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Ausgabe:

1910

Spalte:

707-709

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Becker, C. H. (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Der Islam. Zeitschrift für Geschichte und Kultur des islamischen Orients. 1. Bd. Heft 1 1910

Rezensent:

Hartmann, Martin

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An imfere Lefer.

Der Islam, herausg. von C. H. Becker (Hartmann
).

Kleine Texte für theologifche und philologifche

Vorlefungen und Übungen (Loefchcke).
Wildeboer, Het Oude Testament van historisch

standpunt toegelicht (Steuernagel).
Ehrlich, Randgloflen zur hebräifchen Bibel

(Frankenberg).
Büchler, The Political and the Social Leaders

of the Jewish Community of Sepphoris (Fiebig).
Dibelius, Der Verfaffer des Flebräerbriefes

(W. Bauer).

Brunner, Der hl. Hieronymus und die Mädchenerziehung
(Grützmacher).

Waldis, Flieronymi graeca in Psalmos frag-
menta (Grützmacher).

! Konen, Die Heidenpredigt in der Germanenbekehrung
(A. Werner).
Bloch, Die elfäffifchen Annalen der Stauferzeit
I (Stengel).
Merkt, Die Wundmale des heiligen Franziskus
von Affifi (Bruckner).
| Schotten loher, Jakob Ziegler (Bollert).
Tresal, Les Origines du Schisme Anglicain
(Kattenbufch).

Der „rote Kaplan", herausg. von M. Henning

(Bruckner).
Lodge, The Survival of Man (R. Otto).
Muckermann, Grundriß der Biologie (R. Otto).
Gennrich, Die Lehre von der Wiedergeburt

(Scheel).

1 Kaftan, Zur Verftändigung über moderne Theo

| logie des alten Glaubens (E. W. Mayer).

! Suin de Boutemard, Die Auslands-Diafpora
(E. Chr. Achelis).

! Lorenz, Der Konfirmanden-Unterricht (Bornemann
).
Mitteilungen.

Der Islam. Zeitschrift fiirGefchichteund Kultur des islami-
fchen Orients. Herausgegeben von C. H. Becker. Mit
Unterftützung der Hamburgifchen Wiffenfchaftlichen
Stiftung. Band I. Heft i. Straßburg i. E., K. J. Trüb- J
ner iqio. (104 S. m. Abbildgn. u. 4 Taf.) Lex. 8°

Der Band (= 4 Hefte) M. 20 —

Im November 1906 erfchien das erfte Heft der Re-
vue du Monde Musulman. Die Zeitfchrift, die im größten
Stil angelegt war (jährlich ca. 2000 Seiten), hat voll gehalten
, was fie verfprach: getreue Berichterftattung über
die Vorgänge der Islamwelt. Sie dient der Gegenwart j
und erfüllt eine Aufgabe, die von großer Wichtigkeit |
ift. Die Forfchung fieht fich nur zu oft gegenüber einem
Mangel an Einzelnachrichten, ohne fie läßt fich aber
kein ficheres Bild gewinnen, fo viel auch fcharfe Kombination
der hervorftechenden Punkte leiftet. Auch der
heutige Zuftand wird einmal Gegenftand der hiftorifchen
Forfchung, und dann werden die Bände der Revue von
unfehätzbarem Werte fein. Daneben übt die Revue die
Synthefe : fie faßt in gedrängten Uberfichten die Einzel-
erfcheinungen zufammen und ift dabei geleitet von dem
einzig richtigen Gefichtspunkte, der auch für die Betrachtung
der früheren Zeit gilt, aber viel zu wenig geübt
wird: dem foziologifchen. Die hiftorifche Forfchung
liegt ihr ferner, fie ift da mehr berichterftattend. Die I
Politik meidet fie grundfätzlich, und wo fie zu politi-
fchen Tagesfragen das Wort ergreift, tut fie es in durchaus
fachlicher Weife mit dem ernften Bemühen, das
eigene Urteil durch reichliche Urkunden zu begründen, j
Ein Organ für die hiftorifche Islamforfchung fehlte, j
Es ift nun gefchaffen durch die Energie und Umficht
C. H. Beckers, dem es auch gelang, die materielle
Stütze für das Unternehmen zu fichern. Die Zeitfchrift
wird fich zunächft in befcheidenen Grenzen halten (jähr- I
lieh 20 bis 24 Bogen). Aber die Maffe des bedruckten ]
Papiers macht's nicht. Es erfcheint auch völlig unnötig,
das Organ mit der Berichterftattung über die Gegenwart
zu belaften. Die Revue du Monde Musulman und Der
Islam ergänzen fich auf das befte l.

