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Ausgabe:

1910 Nr. 19

Spalte:

591-592

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Violet, Bruno (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Die griechischen christlichen Schriftsteller der ersten drei Jahrhunderte. 18. Bd. Die Esra-Apokalypse. 1. Teil 1910

Rezensent:

Klostermann, Erich

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Theologifche Literaturzeitung 1910 Nr. 19.

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das auch den gedörrten Fifch wieder belebt, zufammen.
Zu dem literarifchen Typus rechnet Z. auch noch eine
Stipulation über den Ausgang des Martyriums am Anfang
und einen Hymnus stQOJiEjijtxrjQioq gegen Ende des
Textes. So glaubt er in den genannten Legenden eine
literarifche Kette nachweifen zu können, und in der Tat
ift die Benutzung der Bartholomäus-Akten durch die
Chridophorus-Paffion fehr wahrfcheinlich. In dem erwähnten
griechifchen Text heißt der Kynokephale Chre-
ftomaios, bez. Chriftomaios, was dem Chridophoros noch
näher kommt als das Chridianus des Kopten.

Straßburg/Elf. von Dobfchütz.

Die griechifchen chriftlichen Schriftfteller der erlten drei Jahrhunderte
. Herausgegeben von der Kirchenväter-Com-
miffion der Königl. Preußifchen Akademie derWiffen-
fchaften. 18. Band. Die Esra-Apokalypfe(IV.Esra.)
Erfter Teil. Die Überlieferung. Herausgegeben von
Pfr. Lic. Dr.Bruno Violet. Leipzig, J. C. Hinrichs'fche
Buchhandlung 1910. (LXIV, 446 S.) gr. 8° M. 17.50;

geb. M. 20 —

Die ficher vorauszufetzende femitifche Urgeftalt des
fogenannten IV. Esra oder der Esraapokalypfe fcheint
gänzlich verloren. Von einer griechifchen Überfetzung
des Originals find nur äußerd geringfügige Bruchftücke
erhalten; eine freie Benutzung der griechifchen Form
kann daneben in der von Tifchendorf herausgegebenen
chriftlichen axoxdlvipiq "EöÖQa, vielleicht auch noch fonft,
feftgeftellt werden. Bis jedoch der griechifche Text etwa
in Ägypten wiedergefunden wird — wozu Ende 1909 ein
verheißungsvoller Anfang gemacht wurde, vgl. P. Oxy.
IOIO in: The Oxyrhynchus Papyri VII ed. A. S. Hunt
London 1910 p. 11 ff. — bleibt als nachtle Aufgabe, die aus
dem Griechifchen abzuleitenden Überfetzungen zweiten
Grades zu einer Wiederherdellung ihrer unmittelbaren
Vorlage zu benutzen. Daß aus diefen Verfionen ihrer-
feits nun noch wieder verfchiedene Weiterbearbeitungen
(wie der lateinifche Vulgatatext) und Tochterüberfetzungen
genoffen waren (Violet XLVI), hat für jene Arbeit keine
Bedeutung.

In Betracht kommen vielmehr für eine Rekonftruktion,
wie fie zuletzt Hilgenfeld in feinem Messias ludaeorum
Leipzig 1869 vorführte, und wie fie nunmehr Violet
neu unternimmt, lediglich die direkten Abkömmlinge
des Griechen. Zuerft und vor allen andern die altla-
teinifche Überfetzung. Diefe kannten wir in einer ur-
fprünglicheren Geftalt, als Hilgenfeld fie ahnte, durch
Benslys Forfchungen, befonders durch feine Ausgabe in
den Texts and Studies, Cambridge 1895. Die meiden der
fechs von Bensly benutzten Zeugen — von der fog.
Confessio Esrae fehe ich ab — brauchte Violet nur
an einzelnen Stellen nachzuprüfen; zwei Bensly ungenügend
bekannte und daher von ihm falfch eingefchätzte
hat er ganz verglichen, dazu einen fiebenten, freilich nicht
felbdändigen, erdmalig herangezogen. Die gefamten
Handfchriften muß man nach S. Berger in eine beffere
fränkifche und in eine zahlreichere fpanifche Gruppe
zerlegen, in die fich gewiß auch die inzwifchen von de
Bruyne entdeckten Bruchdücke (XXVI) werden einreihen
laffen. Es bleibt aber bedehen der befonders
von Schürer geäußerte Wunfeh, daß auch die italieni-
fchen Bibliotheken auf Hff. von IV. Esra unterfucht
werden möchten; ein Wunfeh, den Violet mit den Worten
,ich felbd habe dies leider nicht tun können' (XXVI)
kurz erledigt. Zitate aus diefem Text finden fich in
einer Anzahl von lateinifchen Schriftdellern, vor allem
bei Ambrofius.

