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Ausgabe:

1911

Spalte:

321-324

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Oldenberg, Hermann

Titel/Untertitel:

Aus dem alten Indien. Drei Aufsätze über den Buddhismus, altindische Dichtung und Geschichtschreibung 1911

Rezensent:

Windisch, Ernst

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Seite 1, Seite 2

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack

Fortgeführt von Professor D. Arthur TitiUS und Oberlehrer Hermann Schuster

Jährlich 26 Nm. Verlag: J. G. Hinrichs'lchc Bnchhandlung, Leipzig Halbjährlich 9 Mark

Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find ausfchließlichan .
ftfi TnhrP" TVIr 11 Profeffor D. Titius in Göttingen, Friedländer Weg 26, zu fenden. A/. IVlcll lcf 1 i

OVJ. Udlllg. U Reienfionsexemplare ausfchließlich an den Verlag.

Oldenberg, Aus dem alten Indien (E. Win-
difch).

Thompson, Semitic Magic, its origins and

development (Baudiflin).
Viteau, Les Psaumes de Salomon (NefUe).
Hillauer. Grundzüge des babylonifch-talmu-

difchen Eherechts (Bacher).
DenDey, Jesus and the Gospel (Wernle).
Harnack, Die Adrefle des Epheferbriefs des

Paulus (Schmiedel).
Acquoy, Handleiding tot de Kerkgeschiedvor-

sching en Kerkgeschiedschrijving (W. Köhler).
Heuffi, Kompendium der Kirchengefchichte

(Derf.).

Appel, Kurzgefaßte Kirchengefchichte für Studierende
(Derf.).

Loofs, Grundlinien der Kirchengefchichte in der 1 Riem, Natur und Bibel in der Harmonie ihrer

Form von Dispofitionen für feine Vorlefungen
(W. Köhler),
l'reufchen, Analecta [Sammlung ausgewählter
kirchcn- und dogmengefchichtl. Quellenfchrif-
ten] (Knopf)

Offenbarungen (Otto).
Das Evangelium Chrifti, herausg. v. C. Hilty

(Niebergall).
Auer, Carl Hilty (Derf.).
Siems, Meine Gemeinde und ich (Drews).

Löwenthal, R. Jona Gerundi und fein ethifcher Referate: Verhandlungen der Synode der evang.-

Kommentar zu den Proverbien (Beer).

Opet, Brauttradition und Konfensgefpräch in
mittelalterlichen Trauungsritualen (Sehling).

Knodt, Die Bedeutung Calvins und des Calvinismus
für die proteftantifche Welt (Lobftein).

TIsrQaxaxog. XvfxßoXal slg ro noivixuv
Sixaiov ri/g uQ&odü^ov avazol. ixxXtjalag
(Ph. Meyer).

Buchwald, Guftav Adolf Fricke (B. Weiß).

Ruft, Guftav Claß'Philofophie (Heinr. Scholz).

Hinderfin, Die Lehre vom All (Thimme).

luth. Freikirche in Sachfen u. anderen Staaten.
— Schultheß-Rechberg, Der Kardinal
Jacopo Sadoleto. — Rüegg, Die Beziehungen
Calvins zu Heinrich Bullinger. — Penzig.
Die Ethik Gaffendis.
Mitteilungen: (30) Die Tempel von BaDylon.
(31) American Oriental Society, Jahresversammlung
. (32) Das Jahr des Proconsulats des Gallio
in Achaja. (33) Matthaeuscommeutar von
Petrus von Laodicea hrsg. von G. Heinrich
Wichtige Rezenfionen. — Neuefte Literatur.

Oldenberg, Hermann: Aus dem alten Indien. Drei Auffätze
über den Buddhismus, altindifche Dichtung und Ge-
fchichtfchreibung. Berlin, Gebr. Paetel 1910. (VII,
110 S.) 8» M. 2 —

