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Ausgabe:

1910

Spalte:

105-108

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Baumgartner, Ephrem

Titel/Untertitel:

Eucharistie und Agape im Urchristentum. Eine literar-historische Untersuchung 1910

Rezensent:

Goetz, Karl Gerold

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Theologifche Literaturzeitung 1910 Nr. 4. 106

daß die Arbeit einmal gemacht ift, damit die leere Rede ; veranftaltetes Mahl, das Herren- oder Sonntagsmahl, bei
von dem großen Einfluß heidnifcher Gebete auf die chrift- j dem die Reichen den Armen das Effen brachten, und alle
liehe Liturgie aufhört. > miteinander gemeinfehaftlich fpeiften zum Zeichen der

Für die wenigen Beifpiele, die über folch allgemeine , Zufammengehörigkeit und Liebe. Daß eine h. Euchariftie-
Berührung hinausführen, insbefondere die gleiche Stoff- i feier mit demfelben verbunden gewefen fei, fage der
auswahl bei Aufzählung altteftamentlicher Wundertaten, Text nicht, fondern fchließe es aus. Er erweife jene
ift der jüdifche bez. chriftliche Einfluß auf die magifchen ; nur als den Korinthern bekannt. Vermutlich habe fle
Formeln evident. Eine ausreichende Erklärung der , am Morgen ftattgefunden. Der proteftantifche Fachmann
Übereinftimmung der Bilderferie in der altchriftlichen wird fleh angefichts diefer Behauptungen fofort fagen, daß
Kunft in liturgifchen Formeln und in Predigten fcheint 1 Baumgartner, ebenfo wie Chryfoftomus, fleh durch die
mir immer noch die zu fein, daß aus der Sache felbft Praxis feiner Kirche in der Auslegung der Texte be-
heraus immer wieder diefelben biblifchen Hauptbeifpiele j ftimmen läßt. Eine fachliche Widerlegung würde in-
fleh nahelegten, fodaß fle, wie dies noch heute in der j deffen weit führen, darum nur einige Bemerkungen. Es

kirchlichen Praxis der Fall ift, fchließlich zu einer ftereo
typen Reihe wurden.

Wittenburg i. W.-Pr. Ed. von der Goltz

ift jetzt durch Deißmann feftgeftellt, daß xvQiaxog keine
vo.v so/um biblica et ccclcsiastica, wie Baumgartner meint
(S. 130). Und wenn ,der große Exeget' von Mopfuefte,
Theodor fagt, xvQiaxöv nenne Paulus das Mahl fowohl

Baumgartner Lekt Dr. Ephrem, O. M. C, Euchariltie wegen der Zeit als wegen des Orts, fo ift da eins fo
und Agape im Urehriftentum. Eine literar-hiftorifche i

Unterfuchung. Solothurn, Buch- und Kunftdruckerei
1909. (XV, 33s S) gr. 8" M. 6.50

Schürer weiß, daß Paulus im felben Brief, I. Kor. 16, 3,
den Sonntag nicht Herrntag nennt. Ferner bezeugt der
Text, daß Jefus die Euchariftie nach dem Abendeffen

