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Ausgabe:

1910 Nr. 17

Spalte:

526-527

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Becker, Erich

Titel/Untertitel:

Das Quellwunder des Moses in der altchristlichen Kunst 1910

Rezensent:

Hennecke, Edgar

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525 Theologifche Literaturzeitung 1910 Nr. 17. 526

peln Auffaffuno der Authentie entgegenftehen, in wahr- fetzen muß, fo find fie nicht von erheblicher Bedeutung,
haft hiftorifchem Sinne dem Verf. abgeht. Die fonft , Als Tauftag wird nach de bapt. 19 der ,good friday =

nicht zu leugnende Sorgfalt und der Scharffinn, mit
denen er im einzelnen operiert, können dafür keinen
Erfatz bieten. Auch in der Auffaffung der Stiliftik des

Karfreitag' bezeichnet. Die angeführte Stelle will aber
kaum mehr fagen als ,zu Oftern'. In c. III (S. 66) ift
für die apoftolifche Zeit immer noch von einer Ver-

Evangeliften wird eine Angleichung an die fynoptifche j bindung von ,Euchariftie' und ,Agape' die Rede, ftatt
mit unberechtigten Mitteln und zu deren Ungunften an- , von ihrer Identität. Der ,Altar' ift zu Tertullians Zeit
geftrebt (II 97.^171 ff.), ein Abfärben der fpäteren jüdi- j noch kein Märtyrergrab gewefen. Unter fiturgy' (Über-
fchen Kontroverfe auf die Streitgefpräche im 4. Evan- J fchrift von § VII) verlieht der Verfaffer den kirchlichen

Kalender und einige Zeremonien.

In allen Schilderungen des kirchlichen Lebens hält
er fich im wefentlichen an Tertullians Schriften. Einige
Schlußkapitel behandeln noch die fzillitanifchen Märtyrer
und die Passio der Perpetua, die mit dem Chriftentum

gelium geleugnet, die Perikope der Ehebrecherin in
deffen Rahmen für urfprünglich gehalten. Übrigens erhöht
fich das Intereffe an dem Buche etwas dadurch,
daß nicht ein fortlaufender Kommentar gegeben, fondern
an gewiffen Hauptpunkten eingefetzt und fomit

doch ein Eindruck von den vorhandenen Schwierig- j rivalifierenden Kulte (Ifis, Mithras und Kaiferkult), den
keiten beim Lefer erweckt wird; Unterabteilung des Montanismus, den Oktavius des Minucius Felix und .die
I. Teils: 1) Recits de miracles relies ä des sentences j Bibel in Nordafrika'. Diefe beiden letzten Abfchnitte
symboliques (Brotvermehrung, Heilung des Blindge- j find aber gemeffen an dem behandelten Gegenftand fo
borenen, Auferweckung des Laz.), 2) . . . sans liaison kurz, daß fie beffer hätten wegfallen follen. Einige
avec des sentences allegoriqucs (Kana, Königliche, Be- ! Photographien von afrikanifchen Ruinenftätten und In-
thesdal x 1 es autres episodes, au debut du ministere, fchriften find beigegeben. Das Buch wird fich in Eng

. /I Jl . _ , TT T-_!l. . / . „„A T7,„,,„,r^ «...,„.K..„ !.„„„ ----U u„: ____ _1_ °

land Freunde erwerben und kann auch bei uns als zu-
fammenfaffende Schilderung mit Nutzen gelefen werden.

Wittenburg i. Weftpr. Ed. von der Goltz.

4) . . . sur la fin du ministere, ufw.; II. Teil: 1) Le
cadre historique des discours johanniques, 2) Le style et
le procede litteraire . . . (darunter über Allegorie, Dialogform
), 3) uniformite des idees joh., 4) quelques ex-
pressions et idees familiercs au quatr. ev., 5) rapport
des idees Job. avec les idees et les faits posterieurs a Becker, Dr. Erich, Das Quellwunder des Moles in der alt-
ns. 6) le Christ johannique. chriltlichen Kunlt. Mit 7 Tafeln. (Zur Kunftgefchichte

