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Ausgabe:

1910

Spalte:

682-683

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Krüger, Paul

Titel/Untertitel:

Abodah zarah. Der Mischnatractat ‘Götzendienst’ ins Deutsche übersetzt und unter besonderer Berücksichtigung des Verhältnisses zum Neuen Testament mit Anmerkungen versehen 1910

Rezensent:

Bischoff, Erich

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gefchrieben, dann folgt mit arabifchcn Buchftaben
p, die natürlich ebenfalls hätten hebräifch gegeben
werden follen. Aber es ift unftatthaft, bei einem
fo ungewöhnlich wichtigen Werke, wie das vorliegende,
fich bei Kleinigkeiten aufzuhalten. Vielmehr will ich
von dem Inhalte desfelben eine kurze Uberficht bieten,
fowohl was die edierten Texte, als was die Zutaten des
Herausgebers betrifft. Von befonderer Bedeutung ift
die Einleitung, in welcher Cowley zunächft von feinem
Verfahren in der Benützung der Handfchriften, dann von
diefen felbft Rechenfchaft ablegt, dann auf Grund der
feinen Texten entnommenen Daten eine kleine Gefchichte
der liturgifchen Literatur der Samaritaner darbietet, mit
denfelben Ergebniffen, die er bereits in feinem Artikel
über die Samaritaner in der Jczvßh Encyclopedia veröffent- j
licht hat. Er unterfcheidet drei Hauptperioden: I. Das
vierte Jahrhundert (in dem Marka lebte), in dem das |
Aramäifche noch lebende Sprache war und auch in der !
Literatur herrichte. 2. Das 10. und II. Jahrhundert, als
Aramäifch bereits aufgehört hatte, die Mutterfprache
der Samaritaner zu fein, aber in der Liturgie weiter
lebte, jedoch mit Hebraismen gemengt. 3. Vom 14. Jahrhunderte
an, wo ein mit Aramaismen durchfetztes Hebräifch
die Sprache der liturgifchen Poefien wurde. In
diefer literaturgefchichtlichen Skizze werden auch die Ver-
faffer der in den Texten gebotenen Stücke, fowcit die-
felben nicht anonym find, chronologifch und genealogifch
vorgeführt; die letzten von ihnen gehören dem Ende
des ig. Jahrhunderts an.

Eine alphabetifche Lifte, über 70 Namen mit der
Angabe ihrer Stücke enthaltend, fleht am Schluffe der
Einleitung (S. XCVI—XCVIII). Diefe bietet ferner fehr
wertvolle Einzelheiten zur Grammatik der Texte (XXXV
—XLII), eine Lifte der famaritanifchen Hohepriefter (von
denen einige unter den Verfaffern der Texte figurieren)
und genealogifche Tabellen (XLIII—XLVIII); dann folgt
ein Gloffar, das auch die arabifchen Ausdrücke in den
( bcrfchriften berückfichtigt (XL1X—LXXU) und ein al-
phabetifcher Index der r liturgifchen Stücke. Es find
im ganzen 860 Nummern, von denen zu etwa 270 der
Verfaffer nicht genannt ift. Unter den Verfaffern der
älteren Stücke finden wir auch Mofes (S. 48) mit einem
hebräifchen, wie Jofua (S. 4) mit einem aramäifch-
hebräifchen Gebete. Eine Reihe kurzer aramäifcher Gebete
für die fechs Wochentage wird in einer hebräifchen
Uberfchrift (S. 9) den .heiligen Engeln' zuge-
fchrieben.

Die Texte felbft, aus denen der Herausgeber der
Raumerfparnis halber die Bibelftellen, die den Kern der
Liturgie bilden, weggelaffen hat und die er, abweichend
von den Handfchriften, aus derfelben Urfache, nicht
in Doppelkolumnen, fondern fortlaufend — mit Bezeichnung
der Stichen durch Punkte — gedruckt hat, beliehen
aus einer kleineren und einer gröberen Abteilung. Die
kleinere Abteilung (S. 1—92) ift das fogenannte Defter
(d. h. Buch), die ältefte liturgifche Sammlung, die zum
größeren Teile (bis S.81) aus einem dem 14. Jahrhunderte
angehörigen MS. der Vaticana abgedruckt ift, deren Inhalt
alfo der erften und zweiten der oben erwähnten
Hauptperioden angehört. Die größere Abteilung ift nach
dem FVftzyklus geordnet und bietet in gefonderten Gruppen
die zu den Hauptfeften und zu den diefen fich angliedernden
Sabbaten gehörigen liturgifchen Stücke. Es
find folgende, in kleinere Gruppen zerfallende Hauptgruppen
: Das Paffahfeft (S. 93); das Wochenfeft (S. 284);
die P'efte des fiebenten Monates (S. 428). Innerhalb der
letzteren Hauptgruppe nehmen einen verhältnismäßig
großen Raum ein die Gebete und Hymnen für den Ver-
föhnungstag (S. 488—718). Den Schluß bilden Gelegenheitsgebete
: ,zu Hochzeit und Geburt' (S. 818—851) und
Sterbegebete (S. 852—866). Ein Anhang (S. 867—879)
enthält Nachträge zu den Texten aus verfchiedenen
Handfchriften.

