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Ausgabe:

1910

Spalte:

481-482

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Adams, John

Titel/Untertitel:

Israel‘s Ideal or Studies in Old Testament Theology 1910

Rezensent:

Volz, Paul

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung.

Begründet von E. Schürer.

Fortgeführt von Prof. D. Ad. Harnack, Oberlehrer H. Schuster und Prof. D. Arth. TiÜUS.

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig. Halbjährlich 9 Mark.

n Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find ausschließlich an

Nr. 16, Jahrg. 35. Profeiror D. Titius in Göttingen Friedländerweg 26 zu fenden. 6. AUgUSt 1910.

Rczenfionsexemplare ausfchheßhch an den Verlag. o ^ ^ • ^ ^

Adams, Israel's Ideal (Volz).

König, Das altteflamentliche Prophetentum
(Volz).

Boatti, Lo stato presente della Critica testuale
del Nuovo Testamento (Gregory).

Montefiore, The synoptic Gospels (W. Bauer).

Koch, Cyprian und der römifche Primat (Krüger).

Oriens Christianus (Ph. Meyer).
Deutfche Myfliker: Seufe (O. Clemen).
Egli, Schweizerifche Reformationsgefchichte
(Bollert).

Hoffmann, Die Lehre von der fides implicita
(O. Ritfehl).

Kirn, Die Leipziger theologifche Fakultät in
fünf Jahrhunderten (W. Köhler).

Cauderlier,l'EgliseInfaillibledevant laScience

et PHistoire (Lobftein).
Schwartzkopff, Das Wefen der Erkenntnis

(Heinzelmann).
Hunzinger, Der apologetifche Vortrag (E. W.

Mayer).

Handbuch zum Neuen Tedament, Band V Prakt.

Auslegung (E. Chr. Achelis).
Drury, Elevation in the Eucharist (Drews).

Adams, Rev. John, B. D., Israel's Ideal or Studies in Old
Testament Theology. Edinburgh, T. & T. Clark 1909.
(XI, 232 p.) 8° s. 4.6

Der Verf. hat fich durch feine ,Sermons in Accents'
und ,Sermons in Syntax' um die hebräifche Sprache
verdient gemacht, indem er in eigenartiger Weife das
Intereffe für fie bei den Predigern zu wecken fuchte.
In diefem neuen, gleichfalls für den breiteren Leferkreis
beflimmten Buch gibt er Skizzen aus der Theologie des
A. T.; nach einem kurzen Überblick über Israels vor-
gefchichtlichen Zufland befpricht er die Gottesidee in

prophetifche Frömmigkeit ift wenig berührt, wohl auch
nicht genügend erkannt. Im einzelnen fehlt es nicht an
trefflichen Beobachtungen; geiftreich und poetifch, nicht
allzu tief, von vielen Zitaten anmutig bewegt fließt die
Darflellung dahin.

Tübingen. Volz.

König, Prof. DD. Eduard, Das altteltamentlictie Prophetentum
und die moderne Gefchichtsforfchung. Gütersloh.
C. Bertelsmann 1910. (94 S.) gr. 8° M. 1.60; geb. M. 2.40
ihrer Entwicklung, die Lehre vom Geilt. Gottes, alttefta- < Durch die neuen Entdeckungen auf dem Gebiet des

mentliches Opfer, die Berit, die Prophetie, das Meffianifche, ! alten Orients ift auch das Prophetentum Israels in ein
Schöpfung der Welt und des Menfchen, die Lehre von der neues Licht gerückt, freilich auch in feiner Sonderftellung
Sünde und von der Erlöfung. Das Büchlein macht weder j ftark angefochten worden. König will im Gegenfatz zur
Anfpruch auf Vollfländigkeit noch auf Methode; zum Beleg evolutioniftifchen, panbabyloniftifchen und profanhjfto-
der mehr praktifch gerichteten Aufftellungen werden belie- rifchen Betrachtung die richtige Erkenntnis geben. Not-
bige Kernworte oder Kapitel herausgegriffen, wobei die wendige Vorausfetzung ift der klare Unterfchied zwifchen
Exegefe nicht immer ftreng ift. In der Gefchichte vom j den großen Propheten als den genuinen Vertretern der
Paradies z. B. werde der nomadifche Zufland befchrieben, wahren Religion und den ,Prophetengenoffen', die mit

