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Ausgabe:

1910 Nr. 19

Spalte:

585-588

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Das Neue Testament. Übersetzt von Hermann Menge 1910

Rezensent:

Stage, Curt

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Theologifche Literaturzeitung 1910 Nr. 19.

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zuverläffig erklärt hart. In der betreffenden Textffelle I welche Kommentare, Bibellexika o. dgl. dürfen in

(S. 4, Z. 3 v. u. muß TflttKni zu ijrOtJKr.. verbeffert 1 den Händen unterer Bibellefer nicht vorausgefetzt wer-

werden, ebenfo S. 5, Z. 9 (dem entfprechend zu korri- 1 den. Hiernach feien die oben genannten Werke einer

gieren i'ft die Überfetzung S. 25*, Z. 7). — Die Mifchna- Prüfung unterzogen.

(teile Jebamoth 4, 13 (S. 7, 26*) hätte, im Sinne von I. Böhmer bat feine ausgezeichneten ,Grundfätze
Stracks zutreffender Bemerkung (S. 27*, Anm. 4) unter für eine wirkliche Verdeutfchung der heiligen Schrift'
die Texte über Jefus nicht aufgenommen werden follen. 1909 in einer befonderen Schrift dargelegt, die aus einem
— S. 29*, Z. 19. Für ,Haus' wäre hier H*a beffer mit Voitrag im Tübinger Zweigverein des Allgemeinen Deut-
Zimmer, Gemach wiederzugeben. — S. 31, Z. 7: ,war fie [ fchen Sprachvereins erwachten iß. Er verlangt vor allem,
in irgend einer Beziehung mangelhaft?' Es muß heißen: 1 daß die Überfetzung das Deutfch unferer Tage rede
,was hatte fie für einen Mangel?'— Ib., TL,. 14. ,Da ver- 1 und daß fie den griechischen Sprachcharakter abftreife.
fchied er' ift unrichtige Überfetzung von bTX. (,er ging | Wortfehatz, Ausdrucksweife und Satzbau dürften fich
davon', trennte fich von feinem Lehrer). — S. 34*. Der nicht an die griechifche Vorlage anklammern, fondern
Schluß von § 9 gibt die an die Äußerung Rab Chisdas müßten lebendiges Deutfch fein. Seine Überfetzung ver-
in b. Sabbath 104b fich anknüpfende kurze Diskuffion ! fucht es, mit diefen Grundfätzen Ernft zu machen. Und
nicht richtig wieder, da fie die Fragefätze nicht als j man wird ihr die Anerkennung nicht verfagen können,
folche überfetzt. — S. 37*, Anm. 2 (zum Abfchn. b). , daß ihr das in hohem Maße gelungen iff. Diefes Neue
gtfQT 12 in Pefikta rabbathi 100 ift keineswegs ,Be- Teftamcnt lieft fich vortrefflich. Das ift kein Papierzeichnung
Jefu', fondern verächtliche Bezeichnung deffen, deutfch, fondern lebendige Volksfprache. Lange Peri-
der zwei Götter bekennt. — S. 41*, Anm. 5: .durch die , oden werden vermieden; wo fie fich im Griechifchen
Verbrennung des Tempels'. Das ift unrichtig. Titus finden, find fie in kurze Sätze zerfchlagen. Knappe Einmeint
feine eigene Verfügung darüber, was nach feinem , leitungen, gut gewählte Überfchriften über den einzelnen

Tode mit feinem Leichnam zu gefchehen habe, wie es
vorher im Talmud (Gittin 56b) erzählt war. — S. 52*
Z. 23. Statt .geffreckt' muß es heißen: hingeftreckt. —

Abfchnitten erleichtern das Verftändnis. Gleichwohl
glaube ich, daß das oben dargelegte Ziel einer volkstümlichen
Überfetzung von Böhmer noch nicht erreicht

S. 65*, Z. 10. Das Textwort C ,n". 1 (S. 31, Z. 5) hätte als j iff. Seine Überfetzung ift ohne weitere Hilfsmittel noch
Fra^e wiedergegeben werden muffen.— S.73*, Z. 21. Was nicht in allen Teilen verffändlich. Wenn Böhmer den

hier als Überfetzung der Textworte lftt3 ip£1 p© 52
(S. 36, Z. 5) geboten wird, entfpricht nicht dem Sinne
diefer Worte.

Es fei noch bemerkt, daß der Hauptteil des Buches
mit einer fehr guten Überficht der Literatur des Gegen-
ftandes eingeleitet ift (S. 6*—8*) und mit vortrefflichen
Regiffern (S. 82* — 86*) fchließt. Der hebräifche Teil
fchließt ,in fiigam vacui' (S. 40) mit Nachweifen über

Text in Abfchnitte zerlegt und ihnen feine eigenen
Überfchriften gibt, warum geht er dann nicht noch den
kleinen Schritt weiter und macht zu Stellen, die wegen
des Abftandes der Jahrhunderte, der Veränderung unferer
gefamten Kulturwelt dem heutigen Lefer unverftändlich
find und bleiben müffen, nicht eine kleine erklärende
Anmerkung? Wer foll z. B.Judas 8 verliehen: fie läftern
Herrlichkeiten? wer die Zitierung des Plenochbuches

,Ben Pandera' aus der nachtalmudifchen Literatur und Judas 14? wer das A und O (Offenb. 1,8), den Tag des

mit einer intereffanten Sammlung der Stellen aus
Rafchis Talmudkommentar, an denen Jefus erwähnt wird

Budapeff. W. Bacher.

