Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1910 Nr. 17

Spalte:

537-539

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Frommel, Gaston

Titel/Untertitel:

La vérité humaine. Un cours d’apologétique. Vol. I 1910

Rezensent:

Lobstein, Paul

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

537

Theologifche Literaturzeitung 1910 Nr. 17.

538

als Perfon ift dem Verf. wichtig, daß ,fchon in menfch- ', morales S. 259—281 einer lehrreichen Würdigung unterlichen
Verhältniffen eine juriftifche Perfon aus einem worfen hatte, gehört zu den gelungenften und überzeu-
Begriff beflehen kann' (!!). Zur weiteren Klarheit foll , gendflen Ausführungen der ganzen Schrift. — Als die
folgendes Exempel führen: Menfchliche Perfönlichkeit ; der Eigenart der religiöfen, näher der chriftlichen Wahrkönnen
wir nicht unleiblich denken, und der Menfch ift i heit am beften entfprechende wird die ,pfychologifche
nicht die Summe fondern das Produkt von Leib und i und moralifche Methode' {methode psychologique et morale
Geift, nicht a-fb. fondern a-b. Dennoch foll durch . ou de Psychologie morale) empfohlen und zur Anwendung
den Tod der Faktor a = 0 werden und b (b • O) für | gebracht. Aus der kritifchen Auseinanderfetzung mit
fich bleiben, und zwar ,bis durch einen neuen Schöpfungs- j der Autoritätsmethode, fo wie der rationalen und der
akt Gottes in der Auferftehung diefem b ein neuer Leib l hidorifchen Methode erhellt, was fchon in unfern früheren
gegeben wird'. Von folchem Deismus ift auch die Befprechungen der Frommelfchen Schriften hervorge-
Erörterung des Wunders nicht frei, und die Wunder j hoben wurde, nämlich Frommeis Unterfchätzung der
Jefu werden durch feine parthenogenetifch verflandene Gefchichte, eine Eigentümlichkeit, die nicht bloß aus

übernatürliche Geburt und Auferftehung erhärtet. ,Die
Wunder Jefu Chrifti fallen alle mit der Frage zufammen:
war Jefus Chriftus Gott oder war er es nicht?'

Wien. Beth.

Frommel, Gaston, La verite humaine. Un cours d'apolo-

einer berechtigten Scheu vor dem relativierenden Hiftoris-
mus zu erklären ift, fondern einen unleugbaren Mangel
an gefchichtlichem Sinn verrät. Daß hier die Schwäche
der F.fchen Theologie liegt, ift von feinen aufrichtigften
Bewunderern anerkannt worden: die Virtuofität der reli-
gionspfychologifchen Analyfe machte fich bei ihm in fo
einfeitiger Weife geltend, daß die religionsgefchichtliche
Betrachtung nicht zu ihrem Rechte kam.

,,. r. . . t,, . ü „r,i^-:^(-o t^t^ r^e ßeiraciiLung mein zu uiicm xecciue Kam.

eetique. Saint-Blaise, Foyer solidariste 1910. (490 p.) & ... r - r 1 n- 1 e

K 4 ' 3 7 Das dem unmittelbar perfonlichenErleben zugewandte

8° 4 | Intereffe tritt auch in der Anlage der Frommelfchen

Die Veranftalter der Gefamtausgabe der Schriften 1 Apologetik hervor. Das Schema des ganzen Syftems ent-

des 1906 hingefchiedenen Profeffors der fyftematifchen
Theologie an der Univerfität Genf find, nachdem fie
bereits vier Bände veröffentlicht haben (Theol. Lit.-Zeitung

nimmt er in letzter Inftanz feiner eigenen Erfahrung, dem
Vorgang feiner Bekehrung. Die Pole, um welche fich feine
Darttellung bewegt, find die beiden Auslagen von feinem

1908, Nr. 3 und io; 1909, Nr. 18), mit dem gegenwärtigen , ,Menfch-Sein' und feinem ,Chrift-Sein' (Je suis komme, je
Werk an den fchwierigeren Teil ihrer Aufgabe getreten. I suis chretien). Es gilt die Beziehung — Übereinftimmung
Die meiden der bisher publizierten Beiträge waren bereits oder Gegenfatz — zu beftimmen, die zwifchen jenen
in Zeitfchriften und Brofchüren erfchienen, und es galt | Ausfagen bedeht. In andern Worten, der Schwerpunkt
nur, fie zu fammeln, zu flehten und in einen möglichd I der ganzen Unterfuchung liegt in der Löfung des pfy-
einheitlichen Zufammenhang zu bringen. Dagegen ent- I chologifchen Problems: Pourquoi, etant /'komme que je

hält das Buch, das nun zur Anzeige gebracht wird, den
erden Teil der Vorlefungen F.s über die von ihm in
Genf vertretene Disziplin der fydematifchen Theologie.

suis, suis-je devenu chretien/ Was habe ich als Menfch
gewonnen, was geopfert, indem ich Chrift wurde? Wie
find beide Ausfagen zugleich möglich und auf welcher

