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Ausgabe:

1910 Nr. 2

Spalte:

36

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Driver, S. R.

Titel/Untertitel:

Modern Research as illustrating the Bible 1910

Rezensent:

Volz, Paul

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Theologifche Literaturzeitung 1910 Nr. 2.

36

der vorderafiatifchen Abteilung des Berliner Mufeums I
durften hier zum erften Mal publiziert und befchrieben
werden. Bei den paläftinenfifchen Bildern find auch
folche ganz jungen Datums nicht verfchmäht, wenn fie
nur zur Beleuchtung des A. T. dienen. Fall ausfchließ- I
lieh ift es gefundenes Material, nur ganz vereinzelt Re-
konftruktion nach biblifchen Angaben. Es find 234 reli-
gionsgefchichtliche und 40 profane Bilder; die profanen
Bilder beziehen fich auf die politifche Gefchichte; in allem
übrigen wird auf die Archäologie verwiefen. Die religions-
gefchichtlichen Bilder flehen unter den Rubriken: Napflöcher
, Maffeben, Altäre, Gotteshäufer, Tempelgeräte,
Opfer, Götter und Symbole, Stierbilder, weibliche
Gottheiten, Keruben und Dämonen, Amulette, Siegel, j
Mythen, Königsvergötterung. Zahlreiche Literaturverweife
dienen dem genaueren Studium. So glücklich die Anlage
des Bilderbandes im ganzen ift, fo vermißt man doch
im einzelnen manchmal die nötige Sorgfalt, ich möchte
fagen, die letzte Feile. Der befchreibende Text dürfte
etwas ftraffer fein, fachlich noch mehr auf das A. T. konzentriert
, allzu Populäres, von jedem Kenverfationslexi-
kon Gebotenes könnte geftrichen werden, Unwichtiges
und Äußerliches mehr im Telegrammftil, die Literaturverweife
in Abkürzungen u. dgl., das Ganze in kleinerem |
Druck; dadurch würde Platz gefpart und vor allem
Bild und Befchreibung mehr in äußeren und inneren
Zufammenhang gebracht, das Bild in den Mittelpunkt
feines Textes gerückt. Die Anwendung ift teilweife zu
lofe und nicht immer vorteilhaft. Beim Abfchnitt ,Maf- i
feben' z. B. empfiehlt es fich, mit einem richtigen, vorzüglichen
und ganz deutlichen Exemplar von Maffebe [
(vgl. Nr. 25 ff.) zu beginnen und dann erft die religions-
gefchichltichen Parallelen zu bringen. G. beginnt mit den
letzteren und holt fie teilweife etwas weit her (Obelisk,
Grabftele, Grenzftein ufw.); das ift für ein Studentenbuch
m. E. nicht glücklich. Der Originalaufnahme von G.
Nr. 25 (Maffebe in Gefer) möchte ich die im Paleft. Explor. !
Fund (Quart. Stat.) vorziehen, doch hat G. jedenfalls
feine Gründe. Den ,Räucheraltar' von Taannek bringt |
G. unter ,Sphingen', weil er ihn für ein Kohlenbecken
hielt und nur feinen Zierat befprechen will. — Solch ein
fchönes Buch wie das vorliegende weckt natürlich den
Appetit nach noch mehr und jeder wird feine Wünfche
haben. Mir z. B. wäre es lieb, wenn die Funde von
Muteffellim noch reichlicher ausgenutzt wären, die im
großen Fundbericht dem Studenten im allgemeinen
wenig zu Geficht kommen werden. Bei den ,Mythen'
möchte ich noch einiges dazu haben; auch eine Darfteilung
aus dem ägyptifchen Totenbuch, wie die Abbildung
eines Dolmen möchte fich empfehlen. Bei den
gefchichtlichen Bildern wäre die wunderbare Mumie des
Sethos I, die doch wohl zum Eindrucksvollften gehört,
wie vielleicht auch der Kopf der Mumie Ramfes II der
Aufnahme wert; ebenfo wenigftens ein Keilfchriftprisma,
z. B. das Sanheribprisma, das feinen Einfall in Paläftina
befchreibt und das in feiner feinen Ausführung wie ein
Bild wirkt. Die Hethiter möchte man noch etwas
mehr berückfichtigt wünfehen. Vielleicht wäre aus den
illuftrierten Führern auswärtiger Mufeen noch etliches
wichtige Alte und Neue zu holen, vorausgefetzt, daß
die Veröffentlichung erlaubt ift.

Unfer Dank für das ganze Unternehmen kann nicht
lebhaft genug fein und Greßmann hat fich mit dem
Gedanken der Herausgabe, mit der Anlage des Buchs,
mit der Auswahl feiner trefflichen, hingebenden Mitarbeiter
ein großes Verdienft für die Ä.T.liche Forfchung
erworben.

