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Ausgabe:

1910 Nr. 18

Spalte:

560-561

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lemmens, Leonhard

Titel/Untertitel:

Der hl. Bonaventura, Kardinal und Kirchenlehrer aus dem Franziskanerorden (1221-1274) 1910

Rezensent:

Lempp, Eduard

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Theologifche Literaturzeitung 1910 Nr. 18.

560

Band. Die teilweife recht fchwierigen und fehlerhaft
überlieferten Texte find mit folcher Genauigkeit, Sorgfalt
und Sachkenntnis behandelt, daß der Lefer und
Benutzer fich überall vertrauensvoll der Führung des
bewährten Herausgebers überlaffen kann und nur fehr
feiten Anlaß zu Widerfpruch findet.

Wie weit Dindorfs Ausgabe hinter der neuen zurück-
fteht, zeigt fchon das Verzeichnis der falfchen Angaben
über die Lesarten des Cod. Laur. bei Dindorf, das
Stählin S. XVIIf. der Einleitung bietet; aber auch Mayors
Sonderausgabe von Strom. VII, die Referent in diefer
Zeitfchrift 1904 Nr. 11 Sp. 325—327 angezeigt hat, ift ftark
überholt. An einer größeren Anzahi von Stellen diefes
VII. Buches ift der Text durch Stählin und die S.LXXXIX
der Einleitung genannten Gelehrten glücklich verbeffert
worden. Zu S. 15,8 (jöyyOei), S. 40,32 (ygr/Oei) und S.
57,24 ixaxa) hatte ich mir feiner Zeit dieielben Verbef-
ferungen wie Stählin notiert und auch S. 66,10 an die
Einfügung von av gedacht, würde aber hier (vgl. S.
71,22) lieber iv ?j (dv) diga fchreiben. Sonft möchte ich
im VII. Buch noch folgende Verbefferungen vorfchlagen:
S. 4,5 jtQEOßvxsQOV (xmv) iv ysvtoei (der Komparativ ift
hier wohl ebenfowenig wie S. 147,25 zu ändern), S. 13,11
xai xa&oXov (ivxm), S. 56,14 djtoyjjv (uev) xaxmv. Kurz
vorher Z. 9 fcheint mir die Korrektur xaxc't ftatt xai nötig
zu fein; denn wenn auch Stählin mit Sylburg (jtioxiv)
richtig eingefchoben hat (vgl. S. 83,33 f.), fo bleibt doch
xai noch anftößig, ift aber wohl, nicht zu ftreichen, fondern
in xard (analog dem öid Z. 11) zu verwandeln: j
.zwiefach ift der Glaube, entfprechend der Wirkfamkeit
des Subjekts und der Bedeutung des Glaubensobjekts'.
In dem letzten unvollendeten und fchlecht überlieferten
Buch der Stromata merke ich folgendes an. S. 83, 4 1.
r?/v vbrjöiv (= Begriff) ftatt xr/v bvr/Oiv. S. 86,20 ziehe j
ich die Korrektur in xaXelv tlmov eixoi xb xg. vor, da
mir in nötig fcheint. S. 87, 4 können die von Stählin
getilgten Worte vielleicht mit diefer Korrektur: xaxa ra
Cma im Text ftehen bleiben. S. 91, 3of. halte ich die
in den Text gefetzte Korrektur av ftatt xmv für unnötig,
wenn Z. 31 vor xovxmv ftärker interpungiert wird. Ferner j
würde ich in den ,Excerpten' S. 108,14 lieber iv ixaöxm
xöjim fchreiben, als mv tilgen und S. 132,1 f. umgekehrt
mit Rüben eher ijt ovgavbv ftreichen, als mit Stählin
xai xb ixiysiov (wozu übrigens auch S. 144,19 notiert j
werden könnte) hinter xb ictovgäviov einfchalten; denn i
Clemens fpricht zunächft (wie Z. 3 von einer Taufe) !
von einem Feuer, das aber öiööbv zrjv (pvöiv, d. h. (wie
fofort ausgeführt und Z. 4f. wiederholt wird) voijxov und
aiöD-rjzov ift. In den ,Eclogae' fcheint S. 142,10t. noch
nicht heil zu fein; ich vermute: ÖEOjcoxmv ctaXai(mv),
xmv jcixQcbv dnaXXdöömv cqiagzimv. S. 145,9 >u ovxmg
korrupt, aber nicht in freov, fondern eher in bvxmq zu
korrigieren. S. 146,16 fehe ich keinen Grund, warum
yEvbpsvoq getilgt werden müßte; allerdings fetze ich
Z. 17 hinter ysvEö&ai ein Komma und verbinde ovöeva
XeXvxrjXEV enger mit iv ctoXXm de xm $lcp, wodurch der
im Apparat Z. 18 notierte Vorfchlag hinfällig wird.
S. 154,4 dürfte das getilgte xm ihm wohl Korrektur von
{>eö> fein, die an falfcher Stelle in den Text eingedrungen
ift;' danach fchreibe ich: xovxioxiv iv xcö ?]X i]yovv xm
{rem.

