Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1910

Spalte:

229-232

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Windisch, Hans

Titel/Untertitel:

Die Frömmigkeit Philos und ihre Bedeutung für das Christentum 1910

Rezensent:

Heinrici, Carl Friedrich Georg

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

Theologifche Literaturzeitung 1910 Nr. 8.

230

Quelle zu Mc der Art ihrer Benutzung durch Matth, tige Aufgabe, nach der Frömmigkeit Philos zu fragen,
und Lukas Auch die Anflehten über die Quellen, die Ihre Löfung aber hat ihre befondere Schwierigkeit;
der erfte und dritte Synoptiker neben Mc und Q ge- denn Philo ift ein gelehrter Theologe. Theologie und
braucht haben find keineswegs geklärt. Und nimmt man Frömmigkeit fuchen zwar einander, aus derfelben Wur-
iedes der drei Evangelien für fich, fo herrfcht Streit über zel erwachfen fie jedoch nicht. Was die Frömmigkeit
Verfaffer Heimat,EntftehungszeitundArtderKompofition. erlebt, will die Theologie vergehen. Der ,religiös be-

14. J. H. Moulton, New Testament Grcek in the dürfn.s^
light of modern discovery. M. berichtet, wie Geh unfere ^ftftellungen ™ gewinnen; der romme will

Kenntnis des nt. Griechifch in der modernen Zeit, d. h. 1 als Theologe, was er erleb zu w.ffenfchaftlich' begrun-
in den letzten 15 Jahren, erfreulich entwickelt hat und i deter Uberzeugung ausgeftalten. letzteres gilt.für Philo,
welche Gründe den Auffchwung herbeigeführt haben. M. ^.ne Geiftesarbeit ,ft darauf gerichtet, den Gehalt ie.ner

teilt, wie ja aus früheren Arbeiten bekannt ift, mit Deiß- | g™"™^" ftJ^SL 7!^^^^ v'"
i mu u j- i/r ■ j„« KiKiif^h^c Crp Schnitftudium ftellte ihm hierfür die Probleme, feine Ver-

mann und Ihumb die Meinung, daß es .bibiilcnes orie 1 .... ... , , ,, r . D. r u- is c » u

u r 1.1 1 u r j ts t ■ :^v.f r.u-,1- nnrt rGR trautheit mit der hellenifchen Philofophie lieferte ihm
chifch' als befondere Kategorie nicht gibt una aais « r

•ii-i ■ vri m - ».!. j^wiip rlp? Npiien ! die Mittel und teilweife auch die Zielpunkte. Als Theo-
wirklich ungriechifche Elemente in der bpracne aes ieuen . r

-ra 4. • o ^ i^^^vfmpn Vnndipfer 1 l°ge in- er zugleich Apologet; denn er will die Eben-

1 eftamentes einen geringen Kaum einnehmen, vonaieier & & r t, j.

/- j r u u u .ltof HiV finyplnen nt burtigkeit, oder vielmehr die Überlegenheit der alttefta-

Grundanfchauung aus beleuchtet er die einzelnen nt. . 1 • u w • u u j- 1x7 • u •.. 1 tt n

Schriften, wobei belehrende Bemerkungen auch über die ! mentl.chen Weisheit über die Weisheit der Hellenen
LXX und die Verbreitung des Griechifchen in Paläftina : erweden: Daß Je.ne>,xl?,.fi« ia Pentateuch-vorliegt, die
abfallen Es ermbt f.ch für den Sprachforfcher M., daß alumfaffende und abfchheßende Gottesoffenbarung fei,
der Wirbericht von demfelben Verfaffer flammt wie der j bleibt ihm Axiom

Reft der Apoflelgefchichte und das Lukasevangelium. Philo gibt ,n feinen Hauptfchriften die Darlegungen

Die rythmifchen Entdeckungen von Blaß fleht er fich , als ein Exeget, der einen beftimmten Schrifttext zugezwungen
abzulehnen, und die Sprache der Apokalypfe gründe legt, nicht um ihn gefchichthch zu verliehen
erfcheint ihm außerordentlich verfchieden von der des | fondern um ihn durch allegor.fche Urndeutung und
vierten Evangeliums. Zum Schluß zeigt er, wie das neuer- ! ethifche fowie pfychologifche Auslegung als einen Schatz
lieh entdeckte und in Bearbeitung genommene fprach- | ze.tlofer flets gültiger Weisheit zu erweifen und zu entliehe
Vergleichsmaterial Licht wirft auf Sprachfehatz und , hüllen Er legt es demnach nicht auf eine fyftematifche
Grammatik des NT.s wie auf die nt. ,Real.enkunde'. ; Darfteilung an, fondern verfolgtauf den Antrieb des Textes
IC A V Valentine-Richards, The history and ™ einzelnen Traktaten beflimmte Gedankenreihen, in
Present State of New Testament Text aal Criticism. V.-R. die überwiegend platonifches, aber auch pythagoreifches
bietet einen kurzen Überblick über die Gefchichte der "rM ftoifches Geiftesgut eingearbeitet ift. So philofo-
Textkritik von ihren Anfängen an und verweilt dann ; phiert er als Ausleger und legt aus als Philofoph, ohne
länger bei der epochemachenden Arbeit von Weftcott hch darüber Sorge zu machen, daß die Gedanken, die
und Hort Nachdem er fie eingehend charakterifiert, ftellt er anläßlich feiner Texte entwickelt, fich vielfach decken,
er die Gefichtspunkte feft, unter denen die Refultate 1 fchneiden und widerfprechen, je nachdem. Deshalb ift die
angefochten worden find. So ergibt fich, was an der Frage nach dem Geiftesleben und der Frömmigkeit des
Kritik von Weftcott und Hort fich als probehaltig er- ; Alexandriners eine verwickelte. Das perfönliche Erleben,
wiefen hat und wo fie auf falfchcm Wege gewefen ift: die gefchichtliche Bedingtheit feiner Probleme und Ideale
das Urteil über den textus reeeptus hat Beftätigung er- ' und die eigentlichen Schwerpunkte feines Denkens, die
fahren, die Theorie von Art und Wert der ,vorfyrifchen' entfeheidenden Orientierungspunkte find zu ermitteln
Textformen fich revifionsbedürftig gezeigt. Die letzten und nach ihrem Verhältnis zu einander abzuwägen.
Seiten befchäftigen fich mit dem im Erfcheinen begriffenen j Diefer Sachlage sucht Windifch dadurch gerecht zu
Werk v. Sodens > werden, daß er zunächft die Gedankengruppen, die für

