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Ausgabe:

1909

Spalte:

141-145

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schmid, Georg

Titel/Untertitel:

Das unterirdische Rom. Erinnerungsblätter eines Katakombenfreundes 1909

Rezensent:

Stuhlfauth, Georg

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141 Theologifche Literaturzeitung 1909 Nr. 5.

durchdringen und die neu gewonnenen Erkenntniffe zu
lichten und zu befeftigen verftanden hat: daß wir hier
den bertbewanderten Kenner jener Dinge vor uns haben, I
deffen Führung wir mit dem beruhigenden Gefühl der
Sicherheit getroft uns anvertrauen dürfen. Die Auswahl,
welche A. uns vorlegt, umfaßt folgende Stücke: 1. Die
Troftrede an fich felbft beim Weggange des vortrefflichen
Salluftius (= VIII), S. I—20; 2. Der Brief an den Phi-
lofophen Themiftios (== Th.), S. 21—44; 3- Die Rede
gegen die ungebildeten Hunde (= VI), S. 45—80; 4. Die
Rede gegen den Kyniker Heraklios (== VII), S. 81 —128;

5. Die Rede auf den König Helios (— IV), S. 129 — 172;

6. Die Rede auf die Göttermutter (= V), S. 173—208.
Betreffs der VI. und VII. Rede, jener gegen zeitgenöffifche
Kyniker gerichteten Streitfchriften, die Asmus zuerft in
feiner Abhandlung über ,Gregorius von Nazianz und fein
Verhältnis zum Kynismus' (Th. St. u. Kr. 1894) eingehend
würdigte, fei darauf hingewiefen. daß er auf Grund forg-
fältiger Quellenforfchung jene Gegner fo deutlich mit
den Chriften in Zufammenhang gebracht hat, daß man
fie der Hauptmaffe nach für ausgefprochene Chriften-
freunde und zum Teil vielleicht unmittelbar für Chriften
halten muß (vgl. S. 41—49 und S. 83—85). Und weiter
möge die andre, fchon bei der Befprechung der Schrift
Haus (a. a. O. Sp. 489) erwähnte Tatfache nochmals ins
Gedächtnis gerufen werden, daß Julian für feine gefamte
heidnifchc, in der Galiläerfchrift am deutlichften hervortretende
Theologie von dem Chalkidier Jamblichos abhängig
ift (vgl. S. 132/133 und 175ff.). Daß jetzt die
beiden Götterreden (IV u. V) in zwiefacher Überfetzung,
von Mau und Asmus, vorliegen, kann nur als erwünfeht
bezeichnet und als ein Anlaß betrachtet werden, die aus
dem Vergleich beider fich etwa ergebenden Bedenken
erneuter Erwägung zu unterziehen. Mit Fug legt Asmus,
wie er (Vorwort S. V) ausdrücklich erklärt, das Hauptgewicht
auf feinen deutfehen Text, die jeder einzelnen
Rede voraufgefchickte Würdigung ihres Inhalts und ihres
Zwecks und das in feinen Hauptgliedern fachlich geordnete
Regifter (S. 212—222). Die Anmerkungen endlich,
in denen er in erfter Linie Julian aus Julian felbft erklärt
werden läßt, find befonders durch die in ihnen verzeichneten
Parallelftellen aus feinen Werken wertvoll. — Ich
teile durchaus des Überfetzers Wunfeh: ,Möge diefer Ver-
fuch, das Intereffe für Julians philofophifche Schriften in
weitere Kreife zu tragen, die darauf verwandte Mühe
lohnen!'

Wandsbeck. Johannes Dräfeke.

Schmid, Dr. Georg, ehem. Kapl. an den deutfehen Nationalkirchen
in Rom, Das unterirdifche Rom. Erinnerungsblätter
eines Katakombenfreundes. Mit 37
Plänen und 72 Illuftrationen. Brixen, Pressvereins-
Iluchhandlung 1908. (XVI, 358 S.) gr. 8° K. 6 —
,Durch die Vermittlung der Rektoren Msgr. de Waal
und Msgr. Nagl', denen das Buch gewidmet ift, .hatte der
Verfaffer als mehrjähriger Kaplan an den deutfehen
Nationalkirchen in Rom, zuerft am deutfehen Campo
Santo, dann an der Anima, Gelegenheit, oft die Katakomben
zu befuchen und diefelben bis in die einzelnlten
Teile zu beobachten und zu ftudieren. Als Lehrer und
Ratgeber hatte er dabei die erften Fachgelehrten unferer
Zeit, fo einen de Roffi, einen Wilpert, einen Marucchi,
Armellini und Stevenson ufw. Befonders viel verdankt
er aber Msgr. de Waal, Msgr. Wilpert und Commendatore
Marucchi, die ihn oft auf ihren Expeditionen mitnahmen
und ihm bei jenen Ausflügen, die er allein machen durfte,
mit ihrem Rate zur Seite (landen. Die Hausbibliothek
im deutfehen Campo Santo, die eine Zeitlang feiner Verwaltung
anvertraut war, bot eine gute Auswahl an lite-
rarifchen Hilfsmitteln.

