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Ausgabe:

1910 Nr. 9

Spalte:

263-264

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bartmann, Bernhard

Titel/Untertitel:

Christus ein Gegner des Marienkultus? Jesus und seine Mutter in den heiligen Evangelien 1910

Rezensent:

Bruckner, Albert

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263 Theologifche Literaturzeitung 1910 Nr. 9. 264

14. 17b, das letzte Glied in 3,2, daserfle in 3,8 und endlich
3,17 und 3,19, abgefehen von den beiden letzten Worten.

Das ift in kurzen Zügen der Inhalt diefer Monographie
N.s, die mit erfchöpfender Berückfichtigung der gefamten
neueren exegetifchen Literatur, mit felbftändigem, ruhig
abwägenden Urteil und in klarer Darfteilung gefchrieben
ift. Am ftärkften ift N. durch Marti beeinflußt, denn die
von ihm vertretene Anfchauung deckt fleh in allen ent-
fcheidenden Punkten mit der M.s. Wenn er M. gegenüber
betont, daß 2,1—3 nicht urfprünglich zu dem Pfalm
gehören, fo wird er darin recht haben, in der Tat hat
2, I—3 nichts mit dem Pfalmftil in 1,2—4. l3 zu tun? aber
man wird fchwerlich darin N. zuftimmen können, daß
1,13 die gerade Fortfetzung von 1,2—4 fei, feine Über-
fetzung des '151 Hflü Tes yeux sont trop purs pour

■uoir le mal täufcht die Lefer über die Schwierigkeit des
Anfchluffes an 2,4 fort, tatfächlich ift mindeftens 12a
vor V. 13 nicht entbehrlich. Nicht minder fchwierig
fcheint mir die Annahme, daß 2,4 die gerade Fortfetzung
zu 1, 13 fei. Hier liegt doch die Vermutung näher, daß
2,1—4 erft der Rückficht auf die Verwendung des Liedes
für den jetzigen Zufammenhang ihr Dafein verdanken.
Für die Zuweifung von 1,5 an eine andere Hand als
die, die l,6ff. gefchrieben, vermag ich einen triftigen
Grund nicht zu fehen. Die zu rlfiJirni gegebene Erklärung
S. 91 f. erfcheint überaus künftlich, hier liegt doch die
Annahme näher, daß der MT. mit Rückficht auf 1, 13
entftanden ift. Für verfehlt halte ich den Verfuch, den
MT. 1, 17 im wefentlichen feftzuhalten, jedenfalls beruht
die Anmerkung 8 auf einem Irrtum, gerade von Giefe-
brecht flammt die LA. IDm für Hann. Doch derartige
Bedenken, deren ich noch manche habe, können mich
nicht hindern, diefe Arbeit mit Freude zu begrüßen und
den Wunfeh auszufprechen, daß ich nicht zum letzten
Mal diefem jungen Gelehrten begegnet bin, vielleicht
gelingt es ihm fpäter, feine Publikation auch von den
zahlreichen Fehlern in der hebräifchen Vokalifation vgl.
z. B. S. 22. 23. 24. 26—31 freizuhalten.

Straßburg i/E. W. Novvack.

Bartmann, Prof. Dr. Bernhard, ChriTtus ein Gegner des

Marienkultus? Jefus und feine Mutter in den heiligen
Evangelien. Gemeinverftändlich dargeftellt. Freiburg
i. B., Herder 1909. (VII, 184 S.) gr. 8° Geb. M. 3 —

Der Verfaffer diefer Schrift, die nachweifen will, daß
Chriftus kein Gegner des Marienkultus gewefen fei, ift
wenigftens ehrlich genug des öftern zuzugeftehen, daß er
von durchaus dogmatifchen Vorausfetzungen aus an feine
Unterfuchung herangetreten fei. Und es ift deshalb
auch nicht verwunderlich, daß ihn felbft Stellen wie Joh.
2,3—5 Mark. 3,31—35 Luk. 11,27. 2&, d'e er mit Luk.
2,47. 48 und Joh. 19,26. 27 auf S. 43—164 ausführlich
erläutert, nicht nur nicht irre machen in feinem mario-
logifchen Glauben, fondern ihn fogar noch darin beftärken.
Zwar gefleht er zu, daß einzelne diefer Abfchnitte Schwierigkeiten
für das katholifche Dogma zu enthalten fcheinen,
aber er findet doch immer ziemlich rafch den Übergang
zu der erbaulich konfeffionellen Erklärung. Es ift dies
auch nicht weiter verwunderlich, wenn man beachtet,
wie oberflächlich feine Kenntnis und Verwendung der
liberalen Exegefe ift. Außer Holtzmann, den er 3 mal
zitiert, werden nur noch Dietlein, Frenffen, Kneib, Nebe,
Nösgen, Peterfen, Werner und Zöckler zitiert, aber
von einem gründlichen Studium der Brofchüren oder
Schriften derfelben ift nirgends die Rede; fondern irgend
ein Zitat, das die verächtlichen Urteile der liberalen
proteftantifchen Theologie über Chriftus beleuchten foll,
wird angeführt und muß ebenfo fehr dazu dienen, die
katholifchen Lefer mit Abfcheu gegen diefe frivole prote-
ftantifche Theologie zu erfüllen, als feine Belefenheit in
derfelben effektvoll zu drapieren. Intereffant ift immerhin
das Zugeftändnis, daß Chriftus ,feine Mutter abflchtlich

in das Dunkel geftellt hat' (S. 180), woraus er aber dann
mit fcheinbar biblifchen Gründen folgert, daß fie, nachdem
fie ihren Glauben im Dunkel bewährt habe, mit
demfelben Rechte verehrt werden dürfe wie der Sohn,
ja daß mit der Verehrung des Sohnes für alle diejenigen'
die ,auf dem biblifchen Offenbarungsftandpunkt flehen'!
die Verehrung der Mutter fleh von felbft ergebe.