Der regelmäßigen Berichterftattung fogleich nach
Vollendung je eines Bandes wird hier vorausgefandt I
kurze Nachricht über das erfte Heft. Es muß als eine
überaus glückliche Einführung des neuen Unternehmens
bezeichnet werden. Das Hauptftück darin ift Teil I
(S. 27—63) der tiefftechenden Unterfuchung ,Die Ge- j
nefis der islamifchen Kunft und das Mshatta- [
Problem' von Ernft Herzfeld. Es wird darüber
nach dem Abfchluß in Heft II berichtet werden. — Ein
fchöner Verfuch, die Ergebniffe der Forfchung und die
eignen Gedankengänge zu einem Gefamtbilde zu ver-

1) Noch vor Ende 1910 wird eine zweite deutfehe Zeitfchrift ins
Leben treten, die der Islamforfchung dient: ,Orientalifches Archiv,
Zeitfchrift für Kunft, Kulturgefchichte und Völkerkunde der Länder des
Oftens' (Verlag Karl W. Hierfemann, Leipzig; Herausgeber Hugo Grothe).
Das räumlich allgemeinere, fachlich belchränktere Programm diefes Organs
, bei welchem es in behenderer Weife auf Beigabe von Tafela zur
Erläuterung kunfthiftorifcher Forfchungen abgefehen ift, fchließt eine
Kollifion mit dem ,Islam' aus.

einigen, ift der Beitrag des Herausgebers ,Der Islam
als Problem' (i—21). Ich darf fagen, das nicht Weniges
gerade vom Wichtiglten, das hier vorgetragen ift, fich
in meinem ,Die Arabifche Frage' und in meinem
Handbuch ,Der Islam' findet, zum Teil fchärfer formuliert
(vgl. S. 9 unt. mit Arab. Fr. 76: ,der internationale
Islam hatte den nationalen arabifchen Gedanken getötet
'). Der Verfaffer gibt felbft zu, daß ,viel Subjektives
und Hypothetifches in diefer Skizze liegt'. Ich
kann hier nicht meine in manchen Punkten abweichende
Anficht begründen. Ich bemerke nur, daß der Auffatz
an einer Unüberfichtlichkeit leidet, deren Urfache ich
in der Vernachläffigung der foziologifchen Betrachtungsweife
finde. Es ift für Erfaffung der die Univerfal-
gefchichte beherrfchenden Kulturerfcheinungen Klarheit
nötig über die allgemeinen in Gefellfchaft und Staat,
wirkenden Kräfte. Die innerliche Auseinanderfetzung
mit diefer Frage ift unerläßlich. Es kommt dabei nicht
fo fehr auf Zahl und Art der Gruppen der Gefellfchaft
(Gefellungen) an, die der Hiftoriker zugrunde legt, wie daß
er feiner Darftellung die Kämpfe zwifchen Gruppen und
Individuen und Gruppen und Gruppen als Rahmen gibt,
wie ich es für das alte Arabien in meiner Arabifchen
Frage in Anlehnung an das von mir dort S. 186ff. dargelegte
Schema getan habe. — Warum nannten fich die
,Lauteren' icliwän assäfät Die Frage löft glänzend Ignaz
Goldziher (22—26) in ,Über die Benennung der
>Ichwän al-safäd Der Name flammt aus dem Eingange
zu einer Erzählung der Kaiila wa Dimna-Sammlung, der
die .Lauteren' befondere Bedeutung beilegten; man begreift
kaum, daß das nicht längft bemerkt worden. —
Einige Einzelheiten bringt bei Georg Jacob in ,Hinweis
auf wichtige öftliche Fflemente der islamifchen
Kunft' (64—67); der generalifierenden Schlußfolgerung
, daß man ,die heute noch verbreitete Anficht
über die Bedeutung des Türkentums für den Islam wird
wefentlich korrigieren müffen', kann ich nicht beiftirn-
men. — Wertvolle Bemerkungen über den Islam
in Nordabeffinien' trug Enno Littmann bei
(59—71); gerade folche Berichte über die Ausbreitung
des Islams in neuerer Zeit find von Intereffe. — In
meinem ,Deutfchland und der Islam' (72—92) fuchte
ich fyftematifch das Verhalten Deutfchlands in den beiden
Hauptländern des Islams nach den Tatfachen und
nach den Zielen darzuftellen. — In ,Kleine Mitteilungen
und Anzeigen' liefert der Herausgeber ein Referat über
den von Sobernheim bearbeiteten Band IX von Max
van Berchems Corpus Inscriptionum Arabicarum' und
über Max van Berchems Bearbeitung der von Oppenheim
gefammelten ,Infchriften aus Syrien, Mefo-
potamien und Kleinalien' mit wertvollen felbftändigen
Beiträgen.— A. J. Wenfinck macht zwei Mitteilungen:
,Feuer als Signal zum Gottesdienft' und ,Die Herkunft
der gefetzlichen Beftimmungen, die Reinigung betreffend'
(100—102).

Meine bellen Wünfche begleiten das Unternehmen,
dem es an Sympathie und tatkräftiger Mitarbeit der
Beften nicht fehlen wird. Die Ausflattung ift vortrefflich
. Für das Technifche fei der Wunfeh ausgefprochen,