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Ausgabe:

1910 Nr. 13

Spalte:

393-394

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Peters, Ulrich

Titel/Untertitel:

Charakteristik der inneren Kirchenpolitik Friedrich Barbarossas. Diss 1910

Rezensent:

Werminghoff, Albert

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393

Theologifche Literaturzeitung 1910 Nr. 13.

394

der arabifche Text, S. 10, Z. 18 den Fehler SWJiJD ftatt |
N:n2D enthält) wird [»Jnnsip« mit nnya überfetzt, alfo
mit NnnxplN verwechfelt. Die arabifche Paraphrafe des
Achtzehngebetes bildet, wie Verf. in feiner — hebräifch
gefchriebenen — Einleitung (S. 3—7) hervorhebt, eine
intereffante Analogie zu der aramäifchen Paraphrafe des-
felben, die M. Gafter aus einer jemenifchen Handfchrift
herausgegeben hat (,Ein Targum der Amidah', Monats-
fchrift für Gefch. und Wiff. des Judentums, 39. Jahrg. —
1895— S. 84fr.). Manche Einzelheiten diefes Targums
finden fich auch in der arabifchen Paraphrafe (S. 5f.).
Beide Paraphrafcn ftehen in der jüdifchen Literatur vereinzelt
dar; fie zeugen von der Tatfache, daß bei den Juden
Jemens der für das Aramäifche durch alte Tradition,
für das Arabifche durch das lebendige Bedürfnis ent-
ftandene Brauch, den Bibeltext der Perikopen mit ara-
mäifcher und arabifcher Überfetzung zu begleiten, hie
und da auch für das Hauptgebet zur Geltung gelangte.
Gut beweift K. (S. 4 f.), daß die von ihm edierte arabifche
Paraphrafe nicht den Gaon Saadja zum Verfaffer hat. —
Die Korrektheit des Druckes läßt manches zu wünfchen
übrig. S. 15, Z. 2 I. TBOl; ib. Z. 13 L mW. — Ich
bemerke noch, daß K. die arabifche Wiedergabe des
Wortes QiCHpT der dritten Benediktion nicht richtig ver-
ftanden hat. Sie lautet: pOTpBbit "jrWKbai (,deine geheiligten
Engel').

Budapeft. W. Bacher.

Dammann, Gymn.-Überlehr.Dr. Albert, Der Sieg Heinrichs
IV. in Kanoffa. Eine kritifche Unterfuchung. II. Teil.
Der Annalift von St. Blafien (Berthold), Donizo von
Kanoffa, die Jahrbücher von Augsburg und der Papft-
brief Reg. IV, 12 und 12a. Braunfchweig, B. Goeritz
1909. (176 S.) gr. 8° M. 3 —

In diefer Fortfetzung werden Berthold, Donizo, die
Jahrbücher von Augsburg und Reg. IV 12 und IV 12a
behandelt. Da die Grundanfchauungen und die Methode
des Verfaffers, über die bei der Anzeige des erften Teiles
zu reden war (Theo!. Literaturzeitung 1908, Nr. 15 Sp.441),
fich nicht geändert haben, Hellt auch diefe Weiterführung
der Unterfuchung keinen Fortfehritt in der Kanoffa-
forfchung dar.

Marburg i. Heffen. C. Mirbt.

Peters, Ulrich, Charakteriftrk der inneren Kirchenpolitik
Friedrich Barbarolfas. Diff. (Greifswald.) Hamburg,
(Herold) 1909. (VIII, 87 S.) gr. 8° M. 1.50

Die vorliegende Schrift ift der Unterfuchung eines
Problems gewidmet, das in den letzten Jahren mehrfach
behandelt wurde, der Frage nämlich nach dem Verhalten
Kaifer Friedrichs I. bei Befetzung der einzelnen deutfehen
Reichskirchen, der Bistümer alfo und der Reichsabteien.
Ihr Ausgangspunkt ift natürlich das Wormfer Konkordat
vom Jahre 1122 und die Politik Lothars von Sachfen wie
auch Konrads III.; Gegenftand der Prüfung fodann find
Friedrichs I. Auffaffung der dem Königtum verbliebenen
hoheitlichen Befugniffe, feine Maßnahmen bei den Wahlen
und Inveftituren, endlich die Handhabung des fog. Devolutionsrechtes
bei zwiefpältigen Wahlen. Der Studie
im ganzen wäre es ficherlich zuftatten gekommen, hätte
ihr Verfaffer einer weniger fchwülftigen Darftellung fich
befleißigt. Dem ruhigeren Lefer eröffnen fich nicht
gerade erfreuliche Ausfichten, wenn er fchon durch die
Einleitung erfährt, daß — P. verweift hier kurz auf die
fpätere Ausgeftaltung der Kaiferfage — ,nicht nur der
gefchichtliche Herrfcher das Modell ift für den Kaifer
der Zukunft, fondern die Geftalt Friedrichs, in der Sage
und Gefchichte ineinander fließen, um den Deutfehen
ihren Meffias zu fchaffen, jene Figur, wie fie wiedererwachtes
deutfehes Nationalbewußtfein auf dem fagen-

