fchätzenswerten Beitrag
für die Gefchichte des orientalifchen Chriftentums
und der dortigen Kultur.

Bonn. M. Horten.

Jacob, Karl: Studien überPapIt Benedikt XII. (20. Dezember
1334 bis 25. April 1342.) Berlin, R. Trenkel 1910.
(III, 165 S.) gr. 8» M. 4 —

Diefe Studien berückfichtigen, foviel ich fehe, alle
Seiten der pontifikalen Tätigkeit Benedikts XII.; wir haben
es mit einer vollftändigen Monographie über der Papft zu
tun; auch über fein Vorleben find die nötigen Angaben
gemacht. Da fein Verhalten zu Ludwig dem Bayern fchon
fehr gründliche Darftellungen erfahren hat, fo hat J. mehr
fein Verhalten zu dem franzöfifchen Hofe und feine innerkirchliche
Tätigkeit in den Vordergrund treten laffen; wie
mir fcheint, mit dem beften Erfolge. Sehr eingehend ift
das päpftliche Finanz- und Steuerwefen unterfucht und
dargeftellt, und damit für die Regierungszeit eines einzelnen
Papftes einer Forderung Rechnung getragen, die
in der Papftgefchichte einen immer breiteren Raum be-
anfprucht. In Zufammenhang damit flehen die Unter-
fuchungen über die Kardinäle und die päpftlichen Beamten
. Sehr groß find des Papftes Bemühungen um
Reform der Orden gewefen und darum wird auch darüber
eingehend gehandelt. Seine Wirkfamkeit auf poli-
tifchem Gebiete ift bedingt durch die Abhängigkeit vom
franzöfifchen König; dadurch, aber auch durch feine Veranlagung
war er gehindert, hohen politifchen Zielen nach-
zuftreben und in der großen Politik etwas zu erreichen.
Dagegen hat er auf geiftlichem Gebiete etwas erreicht;
wenn auch die großen Ordensreformationen und die Neuordnung
des kirchlichen Verwaltungswefens nicht ganz
fo, wie er fie plante, durchgeführt werden konnten, ,fo
haben fie unzweifelhaft doch manche tief eingeriffenen
Schäden gebeffert und fo die in der Kirche zunehmende
Unordnung und Verweltlichung der folgenden Jahrhunderte
auf ein gut Stück hinausgefchoben'. Man fieht, daß der
Verf. fich bemüht hat, die Schwierigkeiten, mit denen der
Papft zu ringen hatte, und feine guten Eigenfchaften und
Abfichten gerecht zu würdigen. Er hat gut herausgeftellt,
was das Pontifikat diefes Mannes intereffant macht.

Jacob hat feine Darfteilung mit reichen Quellennachweifen
verfehen; es ift mir unmöglich gewefen, diefe Zitate
nachzuprüfen; doch fcheint die Arbeit forgfältig zu fein.

Die an den Anfang geftellte Lifte der benutzten Werke ift fehr umfänglich
; ich zweifle, ob folche Liften praktifch find: und wenn man einmal
zeigen will, wie groß die Zahl der eingefehenen Schriften ift, fo
kann ich nicht einfehen, warum fo wichtige Werke wie Janaufcheks Ori-
gines Cisterc. und Karl Müllers Kirchengefchichte 2. Band nicht aufgenommen
find. Ein feltfamer Lapfus ift dem Verf. S. 80 Anm. I, 83.
Anm. 1 paffiert, wo die Feuillanten und Trappiften in unmittelbare Verbindung
mit Benedikt XII. gebracht bezw. die Trappiften der Zeit vor
Benedikt zugewiefen werden. Wie kann ein Hiftoriker die Genoflenfchaften,
die die Spiritualen bildeten, pfeudoreligiös nennen! (S. 86).

Kiel. G. Ficker.

Joachimfen, Paul: Gelchichtsauffaffung und Gefchichts
fchreibung in Deutfchland unter dem Einfluß des Humanismus
. I. Teil. (Beiträge zur Kulturgefchichte des
Mittelalters und der Renaifiance. Heft 6.) Leipzig,
B. G. Teubner 1910. (VI, 299 S.) gr. 8° M. 8 —

Dies Buch bekennt fich erfreulicherweife zu der auch
von mir feit Jahren in Vorlefungen über allgemeine Gefchichte
der Hiftoriographie vertretenen Anfchauung, daß
uns die literarhiftorifche Betrachtung der Gefchi'chts-
fchreiber mehr nottut als die quellenkundliche. Es fleht
damit, wie mit dem tieferen Verftändnis der Urkunden,
das uns auch erft die von der modernen Diplomatik er-