Die Teftimonien find wiederum reichhaltig, genau
und zuverläffig angegeben. Daß S. 149, 1—3 vielleicht
aus der Petrusapokalypfe entnommen fei, erfcheint mir
wegen Z. 4 zweifelhaft; das Zitat 1—3 ift im zweiten
Teil nicht recht verftändlich. Woher mag wohl das in-
tereffante Stück S. 154, 8—13 flammen? Die Einleitung
bietet genaue Angaben über die Orthographie der Haupt-
handfchrifc Laur. V3 und des Cod. Scordal. Cl—III—19.
Von diefen beiden HSS, fowie von dem Cod. Par. gr.
451 ift je eine vorzüglich ausgeführte und gut ausgewählte
Schriftprobe in Lichtdruck beigegeben. Sehr lorgfaltig
und eingehend find die Bemerkungen zu den Fragmenten.

I Die verdienftlichen Vorarbeiten Zahns in feinem Supple-
rnentum Clerncntinuvi und fonft werden gebührend anerkannt
, aber erft Stählins Arbeit kann auch hier als vorläufig
abfchließend bezeichnet werden.

Der Druck diefes III. Bandes darf als mufterhafc
gelten. Außer den S. 231 notierten wenigen Nachträgen
und Berichtigungen habe ich nur folgende Druckfehler
gefunden: S. XXI 2. Z. v. o. 1. xvgiov S omxrjgoq. Di —
S. 114,15 war doch wohl jcgoEgyo/iEvoq nach L* zu
drucken. — S. 148, 22 1. xoXc'tC,E6&ai. — S. 150 Ted. Z. 2
v. o. vermißt man hinter Jtsigaq einen Hinweis auf App.
9, da im Text fioigaq fteht. — S. 195 App. 4 1. lapev.

Weimar. Paul Koetfchau.

Lern mens, P. Leonhard, O. F. M., Der hl. Bonaventura,

Kardinal und Kirchenlehrer aus dem Franziskanerorden
(1221 —1274). Feftfchrift zum VII. Centenar
der Gründung des Franziskanerordens. Kempten,
J. Köfel 1909. (VIII, 286 S. m. Bildnis). 8°

M. 3.20; geb. M. 4.20

Eine wiffenfchaftlich genügende Arbeit über Bonaventura
hat bis jetzt gefehlt; fie ift auch erft möglich
geworden, feit die neue Ausgabe feiner Werke (Qua-
racchi 1882 ff.) vollftändig geworden ift. Aber wer nun
eine folche in dem vorliegenden Buche fucht. wird
kaum befriedigt fein. Das liegt zunächft in der Be-
fchränkung der Aufgabe, die L. fich geftellt hat. Seine
Darftellung gilt nämlich dem Lehrer, nicht der Lehre
(S. 83); demzufolge geht L. weder auf die philofophifche
Grundlage (S. 39), noch den theologifchen Aufbau der
Schriften (S. 82) Bonaventuras näher ein, fondern will
den Lebensgang und befonders feine Tätigkeit im Orden
und für den Orden fchildern. Da gings ihm aber, wie
er felbft fagt (S. 263), fo: ,Man kommt in Verlegenheit
beim Niederfchreiben . . . Vergeh ens fucht man Einzelheiten
, die dem Bilde Reiz und Leben geben; umfonft
erfpäht man den Werdegang, Fehler und Kämpfe,
die uns den Heiligen näher bringen und fein Beifpiel
wirkfamer geftalten. Man ficht nicht die außerordentlichen
Werke und befondern Taten, nicht die großen
Wunder, welche wir an andern Heiligen bewundern'. L.
hat es darum gemacht, wie die Legendenfchreiber im
Mittelalter; er hat dem an fich unlebendigen Bilde dadurch
Wirkfamkeit zu geben gefucht, daß er auf den
Heiligen alles erdenkliche Lob in den höchften Superlativen
häuft: feine Vorträge über das Sechstagewerk
,gehören zum erhabenften und geiftvollften, was wir in
diefer Art haben' (S. 65), feine Kommentare find unvergleichlich
reich an den innigften Gedanken und prak-
tifchen Lehren, eine Fundgrube für Predigt und Betrachtung
' (S. 71). ,Unwillkürlich und ganz von felbft
fließen die innigften und erhabenften Affekte aus feiner
Feder' (S. 75). ,Von befonderer Innigkeit und faft unübertroffen
ift das, was der Heilige über den leidenden
Heiland gefchrieben* (S. 97). ,Mit Staunen und Rührung
nimmt man die unerfchöpf liehen Reichtümer derfelben (der
Predigten) wahr' (S. 140). ,Man fühlt fich beim aufmerk-
famen Lefen derfelben über fich gehoben nnd von einer
heiligen Begeifterung getragen' (S. 142). So gehts fort.
L. meinte vielleicht, das gehöre zu einer Feftfchrift.
Ich glaube, er hat damit dem Heiligen einen fchlechten
Dienft erwiefen. Ein Bonaventura braucht diefe Lob-
fprüche nicht, fie flößen auch den modernen Lefer
nur ab. Jedenfalls geben die paar Seiten, die Holzapfel
in feinem Handbuch der Gefchichte des Franziskanerordens
dem Bonaventura widmet, ein viel anfehaulicheres
Bild von dem Charakter und der Wirkfamkeit des Heiligen
als die langen Ausführungen L.s, wo alles nur
Lob im Superlativ ift. Freilich auf Holzapfel ift L.
fchlecht zu fprechen, weil diefer Bonaventura als einen
Mann der mittleren Richtung darftellt. Die Thefe L.s