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Ausgabe:

1909 Nr. 2

Spalte:

717-718

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Jordan, Louis Henry

Titel/Untertitel:

The Study of Religion in the Italian Universities 1909

Rezensent:

Benrath, Karl

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Seite 1

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717 Theologifche Literaturzeitung 1909 Nr. 26.

nehmen feien auch die auf katholifchem Boden hervor- es doch nicht zu einer Pflege, welche der Wichtigkeit
getretenen Verfuche einiger Gelehrten: Hermes, Günther, des Gegenflandes entfpräche, kommen laffen.
Schell, der Genugtuungslehre eine andere fpekulative Indem Jordan — nach dem Schluß der Überfetzung
Begründung zu geben. Statt auf dem kirchlichen Fun- nimmt er felber wieder , im dritten Teil das Wort —
damente weiterzubauen, hätten diefe Männer mit der nun die Frage flellt, wie fleh ein Blick in die Zukunft
kirchlichen Vergangenheit gebrochen. religionsgefchichtlicher Studien in Italien geftalte, gibt
Das Werk im ganzen zeigt, wie man fleh vom ftramm ihm die aktuale moderniflifche Bewegung eine gewiffe
katholifchen Standpunkt aus mit der gefchichtlichen Ent- Zuverficht. Die Anfänge derfelben möchte er auf
wicklung der Lehre von der ftellvertretenden Satisfaktions- Rosmini und Gioberti zurückführen, ja noch weiter bis
bedeutung des Todes Chrifli und mit den modernen ! auf Marfilio von Padua (!) (S. 207). Aber er ift doch
Fragen und Zweifeln mit Bezug auf diefe Lehre aus- einfichtig genug, die Urfachen ihrer Entftehung in letzter
einanderzufetzen fuchen muß. Der Verf. hat zwar mit Zeit anderswo als in bloßer Übertragung früherer reform-
Fleiß gefchichtliches Material zufammengeftellt. Aber er freundlicher Momente auffuchen zu wollen. Vielmehr
ift bei der Auswahl und Beleuchtung diefes Materials wirken (nach S. 211) zwei Faktoren zufammen: das auch
immer durch den apologetifch-polemifchen Zweck feiner in die Kreife der jüngeren Kleriker eingedrungene
Darfteilung befchränkt geblieben. Die religionsgefchicht- moderne Weltbild nebft dem Gefetze der Entwickelung
liehe, biblifch-theologifche und dogmengefchichtliche einerfeits und das durch die wiffenfehaftliche Bibel-
Arbeit der neueren proteftantifchen Theologie hat ihm erklärung gewonnene Bibelverftändnis andrerfeits. Jordan
in keiner Beziehung zu einer Erweiterung feines Gerichts- eliminiert, wie man fleht, aus dem Entftehungsprozeß
kreifes verhelfen können, weil er gar nicht ernftlich von des italienifchen Modernismus jeden direkten Einfluß des
ihr zu lernen fucht, fondern fie nur mit Feindfeligkeit Proteftantismus, und da hat er zweifellos Recht. Die
betrachtet. desfallfigen Beteuerungen feiner Führer Murri, Semeria,
yena fj j_j YVendt. Minocchi, die ja bei Fogazzaro, dem Verfaffer des

^ _,_ ' _L_ ,Santo', bis zu einem fchleunigen Jaudabiliter se subjeciP

Jordan, Louis Henry, The Study of Religion in the Italian gingen, erfcheinen ihm nicht nur als ehrlich, fondern
Universities. In collaboration with Baldaffare Labanca. als felbft;.erftändHch. Übrigens ift der Ertrag der Be-
TT „ , ,WVT,ITT . wegung tur die Porderung des Studiums der Religions-
London, H. Prowde 1909. (XXVIII, 324 p. with por- wif(enfchaft bisher gewiß nicht hoch anzufchlagen - da

trait.) 8° s. 6— liegt ja auch nicht ihr Schwerpunkt, fondern in der

Der special lecluier on Comparativc Religion'- L. H. Stellung, welche diefe Vertreter des religiöfen Katholi-

Jordan, welcher auf dem letzten Weltkongreß in zismus gegenüber der Übermacht des politifchen nehmen

Oxford 1908 die Forderung erhob, daß bei allen Uni- bzw. fleh auch durch die Enzyklika Pascendi nicht

verfltäten das Fach der Religionswiffenfchaft durch be- nehmen laffen. Vorderhand tut fleh freilich die moder-

fondere Anftalten vertreten fein müffe (vgl. Theol. Lit.- niftifche Bewegung in Italien faft lediglich in anonymen

Ztg. 1909, Sp. 580) hat die 1890 erfchienene Schrift von Brofchüren und meift kurzlebigen Zeitfchriften kund, und