Naturgemäß entftand damals eine große Reihe von
Notizen über eigene Beobachtungen und aus den lite-

rarifchen Werken. Nach der Rückkehr in fein Vaterland
[Tirol] bemühte er fich ftets, trotz der vielen Arbeiten,
die ihm fein praktifcher Lebensberuf auferlegte, auf dem
Laufenden zu bleiben und die gemachten Notizen dem
Fortfehritte der Zeit entfprechend zu ergänzen.

Deffenungeachtet würde er fich nicht entfchloffen
haben, einen Teil diefer Notizen in nachftehender Form
zu veröffentlichen, und würden diefelben wohl bei feinem
Tode in irgend einem Ofen verfchwunden fein — ein
trauriges Refultat mehrjähriger Geiftesarbeit —, wenn er
nicht bei Gelegenheit der Feier des fünfhundertjährigen
Jubiläums der Anima in Rom, die er als Vertreter der
Diözefe Brixen mitmachte, fich überzeugt hätte, daß fich
aus ihnen ohne große Mühe, mit geeigneter Auswahl
wiedergegeben, leicht ein kurzes, treues Bild der bisher
gemachten Entdeckungen in den Katakomben zufammen-
ftellen laffe. Er wählte die Zufammenftellung in topo-
graphifcher Ordnung mit Karten und Plänen der Katakomben
, weil eine folche jedenfalls den Vorzug der
leichten Uberfichtlichkeit hat, weil vom Lefer leicht eine
Auswahl getroffen werden kann, ohne daß er das Ganze
zu lefen braucht, und weil die Prüfung der Richtigkeit
der Angaben bei allfälligem Aufenthalte in Rom felbft
von Nichtfachleuten in einem gewiffen Sinne vorgenommen
werden kann. Desgleichen können Ergänzungen
durch Einfchiebung der neuen Entdeckungen, von denen
ja fchon die Tagesblätter berichten, leicht am betreffenden
Orte gemacht werden, fo daß es leicht wird auf
dem Laufenden zu bleiben. So bliebe das Büchlein
dauernd eine Art verläßlicher Katakombenführer' (VIIf.).

So berichtet Schmid über die Entftehung, Abficht
und Anlage feines Buches — von .Büchlein' zu reden ift
bei dem (mit Tafeln) gegen 400 Seiten ftarken Bande
nicht entfprechend —, das, ,fozufagen in den Katakomben
gefchrieben' (VII), vor zwölf bis fünfzehn Jahren, zur
Zeit feines Werdens, hätte erfcheinen müffen, um in der
deutfehen Katakombenliteratur eine tiefgefühlte Lücke
auszufüllen, das nun aber doch, obwohl da und dort mit
den Spuren feines Alters gezeichnet, auch jetzt als die
zur Zeit befte deutfehe Roma Sotterranea populär-wiffen-
fchaftlicher Art im Sinne einer topographifchen Gefamt-
überficht über die altchriftlich-römifcheGräberwelt begrüßt
werden darf. Es zerfällt in zwei, naturgemäß fehr ungleiche
Hauptteile. Der erfte (1—74) enthält unter dem
Gefamttitel: .Allgemeines über die Katakomben' fünf
Kapitel: 1. Überficht über die örtliche Lage der Katakomben
und deren Entwicklung; 2. die Beobachtung in
den Katakomben: a) Infchriften, b) Malereien; 3. Sichere
hiftorifche Daten in den Katakomben — zugleich eine
Überficht über deren Gefchichte; 4. Einteilung und Verwaltung
der Katakomben. Der zweite Hauptteil (75—331)
befchreibt in vierzehn Kapiteln die chriftlichen Coemeterien
nach den verfchiedenen Straßenzügen, ein Anhang
(332—342) die jüdifchen Coemeterien, vor allem das
Coemeterium in der Vigna Randanini an der Via Appia.
Efin alphabetifches Verzeichnis der Infchriften, ein Sach-
regifter und ein Verzeichnis der Illuftrationen und Pläne
folgen und den Befchluß bilden die Karten und Tafeln
mit den Plänen einzelner Coemeterien bzw. Coemeterien-
teile. Was der Verfaffer anfangs der neunziger Jahre
(eine deutliche Jahreszahl für den erften, mehrjährigen,
römifchen Aufenthalt, 1893, erfcheint nur ein Mal, S. 171;
fonft ift nur immer angegeben: 18 . .) an Notizen fammelte,
ift namentlich nach Marucchis Elements ä'a/r/ieo/oe/c
chretienne und Wilpert fowie aus eigener Anfchauung im
Jahre 1906 ergänzt, wobei die Selbftändigkeit der erften
Niederfchriften durchaus gewahrt geblieben. Daß der
Führer durch Roms chriftliche Unterwelt ein freundlicher
Führer ift, darf man dem wiederholten ,gefälligft' entnehmen
, mit dem der Lefer auf feinem Gang die Karte
einfehen foll; dagegen klingt es doch zu fchaubuden-
mäßig, wenn die Vorführung der chriftlichen Grabftätten
abfchließt mit den Sätzen: .Somit haben wir den Rund-