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Ausgabe:

1910

Spalte:

42-43

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Strack, Hermann L.

Titel/Untertitel:

Aboda Zara, der Misnatraktat „Götzendienst“. 2., neubearb. Aufl 1910

Rezensent:

Fiebig, Paul

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auch nach feiner Meinung ausfchließlich auf Israel ge- I erhebt er zwar Proteft. Aber gerade dies zeigt, wie er
richtet war. Solange der nach dem fyrifchen Antiochien i im übrigen an der Sonderftellung der Frau keinen Anftoß
ziehende Judenapoftel Petrus dort Arbeit findet, braucht genommen hat. Ja, er muß fich fogar einmal mit klaren
der Samarien, Tyrus und Sidon auffuchende Jefus feine j Worten gegen ein Hervortreten der Frau in die Öffent-
Wirkfamkeit nicht mit Bewußtfein auf die Heiden aus- [ lichkeit ausgefprochen haben. Wenigflens beruft fich
gedehnt zu haben. Verlorene Schafe, vom Haufe Israel i Paulus da, wo er den korinthifchen Weibern das Reden

gab es da wahrhaftig. Vereinzeltes liebevolles Eingehen
auf heidnifche Nöte aber hat mit Jefu grundfätzlicher
Stellung zur Heidenmiffion nichts zu fchaffen. Anders
würde man zu urteilen haben, wenn gewiffe Stücke der

in den Verfammlungen verbietet, auf eine Überlieferung,
die vom Herrn felber ift (i. Cor. 14, 34—38).

Auch die Praxis Jefu hat feine, derjenigen feiner
Zeit- und Volksgenoffen im wefentlichen gleiche, Grund-

Feldpredigt Luc. 6,20—49 fpeziell an die Heiden gerichtet auffaffung nicht desavouiert. Der Satz ,die Namen der
wären (S. 82f.) und vor allem, wenn wir mitSp.(S. 62—71) j Maria und Martha, der Maria Magdalena und fo vieler
anzunehmen hätten,daßderMiflionsbefehl Matth. 28,16—20 anderer flehen im Neuen Teftament gleichgeordnet neben
mit feiner Berücklichtigung der Heiden nicht vom Auf- ' den Jüngern' (S. 17) enthält für meinen Gefchmack eine
erftandenen erlaffen ift, fondern von dem Jefus, der nach ftarke Übertreibung. Soviele Frauen Jefus auch ge-
Luc. 10 nicht zum Kreife der Zwölf gehörige und nicht , wonnen hat, in den Kreis der Zwölf ift keine aufge-
wie fie in der Wirkfamkeit auf die Juden befchränkte ! nommen worden. Sie dienen ihm (Mk. 15,41), bieten
Anhänger ausgefandt hat. Aber in diefen Partien feines [ ihm Obdach in ihren Häufern (Luk. 10,38), unterflützen
Buches vermag ich nur Belege für die phänomenale ihn und feine Sache aus ihrem Vermögen (Luk. 8,3),
Kombinationsgabe des Verf. zu erblicken. Überzeugt | aber fie find nicht feine innigen Vertrauten, feine Mithaben
fie mich nicht. j arbeiter, die er hinausfendet zur Predigt des Evangeliums.

Der Umfang, welchen diefe Befprechung fchon an- i Und daß ,die edle und doch ftark zurücktretende Mutter
genommen hat, verbietet ein weiteres Eingehen darauf [ Jefu, Maria' ,das Tieffte eigenartig erfaßt' habe (S. 20),
und verhindert ebenfo die Behandlung anderer Punkte, lehren mich die Evangelien nicht. Hier fcheint die Be-
an denen ich von Sp. abweichen muß. Ich möchte je- ' geifterung für feinen Gegenstand dem Verf. den nüch-
doch nicht fchließen ohne den Ausdruck warmen Dankes ternen Blick etwas getrübt zu haben. Ebenfo, wenn er
für die Notwendigkeit, in die er mich verfetzt hat, ver- S. 53 von Paulus rühmt, er fage ,das Höchste von der
meintlich unerfchütterliche Erkenntniffe in der Ausein- I Ehe aus, was ausgefagt werden kann'. Als Beweis dienen
anderfetzung mit ihm neu zu erringen. neben Tit. 2,3 — 5 Phil, (foll wohl heißen: Eph.) 5,22—32

Marburg/Heffen. Walter Bauer. und Ko1- 3. iS-2A°- A.-er- um von Kol ganz zu fchweigen,

: vermag ich die Ausführungen des h,pheferbnefes fo hoch
wirklich nicht zu werten. In ihnen wird von den Frauen
Jordan, Prof. Lic. Hermann, Das Frauenideal des Neuen Furcht vor den Männern (5,33) verlangt und Unter-
Teltaments und der alterten Chriltenheit. Leipzig, Ordnung unter fie, abfolute, grenzen- und bedingungs-
A. Deicherffche Verlagsbuchh., Nachf. 1909. (V, 57 S.) ^Unterwerfung wie fie die Gemeinde dem Chriftus

zollt — nichts weiter. Die Manner hingegen follen die

8°. M. 1.20

Frauen lieben wie fich felbft; doch das Bild vom Christus,

Jordan's klar disponierte und reich mit Anmerkungen der die Gemeinde liebt, wahrt auch hier den Abstand.

