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Ausgabe:

1910

Spalte:

238-242

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Grützmacher, Georg

Titel/Untertitel:

Hieronymus. Eine biographische Studie zur alten Kirchengeschichte. 2. u. 3. Bd 1910

Rezensent:

Preuschen, Erwin

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des Bafilius fieht Schäfer die Forfchung ,in der Frage ; Morgen- und.Abendlandes, Ihyl xrq evcoßswq xai tiQrjvtjg
der Echtheit und Unechtheit noch nicht weit über Garnier
hinausgekommen'. ,Von dem Werke gegen Euno-
mius werden nur die drei erften Bücher als echt anerkannt
'. Das ift jetzt doch wohl eine unumflößliche Tatfache
, an deren Feftftellung auch ich mich vor Jahr

%ä>v T7]q nalaiäg xal viag 'Pcofirjq txxh]Oicöv, vom Jahre
1275, uns entgegenklingen, aus der ich — fie ift von mir
vollftändig überfetzt — zu zwei Malen in den Beilagen
zu den Jahresberichten des Kgl. Matthias-Claudius-Gym-
nafiums in Wandsbeck vom Jahre 1907 und 1909 gerade

zehnten beteiligt habe ,Wem aber die beiden andern j auf jene Streitfragen bezügliche, ausführlichere Mit-
zuzufchreiben "find, ift', fagt Schäfer, .noch nicht ent- j teilungen gemacht habe.

fchieden'. Freilich, ,Funk hält [vermutlich nach dem Vor- Wandsbeck. Johannes Dräfeke.

gange Spaßkys, über deffen ruffifch gefchriebenes Werk .

nur unzureichende Berichte vorgelegen haben] an der j Qrützmacher, Prof. Lic. Dr. Georg, Hieronymus. Eine
Autorfchaft Didymus des Blinden feft«. Aber ich felbft , biographifche Studie zur alten Kirchengefchichte. 2.
fehe mich nicht veranlaßt, meine Anficht, daß Apollinaris 1 . , H a /c* a- r c u- u. 7 tu.„u„i.

der Verfaffer fei, aufzugeben, da die von mir (zuerft in der und 3. Band. (Stud.en zur Gefctnchte der Theologie
Zeitfchr. f. Kchgefch. 1890, XI, fodann meinem .Apolli- und der Kirche. Herausgegeben von N. Bonwetfch

narios von Laodicea' 1892, S. 122—138) vorgetragenen und R. Seeberg. Zehnter Band.) Berlin, Trowitzfch

& Sohn 1908. gr. 8°

2. Band. Leben und Schriften von 385 bis 400. (VIII, 270 S.) 1906.

Gründe bis jetzt mir nicht flichhaltig widerlegt zu fein
fcheinen.

Im § 2 Hellt der Verf. fehr forgfältige Erörterungen

- . . - M. 7 —. — 3. Band. Leben und Schriften von 400 bis 420. (VIII,

Zur Chronologie der Schriften und des Lebens des m. 7 — - 3- ^na. ueuen uno ocnn.ten von 400 u.s 420. lVm,

und g?bt an deren Schluß eine ! *93 &) 1908. M.7-. (Vollftändig, 3 Bde. M. 20- ; geb. M. 24.50.)
dankenswerte .Überficht über die chronologifche Reihen- 1 Die beiden Bände, mit denen G. feine Biographie

folge der Briefe, welche für die Unterfuchung in erfter
Linie in Betracht kommen'. Auf Grund diefer Flrgebniffe
fchildert Sch. nun in einem I. Abfchnitt (S. 35—61) Bafilius
' Beziehungen zum Abendlande während der Jahre
360—370, kennzeichnet feine Stellung zu den trinitarifchen
Glaubenskämpfen und weift befonders auf die in den
Jahren 366"—367 hervortretende Teilnahme des Bafilius
an den Einigungsbeftrebungen der Homoiufianer und an
den Verhandlungen derfelben mit dem Abendlande hin.
Ein II. nur die Jahre 371—373 und die in ihnen gepflogenen
, hoffnungsfreudigen Anknüpfungen des Bafilius
mit dem Abendlande umfpannender Abfchnitt (S.61—118)
zeigt uns, wie Bafilius als Bifchof von Cäfarea und
Metropolit von Kappadozien trotz der angerufenen Ver

des Hieronymus fortgeführt und zu Ende gebracht hat,
zeigen diefelben Vorzüge, aber auch nicht wenige von
den Mängeln, die an dem erften Band zu bemerken
waren. Eine flüffige Schreibart, eine gefchickte Gruppierung
des reichen Stoffes, die den Lefer fortgefezt in
Spannung erhält, eine ausgedehnte Belefenheit in den
Schriften des Hieronymus und der Literatur, foweit fie
fich auf Hieronymus bezieht, fowie ein nüchternes Urteil,
das fich von Übertreibungen im Lob und im Tadel gleich
fern hält, zeichnen die beiden Bände aus. G. hat es fich
zur Aufgabe gemacht, was gewiß gerade angefichts der
überreichen Hinterlaffenfchaft des Hieronymus berechtigt
ift, diefen faft ausfchließlich auf Grund feiner eigenen
Werke zu fchildern. Der Untertitel, den er feiner Ar-