Labanca ßifficolta antichc c nuove degli studj religiosi in der Lünzige, der außer den oben Genannten mit feinem

Italia' überfetzt und in hiftorifchen Zufammenhang mit Namen hervortritt, um als pofltiv Denkender das poli-

dem früheren Status und der jetzt angeblich durch die tifche Papfttum zu bekämpfen, ift Labanca, den man

Moderniften' geänderten Lage gebracht. Labanca ift — nicht unter die Moderniften rechnen kann. Es ift über-

nachdem Mariano (1904) feinen Abfchied genommen — haupt über den Bereich des eigentlichen Gegenflandes —

der Einzige, welcher heutzutage Religionswiffenfchaft auf das Studium der Religion auf den italienifchen Univerfi-

einer der königlich italienifchen Univerfltäten (in Rom) täten — weit hinausgegriffen, wenn der Verf. fleh fo

doziert, und ftlbft für ihn hat es einer fchwierigen und eingehend (S. 195—272) mit den Moderniften befchäftigt,

langwierigen Aktion bedurft, damit endlich feine Pro- die alles andre eher als Vertreter der religionswiffen
feffur als eine definitive in den Rahmen des Gefamt-
betriebes eingefügt wurde. So wenig waren die ent-

fchaftlichen Studien in Italien find.

Königsberg. Benrath.

fcheidenden Faktoren geneigt, mit dem halben Ver-
fprechen Ernft zu machen, welches bei der Aufhebung Kattenbulch, Geh. Kirchenrat Prof. D. Dr. Ferdinand,
der theologifchen Fakultäten an fämtlichen italienifchen Ehren und Ehre> Eine ethifch. fozi0i0„ifche IJnter-
Hochfchulen 1873 gegeben worden war: für die weitere . . „. „ . iPZc o«m
Pflege der bisher in den Fakultäten gelehrten allgemein fuchunS- Gleßen' A. Topelmann 1909. (60 S.) 8<>M. 1.25
intereflierenden Fächer könne Fürforge getroffen werden. K. bietet hier in einer Erweiterung und unter BeiWenn
der Herausgeber rückfehauend zunächft eine i fügung von Anmerkungen die Rede, die er am 27. Ja-
Kontinuität herftellen möchte, um den maßgebenden nuar d. J. bei dem Feftaktus der Friedrichs-Univerfltät
Inftanzen zu Gemüte zu führen, wie unrecht folche Ver- in Halle-Wittenberg gehalten hat.

nachläfflgung fei, fo muß er doch felber geftehen, daß Teil I entfeheidet fleh in der Frage: gehören Ehren

der im Mittelalter, überhaupt der unter Aufficht der und Ehre überhaupt zufammen? gegen Binding, der ur-

römifchen Kurie erteilte Unterricht in Religion mit dem teilt, daß die (verliehenen) Ehren mit der (Perfonen-)Ehre

was wir heute unter Religionswiffenfchaft verliehen, kaum i nur den Namen gemein haben. K. ftimmtPaulfen zu, wenn

Berührungspunkte aufweift und daß die Frage nach der | er die Ehre nur als feinde Geftalt, als fittliche Poten-

Pflege der letztern erfl in der Zeit entftanden ift, als zierung der Ehren bezeichnet. Freilich das Urfprüng-

man die theologifchen Fakultäten aufhob — die übrigens liehe in der Gefchichte find ficher die Ehren, ihrem

fchwerlich nach der Richtung hin Nennenswertes ge- Begriff geht K. zuerft nach. Diefe Ehre (Ehrung) ift

leidet haben würden, wenn der Staat fie hätte beliehen ein Gefchenk oder enthält wenigftens ein Vergleichs-

laffen. Daneben ift ja freilich nicht zu vergeffen — und merkmal mit einem Gefchenk, und will den Abftand

Jordan erinnert auch daran —, daß eine nicht unbeträcht- { des Geehrten ausdrücken. K. definiert: ,dem Begriffe

liehe Zahl von hervorragenden neueren Gelehrten, wie nach bedeutet die Ehrung den Willen zur Anerkennung

Emilio Teza in Padua, Kerbaker in Neapel, Chiappelli < einer vorhandenen Ausgezeichnetheit durch eine Aus-

ebendort, Giufeppe Pitre in Palermo, Aleffandro d'Ancona Zeichnung'.

in Pifa durch ihre Studien auf benachbarten Gebieten Teil II deutet den langen gefchichtlichen Weg an,
gleichzeitig die Religionswiffenfchaft dankenswert ge- der von den Ehren zur Ehre geführt hat: die wirkenfördert
haben. Aber die hindernden Momente, wie fie den Faktoren find Sitte, Recht, das individuelle Volks-
in Labanca's Ausführungen aufgeführt werden, haben empfinden (Unterfchied zwifchen römifchem und ger-