(S. 37—57) ausgestattete Schrift lieft fich gut. Sie formuliert j Noch mancherlei Einzelheiten wären zu beanstanden,

zunächst (S. I—5) das Problem, um fodann (S. 5—14) von vor allem der S. 47 f. gemachte Vernich, die evangelifchen

dem vorchristlichen Frauenideal zu handeln. Der Haupt- Erzählungen von den Frauen als ersten Zeuginnen der

teil (S. 14—33) trägt die Überfchrift: Das Frauenideal Auferstehung mit 1. Cor. 15, 4. 5 durch die Annahme aus-

des Urchristentums. Den Abfchluß (S. 33—36) bilden zugleichen, der Apostel hätte nicht vollständig fein

Erörterungen über das urchriftliche Frauenideal in der 1 wollen. Der Hinweis auf das Lukasevangelium zieht fchon

modernen Welt. ! deshalb nicht, weil die Frauen in ihm den Auferstandenen

Die Abhandlung will offenbar nur die Hauptfachen gar nicht zu fehen bekommen (24,22—24). Auf keinen

hervorheben und macht auf Vollftändigkeit sichtlich keinen Fall durfte Jordan feine Auffaffung durch den Satz
Anfpruch. Trotzdem hätte ich mir wenigstens an einer 1 stützen: Jüngerinnen und erste Zeugen vom lebendigen

Stelle größere Ausführlichkeit gewünfehr. Gegenüber Meifter gewefen zu fein, das hat von vornherein den

dem Buddhismus und der griechifch-römifchen Welt Frauen in der christlichen Kirche eine befondere Stellung

kommt Israel-Juda, vor allem das Judentum zur Zeit der gegeben und man war fich in der alten Kirche diefer

Entstehung unterer Religion zu kurz. Hier hätten Philo Anteilnahme an den ersten Gefchicken des Christentums
(z. B. De spec. leg. III 31, ed. Mg. 327—329) und Jo- • wohl bewußt' (S. 17), ohne wenigflens in den Anmerkungen

fephus (z. B. Contra Ap. II 24) nicht ganz übergangen einen Beweis dafür zu verfuchen.

werden follen. Und die Mitteilung einzelner konkreter Marburg i. Heffen Walter Bauer.

Züge würde die Beurteilung der Frau aD eines Menfchen 1___'__

zweiter Ordnung als die durchaus herrfchende erwiefen ! c. r> c t r u t • «k«j» 7... a Ut-x
haben. Die Frau darf im Tempel nur bis zum Vorhof Strack, Prof. D. Dr. Hermann L., « Aboda Zara, der Mssna-
der Weiber vordringen, die Teilnahme am Paffahmahl ift traktat ,Gotzendienft'. Zweite, neubearbeitete Auf-
ihr verwehrt, ihre Gelübde haben die Ratifikation durch läge mit deutfeher Uberfetzung. (Schriften des Inden
Mann nötig, diefer kann fie aus der ehelichen Ge- stitutum Judaicum in Berlin No. 5.) Leipzig, J. C.
meinfehaft einfach entlaffen, ohne daß ihr ein gleiches Hinrichs'fche Buchhandlung 1909. (20 u. 31*S.) gr. 8»
Recht ihm gegenüber zustände, u. a. m. ° M 1 10

Ganz richtig zeigt Jordan, wie die Konfequenz des >
Evangeliums Gleichheit von Mann und Frau in Sachen In der ersten Auflage feines ,Aboda Zara' vom Jahre
der Religion bedeutet, wie aber diefer neue und große i 1888 bietet Str. eine Einleitung, einen Text mit text-
Gedanke nicht zu freier Entfaltung gekommen ift. Nur I kritifchen Bemerkungen und ein Vokabular. In der vorhätte
er m. E. darauf hinweifen follen, daß Jefus felbft, ' liegenden 2. Auf läge hat Str. zur Herftellung des Textes
deffen Seligpreifungen keine unterfchiedliche Behandlung außer den bisherigen noch einen von ihm K. genannten
der Gefchlechter kennen, die diefe nach jüdifcher Auf- Kodex verwertet, außerdem vor allem eine deutfehe
faffung fcheidende Schranke doch niemals ausdrücklich ' Uberfetzung, yerfehen mit fachlichen Anmerkungen, bei-
befeitigt hat. Gegen die Beftimmung. welche dem Mann gefügt. Die Uberfetzung ift einerfeits peinlich wörtlich,
das Recht verleiht, feine Frau kurzer Hand fortzufchicken, andererfeits merkwürdigerweife dort frei, wo es nicht