mittelung des Athanafius in feinem Vornehmen, das j beit gegeben hat: ,eine biographifche Studie zur GeAbendland
zu gewinnen, keine Fortfehritte gemacht hat
Denn auch die im Jahre 372 vom Abendlande aus erfolgte
Sendung des Mailänder Diakon Sabinus und die
dann durch diefen von Odern 372 bis zum Sommer 373
mit feinen Auftraggebern unmittelbar geführten Verhandlungen
zerfchlugen fich völlig. So lehnte es denn
Bafilius ab, zur Herbeiführung einer Vereinigung im
Orient die Hülfe der Abendländer während der Jahre
373—375 weiter in Anfpruch zu nehmen, ein Entfchluß,
in dem er fich auch durch feine Freunde im Morgen

fchichte der alten Kirche' zeigt, nach welcher Seite hin
feine Intereffen vornehmlich gingen: die Geflalt des
Hieronymus für die Kirche fruchtbar zu machen, nicht
aber Hieronymus aus feiner Zeit heraus zu fchildern.
Man wird diefe Befchränkung bedauern, da Hieronymus
wie kaum ein anderer unter den Kirchenfchriftftellern
gebieterifch verlangt, daß man ihn im Zufammenhang
mit der gelehrten Bildung feiner Zeit begreift und dar-
ftellt. Aber man wird auch andererfeits dem Verf.
daraus keinen Vorwurf machen dürfen, daß er feine

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lande nicht wankend machen ließ (III. S. 118—166). Die Aufgabe enger begrenzt hat, um fo weniger, als eine
Schilderung der letzten, während der Jahre 376—377 1 Bewältigung diefer Aufgabe eine Schulung verlangt,
gepflogenen, im wefentlichen ergebnislofen Verhandlungen j die in gleicher Weife die theologifchen wie die philo-
bildet den Gegenftand des IV. Abfchnitts (S. 166—205). [ logifchen Probleme beherrfcht. Immerhin ift auch nach
Trotz des durch Eufebius von Samofata veranlaßten, ! diefer Seite die Biographie G.s nicht unergiebig. Immer
anfeheinend erfolgreichen Verfuchs des Bafilius, die | wieder wird dem Lefer der grauenhafte Verfall des Rö-
zerriffenen Fäden mit dem Abendlande neu zu knüpfen, [ merreichs, den Hieronymus mit blutendem Herzen ererreichte
Bafilius 377 die von ihm geforderte Verurteilung [ lebte, gefchildert, ein Staat, der fich nicht mehr felbft
der Hauptgegner der Jungnicäner nicht. Als Plaupterfolg j fchützen kann, eine Gefellfchaft, die entweder in wahnfeiner
Lebensarbeit darf man nach Schäfer die neun 1 finnigem Genuß fich felbft mordet oder in feiger Angft
Monate nach feinem Tode im Oktober 379 zu Antiochia ; die Welt flieht und Schutz hinter Kloftermauern oder
abgehaltene Synode anfehen, in der 153 jungnieänifche in Gelübden fucht, eine Bildung, die in Barbarei ver-
Bifchöfe fich einmütig gegen die Feinde des gefunden j finkt. Und gegenüber diefer furchtbaren Zerfetzung
Glaubens wandten. ,Die Gedanken des Bafilius waren | eine Kirche, die nur zwei Heilmittel kennt, um dem
icht mit ihm ins Grab geftiegen, fondern lebten in | Übel Einhalt zu tun: Hierarchie und weltflüchtige As-

ni

feinen Freunden und Anhängern fort'. — Die Schilderung j kefe. Man darf bei der Beurteilung des Hieronymus
diefer Verhältniffe, die Schäfer an der Hand der Quellen j nicht vergeffen, daß er in einer folchen Zeit lebte,
entwirft, indem er ihnen in dankenswerter Weife reichlich Es ift ein Verdienft G.s, daß er dem landläufig ge-

das Wort läßt, vermittelt uns ein lebendiges, überaus j wordenen Urteil über Hieronymus eben fo wenig folgt,
anfehauliches Bild jener für die Geftaltung der kirchlichen j als der einfeitigen Überfchätzung, die in dem Mittel-
Beziehungen des Morgenlandes zum Abendlande fo alter und in der Humaniflenzeit üblich war. Mit Recht
bedeutungsvollen Zeiten. Ja hier fchon hören wir leider ! hebt er hervor (II, 97), daß Hieronymus trotz aller
diefelben Klagen, fehen denfelben Streit und Hader um j Flüchtigkeit und alles Leichtfinnes feiner Anlage nach
diefelben Glaubensfragen, die aus der großen Streit- und 1 ein Gelehrter war. Freilich fehlte ihm jede Selbftändig-
Friedensfchrift des Patriarchen Johannes Bekkos, jenes I keit auch in feiner wiffenfehaftlichen Arbeit; was er von
ehrlichen Freundes der kirchlichen Vereinigung des Problemen hatte, verdankte er Origenes. Aber wo