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Ausgabe:

1910 Nr. 2

Spalte:

747

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Weyh, Wilhelm

Titel/Untertitel:

Die syrische Kosmas- und Damian-Legende 1910

Rezensent:

Anrich, Gustav Adolf

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Seite 1

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747

Theologifche Literaturzeitung 1910 Nr. 24.

Jahre [weil er nun felbft blind war]; dann flarb er'. —
Druckfehler im Texte: S. 109 Z. 3 v. u. lies ftatt

«aaSi S. 113 Z. 4 v. ob. bLoj ftatt LiLo^, S. 133 Z. 2 v. u.

ftatt ^, S. 147 Z. 5 v. ob. ^LaJI ftatt ^LaUl-
Was ift S. 154 in derfelben Zeile 4 richtig oder
jjlil^? Außerdem lies S. 116 Anm. 4 unter dem Text
. wNn'iml; ftatt ^aa^äaa); und S. 121 Z. 4 v. u. in der
Überfetzung defendet.

Daffenfen, Kreis Einbeck. Hugo Duenfing.

Weyh, Gymn.-Lehr. Dr. Wilhelm, Die lyrilche Kosmasund
Damian-Legende. Programm. Schweinfurt, E. Stoer
1910. (25 S.) gr. 8° M. 1 —

Nach einer Einleitung über fchwebende Probleme
der hagiologifchen Forfchung, die insbefondere das Werk
von Saintyves: Les saints successeurs des dieux (1907),
einer kritifchen Befprechung unterzieht (S. 6—13), der
man nur zuftimmen kann, bietet Verf. S. 13—25 einen
wertvollen Beitrag zu dem Kosmas- und Damian-Problem,
genauer eine wichtige Ergänzung der meifterhaften Kritik,
die Paul Maas (Byzantin. Zeitfchr. XVII, 1908, S. 602
—609) an den hiftorifch-kritifchen Aufltellungen von L.
Deubners Kosmas und Damian (1907) geübt hat.

Die Kirche kennt drei Brüderpaare diefes Namens
als larQol avctQyvQOi, das afiatifche, das arabifche und
das (fehr irreführender Weife nach den Synaxartexten
fog.) römifche, jeweils mit befonderem Fefttag und behenderer
Legende. Die Vita der Afiaten läßt die
Brüder friedlich fterben, während die Araber und Römer
in jeweils verfchiedener Weife das Martyrium erleiden.
Deubner's Thefe (S. 40—83) ift nun die: Die Vita der
Afiaten ift das primäre und weift wie die beigefügten
Thaumata nach Byzanz, wo Kult und Geftalt der Anar-
gyroi als Verchriltlichung eines mit Inkubationspraxis
verbundenen Dioskurenkultes entftanden find; das
Martyrium der Araber ift in Rom entftanden im An-
fchluß an ein dortiges Heiligtum der Anargyroi; aus
Eiferfucht auf Rom (S. 80) hat dann auch die griechifche
Kirche in dem an die Vita der Afiaten anknüpfenden
Martyrium der Römer ein Märtyrerpaar Kosmas und
Damian gefchaffen. Bei diefen Aufftellungen hatte
Deubner die in Bedjan's Acta martyrum vorliegende
fyrifche Kosmas- und Damian-Legende völlig außer Acht
gelaffen, obwohl die aus dem 5./6.Jh. flammende ältefte
Handfchrift derfelben weit älter ift als alle erhaltenen
griechifchen Handfchriften. Die forgfältige Analyfe diefer
fyiifchen Legende, die W. unter Überfetzung der wichtigen
Stellen vorlegt, bringt zur Evidenz, daß fowohl
die Vita der Afiaten als das Martyrium der Römer,
letzteres in befonders engem wörtlichen Anfchluß, doch
unter Ausfchluß des höchft ungefchickt angehängten
Märtyrertodes, in jeweils verfchiedener Weife auf die fyrifch
erhaltene Faffung zurückgehen, die nicht nur inhaltreicher,
fondern beffer motiviert, natürlicher und weniger fchema-
tifch ift als die griechifchen Faffungen. Durch den damit
geführten Beweis, daß die Vita der Afiaten nicht
das urfprüngliche ift, ift die Erklärung der Anargyroi als
einer chriftlichen Umbildung der byzantinifchen Dioskuren
vollends haltlos geworden. Die Frage jft jetzt die, ob
die fyrifche Faffung Original ift oder Überfetzung aus
dem Griechifchen. W. neigt der erften Möglichkeit zu
— weift doch auch die Namensform Kosmas wahrfchein-
lich ins fyrifche Sprachgebiet (Maas S. 606) — und
fcheint fogar die Möglichkeit eines gefchichtlichen Kernes
der Legende offen halten zu wollen (S. 24).