H. Ohlenbergs Schriften bedürfen keiner Empfehlung,
denn ihr Verfaffer ift einer der heften Kenner der alt-
indifchen Literatur, in Sanskrit und in Päli. Er weiß auch
fchon öfter behandelten Gegenftänden neue Gefichtspunkte
abzugewinnen, und zu den Eigentümlichkeiten feiner
Schreibweife gehört eine feine pfychologifche Begründung
der Tatfachen. Der erfte der drei Auffätze, die hier zu
einem Bändchen vereinigt find, betrifft einen Punkt, in dem
einzelne Gelehrte eine zu große Übereinftimmung des
Buddhismus mit dem Chriftentum erblickt haben. Oldenberg
wendet fich gegen Pifchel, der die im Päli metta,
im Sanskrit maitri genannte .Liebe' als den Grundgedanken
des Buddhismus bezeichnet und der chriftlichen
Liebe gleichgefetzt hat. Ich ftimme Oldenberg durchaus
bei, wenn er die Bedeutung diefer buddhiftifchen Tugend
— fie ift eigentlich mehr Freundlichkeit als Liebe —
etwas einfchränkt. Ohne Frage wird metta in einer
fchönen Stelle des Itivuttaka, die auch Oldenberg anführt,
in mehreren Vergleichen als die höchfte Tugend gepriefen:
wie das Licht der Sterne auch nicht dem fechzehnten Teil
des Lichtes des Mondes entfpricht, fo überftrahlt metta
alle anderen Tugenden. Man wird faft an 1 Cor. 13
erinnert. Aber diefe Tugend erlöft den Menfchen nicht
vom Dafein, fie fichert ihm nur die Wiedergeburt in einem
höchften Himmel, den er auch wieder verlieren kann.
Uber ihr fteht die höchfte Erkenntnis und auf fie folgend
der völlige affekt- und gedankenleere Quietismus, der nach
dem Tode nichts übrig läßt. Deshalb kann man metta,
die Liebe, nicht als den Grundgedanken des Buddhismus
bezeichnen. Man darf vielleicht fagen, daß metta in
ahnlicher Weife eine Steigerung der ahimsä ift, des Gebotes
,Du follft kein lebendes Wefen verletzen', wie
Chriftus in der Bergpredigt dem alten Gebot ,Du follft
nicht töten' einen weit über feinen Wortlaut hinausgehenden
Sinn gegeben hat. Die buddhiftifche Freundlichkeit
hat aber mehr einen myftifch-abftrakten Charakter, fie ift
eine Gefinnung, die fich'bei Buddha felbft in einem wohl-
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tuenden Glänze, der von feinem Wefen ausftrömt, äußert.
Auch das leife Lächeln der Buddhaftatuen bringt diefe
Stimmung zum Ausdruck. Oldenberg kommt auch auf
die Askefe zu fprechen. Aus Buddhas Lebensgefchichte
wiffen wir, daß er die Askefe fchon vorfand. Aber fie
foll nicht übermäßig gepflegt werden. Eine feiner erften
und hauptfächlichften Lehren ift der mittlere Weg, der
gleichweit entfernt ift von einem Leben in Genuß und
einem Leben in übertriebener Kafteiung. Der Begriff
der Buße muß von der buddhiftifchen Askefe fern gehalten
werden. Der indifche Asket will durch die Askefe
das Fleifch, den natürlichen Menfchen ertöten, aber fich
dafür übernatürliche Kräfte erwerben. Wir werden hier
an die asketifche Richtung des chriftlichen Mönchtums
erinnert. Auch hier wieder eine gewiffe Ähnlichkeit in
der allgemeinen Richtung und doch auch wieder große
Verfchiedenheit, was nach meiner Meinung dahin zu deuten
ift, daß diefe Dinge auf beiden Seiten von derfelben
Menfchennatur, aber von innen heraus felbftändig entwickelt
worden find. Nach Oldenberg, auch nach Senart,
würde die Askefe der Buddhiften im Befondern aus dem
unter dem Namen Yoga bekannten brahmanifchen Syftem
ftammen, in dem die Askefe neben der philofophifchen
Erkenntnis als ein Mittel zur Erlöfung behandelt ift. Yoga
ift ein Ausdruck für Askefe geworden, und Yogin, Nom.
Yogi, bezeichnet den mit Zauberkraft ausgeftatteten As-
! keten. Wie in theoretifcher Beziehung mit der brahma-
' nifchenSänkhya-Philofophie, fobeftehtin diefer asketifchen
! Praxis allerdings eine gewiffe Verwandtfchaft des Buddhismus
mit dem brahmanifchen Yoga. Die Hauptgedanken
des Sänkhya und des Yoga find fchon vor Buddha vor-
j handen gewefen, aber die uns jetzt literarifch vorliegenden
I Lehrfätze diefer beiden Syfteme verdanken ihre Faffung
erft viel fpäteren Zeiten.

In dem zweiten Auffatz knüpft Oldenberg eine Schilderung
des Buddhismus an den Sutta Nipäta, eine Samm-
j lung altbuddhiftifcher Dichtungen, an, die durch Fausböll's
Ausgabe, Überfetzung (in den Sacred Books of the East)
und lexikalifche Bearbeitung allgemein zugänglich geworden
ift. Er beginnt mit Betrachtungen über die archäo-
i logifchen Funde der neueren Zeit, deren hohe Bedeutung
! in linguiftifcher, literarhiftorifcher, künftlerifcher Beziehung

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