16 H. B. Swete, The Religious Value of the Bible. die Wertung der Frömmigkeit Philos Bedeutung haben,
Haben fich die Verfaffer der früheren Effays mit einzelnen • ^r^ fodann dle rehgionsgefchichtlichen

oder den einzelnen Büchern der Bibel befchäftigt und : Yf,^ ,n? ^ge faßtß- E' hat Philos

fie mit kritifchem Sinn betrachtet, fo würdigt der letzte ^hr Iten uchtig durchgearbeitet, fo daß er das Material
Beitrag die Bibel als Ganzes. Ihre Bedeutung für den £°"lch*ut« und verkennt auch n.cht die verfchiedenartige
Cluiften ift völlig unabhängig von dem Urteil des Hif- Bedingtheit und die Widerfprüche in deffen Ausfüh-
torikers über die literarifchen Verhältniffe ihrer verfchie- ™fpn- UM Vakeln abgerundetes und in fich gefchloffenes
denen Teile. Ihr ewiger Wert befteht vielmehr darin, fü° gewinnt, ift fachgemäß; er will nicht konfluieren,
daß fie uns an konkreten Beifpielen zeigt, was religiöfe ! londer,n als: Hiftonker die latfachen ermitteln. Dem-
Erfahruncr ift ?eum ßellt er als Grundzüge des philonifchen Geiftes-

, ° ,,, „, , ,, I Rhens feft eine dualiftifche Weltanfchauung als Voraus-

Marburg/Helfen.__Walter Bauer^ fetzung, als Ziel die durch Glauben, Erkenntnis, Ekftafe

erftrebte Gottesgemeinfchaft, als Grundftimmung die
Windüch, Lic. Dr. Hans, Die Frömmigkeit PhÜOS und ihre Sehnfucht nach fubjektiviftifcher Erhebung über die Welt
Bedeutung für das Chriftentum. Eine religionsgefchicht- durch asketifche Loslöfung von ihr, wobei die entgegen-

hche Studie. Leipzig, J. C Hinrichs'fche Buchhand- Sr^f nG.na.de des ßcKn offenbarenden Gottes die
r . on it - u tt o r-o wirklame Urfache ift. Aber diefe Grundzüge werden

lung 1909. (IV, 140 S.) gr. 80 M. 2.50; geb. M. 3-50 , durchkreuzt durch weltfreudige Äußerungen und durch
Die Schrift ift ein erfreulicher Beleg für das durch Betonung der Pflicht der Selbfterlöfung durch Tugend-
die Cohn-Wendlandfche Philoausgabe neu belebte In- | Übung. Wie diefe Anfchauungen fich formen und wie
tereffe an dem Geiftesleben des großen helleniftifchen | fie begründet find, wird unter folgenden Rubriken abJuden
. Darf von ihm auch nicht gefagt werden: ,Sein gehandelt: Selbfterlöfung, Gnadenerlöfung, der Glaube,
Geift ift zweier Zeiten Schlachtgebiet', fo doch: Sein i Offenbarung und Erlöfung, Stufen und Schranken der
Geift ift zweier Welten Stelldichein. Denn in feinen 1 Gottgemeinfchaft, Gott und feine Kräfte, Unterfchiede
durch die Gunft der alexandrinifchen Väter uns er- j der religiöfen Stimmung, die Ekftafe, idealiftifche und
haltenen Schriften liegen die wichtigften Urkunden vor weltförmige Frömmigkeit, ETömmigkeit und Sittlichkeit,
für den Verfuch, die Weisheit der Hellenen mit der jüdi- : Uber die Zweckmäßigkeit der Anlage läßt fich rechten;
fchen Frömmigkeit zu vereinen. Daher ift es eine dank- | mancherlei Wiederholungen waren dabei fchwer zu verbare
, auch für das Verftändnis des Urchriftentums wich- meiden, denn die einzelnen Abfchnitte greifen vielfach