Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1909 Nr. 4

Spalte:

107-109

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bethune-Baker, J. F.

Titel/Untertitel:

Nestorius and his Teaching, a fresh examination of the evidence. With special reference to the newly recovered Apology of Nestorius (The Bazaar of Heraclides) 1909

Rezensent:

Bonwetsch, Gottlieb Nathanael

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

107 Theologifche Literaturzeitung 1909 Nr. 4. 108

In drei Anhängen liefert S. noch einige Parerga. | Ziehungen zu Leo von Rom anzuknüpfen: I Jiave elected
I. Mt. 7,6 ift ein jüdifcher Spruch: das .Heilige' ift das ■ to bear the accusations made against me, to the and that,
Lehrftück von der Herrfchaft Gottes, die ,Perlen' find whitethese accusations restuponme alone, others may accept
die Wege. II. I Theff. 4,1—II. 5, 12—22 berückfichtigen | the doctrine of the Fathers without hindrance, und Igave

die Wege. III. In I Kor. 15,23 ift jioäyuaxi für xäyuaxi
zu lefen: die Lebendigwerdung der Gläubigen gründet
fich zwar in Chriftus, vollzieht fich aber fo, daß jeder
einzelne ihr vermöge feines eigenen Tuns teilhaftig
wird.

Wien. Rudolf Knopf.

Adam, Dr. Karl, Der Kirchenbegriff Tertullians. Eine dog-
mengefchichtliche Studie. (Forfchungen zur Chrift-
lichen Literatur- und Dogmengefchichte. Herausgegeben
von A. Ehrhard und J. P. Kirfch. Sechfter
Band. Viertes Heft.) Paderborn, F. Schöningh 1907.
(VIII, 229 S.) gr. 8° M. 6.20

Auf diefe Arbeit einzugehen, ift unnötig. Sie ift
durch die Schlußworte charakterifiert (S. 229): ,Dank

diefer römifchen Definition konnten die Gedanken Ter- I digen Veröffentlichung des ,Bazars des Heraklides' ift

thanks to God that the Church of Rome was rightly
.. making confession, even though they happcnedto be against
me personally. — Ift diefe Apologie ein eigenes Werk
des Neftorius, dann beruht die bisher geltende Annahme,
daß Neftorius um 445 geftorben fei, auf einem Irrtum.
Denn der ,Bazar des Heraklides' ift gefchrieben, als Theo-
dofius II. bereits geftorben war; er enthält einen voll-
ftändigen Bericht über die fog. Räuberfynode; das Konzil
von Chalcedon wird zwar nicht erwähnt, aber fchon hat
der ,orthodoxe' Glaube gefiegt, und Dioskur ift offenbar
vom Konzil fchon verurteilt.

Der ,Bazar' bietet einen Dialog zwifchen Neftorius
und einem Ägyptier Superianus (Soprinus, Severianus);
man wird dadurch an den nur wenig fpäteren Dialog des
Arnobius mit dem Ägypter Serapion erinnert. Sprache
und Charakter der Schrift find nach B. die gleichen wie in
den anerkannten Schriften des Neftorius. Der vollftän-

tullians der Kirche kein unmittelbares Verhängnis bereiten; 1 mit Spannung entgegenzufehen; zunächft aber erhält die
aber dennoch blieben fie mittelbar und in ihrer Auswirkung i Schrift B.s durch ihre reichen und orientierenden Mit-

auch fernerhin eine drohende Gefahr. Der Geift des
bewußten Antikirchentums, des programmatischen Kir-
chenverneinens war in Tertullian zur Welt gekommen

teilungen aus jener Selbftverteidigung des Neftorius einen
hohen Wert.

An der Hand des ,Bazars' nämlich gibt B. eine Recht-

und er ließ fich nicht mehr völlig bannen. In den Nova- fertigung des Neftorius gegenüber den wider ihn erhobenen
tianern und Donatiften, in den Audianern, den Albigenfern Anklagen. Es war zunächft die auf Wiederaufnahme
und Katharern, in Wiclif, Hus und der ganzen fog. Re- der Lehre des Paulus aus Samofata. B. weift für diefe
formation erwachte er ftets von neuem: trug er auch i Anklage hin auf jene Nebeneinanderftellung von Sätzen
andere Namen, hüllte er fich in andere Formen, es war des Paulus in der bei Manfi IV, 1008 ff. mitgeteilten Er-
doch derfelbe Geift. Auch jetzt lebt er noch fort — ■ klärung konftantinopolitanifcher Kleriker. Er hätte dafür
mehr wie je — in der akatholifchen Theologie. Er auch auf den angeblichen Brief des Dionyfius Alex, an
ift das Formalprinzip des Proteftantismus.' den Samofatener verweifen können, denn diefer gilt

