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Ausgabe:

1910 Nr. 2

Spalte:

54-55

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Delehaye, Hippolyte

Titel/Untertitel:

Sanctus. Extrait des Analecta Bollandiana, tome XXVIII 1910

Rezensent:

Anrich, Gustav Adolf

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Theologifche Literaturzeitung 1910 Nr. 2.

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fammenhang mit Columbafcher direkter Tradition
kommen, wie ich, freilich nicht fowohl für das erfte, als
das letzte (das Hören-) Symbol des Sacr. Gallic. kon-
jizierte (II, 793, Anm. 53). Das von Burn vorgeführte
Symbol (S. 5 fagt B., er bringe es auf PI. 5, es fteht
aber auf PI. 4b!) wäre, wenn auf Columba zurückzuführen,
noch intereffanter. Barns hat in ,Some Creed Problems'
erwägenswerte Möglichkeiten angedeutet (die Burn mit
Recht in Erinnerung bringt).

4. Cod. Vat. Palat. lat. 493, fol. 16, 16v., 17: Ein
Symbol des fog. Missale Gallicanum. Diefes ,Missale'
enthält Stücke zw ei er Werke. Das,erfte1 derfelben bringt
Traube wieder ziemlich ficher in Verbindung mit
Luxeuil. Das aus ihm reproduzierte Symbol paßt auch
wieder zu Barns' Kombinationen. Auch es bietet, was
mir bisher entgangen war (obgleich die Editionen es
fchon boten), atnicum dominum nostrum'l Auf diefe
Kombination und die Handfchriften, die fie zeigen, ift
noch mehr zu achten, als bisher gefchehen ift. Burn
hat bisher nicht daran gedacht, die Frage zu verfolgen,
ob und wie fie zur Diagnofe der Zufammenhänge
zwifchen Formeln und Handfchriften zu verwerten ift.

5. Cod. Paris, lat. 12048 fol. 181 und 191 v. Zwei
Stücke aus dem fog. Sacr. Gellonese, beide unfraglich
T. Mir war II 813p, Anm. 82 im Wege, daß auch bei
Delisle zwar das Alter (c. 750), aber nicht der Urfprung
feftgeftellt war; Traube weift mit faft völliger Gewißheit
die Diözefe (nicht von Gellone, fondern) von Meaux als
Heimat nach. Burn entwickelt im Blick auf das Sakra-
mentar eigenartige, aber nicht unglaubliche Gedanken über
die Einftellung von C in abendländifche Sakramentarien:
Rom habe nie C bei der Taufe rezipiertl

6. Cod. Finsidlensis 199, pag. 474: Die Tauffragen
in den Dicta abbalis Priminii. In Traubes paläographi-
fchen Bemerkungen erfcheint mir wichtig der Schluß, daß
Priminius (,eine an Primus und Primigenius angelehnte
Umgeftaltung von Pitnenius = IJoi/ieviogr) mit einiger
Wahrfcheinlichkeit als Spanier zu betrachten fei. Das
bringt ein Moment in die Frage nach der Heimat von T,
welches überrafchend heißen muß. Ich habe bisher
Künftles Idee, daß T wohl aus Spanien flamme, kurzerhand
abgelehnt; fortan muß fie mindeftens für diskutabel
gelten.

Diefe erften fechs Texte gehören alle irgendwie zu
dem Material, aus dem man feine Schlüffe zu ziehen hat
hinfichtlich der Entftehung und eigentlichen Heimat des
fog. textus receptus des Apoftohkums, T. Burn faßt
feine Refultate, wie er fie gegenwärtig, zumal auch nach
genauerer Erwägung gerade obiger Texte gewonnen habe,
auf S. 12 zufammen. Er kommt meinen Gedanken jetzt
näher als früher. Ich hatte an Gallien (Burgund) als
Heimat gedacht. Burn denkt jetzt an die Columba-
klöfter. Daß eigentlich Rom den Text erft zum allgemeingültigen
gemacht hat, erfcheint auch mir felbftver-
ftändlich. Burn denkt dabei an eine frühere Zeit, als
ich. Darüber läßt fich natürlich verhandeln.

Die nächften Texte gelten dem Nicaenum und Con-
stantinopolitanum, nämlich nach 7. Cod. Vatic. lat. 1322
und 8. Cod. Tolosanus 364, die kanoniftifches Material
enthalten. Die Texte find entnommen aus der lateini-
fchen, von Rufticus gefertigten Überfetzung der Akten
vön Chalcedon. Cod. Vatic. ift nach Traube, in den
beiden Stücken, die er kombiniert, fo gut wie ficher in
Verona gefchrieben; das zweite Stück, aus dem Burn
N und C entnimmt, im 6. bis 7. Jahrhundert. Cod. Polos.
ift von Turner in /glänzender' Weife, wie Traube fagt,
ins Licht gerückt durch einen ,Fund', den er machte und
kraft deften die Urfchrift auf die Anfangszeit des 7. Jahrhunderts
zurückzuführen ift. Traubes .Noten' hören
beim Tolosanus auf. Burn konftituiert letztlich S. 17
den lateinifchen Text von C nach allen Handfchriften,
die er überhaupt vergleichen konnte, nur eben unter

Zugrundelegung der beiden älteften, aus denen die Photographien
entnommen find.