Gegenüber dem frifchen Zug, der römifch-katholi- vollzog c. 11,25. Darum ift von vornherein das Wahr-
fcherfeits durch Renz und Wieland in das Studium der fcheinlichere, daß fle auch in Korinth zur felben Zeit
Abendmahlsfragen gebracht worden ift, hat eine mehr 1 ftattfand. Obendrein aber fagt Paulus von einer Morgen-
konfervative Gegenbewegung eingefetzt. Ihr entfpringt feier nicht ein Wort, und weiß auch die jüdifche Sitte
wohl auch die vorliegende Arbeit. Diefe foll den erften nichts von einer ifolierten Euchariftie und Brotbrechen
Teil eines größern Werkes über die Entwicklung der am Morgen. Endlich fpricht der Umftand, daß Paulus
Agape bis ins vierte Jahrhundert bilden. Im Eingang mit dem Bericht von der Euchariftie Jefu gegen die un-
berichtet Baumgartner über die Agapenfrage feit dem würdige F'eier des Herrnmahls argumentiert und die
Anfang des 17. Jahrhunderts, wo Aubespine mit dem Bemerkungen über den unwürdigen Empfang ohne
Satze ,in Agapis nusquam celebrata Eucharistia' der weiteres einflicht, fo ftark für den Zufammenhang von
durch Baronius herrfchend gewordenen, gewöhnlichen , Herrnmahl und Euchariftie, daß dagegen die billige
Anficht entgegentrat. Er erwähnt die neuefte Kontro- Ausrede von Chryfoftomus-Baumgartner nicht aufkommt,
verfe auf katholifcher Seite, Batiffols Angriff auf die her- Paulus gerate gern vom Hundertften ins Taufendfte. Eine
kömmliche Meinung, daß die Agape eine Nachahmung erfchöpfende Diskuffion fcheint mir übrigens nicht mög-
des letzten Abendmahls Chrifti fei, ein Liebesmahl mit lieh, fo lange Baumgartner feine Auffaffung der Euchariftie
nachfolgender Euchariftie, und die energifche Vertheidi- Jefu bei Paulus und der darauffolgenden Worte nicht ge-
gung diefer durch Funk, Leclercq, Ermoni, Belfer, Wie- nauer präziflert. Was er einftweilen darüber bemerkt,
land, Raufchen u. a. Auch die .akatholifche' Literatur j daß die Lehre der römifch-katholifchen Kirche allein
hat Baumgartner im allgemeinen genügend berückflehtigt. dem Wortlaut und der Idee des Paulus gerecht werde,
Er unterfucht die Quellenberichte nach geographifcher genügt für eine gründliche Auseinanderfetzung längft
Ordnung, Jerufalem, Griechenland, Kleinaflen, Syrien; nicht. Gerade der Punkt, den die römifche Abendmahls-
weil ungewiß, ob die Agape gleich überall diefelbe Ge- lehre eigentlich allein fcharf beleuchtet, die wirkliche
ftalt angenommen habe. Für Jerufalem ift ihm Quelle Gegenwart, berührt mehr pfychologifche als fachliche
vorzüglich Apg. 2,42—47; 6, 1—5, daneben Jud. 12—14. | Unterfchiede der Auffaffung. Baumgartner freilich findet
Aus der erften Stelle fchließt er auf eine tägliche im Gegenteil (S. 142), fo lange man fleh auf akatholifcher
Euchariftiefeier in der Urkirche, xkäötQ x. a., wahrfchein- Seite gegen eine wörtliche Auffaffung fträube, fo lange
lieh mit Opfercharakter, und auf Kommunion (xoivwvia) < werde eine Verftändigung unmöglich fein. Aber fträuben
des Gebrochenen von Seite des Volks. Von einer hier- j wir uns denn wirklich alle noch fo fehr hiegegen? Ich
mit im Sinne der gewöhnlichen Agapentheorie ver- glaube, moderne Forfcher wie H. Holtzmann', Eichhorn,
bundenen Mahlzeit vermag er nichts wahrzunehmen, j Anrieh, um von meiner Wenigkeit nicht zu reden ver-
Mit Recht greift Baumgartner, meines Erachtens, zum flehen die Stelle L Kor. 11, 24.25 auch ziemlich rea-
Beweis des Opfercharakters der xXäoic, x. er. und über- liftifch. Den beften Beweis jedoch dafür, daß mit dem
haupt zur Erklärung diefes Ausdrucks auf den rabbini- die Angelegenheit noch nicht erledigt ift, erbringen die,
fchen Brauch des Brotanbrechens beim Segenfpruch über trotz der Übereinftimmung über die wörtliche Auffaffung,
das Brot als Hauptfpeife der Mahlzeit zurück (S. 15 ff )- im katholifchen Lager beftehenden Meinungsverfchieden-
Ich habe dasfelbe fchon vor einigen Jahren nach Light- heiten. — Im Folgenden bietet Baumgartner manches wert-
foots Vorgang in meiner Schrift über ,Die heutige volle. Beachtenswert ift fchon die Befprechung von I. Kor.
Abendmahlsfrage1 S. 186 ff. getan und frage mich, wie 12,1—7. 14, 13—40 unter dem Gefichtspunkt des Sympofion
lange unfere Neuteftamentler noch an jener nächft- ; als zweiten Aktes beim Herrnmahl (S. 155 ff). Scharfliegenden
Auskunft vorübergehen wollen und aus ihrem finnig ift auch die an das Brotbrechen Apg. 20, 7 ff. anKopf
fymbolifche Bedeutungen des Brotbrechens er- fchließende Unterfuchung (S. 187 ff.), die darauf hinaus-
flnnen. Den übrigen Ausführungen von Baumgartner : führt, daß je nach jüdifcher oder anderer Ta^esbe-
kann ich und wohl noch mancher andere nicht zuftimmen. ftimmung der Sabbatabend oder der Sonntagmor^en
— Sehr breit angelegt hat Baumgartner feine Erörterung als Sonntaganfang gerechnet und für die Abhaltung der
der in Frage kommenden Abfchnitte des I. Korinther- Fluchariftiefeier benützt wurde. Womit die von Sokrates
briefes. Von den alten Auslegern von I. Kor. 11, 17—34. und Sozomenos berichteten Unterfchiede der kirchlichen
die er alle durchgeht, fcheint ihm nur Chryfoftomus Myfterienfeier erklärt werden. Ebenfo ift die Heran-
etne gefchichtlich begründete Meinung zu befitzen und ziehung von Eph. 5, 18—20 für die A"apengefchichte me
nach ihm Iheodor von Mopfuefte. Ihnen fchließt er fchickt durch fachliche Vergleiche aus Plutarch Das Gnft
Ach an und verlieht (S. 135. 148) unter dem xvQcaxbv ~"ul
ötljtvov von I. Kor. ir lediglich ein am Sonntagabend

mahl der neben Weifen, begründet (S. 213 ff.). Bei Ignatius
Ad-Smyrn. 8 wfll Baumgartner beweifen, das lyäxnv

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