„. . r F' 1 r dem Neftorius, wie die Worte S. 252 der Ausgabe von

KleL____ ! I796 deutlich erkennen laffen: Manla xov Xöyov ovxlyiv-

vtjOBV — ov yccQ stQEGßvTEQa sorl xov Xöyov —, all'
Bethune-Baker, J. F., B. D., Nestorius and his Teaching, eyivvijos xov Xqioxov xax egaiosxov x£xi[irju.£vov elg
a fresh examination of the evidence. With special ; vlov &eov. Wie jene Vergleichung mit dem Samofatener
reference to the newly recovered Apology of Nesto- eine unberechtigte war, fo zeigt B. auch, daß diefe Ab-

rius (The Bazaar of Heraclides). Cambridge, Univer- *h dfn" f 4°T0* °? fur die, M " » bei Neftorius nicht

4. o ,vi7TTt___ ^ er. c ,m binn eines ,Neftonanismus« erfolgte (S. 59). Chriftus,

s.ty Press 1908. (XVIII, 232 p.) 8" s. 4.6 , Sohn> Herr find nach Neftorius durchaus Bezeichnungen

Bethune-Baker hat die vorliegende Unterfuchung I des Menfchgewordenen, daher ift nicht Gott geboren und
dem Gedächtnis des Neftorius und der neftorianifchen geftorben. Die Differenz zwifchen Cyrill und Neftorius
Kirche gewidmet. Das entfpricht ihrem Ergebnis, daß ift freilich keine durch den Gebrauch verfchiedener tech-
Neftorius kein Neftorianer gewefen d. h. daß er die als ! nifcher termini bedingte, fondern auf andersartigem Ver-
Neftorianismus verurteilten Lehren nicht vorgetragen habe. I ftändnis der Einheit von Gott und Menfch in der Perfon
Die Bedeutung diefer Schrift aber beruht auf den Quellen, Chrifti beruhende. Der eine warRealift, der andere Nomi-
die fie mit Sorgfalt und Umficht verwertet hat. Sie hat ! nalift (S. 53). Neftorius hatte nicht nur ein exegetifches,
nämlich nicht nur die nunmehr von Loofs in feinen , fondern auch ein ernftes religiöfes Intereffe an feiner Lehre.
,Neftoriana' dargebotene Sammlung alles deffen, was von Nicht zwei Perfonen will er unterfcheiden, aber den wirk-
dem Schrifttum des Neftorius erhalten war, benutzt, liehen Unterfchied von Menfchheit und Gottheit nicht preis-
fondern gründet fich — wie fchon im Titel angemerkt geben; weder darf der Gottheit das Erleiden von Menfch-

ift _ vornehmlich auf die noch nicht edierte Apologie : lichem zugefchrieben, noch die Gleichheit der menfehlichen

des Neftorius, von deren fyrifcheniÜberfetzer bezeichnet Natur Chrifti mit der unfrigen angetaftet werden (S. 61 f.).
als ,Bazar (das fyrifche Wort ift ^fegürtä') des Heraclides i Im ,Bazar des Heraklides' erklärt Neftorius, nach B.s Mittei-
von'Damaskus'. Auch B. hat feine erfte Kunde von diefer lung, daß Chriftus Eine Perfon ift, Gott Logos wie Menfch;
Schrift des Neftorius durch Loofs' ,Neftoriana' erhalten, die Jungfrau gebar den Sohn Gottes, aber die Menfchheit,
Der von ihm verwertete Text geht auf D. Jenks, 1892—99 , die Sohn ift wegen des mit ihr geeinten Sohnes. Nicht ein
Mitglied der Miffion zu Urmia zurück, der zuerft das ; Kind für Gott halten zu können, fondern Gott für ein
betreffende Manufkript kennen gelernt und eine Abfchrift Kind von etlichen Monaten halten zu können, habe er
davon cenommen. Eine Ausgabe des Textes felbft nebft ; verneint, alfo eine Verwandlung der ovaia Gottes in die eines
franzöfifcher Überfetzung wird von Pater Ermoni in Paris < Kindes (S. 71 ff.). Die beiden Naturen geeint find der
vorbereitet. Man wird ja mit dem endgiltigen Urteil ! Eine Chriftus (S. 86). B. weift hin auf die Übereinftim-
warten müffen bis zu diefer Veröffentlichung. Zunächft ! mung diefer Ausfagen im ,Bazar' mit den fonftigen des
fcheint B. im Recht, wenn er die Echtheit als eine zweifei- Neftorius: ,die Einheit der Naturen ift nicht getrennt,
los feftftehende anfleht. Die Selbftapologie trägt fo per- j die ovoiac derer, die geeinigt find, find getrennt' (Loofs,
fönlichen Charakter, daß nicht wohl erft ein Späterer Neftoriana S. 280). Gewiß hat B. recht, wenn er urteilt
den Neftorius fo reden laffen konnte. Man vgl. S. I90f.: I (S. 87), daß Neftorius überzeugt war, die Einheit des
But as for Nestorius, let htm be anathema, ferner feine ; Subjekts in Chriftus zu wahren. Der gegenteilige Schein
Erklärung dafür, daß er 449 darauf verzichtet habe, Be- entfteht dadurch, daß er Gott im Sinne von Gottheit,