Tübingen. Volz.

Driver, Prof. S. R., D.D., Litt. D., Modern Research as
iilustrating the Bible. (The Schweich Lectures 1908.)
London, H. Frowde 1909. (VIII, 95 p.) gr. 8° sh. 3 —

Die Schweich-Stiftung (gegründet 1907) ift beftimmt
zur /Forderung der Forfchung in Archäologie, Kunft,
Gefchichte, Sprache und Literatur der Antike mit Beziehung
zum biblifchen Studium'; die Brofchüre von
Driver ift aus drei Vorträgen hervorgegangen und für
das größere Publikum berechnet. D. fkizziert zuerft die
verfchiedenen äußeren Gebiete, von denen aus die Bibel-
wiffenfehaft im 19. Jahrh. neues Licht bekam, und zeigt
an wichtigen Einzelpunkten den Wert der Funde für die
Kenntnis der israelitifchen Gefchichte und Kultur. Sodann
erzählt er von Kanaan, wie es durch Infchriften
und Ausgrabungen uns nun bekannt geworden ift. In
feiner vorfichtigen Weife gibt er im allgemeinen nur die
Tatfachen, das gefundene Material, und vermeidet meid
die Erklärungsverfuche; von der Mernepta-Stele fagt er
z. B., daß fie mehr Fragen aufgebe als löfe, die Felsaltäre
mit Schalen berückfichtigt er eingehend, ohne auf
eine Deutung hinzuzielen. Seinen Zuhörern zu lieb
fchließt er fich an die Ausgrabung von Gezer an und
ordnet die religionsgefchichtlichen und archäologifchen
Einzelheiten, auch vom übrigen Kanaan, in die hieben
Strata diefes Teils ein; am Schluß hängt er die Hauptfunde
von Taannek an und blickt auf die Arbeiten in
Samaria und Jericho hinaus. Die Art der Funde bewirkt
es, daß das archäologifche und kulturgefchicht-
liche Intereffe über dem eigentlich biblifchen überwiegt.
D. konftatiert, daß die kanaanitifche Kultur ohne Bruch
in die israelitifche überging; ebenfo bindet er die israeli-
tifche Volksreligion und die kanaanitifche Religion als
ein Ganzes zufammen. Im letzteren Punkt ift es wohl
die Aufgabe weiterer Forfchung, noch genauer zu fpezi-
fizieren und zu unterfcheiden.

Eigentlich Neues will die Brofchüre nicht bringen.
Von Wert ift die anmerkungsweife Erwähnung der
Frazerfchen Hypothefe über die Kindergräber (Kinderleichen
werden am Haus eingegraben wegen des Glaubens
, daß ihre Seelen in die Familien wieder zurückgeboren
werden); ebenfo die Anregung, es möchten
die vielen nun gefundenen Aftartetypen von einem
Archäologen gefammelt und unterfucht werden; endlich
die eindringliche Warnung, die Funde mit den darauf
gegründeten Hypothefen nicht zu verwirren. Die Aus-
ftattung des Buchs ift vornehm und prächtig; die zahlreichen
Abbildungen find ausgezeichnet.

Tübingen. Volz.

Weltberg, Realfch. - Oberlehr. Friedrich, Die Biblifche
Chronologie nach Flavius Jofephus und das Todesjahr Jehl.

Leipzig, A. Deichert'fchc Verlagsbuchh., Nachf. 1910.
(V, 202 S.) gr. 8° M. 4.50

Unendlicher Fleiß und Scharffinn ift hier aufgewendet,
um Anflehten zu ftützen, die teils fragwürdig, teils ficher
verfehlt find. Zu letzteren rechne ich eine der Haupt-
thefen des Ver-faffers: daß nämlich die Juden fchon zur
ZeitChrifti fich des rechnungsmäßig fixierten fogenannten
.reformierten' Kalenders bedient haben, der tatfächlich
erft viel fpäter bezeugt ift, während entfeheidende Gründe
dafür fprechen, daß die Juden zur Zeit Chrifti überhaupt
noch keinen fixierten Kalender befaßen, fondern auf
Grund der Neumondbeobachtung jedesmal erft ad hoc
den Beginn des neuen Monats feftfetzten (f. meine Gefchichte
des jüd. Volkes Bd. I, 3. Aufl., S. 749—753). Der
Verf. fetzt bei feinen Lefern das Syftem des Reformierten'
Kalenders als bekannt voraus und begründet feine Thefe
nur in der Weife, daß er zu zeigen fucht, wie unter
Vorausfetzung jenes Kalenders alle Daten ftimmen. Dabei
fetzt er ferner voraus, daß Jofephus feinerfeits nach dem
fyro-macedonifchen Kalender rechne, der mit dem julia-