Auf die altlateinifche folgt an Wichtigkeit die nur
in einer Handfchrift s. VI auf uns gekommene fyrifche
Überfetzung, die fchon für Hilgenfeld ausreichend zu
benutzen war. Ihr zunächd deht dann die äthiopifche,

| von der erd Dillmann 1894 im fünften Bande feiner Aus-
religionsgefchichtlich mit dem Motiv des Lebenswaffers,
gäbe des äthiopifchen Alten Tedaments einen abfchließen-
den Text geliefert hat. Sehr viel freier find fchon die

i beiden arabifchen Verfionen (die Fragmente übergehe

j ich). Von der erden hat Violet 1898 ein in der Stamm-

j handfchrift bisher fehlendes Blatt hinzugefunden. Von
der zweiten, die Hilgenfeld noch nicht berückfichtigte.
hat er gegen Gunkel (in Kautzfehs Apokryphen und
Pleudepigraphen des Alten Tedaments 2, 333) gezeigt,
daß fie nicht aus einer andern griechifchen Vorlage zu
dämmen braucht. Die armenifche Überfetzung id nicht
nur außerordentlich frei gehalten, fondern vielleicht gar
nicht einmal direkt aus dem Griechifchen (vielmehr aus
dem Syrifchen?) genommen. Die faidifche, von der wir
erd feit 1904 ein Paar Verfe kennen, würde wegen ihrer
Eigenfchaft, mit griechifchen Lehnwörtern gefpickt zu
fein, an früher Stelle rangieren, wenn wir eben nur mehr

, von ihr befäßen. Die Spuren endlich von einer bisher
unbekannten georgifchen Überfetzung hat Violet wohl
verfolgt, aber nicht mit Erfolg (XLI ff.).

In dem vorliegenden erden Teil der neuen Ausgabe
wird nun diefes ganze Material ausführlich befprochen
(I—LXlV) und darauf in der Weife vorgelegt (1—446),
daß die genannten Texte überfichtlich, in fechs Parallelkolumnen
, jeder mit eigenem kritifchen Apparat unter
dem Strich, erfcheinen. Und zwar der altlateinifche in

1 der von Violet hergedellten Form, der fyrifche, der
äthiopifche und die arabifchen nach feiner Übertragung

j ins Deutfche, endlich der armenifche in Petermanns la-
teinifcher Verfion, die Conybeare nachgeprüft hat. Dazu
find dann noch die fai'difchen und arabifchen Bruchdücke
an ihrem Ort eingetragen. Eine langwierige
Arbeit und ein fchwieriger Druck, die wohl geeignet

i find, die Kenntniffe und den Fleiß des feit 1897 am
Werke befindlichen Herausgebers in helles Licht zu
dellen. Möge der zweite Teil, der die eigene Texther-
dellung Violets bringen foll, d. h. eine auf die gefamte
Überlieferung zurückgehende deutfche Überfetzung, verbunden
mit einer Ausgabe der verwandten fyrifchen
Baruchapokalypfe und allem fondigen Zubehör, in nicht
zu ferner Zeit das Ganze würdig abfchließen!

Kiel. Erich Klodermann.

Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium. Curantibus
I.-B. Chabot, I. Guidi, H. Hyvernat, B. Carra de Vaux.
Scriptores Syri. Textus. Series secunda — Tomus
CT: Dionysius bar Sallbi in Apocalypsim Actus et
Epistulas catholicas, edidit J. Sedlacek. Parisiis
1909. Lipsiae, O, Harraffowitz. (170 p.) gr. 8° M, 9.60

Der vorliegende Band diefes großen Unternehmens
fchließt fich an den 98., in 1907, Nr. 11 befprochenen
Band an, der den Anfang des Evangelienkommentars
des Barsalibi brachte (y 1171). Der Kommentar zu
den paulinifchen Briefen foll in Bälde folgen; über die

I Fortsetzung des Evangelienkommentars fagt die Vorrede
nichts. Da die Syrer die Offenbarung und die kleineren
katholifchen Briefe nicht in ihrem Kanon hatten, id es
um fo erfreulicher, auch zu diefen Schriften aus der
fyrifchen Kirche eine Erklärung zu erhalten. Ihrem Ver-

1 faffer danden — aus dem angegebenen Grunde — wenig
Quellen zur Verfügung, daher id er hier viel kürzer als

| zu den Evangelien.

Die Offenbarung — hier S. I—29 — läßt er gleich

! auf die Evangelien folgen; dann Apodelgefchichte und
Katholifche Briefe. Als Autoritäten nennt er Eufebius,
Irenäus, Hippolytus von Bosra und Hippolytus von Rom
(gegen Gaius), Cyrill, Severus, Gregorius Theologus
(avvxaXTTlQiov), Dionyfius Areopagita, Jakob von Edeffa.
Von eigentümlicher Exegefe id nicht viel herauszuheben.

! An 7 Gemeinden ergehen die Sendfehreiben, wie auch