in dem die Israeliten fleh im Anfang befanden, und diefe
Erzählung enthalte die gefchichtliche Erinnerung an die
nomadifche Zeit; die ,Lehre von der Erlöfung' wird
durch den Ausfpruch Mi 6,8 illuftriert; gerecht handeln,
liebreich fein, demütig fein, feien die Hauptmomente
der A. T. liehen Idee von der Erlöfung. In feiner theo-
logifchen Anfchauung ift der Verf. einerfeits von
W. R. Smith, andererfeits von Davidfon und Schultz
abhängig; fo ergibt fleh eine merkwürdige Verbindung
von religionsgefchichtlich-fortfchrirtlicher und theologifch-
doktrinärer Bildung; genauer gefagt, ift ,Smith' ein
Lappen auf dem Kleid .Schultz'. Bei der Skizze der
Entftehung des Volks oder beim Opfer nimmt Verf. die
Gedanken von Smith auf und fucht Israel in den Zu-
fammenhang der arabifchen und der übrigen Völkerwelt
(.Heidenwelt') zu (teilen; auch verkennt er z. B. bei der
Gottesidee die Entwicklung nicht; im übrigen ift ihm das
A. T. ein Lehrbuch, das eine Lehre über den Geift, über
den Meffias, über die Sünde ufw. enthält. Auch fonft
ift die Brofchüre eine eigentümliche Mifchung von libe-
ral-entwicklungsgefchichtlichen und konfervativ-chriflo-
logifchen Ideen, von wiffenfehaftlicher Wortforfchung
und künftlicher Exegefe, von groß angelegten Verfuchen
und kleinlicher Ausführung. Die Hauptfache bleibt dem
Verf. die neuteftamentlich-chriftologifche Wertung, fo ift
die israelitifche Religion von vornherein unter einen
engen und befchränkten Gefichtspunkt geftellt. Überwiegend
befchäftigt fleh der Verf. mit der Prophetie. deren
Hauptgröße die meffianifche Weisfagung ift; die nach-

den Erfcheinungen des übrigen Orients verwandt waren.
Das echte Prophetentum beginnt mit dem Anfang der
israelitifchen Religion, mit Mofe, und ift eine israelitifche
Eigentümlichkeit. Es war ein völlig fchiefes Urteil, das
die Propheten als Politiker bezeichnete; fie find vielmehr
die religiös-fittlichen Gewiffensräte im Staate Israels ge-
wefen und ihre Intereffen waren einzig die religiöfen.
Ausführlich befpricht K. ferner die eschatologifche Frage
und die Behauptung neuerer Forfcher, daß die Propheten
hier aus altorientalifchen Quellen fchöpfen konnten. Aber
Babylonien lieferte weder ein eschatologifches Schema,
noch analoges Weisfagungsmaterial, noch irgendwelche
nennenswerte Rohftoffe, die etwa von den Propheten
hätten vertieft und vergeiftigt werden können; die ägyp-
tifchen Stoffe reichen näher heran, find aber nach unferen
bis jetzt erreichten Kenntniffen viel zu dürftig. Im letzten
Abfchnitt wendet fleh K. gegen die Unterfchätzung des
Prophetentums von feiten der modernen Gefchichtsauf-
faffung.

Der Wert der Brofchüre liegt in der kritifchen Bekämpfung
und es kann nicht geleugnet werden, daß diefe
verdienftvoll und glücklich ift. Mit der Wucht der Gründlichkeit
erdrückt K. vieles haltlofe Gerede der letzten
Jahre; faft zu ernflhaft werden die Funde von Winckler
und Jeremias beftritten, die allerdings als Symptome
einer antibiblifchen Weltanfchauung bedeutfam waren.
Am wertvollften ift; die ausführliche Befprechung des
eschatologifchen Materials, wobei K. alles zerpflückt,
was nicht bewiefen werden kann, die mehr fchöne als

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