Auf eine Kritik im einzelnen einzugehen, hat bei der
Divergenz unteres Standpunktes keinen Sinn, da fie fleh
ins Uferlofe verlieren würde. Nur das mag noch beigefügt
werden, daß Druckfehler fehr feiten find, und daß
Druck und Ausftattung jedes Lob verdienen.

Bremgarten. Albert Bruckner.

Wielen, Lucas Thomas, Irenaus' Gefchrift Jen Bewijze der
apultolilche prediking'. Proeffchrift. Utrecht, P. den
Boer 1909.

Jüngft habe ich von einer franzöfifchen Darfteilung
der Theologie des Irenäus (Beuzart, Effay für la theologie
d'Irenee, Paris 1908), die mitveranlaßt war durch feine
neu aufgefundene Epideixis, berichten dürfen. Zum
Gegenftand einer felbftändigen Unterfuchung hat diefe

1 Epideixis der Niederländer Wieten gemacht, behufs Er-

| Werbung des theologifchen Doktorgrades an der Uni-
verfität zu Utrecht. Seine Arbeit ift durch Gründlichkeit
und Befonnenheit charakterifiert. Er gibt zunächft nach
kurzer Orientierung über das Werk des Irenäus und feine
armenifche Verfion auf S. 7—92 eine .— aus der deutfehen
bei Harnack, Texte u. Unterf. 31,1, geflohene — Über-

j fetzung der Epideixis; beigefügte Parallelen aus des
Irenäus großem Werk gewähren eine gute Beleuchtung.
Die Abfaffungszeit der Epideixis möchte Wieten etwa
auf 196 anfetzen (S. 104 ff), jedenfalls nach der Regierung
des Commodus, da ca. 48 von verfolgenden Königen

i die Rede ift. 'Ejüöeit-tq faßt er im Sinn von djroösi^iq
und er beurteilt die Schrift als den Neulingen 'im
Chriftentum geltend und die Mitte haltend zwifchen
einer Miffionspredigt und einer Homilie. Der erde Teil
biete die apoftolifche Verkündigung felbfl, der zweite, von
ca. 42b an. den Schriftbeweis dafür. Die,apoftolifche Verkündigung
' aber feidemIrenäusdieTauflehre,entfprechend
dem, was fich aus Adv. liaereses, aber auch aus unferem
fonftigen Wiffen über die Unterweifung der Katechumenen
ergibt (S. 152 ff.). Nicht Theologie enthalte die Epideixis,
fondern fchlichte Glaubensgedanken für die Einfältigen
(S. 179). Sie will darlegen den Inhalt der Glaubensregel,

I welche Wieten im Anfchluß an R. Seeberg als die
vom Symbolum vorausgefetzte apoftolifche Tradition

| verlieht. Dem Wefen nach Einer, ift Gott ,nach der
Ökonomie unferer Erlöfung' Vater und Sohn (c. 47);
nur kurz wird vom Geift gehandelt, deffen Wirken ein
vorläufiges in den Propheten war und nun in der apoftoli-
fchen Predigt ftatt hat. Bezeichnet wird das Wort in

! der Epideixis nicht als ewig koexiftent (fo Wieten S. 181),
fondern als erfterzeugtes. Aber es bedeutet die Ausfage
c. 43, daß für Gott der Sohn den Anfang vor dem Bau
der Welt gehabt, keinen Gegenfatz dazu, daß nach
Adv. haer. II, 25. 3 Gottes proprium verbum immer mit
ihm koexiftiert hat; denn die Trinität ift für Irenäus

| eben eine heilsökonomifche. Die Häretiker werden
c. 99 als folche charakterifiert. die den Vater vom Schöpfer

unterfcheiden oder die Fleifchwerdung des Sohnes ver-

j neinen oder die Gaben des Geiftes abweifen. — Die
Benutzung einer Vorlage fleht Wieten fchon dadurch
erwiefen, daß das Schema in c. 43—85 von dem c. 31—40
befolgten abweicht. Doch findet er hier weniger einen
Anfchluß an die antijüdifche Polemik, als an die gegen
die Heiden gerichtete Apologetik. Speziell in Juftins

; Apol. I, 30—53 erblickt er die Vorlage des Irenäus, welcher
diefer aus mündlicher Tradition Stammendes und durch
eigenes Schriftftudium Gewonnenes beigefügt habe. Natürlich
verneint er eine Kenntnis des altteffamentlichen