Straßburg i. E. Anrieh.

Monumenta Germaniae historica, inde ab anno Christi D
usque ad annum MD edidit societas aperiendis fontibus
rerum germanicarum medii aevi. Scriptorum rerum
Merovingicarumtomus V. Passiones vitaeque sanc-
torum aevi Merovingici. Ifdiderunt B. Krusch et
W. Levison. Hannover, Hahn 1910. (VIII, 834 S. m.
22 Taf.) Lex. 8° M. 40—; auf Velinpapier M. 60 —

Vor 8 Jahren erfchien der vierte noch von C. Dümm-
ler bevorwortete Band, der die Biographien der Pleiligen
des merovingifchen Zeitalters aus der Zeit von 600 bis
660 enthielt. Bruno Krufch hatte ihn herausgegeben.
Der vorliegende 5. Band ift wieder von dem verdienten
Gelehrten bearbeitet, nur hat er in Wilhelm Levifon,
nachdem er 20 Jahre lang allein die Laft der Arbeit an
den Viten der Merovingerheiligen getragen hatte, feit
1899 einen m't derfelben Gründlichkeit und Scharffinn
arbeitenden Mitarbeiter gefunden, dem wir bereits den
größten Teil diefes Bandes verdanken, und der den 6. das
merovingifche Zeitalter abfchließenden Band allein herausgeben
wird.

Auch der fünfte Band ift wieder wie feine Vorgänger
ein Monumentalwerk deutfeher Wiffenfchaft. Die beiden
Herausgeber haben fich durch die forgfältigfte Herftellung
des Textes der Viten fowohl um die Sprachgefchichte
als auch durch ihre eingehenden Prolegomena — Levifon
hat fich in den von ihm bearbeiteten Teilen etwas kürzer
als Krufch gefaßt— um die Profan- und Kirchengefchichte
des merovingifchen Zeitalters die größten Verdienfte
erworben. Die oft recht komplizierten Fragen nach dem
Verfaffer, der Abfaffungszeit und dem Wert der einzelnen
Viten werden mit außerordentlicher Gelehrfamkeit und
unter Berückfichtigung aller in Betracht kommenden
Nachrichten beantwortet, fo daß diefen mufterhaften und
vorfichtigen Unterfuchungen bei der jetzigen Kenntnis
der Quellen ein abfchließender Charakter zugefprochen
werden darf.

Die Viten behandeln Heilige der Merovingerzeit,
die in der Zeit von 66b bis ungefähr 700 gelebt haben;
der Wert und die Entftehungszeit der einzelnen Urkunden
ift fehr verfchieden. Für den Gründer des Klofters
Fontenelle, Wandregifel, der vor 672 ftarb und wahr-
fcheinlich wie Columban Schotte war, befitzen wir eine
fehr alte Vita aus dem 7. Jahrhundert; auch die Vita
des als Märtyrer geftorbenen Germanus, der von Abt
Waldbert von Luxeuil, der Kloftergründung Columbans,
zum Abt von Moutier en Grandval im Kanton Bern eingefetzt
wurde, ift das Werk eines Zeitgcnoffen. Sehr wertvolle
Quellen für die Kirchen- und Profangefchichte, befonders
für die Gefchichte des Königs Childerich von Auftragen
befitzen wir in den kurz nach dem Tode der beiden
Bifchöfe und Märtyrer gefchriebenen Passiones des Bifchofs
Praeiectus von Clermont und des ehrgeizigen Bifchofs
Leodegar von Autun. Befonders die letztere Passio
enthüllt uns die entfetzliche Graufamkeit des Zeitalters.
Für das religiöfe Leben des merovingifchen Zeitalters find
befonders charakteriftifch die Vifionen des fränkifchen
Mönches Barontus des Klofters St. Cyran. Sie enthalten

| Wanderungen durch Himmel und Hölle — das Fegfeuer
wird nicht erwähnt — und unterfcheiden fich durch ihren
maffiven Aberglauben merklich von den viel höher
flehenden Vifionen des irifchen Abtes Puirfeus. Über
den Bifchof Amandus von Maastricht (f um 676), den
Vorgänger Willibrords und Bonifacius' in der Million unter
den Deutfchen, einen der wenigen Bifchöfe, der engere
Beziehungen zu Rom herzuftellen fuchte, find wir durch

1 eine gleichzeitige Vita gut unterrichtet, während die Vita
des Bifchofs Audoin von Rouen, des Freundes des hl.

j Eligius, erft ein Menfchenalter nach feinem 684 erfolgten
Tode verfaßt ift. Endlich flammt noch aus dem 7. Jahrhundert
die Gefchichte des Weltgotenkönigs Wamba,
die Bifchof Julian von ToleJo in den Jahren 680—90