Herrn (ebenda 9), die Nikolaiten (Offenb. 2,6)? Auf
folche Stellen flößt man bei der Lektüre des Buches
fortwährend. — Hier und da fcheint mir das Streben
nach Modcrnifierung der Form zu weit zu gehen. Warum
zerftört B. die antike Briefadreffe? Er fagt Gal. 1,1:
.Apoffel bin ich, Paulus. Nicht Menfchen haben mich
dazu gemacht, auch hat niemand meine Berufung ver-

m.Iu.1« au« l>_.. j__j • 1__i__» /• , ,

Das Neue Teltament, verdeutfeht von Stadtpfr. Rudolf
Böhmer. Stuttgart, M. Kielmann 19C9/10. (VII, 208 S.

u. S. 208 a—d.) Lex. 8° M. 5.25; geb. M. 6— mittele'---- Alle Brüder, die bei mir find, wenden (ich

Das Neue Teltament. Überfetzt von Hermann Menge, mit mir an die Gemeinden Galatiens....' Gerade die
Mit dO Vollbildern und Buchfchmuck von Franz ! außerordentlich praktüche Form der alten Briefadreffe

Staffen. Braunfchweig, E. Appelhans & Co. (1909)
(VI S. u. 716 Sp.) 40 Geb. M. 15 —

Das Neue Teltament vom Standpunkte der Urgemeinde
ganz neu aufgefaßt, wortgetreu überfetzt, mit Ein

hat ihr doch heute wieder eine große Verbreitung ver-
fchafft; die allermeiffen Gefchäftsbriefe tragen gegenwärtig
an ihrem Kopf eine Adreffe, die ganz die Form
der antiken hat. Man muß fie in den neuteftamentlichen
Briefen nur überfichtlich drucken laffen; dann ift fie weit

leitungen und Anmerkungen verfehen von L. Rein- einleuchtender als das, was B. daraus macht. — Sehr

UJ. V.D.M. Z^^Ajfly München I t^^O^^^SSS^jSt
E. Reinhardt 191a (XVI, 410 S.) kl. 8« M. 1.60 ift, fo]lte man es unbedingt tun. es fiört niemanden und
Die letzten Jahre haben uns eine ganze Reihe von erleichtert die Benutzung ganz wefentlich. — Der Druck
Überfetzungen des Neuen Teffaments gebracht, die nicht iff leider recht konventionell; und doch follte die Bibel
für wiffenfehaftliche Kreife, fondern für die Gemeinde unferm Volke ftets auch das Vorbild eines fchönen
benimmt find. Man wird diefe Tatrache mit Freuden I Buches fein. Freilich wird der hohe Preis der Verbreibegrüßen
dürfen. Für die evangelifche Theologie muß tung diefes Werkes in weiteren Volkskreifen hinderlich
es ftets eine ernffe Aufgabe fein, der Gemeinde ein ge- , werden. — Alles in allem: B. hat einen rüffigen Schritt
fchichtliches Verftändnis der Urkunden unferer Religion 1 vorwärts getan zur Löfung der Aufgabe; aber völlig er-
zu vermitteln. Die katholifche Kirche kann das ent- j reicht ift das Ziel noch nicht. —

behren; für fie genügt es, daß die Urkunden vorhanden 2. Das Werk von Menge erfcheint fchon äußerlich

find und von den dazu Berufenen jederzeit zu Rate ge- als ein völlig anderes. Die Ausftattung ift ganz vorzogen
werden können. Die evangelifche Gemeinde da- trefflich. Papier, Druck, Bilder und Buchfchmuck entgegen
kann nicht beliehen, wenn nicht ihre einzelnen fprechen den heutigen Anforderungen an ein fchönes
Glieder fich ihre religiöfe Überzeugung in unmittelbarer Buch. Der Künftkr hat fich in den Stoff tief verfenkt
Berührung mit den Quellen bilden. Dazu die Möglichkeit 1 und hat Vortreffliches geleiftet. Ich perfönlich bedaure
zu fchaffen, ift die Aufgabe der Bibelüberfetzung; fie freilich, daß hier nicht einmal der Verfuch gemacht ift
war es für Luther ebenfo wie für die heutigen Über- : die gefamte Welt des Neuen Teftaments auch im Bilde
fetzer. Soll eine Überfetzung diefen Zweck erfüllen, fo zu verdeutfehen, fo wie es v. Gebhardt und v Uhde in
muß fie ohne weitere Hilfsmittel verftändlich fein; irgend- ; vielen Einzeldarftellungen getan haben. Es wäre eine

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