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Ausgabe:

1911 Nr. 9

Spalte:

282

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Rothes, Walter

Titel/Untertitel:

Christus, des Heilandes, Leben, Leiden, Sterben und Verherrlichung in der bildenden Kunst aller Jahrhunderte 1911

Rezensent:

Bergner, Heinrich

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Theologifche Literaturzeitung 1911 Nr. 9.

282

Bewußtfein weitefter Kreife gedrungen und, einmal erwacht
, nicht wieder ftirbt'. ,Es ift keine Ausficht vorhanden
, daß im 20. Jahrhundert die Kirche in der Geftalt
der Staatskirche wieder eine geiftliche Macht wird in
den weithin abgefallenen Kreifen des Volkes' (S. 13).
Ernfte, aus folchem Munde fchwerwiegende Worte, welche
diejenigen fich merken mögen, fo es angeht: die summi
episcopi, die Oberkirchenräte, die Kultusministerien.

Großlichterfelde-Berlin. Graf von Hoensbroech.

Vorwerk, Konfift.-Rat Superint. Dietrich: Kinderleelenkunde
als Grundlage des Konfirmandenunterrichts. Schwerin i. M.,
F. Bahn 1911. (144 S.) gr. 8° M. 2 —

Nicht als ,Grundlage', wohl aber als leitendes und
konstitutives Moment des Konfirmandenunterrichts erkenne
ich die Kinderfeelenkunde an. Mir fcheint, daß die Begeisterung
für feine junge Wiffenfchaft den Verfaffer trotz
feiner eigenen Mahnungen zur Vorficht doch zu allerlei
„ bertreibung gebracht hat, wie im Titel, fo auch im Inhalt
feines Buches. Wer wollte nicht freudig der Aufgabe
der Kinderfeelenkunde zustimmen, dankbar die Darlegungen
über ihre Gefchichte und Literatur (bei der ich nur das
Buch von Dr. Albert Moll, das Sexualleben des Kindes,
Berlin 1909, vermißt habe) entgegennehmen, mit Vergnügen
, foweit er kann, die empfohlenen Bücher studieren
und verwerten und jede Anregung für den Konfirmandenunterricht
fich zunutze machen? Wer wollte nicht die
Forderungen des Verfaffers, daß an jeder Univerfität ein
ordentlicher Lehrstuhl für Pädagogik gegründet, und daß
die Pädagogik von den Theologen theoretifch und prak-
tifch ganz anders gründlich betrieben werde, gern unterstützen
? Wer wollte nicht willig fowohl für den Konfirmandenunterricht
wie befonders für die Kindergottes-
dienfte manchen alten und neuen Wink vom Verfaffer
fich einprägen laffen? — Allein in der Praxis haben fich
fowohl im Allgemeinen wie im Konfirmandenunterricht
Theologen feit Jahrzehnten mehr um die hier vorliegenden
Probleme bemüht, als es ihre Zurückhaltung in der Öffentlichkeit
und das Urteil Vorwerks vermuten läßt. Und
daß durch die fyftematifche Kinderfeelenkunde eine neue
Epoche des Konfirmandenunterrichts heraufgeführt wird,
glaube ich um fo weniger, je größer die Ansprüche find,
mit denen man auftritt. Dazu ift die neue Disziplin, wie
auch die Literatur beweist, viel zu wenig geklärt und gereift
. Auch ift die Art und das Milieu der ,Konfirmanden'
viel zu verfchieden und je nach Volksftamm, Landfchaft,
Gefchichte, Kulturbedingungen und Alter viel zu fehr von
wechfelnden Verhältniffen abhängig, als daß man eine
Spezielle Konfirmandenpfychologie' fchreiben könnte.
Ferner vermag alles kinderpfychologifche Studium das
pädagogifche Charisma, den feelforgerlichen Sinn und die
lebendige Erfahrung weder zu erfetzen noch hervorzurufen.
Endlich habe ich den Eindruck, daß manche der von V.
aufgestellten Forderungen, z. B. daß in einem Zötus nicht
mehr als 12 Konfirmanden fein follen (S. 85), dann die
auf S. 67 ausgefprochenen Mahnungen, ferner die zufammen-
hängende Beobachtung jedes Konfirmanden und die individuellen
Beziehungen zu ihm, weiter die Bestimmungen
über die Zeit des Konfirmandenunterrichts (S. 83 f.), die
Aufsätze und Erzählungen der Konfirmanden (S. Iii) zwar
fehr fchön, vielleicht fogar ideal, aber in den meisten Orten
einfach undurchführbar find, — zumal in dem von V.
nachdrücklich geforderten Zeitraum von nur einem halben
Jahr, und wenn man nach der von V. (S. 98 ff.) dargelegten
Methode verfährt. Meine Formulierungen über den Zweck
des Konfirmandenunterrichts und des religiöfen Schulunterrichts
fowie über die religiöfe Heimatkunde als Ausgangspunkt
des Unterrichts halte ich durchaus aufrecht, trotz
der Einwendungen Vorwerks (S. 79—81. 87,) die nur zeigen,
daß er meine Pofition gar nicht recht verstanden hat.
Auch ich kann mich da auf langjährige Erfahrung berufen.

