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Ausgabe:

1911

Spalte:

193-194

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Windisch, Ernst

Titel/Untertitel:

Die Komposition des Mahavastu. Ein Beitrag zur Quellenkunde des Buddhismus 1911

Rezensent:

Geiger, Wilhelm

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack

Fortgeführt von Professor D. Arthur TitlUS und Oberlehrer Hermann Schuster

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Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. HinrichsTche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich 9 Mark

Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find ausfchließlich an
fTfi .Tahrfr TT 7 Profcuor D. Titius in Göttingen, Friedländer Weg 26, zu fenden. ÄTVril 1Q11

OU. ücimg. AUA. / Rezenfionsexemplare ausfchließlich an den Verlag. A« AJJI U lJLL

Windifch, Die Kompofition des Mahavaftu

(Geiger). ,
Fehrle, Die kultifche Keufchheit im Altertum

Manitius, Gefchichte der lateinifchen Literatur Eckert, Einführung in die Prinzipien und Me-
des Mittelalters (Strecker). thoden der evangelifchen Theologie (Beth).

Hauck, Die Entflehung der geldlichen Terri- Kirn, Grundriß der Evangelifchen Dogmatik
(Paul Wendland). ^ ^ torien (Ficker). (Lobftein).

Steinmetz, Die Bereitung zur Konfirmation in
Lehre und Leitung (Bornemann).

Marge-Iis, Lehrbuch der aramäifchen Sprache ! Schweizer, Ambr. Catharinus Politus (Bof- | Referate: Brieger, Der Speierer Reichstag von

des babylonifchen Talmuds (Landauer). fert).
V ogels, Die Harmoniftik im Evangelientext des B odelfchwingh, Friedrich v. Bodelfchwingh

Codex Cantabrigiensis (Herrn, v. Soden). (Knoke).
Stofch, Die Apollolifchen Sendfehreiben nach I Bunke, Vater Bodelfchwingh (Derf.).

ihren Gedankengängen (Fiebig). ' Branca, Der Stand unferer Kenntniffc vom

Hol fch er, Die Gefchichte der Juden in Paläftina foffilen Menfchen (Otto).

feit dem Jahre 70 nach Chr. (Hoennicke). Caffirer, Subftanzbegriff und Funktionsbegriff
Franz, Die kirchlichen Beuediktionen im Mittel- (E. W. Mayer).

alter (Drews). Fragen des modernen Geifteslebens (Steinmann).

uerate: nrieger, 12er opeierer rceicnstag von
1526 und die relig. Frage der Zeit. — Thrän-
dorf, Kirchengefchichte und Erziehung.
Mitteilungen: (18) Schechter's .Fragments of a
Zadokite Work' eine pharifäifche Schrift der
jüd. Diafpora zu Damaskus. (19) St. Anfaro
ein etrufkifcher Harufpcr. (20) Das Religions-
gefchichtliche Lefebuch.
Erklärung von v. Soden.
Wichtige Rezenfionen. — Neuefle Literatur.

Windilch, Ernft: Die Kompofition des Mahävastu. Ein

Beitrag zur Quellenkunde des Buddhismus. Des
XXVII. Bandes der Abhandlungen der phil.-hift. Klaffe
der Kgl. Sächf. Gefellfchaft der Wiffenfchaften Nr. XIV.
Leipzig, B. G. Teubner 1909. (45 S.) gr.Lex.-8° M. 1.80
Mit der Abhandlung über die Kompofition des Ma

finden. Sie nehmen fich aus wie eine unmittelbare Über-
fetzung aus dem Päli oder aus einer in einem anderen
Dialekt verfaßten Quelle, die aber dann annähernd den
gleichen Wortlaut wie der Pälitext gehabt haben muß.
Er fcheidet dann die verfchiedenen fpäteren Interpolationen
aus und kommt zu dem Ergebniffe: „Im Mahä-
vaftu fehen wir mit unferen Augen, daß ein urfprünglich
hävaftu fetzt Windifch leine wertvoüen ijnterfa^ einheitlicher Stoff durch Fortfetzungen und

Einfchiebungen beftimmter Art abfichtlich erweitert
worden ift." Damit berühren fich Windifchs Unter-
fuchungen über den buddhiftifchen Kanon aufs engfte
mit meinen eigenen über die Entftehung und Entwicke-
lung der ceylonefifchen Päli-Chroniken. Er befchließt
auch feine Unterfuchung mit dem Hinweife auf diefe
Parallele.

