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Ausgabe:

1911 Nr. 9

Spalte:

264-265

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Sola Pool, David de

Titel/Untertitel:

The Old Jewish-Aramaic Prayer The Kaddish 1911

Rezensent:

Fiebig, Paul

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Theologifche Literaturzeitung 1911 Nr. 9.

264

Hauptvertreter der arabifchen Poefie in chronologifcher
Ordnung. Man begegnet faft ausfchließlich bekannten
und berühmten Namen, z. B. 'Amr b. Kultüm, Imruulkais,
Schanfarä, Aus b. Hagar, A'schä, Hassan b. Täbit, dem
Leibpoeten des Propheten Muhammed, 'Omar b. abi Rabi'a,
Ferazdak, Abu Nowäs, dem Lobredner des Weins und
der Knabenliebe aus der Zeit Härün al-Raschid's, Abu
'Atähija, Mutanabbi und fchließlich dem blinden Dichter-
Philofophen Abu 'Alä el-Ma'arri (f 1057 a. D.).

Von dem 270 S. umfaffenden Gloffar fagt der Ver-
faffer in der Vorrede, daß es ,den jungen Arabiften in
den meiften Fällen der Schwierigkeit der Interpretation
überheben und ihm fo ein rafches Sicheinleben in diefen
wichtigen Teil der arabifchen Literatur ermöglichen' dürfte.
Auch ich bewundere den Fleiß und die Akkurateffe,
welche an die Herftellung des Gloffares gewendet worden
find. Aber wenn es fo weit geht, für jede Bedeutung —
felbft die gewöhnlichfte — genau die Belegftellen der
Chreftomathie, nach Seite und Zeile, zu verzeichnen, fo ift
das des Guten entfchieden zu viel. Der akademifche
Lehrer, welcher die fchön ausgewählte Chreftomathie
gern im Kolleg behandeln möchte, wird, wie ich glaube,
doch Bedenken tragen, feinen Studenten die Efelsbrücke
eines folchen Glofiars in die Hand zu geben. Dagegen
muß allen denen, welche ohne Hilfe eines Lehrers fich
in die arabifche Poefie einlefen wollen, Grünerts Buch
auf das nachdrücklichfte empfohlen werden.

Gießen. Fr. Schwally.

Wiener, Harold M., M.A., LL.B: The Origin of the Penta-

teuch. London, E. Stock 1910. (V, 152 p.) gr. 8»

s. 1; geb. s. 1.6

Die Schrift wendet fich, vielfach mit Berufung auf die
früheren Veröffentlichungen des Verfaffers, an die weitere
Öffentlichkeit Die ganze, angefichts der mancherlei Uneinigkeiten
zwifchen den Kritikern ohnehin refultatlofe
(S. 106.113) kritifche Arbeit am Pentateuch, die feitAftruc
getan worden ift, erfcheint als Mifchmafch von Irrtum
und Gewalt. Mit dem Gefühl der Überlegenheit, mit Berufung
auf alles, was gefunder Menfchenverftand ift, und
gelegentlicher Ironie führt der Verfaffer über diefe Ver-
irrung des menfchlichen Geiftes hinweg. Dabei gehört
W. erft nicht zu den Leuten, die auch die Steine nicht
fchreien hören, fondern fieht und anerkennt, daß der vorliegende
Text der Auffaffung als Einheit von Mofes Hand
Schwierigkeiten bietet Aber er bewältigt diefe mit wenigen
und einfachen Mitteln: die Anftöße find Gloffen, Text-
verderbniffe, Textumftellungen und z. T. Mißverftändniffe
der Erklärer.

Einige Beifpiele: die ganze Frage der Entwicklung des Prieftertums
verfchwindet, wenn Dt. 18,7 die Gloffe ,die Leviten' geftrichen wird
(S. 71 f.) Die großen Zahlen der Israeliten find nicht original: palaeo-
graphical science proves, that there was a time when e. g. the same
characters could be read either as forty thousand or four thousand,
and the erors of transmission could arise very easily in this way (S. 56).
Die Schwierigkeit des Verhältniffes von Ex 33,7 ff. zu cap. 25 ff. wird fpielend
bewältigt durch Verletzung von 33,7fr hinter 13, 22 (S. 54); zwanglos be-
feitigt fich damit auch das anftößige Prieftertum Jofuas (S. 55 f.). Das ganze
Gefetz ift mißverftanden worden durch die im Zeitalter Nehemias ent-
ftandene Deutung (S. 58 f. 66). Als Beifpiel richtiger Erklärung des Textes
fei hervorgehoben einmal die Entdeckung, daß Ex 20, 24 fr. nur von den
Laienaltären im ganzen Land ('151 Dlpart 5=3) Israels bezw. Jahwes
redet und daß Dt. (16,21) diefelben neben dem Hauptheiligtum rund
anerkennt, und dann noch die Zurechtftellung der bisherigen Mißhandlung
von Nu 10, 35: hier die die Lade tragenden Leviten wegzudenken und
die Lade als Repräfentation Jahwes anzufehen, ift ungefähr gerade fo
berechtigt, wie wenn man bei der Kotitz ,when the guns moved to the
front, the band played «God save the King»' fich vorftellen würde, die
Kanonen haben keine Befpannung und repräfentieren den Konig (S. 92—94).

