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Ausgabe:

1910 Nr. 24

Spalte:

749-751

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Rossini, Karolus Conti

Titel/Untertitel:

Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium. Scriptores aethiopici. Series altera. Tomus II, XXII et XXVIII 1910

Rezensent:

Nestle, Eberhard

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Theologifche Literaturzeitung 1910 Nr. 24.

7SO

fchrieb. Die übrigen Viten der in diefem Bande aufgenommenen
Merovingerheiligen find fämtlich aus dem
karolingifchen Zeitalter und deshalb für die Merovinger-
zeit von geringem Wert, fo die Vita der Äbtiffin Sadal-
berga, des Abtes Frodobert von Moutier-la-Celle, des
Bifchofs und Abtes Remaclus von Malmcdy-Stavelot, der
nach irifcher Sitte bereits als Abt die Bifchofsweihe hatte,
des Bifchofs Nivardus von Reims, des Abtes Filibert von
Jumieges, des zweiten Abtes von Fontenelle und fpäteren
Bifchofs von Lyon, Lantbert, des Bifchofs Ansbert, der
der Nachfolger des hl. Audoin im Bistum Rouen wurde,
des auf einer Seineinfel als Anachoreten fich nieder-
laffenden Schotten Condedus, des Bifchofs Erembert von
Touloufe, des Abtes Ermenlandus von Indre und endlich
die Viten des Audomarus, Bertinus und Winnocus. Wenn
auch alle foeben aufgezählten Viten lange nach dem
Tode der genannten Heiligen verfaßt find, fo find doch
zum Teil in ihnen wertvolle Urkunden aus dem mero-
vinger Zeitalter benutzt. Dagegen ift die Vita Vincentiani
confessoris, über den wir nichts Sicheres wiffen, eine
völlig wertlofe Fälfchung. Dasfelbe gilt von der Vita
des Abtes Meneleus, des angeblichen Stifters des Klofters
Menat, der wahrfcheinlich lediglich aus dem Namen des
Klofters von einem unverfchämten Fälfcher im 10. Jahrhundert
erfunden ift. Auch die Vita Faronis, des Bifchofs
von Meaux, ift eine Fälfchung der Mönche des Klofters
zum hl. Kreuz in Meaux, die ihn als Patron verehrten, und
nur für das Zeitalter Karls des Kahlen von Wert. Ferner
wird von Krufch die Fassio Ragncberti als eine wertlofe
Fälfchung, die der Fassio des Leodegar nachgeahmt ift,
erwiefen. Endlich hat Levifon die Vita des Bifchofs Wulfram
von Sens, die noch Hauck früher als Gefchichtsquelle
verwertet hatte, in die Fälfchungen des karolingifchen
Zeitalters verwiefen, und ebenfo wenig gefchichtlich
Gefichertes enthält die Fassio des Würzburgifchen Märtyrers
Kilian. Wir wiffen nur, daß ein Schotte Kilian mit
zwei Genoffen in Würzburg getötet ift. Wann dies ge-
fchah, bleibt völlig dunkel, nur das Jahr der Erhebung
der Körper 752 und das Jahr ihrer Überführung 788
fleht fett. Es fei noch auf die 22 kunfigefchichtlich wertvollen
Tafeln verwiefen, die diefem Bande aus Hand-
fchriften der Visio Baronti, der Vita Amandi und des
Testamentutn Amandi in vorzüglicher Reproduktion beigegeben
find.

Heidelberg. G. Grützmacher.

Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium.

(Scriptores Aethiopici. Series altera.)
(Tom. Ii) Historia regis Sarsa Dengel (Malak Sagad). Edidit K. Conti

Rossini. Accedit Historia gentis Galla, curante L Guidi.
Textus et Versio. Parisiis. Lipsiae, O. Harrafibwitz 1907. (232 et
208 p.) gr. 8" M. 18 —

(Tom. XXII) Vitae sanctorum indigenarum. Edidit Karolus Conti Rossini
. I. Acta Marqorewos. Versio. Parisiis 1904. (64p.)gr. 8° M. 1.60

(Tom. XXVIII) Acta martyrum. Edidit Franciscus Maria Esteves Per-
eira. I. Textus et Versio. Romae 1907. (276 et 251 p.) gr. 8° M. 20.80

1) Sarsa Dengel, mit feinem Regierungsnamen Malak
Sagad, regierte von 1563—1597. Die hier vorliegende
Gefchichte feiner Regierung ift in feinem Auftrag teilweife
von einem Augenzeugen in verfchiedenen Zeiten
gefchrieben worden. Der erfte Abfchnitt, Kap. 1—7
nach feiner feierlichen Krönung, die erft im Januar 1579
in der Hauptkirche in Akfum ftattfand. Das achte Kapitel
, das den Krieg gegen die jüdifchen Fürften Kälef
und Radä'i 1579/80 behandelt, gleich nach deffen Beendigung
. Die Ereigniffe der Jahre 1580—1585 und die
letzten fechs Regierungsjahre find übergangen. Das
neunte Buch behandelt den Krieg gegen den Juden
Guäen (1585/86) bis zum Ende des Kriegs gegen die
Gamboltämme. Mehr als der Inhalt intereffiert in diefer
theologifchen Zeitfchnft die Form der Gefchichtfchrei-