Betheln (Hann.). E. Hennecke. des Auslandes. Heft 72.) Straßburg, J. H. E. Heitz

1909. (IX, 160 S.) hoch 40 M. 8 —

Der Gegenftand verdiente eine gefonderte Behandlung
, die hier fehr ausfuhrlich ausgefallen ift. Was z. B.
von V. Schultze (vgl. 1898, Sp. 246 dfr. Zeitg.) und von
K. Michel vorgebracht war, befriedigte wenig. E. Becker,
der Sohn des unter den Anfängen der Katakombern
forfchung auf proteftantifcher Seite verdienten Ferd.
Becker, ftellt fich auch auf den Standpunkt, daß die
altchriftliche Kunft in erfter Linie Sepulkralkunft ift,
führt aber dann, in Anlehnung an andere Forfcher vor
ihm (S. 130, darunter des in feinen Erklärungen eklek-
tifch vorgehenden J. Wilpert), den Sinn der Darftellung
auf den Refrigeriumgedanken zurück, wobei mit Recht
der Einfluß der naiven Volksvorftellungen auf das Zu-
ftandekommen der altchriftlichen Bilder kräftig veran-
fchlagt wird. Dabei fcheint mir die Behauptung Kaufmanns
, daß die chriftlichen Denkmäler nicht auch (wie
die heidnifchen) von der Erquickung durch Waffer im
Jenfeits reden (S. 125), nicht ganz widerlegt zu fein,
denn K. denkt a. a. O. hauptfächlich an Grabfchriften.
Zu den Belegen über quellendes Waffer, die B. felbft

Donaldson, Stuart A., D.D., Church Life and Thought in
North Africa A.D. 200. Cambridge, University Press
1909. (XII, 200 p. with 5 Photos.) s. 3.6

Das vorliegende Buch hat den Theologieprofefforen,
insbefondere dem regius Professor of Divinity zu Cambridge
, vorgelegen als ,T/eesis' für die Erlangung der
Würde eines Doctor of Divinity. Seine Publikation will
aber den ,simplices quique ne dixerim imprudentes et
idiotac— quae major Semper credentium pars est' (Tert. adv.
Praxeam III) in England dienen, um fie in die alte
Kirchengefchichte einzuführen. Zugleich foll die Ge-
famtdarftellung, fowie die unter dem Texte in der la-
teinifchen Sprache wiedergegebenen Belcgftellen, auch
dem ernfteren theologifchen Studium dienen. Dagegen
ift eine Bereicherung der Forfchung kaum beabflehtigt,
jedenfalls nicht gegeben.

Die afrikanifche Kirche zur Zeit Tertullians ift der
Gegenftand der kurzen und gefälligen Darftellung,
welche alle Vorzüge folcher englifcher essays hat in

ihrer überfichtlichen und klaren Überfchau der wich- I beibringt, treten neuerdings, freilich ohne Beziehuno- auf

tigften Seiten des damaligen kirchlichen Lebens. Wie
fchon die vorangeftellte Literaturangabe zeigt, hat der
Verfaffer überwiegend enghfehe Literatur benutzt, außerdem
einige franzöfifche, von der umfangreichen deut-
fchen Tertullianliteratur nur Kolbergs Schrift vom Jahre
1886. Das ift auch an einer gewiffen Unficherheit des
wilfenfchaftlichen Urteils bemerkbar, das fich meift an
irgend eine Autorität anlehnt. Es bietet das dem
deutfehen Lefer den Vorzug, auf englifche Literatur
aufmerkfam gemacht zu werden, die uns fonft leicht

das Jenfeits, die neugefundenen Oden Salomos. Die
Vorftellung reicht aber bis ins Mittelalter hinein (Nachrichten
von Beda u. a.). In der Sache wird Becker zu-
zuftimmen fein.

Daneben behandelt er das Mofes-Petrus-Problem,
das darin befteht, daß auf den Sarkophagen M. einen
Gefichtstypus zeigt, der gelegentlich mit dem des P. in
der Reuefzene nach der Verleugnung, aber auch mit
der Hauptperfon in der fogen. Bedrängnisfzene unmittelbar
neben dem Quellwunder (die auch ohne diefes vorentgehen
würde. Ich möchte zumal auf Bethun Bakers kommt) übereinftimmt. Diefe Szene auf den alttefta
Introduction to Early History of Christian doctrine und mentlichen (Doppel)bericht vom Quellwunder zurückzu

auf Swetes Auffatz über das Gebet für die Toten im
Journal of theological studics vol. VIII (1907) p. 5c» ff.
hinweifen. Auch teilt D. einige intcreffantc Infchrif-
ten mit.

Über hiftorifche Einzelheiten mit ihm zu rechten,
ift nicht nötig, da er es auf wiffenfehaftliche Auseinan-

führen, reiche nicht hin; hier fei — worauf die Angabe
Num. 20, 12 fchon übergehend weife (S. 113) — vielmehr
Petrus in der bedrängten Lage vorgeftellt, die
feiner Verleugnung unmittelbar vorangeht (S. 140).' Die
Beweisführung gründet fich einesteils auf äußere Merkmale
der Darftellung (S. 139 f.) und fußt andrerfeits all-

derfetzung nicht abfieht. Im ganzen ift feine Darfteilung gemein auf dem Gleichkang von petra (Fels) _ Petn^

richtig. Wenn ich einige einzelne Punkte erwähne, bei (S. 142, literarifche Belege S. 143 f.). Ich kann fie nicht

denen ich zu des Verfaffers Auffaffung ein Fragezeichen

für gelungen erachten, fo wenig man im allgemeinen