Zur Erläuterung der Texte bietet der Herausgeber
nur die in der Einleitung enthaltenen literaturgefchichtlichen
, grammatifchen und lexikalifchen Notizen und
kurze Angaben (S. XLI f.) über die Form der liturgifchen
Poefien (Akroftich und Reim). Der wiffenfchaftlichen
Forfchung eröffnet fich in feiner Ausgabe ein dankbares
Arbeitsgebiet. Was bisher über die Liturgie der Samaritaner
bekannt war, wird nunmehr auf Grund diefer, mit
gewiffenhafter und fachverftändiger Akribie edierten Texte
vervollftändigt und berichtigt werden. Von ganz befon-
fonderer Wichtigkeit wird es fein, die Zufammenhänge
der älteren famaritanifchen Liturgie mit der des Judentums
zu unterfuchen und den Einfluß der fynagogalen
Poefie auf Sprache und Form der fpäteren liturgifchen
Poefie der Samaritaner nachzuweifen. Der Herausgeber,
dem wir die Fortfetzung des Kataloges der hebräifchen
Manufkripte der Bodleiana fowie die Herausgabe der
aramäifchen Papyrusdokumente von Affuan verdanken,
hat fich aufs neue ein unvergängliches Verdienft um die
Wiffenfchaft erworben.

Budapeft. W. Bacher.

Krüger, Lic. theol. Paul, Abodah zarah. Der Mifchna-
tractat , Götzendienft' ins Deutfche überfetzt und
unter befonderer Berückfichtigung des Verhältniffes
zum Neuen Teftament mit Anmerkungen verfehen.
(Ausgewählte Mifchnatractate in deutfcherÜberfetzung,
herausgegeben von P. Fiebig. 4.) Tübingen, J. C. B.
Mohr 1907. (V, 28 S.) gr. 8° M. —90

Beer, Prof. Dr. Georg, Schabbath. Der Mifchnatractat
,Sabbat' ins Deutfche überfetzt und unter befonderer
Berückfichtigung des Verhältniffes zum Neuen Teftament
mit Anmerkungen verfehen. (Dasfelbe 5.) Ebd.
1908. (XII, 120 S.) gr. 8° M. 3.20

Die Richtigkeit deffen, was ich (in diefer Zeitfchrift
1907, 578—580) bei meinen Befprechungen der Hefte
1—3 diefer Sammlung (Joma, Pirkc aboth, Beraclioth)
über das Überfetzungs- und Anmerkungs-Verfahren
Fiebigs (des Herausgebers der Sammlung) gefagt habe,
wird durch die beiden vorliegenden Hefte voll beftätigt!
Krüger, der ]ene Weife beibehält, macht dadurch feine
an fich fleißige Arbeit nicht feiten unbrauchbar, ftellen-
weife faft ungenießbar. Beer dagegen, der den Fiebigfchen
Rahmen nach Umfang und Inhalt völlig gefprengt hat,
bietet eine wirklich meifterhafte Leiflung nicht nur durch
eine ebenfo klare wie korrekte Überfetzung nebft gediegenen
Anmerkungen, fondern auch durch feine Einleitung
, welche Inhalt und Kompofition, fodann die
literarifche Form und die religionsgefchichtliche Bedeutung
des Traktates Schabbath verftändnisvoll würdigt
, fowie durch feine gehaltvolle .Gefchichte des Sabbats
' (vorexilifche Zeit, jahviftifch-prophetifche Reaktion,
die Zeit nach dem Exil, Talmud und Evangelium). —
Zur Begründung meines Urteils nur einige Proben aus
Krügers Heft 4! Aboda Sarah II 2 heißt es, der Jude
dürfe von den Heiden zwar käufliche Heilmittel, aber
keine perfönliche (CSD) Pflege gebrauchen; für K. ift der
Gegenfatz: ,Heilung des Vermögens, Heilung der Per-
fon'! III 6 heißt es, wie die Menftruierende durch alles
was zu ihr gehöre, verunreinige, fo auch das Götzenbild
; K. fagt: ,Wie verunreinigt die M.P Durch Tragen.
Auch der Götze verunreinigt durch Tragen', und diefes
rätfelhafte /Prägen' erklärt die dunkle Anmerkung
.Wieder eine Art der Verunreinigung'! Diefe Art, den
Lefer gerade bei fchwierigen Stellen ohne Erklärung zu
laffen oder mit einer inhaltslofen Anmerkung abzufpeifen
ift faft typifch bei K. Anmerkungen wie Jefuitenmoral''
,Wie frei und groß erfcheint Jefus gegenüber folcher
Kafuiftik!' ,Wie bitter war bei folcher Anfchauung der

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