Es ift fehr zu begrüßen, daß in neuerer Zeit das
Intereffe fich wieder mehr der nordbuddhiftifchen Literatur
zuwendet. Ich erinnere nur an die fchönen Arbeiten
de la Vallee-Pouffins. Eine Befchreibung des
Buddhismus nur auf Grund der Pälifchriften ift immer
einfeitig. Aber ich meine auch: das genauere Studium
jener Literatur läßt die Altertümlichkeit des füdbuddhifti-
fchen Kanons in um fo hellerem Lichte erftrahlen. Gerade
Windifch's Studien haben das auf das klarfte dargetan.
Gewiß ift auch der Pälikanon nicht in dem Sinne authen-
tifch, daß er nur Lehren und Worte des Buddha enthält
Davon ift er weit entfernt. Aber er ift der ältefte
äufderidÜn^en Faden ^Ü^i^/^äev'l&s Mahä- | und reinfte Niederschlag-der Erinnerungen an diefe Lehren

über die Entwickelung der buddhiftifchen Überlieferung

fort, die er mit „Mära und Buddha" und „Buddhas Geburt
und die Lehre von der Seelenwanderung" begonnen
hat. Durch diefe Unterfuchungen wird der Nachweis
geliefert, daß in der Päliliteratur der Südbuddhiften uns
der buddhiftifche Kanon in feiner altertümlichften Geftalt
erhalten ift, und daß fich daraus die Werke der Nord-
buddhiften durch Umarbeitung und zahlreiche Einfchie-
bungen entwickelt haben. Ein folches nordbuddhiftifches
Werk ift das Mahavaftu. Es ift in ftark fanskritifieren-
dem Präkrit verfaßt, entftanden in der Sekte der Lokot-
taravädins im Madhyadega, d. i. Nordindien, und dem
Vinaya-Pitaka, der Literatur über die Mönchszucht, zugehörig
. Das wird in der Einleitung ausdrücklich ge-
fagt. Ohne dies würde man es diefer Kompilation hetero-
genfter Elemente, die in Senarts trefflicher Ausgabe
drei ftarke Bände umfaßt, kaum anmerken. Indeffen hat
doch bereits Oldenberg in feinen „Buddhiftifchen Studien
", Zeitfchr. d. D. Morgenl. Gefellfch. 52, S.645, Anm. 1.

vaftu mit dem Vinaya im alten Sinn des Wortes verbindet".

Die erften 24 Kapitel des Mahävagga im Päli-Vinaya
enthalten etwas wie eine Lebensgefchichte des Buddha
von der Erleuchtungsnacht bis zur eigentlichen Gründung
der Gemeinde. Der Grundgedanke, der den Ab-
fchnitt zufammenhält und mit dem Vinaya inhaltlich verknüpft
, find die verfchiedenen Formen der upasaw/padä,
der Priefterweihe. Diefer Abfchnitt nun liegt dem dritten
Teile des Mahavaftu zugrunde und ift zu einer Entwicke-
lungsgefchichte des Buddha erweitert und ausgebaut
worden. Windifch zeigt nun den ganzen Umwande-
lungsprozeß an der Hand der Texte in eindringender
Weife auf, wobei er auch zur Vergleichung namentlich
die Nidänakathä der Jätakas und den Lalita-viftara heranzieht
. Er weift nach, wie vielfach noch ganze Stellen
des Mahävagga fich wortwörtlich im Mahävaftu vor-

und Worte, wie fie im Kreife der unmittelbaren Schüler
fich gebildet haben und weiter überliefert worden find.

Erlangen. Wilh. Geiger.

Fehrle, Eugen: Die kultifche Keulchheit im Altertum. (Reli-
gionsgefchichtliche Verfucheund Vorarbeiten. VI.Band.)
Gießen, A. Töpelmann 1910. (XII, 250 S.) gr. 8° M. 8.50

Die Arbeit ift ähnlich angelegt wie die Wächters
(f. Sp. 131), mit der fie fich vielfach ergänzt. I. Sie behandelt
zuerft die Liebesvereinigung zwifchen Gott und Menfch,
die Dieterich (Mithrasliturgie) neben dem Effen des Gottes
und der Adoption als befonders verbreitete Vorftellungs-
form der Einigung mit der Gottheit befprochen hatte.
Das reiche Material zeigt fehr verfchiedene Stufen und

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