bung, die durchaus im Stil der altteftamentlichen Erzählungen
gehalten und mit Zitaten aus der Bibel ganz
durchfetzt ift, zum Teil mit recht entlegenen. Weitaus
die meiften hat der Überfetzer nachgewiefen, gelegentlich
auch einmal fehlgreifend, z. B. S. in, wo Dt. 1, 28;
9, I ftatt Gn. 11, 4 zu zitieren war. Einzelne Zitate und
Anfpielungen find dunkel, z. B. S. 40: /komme confiant
ne pirira pas pour les malheur de sa maison', S. 123
,les murailles de Sanaor'; S. 179 ,le Seigneur multiplie
ses jours, comme les Joürs de deux oliviers' (Sach. 4?).
,Celiä qui honore sa viere aura de long jours' S. 61
neben Ex. 20, 12 zitiert. Außer der Bibel werden auch
Apokryphen zitiert; z. B. S. 14: auf der Flucht nach
Ägypten erfährt Maria durch Jofephs Sohn Jofa, daß
die Soldaten des Merodes kommen; S. 37: ,Fuisse-je la
voir trainee par les chiens' fagte Thomas zu der Hand,
die ihn gefchlagen. Jofephus, Sohn des Gorion, wird

j mehrfach angeführt, S. 9. 92. 101. 128; vgl. dazu Schürer

; GJV I, 161. S. 49 ,Les Fhilosoplies disent'. Einmal wird

i der König wegen feiner Chriftianifierung heidnifcher
Völkerfchaften mit dem Apoftel Paulus, dem Lehrer
der Heiden, verglichen qui a ete appele Jangue suave'.

Anfpielungen auf die Gefchichte fehlen nicht: S. 69 He-
raklius, der das h. Kreuz wieder erobert. S. 134 der
König liebt feine Mutter comme Ptolemee (Philometor?);
S. 124 Alexander. Bei der Befchreibung der Hauptkirche
von Akfum wird der alte Obelisk mit feiner

j griechifchen Infchrift erwähnt (S. 89). Von Leuten, die
vom Chriflentum zum Judentum zurückgekehrt find, ift
S. 97 die Rede. Für die Miffionsgefchichte ift S. 138 fr.

i beachtenswert.

Aus der von Guidi überfetzten Gefchichte der Galla-
ftämme führe ich nur die Einzelheit an, welche für die
altteftamentlichen Nafiräer lehrreich ift (S. 202. 206):
S'ils ont tue des liommes ou de grands animaux, ils se
rasent toute la tele, en laissant un peu de cheveux au
mdieu du eräne. Ceux qui nont pas tue (d'komme ou

| de grand animal) ne se rasent pas, de Sorte qu'ils sont

> tourmentes par les poux; voilä pourquoi ils mettent taut
dempressement a nous tuer.

2) Marqorewos d. i. Mercurius, deffen Akten, foweit
fie erhalten find, hier von Roffini überfetzt werden, ftarb
1419 und gründete das Klofter Dabra Demfih (,Jlfona-
sterium Verticis') in Danbaläs. Seine Gefchichte wird

| bis auf Salomo bezw. die Königin von Saba, ja bis auf
Adam hinaufgeführt. Von Adam bis Salomo 35 Generationen
, bis zur Geburt Chrifti 20, bis Frumentius, den
Apoftel Ethiopiens 30, bis Le ul Samro 40, bis Egzi'
Keberna 50, bis Germana Egzf 55, im ganzen von
Adam an 90. Schon vor feiner Geburt beginnen die
Hinweifungen auf feine künftige Größe. Den Namen
Mercurius bekommt er vom Tag feiner Empfängnis. Als
Knabe lernt er den Pfalter, die Worte der Evangeliften,
das kleine Buch des Apoftels Johannes, das anfängt: ,Was
von Anfang war, verkündigten wir Euch' und fchließt:
,Das Blut Jefu Chrifti macht uns rein von allen Sünden'.
Nachher werden aber nochmals ,die drei Briefe des Johannes
' genannt und fünf Bücher Salomos, qui prover-
bia, institutiones, sapientia et cantica canticorum sunt.

1 Die beiden erften erklärt der Herausgeber als erften
und zweiten Teil der Proverbien. Sirach, der fonft unter
die fünf falomonifchen Schriften gezählt wird, folgt nach
den zwölf kleinen Propheten. Lehrreich ift feine Bibliothek
, die er auf einem Efel mit fich führt, S. 26: Syno-
dus, Didascalia, psalterium Davidis, quatuor Evangelia
et quatuor Novi Libri, et Uber precum i. e. Weddäse
Amlak per hebdomadem et Simeon Stylita et Uber precum
patrum nostrorum Aegyptiacorum. Nach mannigfachen
Schickfalen, die ihn noch mit 72, 81 und 87 Jah-

I ren nach Armenien führen, ftirbt er 130 Jahre alt in der

; Nacht vom Donnerstag auf Freitag am 10. jamenota
der Syrer = 11. ferma der Franken = 16. sebat der

| Kopten = 16. ta/jsas der Äthiopen. Sein Klofter, dem