umwobenen Wodansberge an der goldenen Aue hat
erflehen laffen, deren Linien fich verlieren in dem Geftein,
aus dem fie erwachfen ift. Barbaroffa-David, er ward
zum Panier, unter dem die Eifenfauft eines Bismarck die
divergierenden Kräfte des deutfehen Volkes zur Einheit
fügte' (S. 2). Wenige Sätze fpäter tritt eine Anlehnung
an Unlands Ballade ,Des Sängers Fluch' deutlich entgegen
: ,Auch unter dem Deckmantel der durch die Gefchichte
gewobenen Ereigniffe leuchtet die Größe des
hehrften Staufenkaifers, bald mild und kalt wie fahles
Nordlicht, bald warm und brennend wie die italifche
Frühlingsfonne. Überall aber ift es Sonnenflug, den der
Stauferaar in Friedrich genommen, und felbft wenn das
Schickfal ihn in die fieberdünftenden Niederungen der
römifchen Campagna weift, verleugnet er nicht feine
Herkunft aus der Höhe' (S. 3). Gewiß, nicht die ganze
Arbeit hindurch findet fich diefer offen herausgefagt
unleidliche Wortfchwall, aber auch in fpäteren Kapiteln
(z. B. S. 29(1. und 31 ff.) begegnen ähnliche, durch fich
felbft gerichtete Überfchwenglichkeiten, fo S. 22 Anm. 3:
,Die freie kanonifche Wahl lieferte die deutfehe Kirche
in die Eifenfeffeln ultramontaner Defpotie, und erft im
Sonnenfeuer lutherifchen Heldengeiftes fchmolz der Ring,
mit dem römifche Schmiedekunft das deutfehe Kirchen-
wefen gefeffelt', fo endlich S. 86f.: ,Ein großer imperia-
liftifcher Zug geht durch des Kaifers innere Politik, das
Gold der kaiferlichen Krone, wie es zu Aachen erglänzt'
(hier aber wurde Friedrich doch nur zum König gekrönt),
,ift die Grundfarbe des Gemäldes, und alle anderen Töne
vom tiefen Rot des Salzburger Fauftrechts bis zum lichten
Blau des am kaiferlichen Hofe wehenden Frühlingsgeiftes,
fie dienen nur dazu, die Majeftät des Goldgrundes um
fo leuchtender hervortreten zu laffen'. Kein einfichtiger
Beurteiler wird es dem Autor verübeln, daß er auf den
Stil feiner Ausführungen befonderes Gewicht legte —
gerade in Erftlingsarbeiten wird gegen diefes vornehmfte
Gebot der fchnftftellerifchen Betätigung häufig genug
gefehlt —, P. aber hat durch die Art feines Vortrags
auch das zweite Gebot verletzt, daß nämlich der Stil
fich nach dem Gegenftand zu richten hat. Er wollte
eine Unterfuchung liefern und fchuf nach Art antiker
Rhetoren, eine epideiktifche Prunkrede, der zu folgen und
deren Refultate zu ermitteln recht fchwer fällt. Ich
bin der letzte, den Fleiß der Arbeit zu verkennen, und
heiße die Darlegungen S. 61 ff. über die Reihenfolge
von Inveftitur und Weihe, S. 7off. über das kaiferliche
Devolutionsrecht als beachtenswert willkommen, aber
ich bekenne nach der Lektüre der Schrift geflüchtet zu
fein zu A. Haucks Rektoratsrede über Friedrich I. als
Kirchenpolitiker (Leipzig 1898), um hier aufs neue die
Verbindung von Klarheit der Darlegung und Schlichtheit
der Sprache zu genießen, die den Betrachtungen von
Peters, namentlich über den unausfprechlichen ,Diesfeits-
geift' Barbaroffas, mangelt.

Königsberg i. Pr. A. Werminghoff.

Schmaltz, Paft. K., Die Begründung und Entwickelung der
kirchlichen Organilation Mecklenburgs im Mittelalter.

(Schluß.) (Aus: Jahrbücher des Vereins für Meckl.
Gefchichte und Altertumskunde 1908.) (Schwerin,
Bärenfprung'fche Hofbuchdr.) (S. 31 — 176.) gr. 8°

Vor wenig mehr denn einem Jahre konnte in diefer
Zeitfchrift (Jahrg. 1909, Sp. 17 f.) auf den erften Teil der
fleißigen und gewilfenhaften Arbeit des Verfaffers hin-
gewiefen werden; heute gelten ihrer Fortfetzung und
zugleich ihrem Schluß die folgenden Zeilen, die den
mühereichen Unterfuchungen erneut das Geleite geben
wollen. Sie gehen zunächft in mehreren Unterabteilungen
der Gefchichte jeder mecklenburgifchen Pfarrei nach, fei
es in der Diözefe Kammin (S. 31 ff.), fei es im Eidlichen
Mecklenburg Schweriner Sprengeis (S. 57ff.), fei es im