An der vortrefflichen Predigt (S. 135—144) wird fich jeder
erfreuen, aus der Fülle des übrigen Stoffes aber ein jeder
das herausnehmen, was ihn anregt und ihm zweckmäßig
und einleuchtend fcheint.

Frankfurt a/Main. Bornemann.

Rothes, Doz. Dr. Walter: Christus, des Heilandes, Leben,
Leiden, Sterben und Verherrlichung in der bildenden Kunst
aller Jahrhunderte. Mit 196 Abbildungen im Text und
5 Farbendruckbildern. KölnJ.P. Bachem (191 o). (XIV,
324 S.) gr. 8° M. 8—; geb. M. 10 —

Christus in der Kunft, das ift jedenfalls eine erhabene
Aufgabe. Man kann fie rein ikonographifch faffen, wenn
man die einzelnen Vorstellungen, das Christusbild, die
Taten und Schickfale des Herrn, die allegorifchen und
fymbolifchen Einkleidungen feiner Lehre in ihrer Entwicklung
, Wandlung, Bereicherung unter dem Einfluß der
Kirchenlehre, der Frömmigkeit und der künftlerifchen
Auffassung durch 2 Jahrtaulende verfolgt. Man kann fie
auch äfthetifch faffen und im Gegenfatz etwa zur Antike
als Entfaltung christlicher Schönheitsbegriffe befchreiben.
Man kann fie auch erbaulich betrachten und alle Chri-
ftusbilder als Ausfluß und Reiz der Andacht, der religiöfen
Stimmung und Hingebung vorführen. Für jede
diefer Betrachtungsweifen haben wir fchon tüchtige Vorarbeiten
, jede ift berechtigt und fruchtbar, jede wird einen
lehrreichen Spiegel der christlichen Kultur geben. Der
Verfaffer hat fich im wefentlichen an die erste Betrachtungsweife
gehalten, doch fo, daß der Vortrag für ein
weiteres Publikum mundgerecht gemacht wird. Da der
Verf. viel gefehen und gelefen, fällt auch für den Forfcher
manches Körnlein ab. Im ganzen ift jedoch die Darfteilung
weder tief, noch anziehend, zumal wenn man an
die feinfinnigen Betrachtungen von F. X. Kraus zurückdenkt
. Für die neuere Zeit ist das Urteil fogar bedenklich
hilflos, und die widersprechendsten Erfcheinungen
werden da oft in gleicher Ebene nebeneinandergereiht,
indem lediglich das Wie, nicht das Warum ausgefprochen
wird. Immerhin ift der Stoff fo reich, daß man die Mängel
überlehen und das hübfch ausgeftattete Buch als
Vorboten eines vollkommneren gern begrüßen wird.

Nifchwitz, S.-A. Bergner.

Ficker, Prof. Dr. Johannes: Neuer Druck und Schmuck des
evangelilchen Gefangbuches für Elfafl-Lothringen. Leipzig,
Dieterich 1910. (54 S.) gr. 8° M. 2 —

Mit der vorliegenden, reich illustrierten Schrift läßt
Ficker feinem 1903 erstatteten Bericht über Druck und
Schmuck des auf feine Anregung und unter feiner aus-
fchließlichen Leitung von der Straßburger Paftoral-Kon-
ferenz in einer künftlerifchen Ausgabe herausgegebenen
neuen Gefangbuchs für Elfaß Lothringen einen lehrreichen
Bericht über den feitherigen Ausbau des jetzt in neuer
Auflage und zugleich in einer Parallelausgabe vorliegenden
Buches folgen. Da die Schrift alles feit 1903 Neu-
gefchaffene im Bilde enthält, fetzt fie den Lefer in den
Stand, das ganze Werk nach allen Seiten, die charaktervolle
, feierlich wirkende Typenform und das harmonifche
Satzbild, die feinen und finnreichen Titelbilder und Initialen
, die stimmungsvollen Muster für das Vorfatzpapier
und die Fülle der Originaleinbände zu durchmustern. Das
Refultat der Prüfung kann nur dankbare Bewunderung
fein für das, was hier unter der Inspiration und Leitunoeines
kunfthiftorifch und künftlerifch durchgebildeten,
dabei für die religiös-kirchliche Bedeutung des ev. Gefangbuchs
begeisterten Theologen ein auf dem Gebiet des
religiöfen Buchfchmucks bewährter Künstler (Otto Hupp
in München) geleistet hat, um dem Kirchenvolk fein Gefangbuch
, dies vornehmste religiöfe Volksbuch der evan-