Diefe Vorlefungen gehören fämtlich zu dem Nachlaß des j Grundlage laden fie fich in Einklang bringen? — Bereits
zu früh vollendeten Dozenten und waren von ihm felbd in diefer Fragedellung id der Einfluß wahrnehmbar, den
noch nicht zum Druck vorbereitet und verarbeitet wor- j der Waadtländer AI. Vinet und der Erlanger Frank auf
den. Die pietätvollen und rührigen Herausgeber haben Frommel ausgeübt haben.

den Text des vorliegenden erden Bandes, mit Hilfe
einiger Nachfchriften von Zuhörern, auf Grund des eigenen
fchon forgfältig redigierten Heftes F.s hergedellt. Das
theologifche Sydem, das veröffentlicht werden foll, umfaßt
die Apologetik und die Dogmatik (die Ethik id in
Genf einem andern Lehrduhl übertragen) und wird vor-
ausflchtlich fechs Bände in Anfpruch nehmen: die Apologetik
handelt von der .menschlichen Wahrheit' (la verite

Die drei Bände, die die Apologetik Fr.s umfaffen,
gelten der erden Ausfage: Je suis komme, und sollen
den Inhalt der Verite humaine entwickeln. Vorerd haben
wir es mit dem erden diefer drei Bände zu tun. Er
fucht die Antwort auf die Frage: Quel komme suis-je/
Der Verf. dellt eine kritifche und analytifche Erforfchung
der menfehlichen Wahrheit an (recherche critique et analy-
tique de la verite humaine). Zu diefem Zweck unterfucht

humaine), die Dogmatik von der ,chridlichen Erfahrung' | er der Reihe nach vier Löfungsverfuche, die den An-
'Fexperience chritienne). Obgleich der Lefer fchon in der 1 fpruch erheben, den Menfchen fich felbd zu erklären
Lage id, den Gang, den Fr. einfehlägt, zu überblicken j und ihm darüber Befcheid zu geben: Quel komme suis-je/
(Seite II und 82), fo wird es doch zweckmäßiger fein,
die Gefamtanlage noch nicht zu beurteilen, und abzuwarten
, bis der vorläufig erd fkizzierte Grundriß im einzelnen
' ausgeführt fein wird. Die folgenden Zeilen beschränken
fich auf den vorliegenden Band, der dem erden

Der Sensationnisme (warum nicht: SensualismeF) vertritt
den Satz: Je sens, donc je suis. Fr. unterwirft zwei
Hauptformen diefes Sydems, den Sensationnisme criticiste
Humes (89—113) und den sensationnisme psycho-pkysio-
logique Ribots (113—128) einer fcharffinnigen Kritik
Teil der chridlichen Apologetik gewidmet id. • j (129—170). Nachdem der Verf. die Unzulänglichkeit diefes

Die Apologetik foll dem Theologen die richtige An- ; Löfungsverfuchs, der das Leben in finnlichen Empfin-
leitung dazu geben, den chridlichen Glauben durch die j düngen und Wahrnehmungen auflöd, dargetan hat,
menfehlichen natürlichen Geidesvermögen zu bewahr- j wendet er fich dem Intellektualismus zu, der feinen präg-
heiten (verification de la foi chritienne par les facultes j nanteden Ausdruck in dem Je pense, donc je suis ge-
humaines naturelles, 2. 6—7). Diefe Definition erfährt 1 funden hat. ^ Die vom pfychologifchen und vom meta-
in den folgenden Ausführungen über das ,Recht der phyfifchen Standpunkte unternommene Würdigung des
chridlichen Apologetik' eine glückliche Näherbedimmung 1 Intellektualismus gehaltet fich, in ihrem wichtigden Teil,
(7—22), die an der Gefchichte diefer Disziplin erprobt | zu einer Beurteilung des ontologifchen, des kosmologifchen
und aus derfelben bedätigt wird (22—62). Der rafch ge- und des teleologischen Gottesbeweifes (171—245).Ö— Hat
zeichnete gefchichtliche Entwurf kann übrigens auf Voll- fich der Intellektualismus gleichfalls als unfähig ervviefen
därdigkeit keinerlei Anfpruch machen; vielmehr greift ; das Problem zu löfen, das die verite humaine dem auf
Fr. aus der Vergangenheit zwei Verfuche heraus, bei j feine Eigenart und feine Bedimmung fich befinnenden
denen er langer verweilt und welchen er eine vorbildliche | Menfchengeide dellt, fo führt uns der Volitionnisme
Bedeutung beilegt: Pascals Pensees und Vinets Effays ; (warum nicht: volontarisme/) auf eine höhere Stufe Die
und Reden; die Charakteridik der beiden chridlichen ; Formel je veux, donc je suis nimmt den Wahrheitsgehalt
Denker, die Fr, bereits in feinen Etudes litteraires eP der beiden vorherigen Formeln auf, fie weid aber" über