Die dritte Klaffe von Tafeln illuftriert das Atha-
nafianum. Das erfte Stück ift: 9. Cod. Lugdunensis
S. Fid. fol. 109 z/., 114, 114 v. Es handelt fich um den
berühmten Leidradcodex, den Delisle entdeckte und,
weil dem Alter nach abfulut gewiß zu beftimmen, be-
fonders hoch einfehätzte. Der Text von Q ift durch
falfche Bindung der Blätter in dem Codex zerriffen, er
beginnt fol. 109 und wird erft fol. 114 fortgefetzt. Ich
habe Apoft. II, 859, Anm. 95 fchon darauf aufmerkfam
gemacht, daß die Kollektion von Formeln, die der Codex
enthält, fich genau wiederfindet im fog. Goldenen
Pfalter in Wien. Burn knüpft an diefe Tatfache bemerkenswerte
Kombinationen, zumal er noch einen
weiteren Codex mit ganz dem gleichen Inhalte entdeckt
hat, Cod. Bruxell. 8656, saec. IX. — Es folgt der Text
von Q in 10. Cod. Petriburgensis Q I, 15, fol. 63 u. 63 z'.
Der Codex ift, wie Traube alsbald fah, als Burn ihm vor
Jahren die Photographien zeigte, die er jetzt veröffentlicht
, identifch mit dem lange vergeblich gefuchten Codex
aus St. Germain-des-Pres, den Mabillon als Cod. ,257'
und ,267' befchrieben hat. Traube führt den Codex zurück
auf" Klofter Perrona und kommt u. a. von ihm aus zu
feinen hiftorifch wichtigen Erkenntniffen. Die Urfchrift
muß um 70p angefetzt werden. Für die Gefchichte von
Q ift das zweifellos nicht gleichgültig.

Es folgen noch 11. Cod. Monaccnsis lat. 6298 (Fris.
98) fol. iv. und 2r., fowie 12. Cod. Ambrosianus 0. 212
sup. fol. 14, 14 z/., 15. Der erfte foll saec. VII/VIII fein.
Es ift nicht ohne Intereffe, daß in ihm Q zum Eingange
einer Sammlung von Sermonen fteht, die ,wahrfcheinlich'
von Caesarius von Arles herrührt. Denn Dom Morin meint,
daß Caef. wohl am eheften als Verfaffer von Q gelten
könne. Der Ambrosianus fcheint aus der Zeit + 700
zu flammen und ift in Bobbio, wenn nicht gefchrieben, fo
doch bewahrt gewefen; er zeigt die drifche Hand'. Sein
Alter rückt ihn mit dem Petriburg.-Sangerman. zufammen.
Burn beleuchtet zum Schluß die Bedeutung der Varianten
der Handfchriften in Bezug auf den Text von Q. Seine
eigene in der Introduction to the Creeds 1899, und fchon
vorher vorgetragene Hypothefe, daß Honoratus von
Arles wohl der Verfaffer fei, hat er nicht aufgegeben.
Neuerdings will Brewer den Ambrofius als Verfaffer
erweifen, was zu meinem Eindrucke, daß Auguftin mit
1 Q bekannt fei, befonders gut paffen würde. Indeß ich
erwähne diefe neuefte Hypothe hier nur, um mit Worten
von Burn in der Vorrede, die mir befonders homogen
find, zu fchließen. Burn meint: We must be content to
let many Problems in the history of the creeds remain
unsolved for the present, but we shall make no progress
unless some theory is provided by which to lest the facts
collected. Wir werden noch mehr als eine ,Arbeits-
hypothefe' wohl bei jedem der ökumenifchen Symbole
verfuchen müffen.

Halle a. S. F. Kattenbufch.

Delehaye, H., S. J., Sanctus. Extrait des Analecta
Bollandiana, tome XXVIII. Bruxelles, Societe des
Bollandistes 1909. (56 p.) gr. 8°

Der vorliegende Auffatz ift der Unterfuchung der
Frage gewidmet, durch welche Entwicklung und in
welcher Bedeutung sanctus zur technifchen Bezeichnung
des ,Heiligen' der katholifchen Kirche geworden ift. Zu
diefem Zwecke unterfucht Verf. zuerft den vielgeftaltigen
paganen Sprachgebrauch, wobei eine vollftändige Lifte
der Gottheiten, die das Prädikat sanctus erhalten, und
der betreffenden Infchriften dem Religionshiftoriker befonders
dankenswert erfcheinen wird. Folgt die Be-
fprechung des biblifchen, dann die Verfolgung des
chriftlich-kirchlichen Sprachgebrauchs in den erften fünf
Jahrhunderten. Dabei ergibt fich, daß der fehr ver-