Auch das alte Elend des Vorwurfs, die Kritik mache die ver-
fchiedenen Teile des Pentateuchs zu Fälfchungen, fehlt nicht (S. Iii).

Zu einem reinen Genuß der Sonderbarkeiten des
Buchs kommt man aber nicht, weil es dem Verfaffer
großer und echter Ernft mit feiner Verteidigung eines

bedrohten Heiligtums ift. Hoffentlich werden wir mit
einer Überfetzung ins Deutfche nicht heimgefucht.

Stuttgart. H. Holzinger.

Budde, Karl: Auf dem Wege zum Monotheismus. Rektoratsrede
. (Marburger akademifche Reden. 1910. Nr. 24.)
Marburg, N. G. Elwert 1910. (24 S.) gr. 8° M. — 50

Unter diefem Titel behandelt Karl Budde den Ent-
fcheidungskampf der israelitifchen Prophetie mit den
babylonifch-affyrifchen Göttern in der Zeit der Höhe
des affyrifchen Reiches unter König Manaffe und beim
Niedergange des Reiches unter Jona. Leider wiffen
wir aber über das Zeitalter Manaffes recht wenig. Wer
alfo über diese Periode eine Schilderung geben will, ift
eben auf mehr oder weniger wahrfcheinliche Vermutungen
angewiefen. Buddes Darftellung ift kurz diefe: die offizielle
jüdifche Anfchauung habe damals Jahve als primus
inter pares den affyrifchen Göttern übergeordnet; dabei
habe man Jahve als den „Gott des Himmels" aufgefaßt
und aus den affyrifchen Göttern nur diejenigen ausgewählt,
die unmittelbar in einem der Himmelskörper ihren Sitz
gehabt hätten; auch habe man Jahve dem babylonifchen
Himmelsgott Anu gleichgefetzt und alfo Iftar, Anus
Tochter, auch als Jahves Tochter betrachtet, ufw. Man
kennt die Gewiffenhaftigkeit und Vorficht, mit der Budde
feine Hypothefen aufftellt und unter den vorhandenen
Möglichkeiten das Wahrfcheinliche ausfucht. Auch hier
wird man ihm nicht beftreiten können, daß alles dies
ganz wohl fo gewefen fein könne. Aber daß es fo ge-
wefen fein müffe, hat Budde, foweit ich fehe, nicht be-
wiefen und wird fich auch niemals beweifen laffen, ehe uns
ausführlichere Nachrichten aus jener Zeit zu Gebote flehen.

Gießen. Hermann Gunkel.

Sola Pool, Dr. David de: The Old Jewish-Aramaic Prayer
The Kaddish. Leipzig, R. Haupt 1909. (XIII, 121 S.)
gr. 8° M. 8 —

Der Verfaffer bietet hier eine reichhaltige und gründliche
Monographie über das jüdifche Kaddifch-Gebet.
Diefe Unterfuchung intereffiert die chriftliche Theologie
vor allem deshalb, weil die beiden erften Bitten des
Vaterunfers große Verwandtfchaft mit diefem Gebet
haben und daher die Frage nach den Beziehungen diefes
jüdifchen Gebets zum Vaterunfer nicht abzuweifen ift.
Nach einleitenden Bemerkungen, Literaturangaben und
dem Abdruck des bei Rab Amram Gaon (um 880 n. Chr.)
vorliegenden Textes des Kaddifch folgt eine ,hiftorifche
Einführung'. Danach ift das urfprüngliche K. eine Schluß-
doxologie nach einer haggadifchen Erörterung in der
Synagoge. In einem zweiten Abfchnitt ,Die Sprache und
die Entftehungszeit des K.' führt der Verfaffer aus, daß
die urfprüngliche Sprache des K. das Aramäifche, und
zwar ,die Schulfprache des Targum', genauer, eine der
Sprache des Prophetentargums fehr nahe flehende Sprache
fei. Die Entftehungszeit des K. fetzt er in vorchriftliche
Zeit, und zwar nach Paläftina. Vaterunfer und K. follen auf
ein effenifches Original zurückgehen, da Johannes der Täufer
und Jefus Verwandtfchaft mit effenifchen Gedanken
zeigen. So richtig es vermutlich ift, daß das K. in vorchriftliche
Zeit zurückgeht, ebenfo wie das Schem'a und
Schemone 'esre, fo richtig es ferner fein wird, daß das
Vaterunfer fich an damals vorhandene jüdifche Gebete,
alfo auch an das K., anlehnt, fo wenig ift aus den mit
dem Effenismus verwandten Zügen Johannes des Täufers
und Jefu eine Abhängigkeit ihrer Gebete, insbefondere
des Vaterunfers, von effenifchen Gebeten zu beweifen.
Diefer Beweis wäre nur dann möglich, wenn wir von
effenifchen Gebeten Genaueres wüßten, was aber nicht
der Fall ift. Für die Vokalifation des K. bevorzugt
der Verfaffer die fuperlineare Vokalifation. Nach diefen