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Ausgabe:

1909 Nr. 2

Spalte:

49-50

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Burkitt, F. C.

Titel/Untertitel:

St. Luke 22, 15.16: What is the general meaning? 1909

Rezensent:

Harnack, Adolf

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Theologifche Literaturzeitung 1909 Nr. 2. 5°

Schrift wertvolle Fingerzeige und regt zur Mitforfchung das Paffalamm zum Feftmahl zubereitet wird, fcheint mir
an. Zu den S. 94 angegebenen Druckfehlern gefeilen nicht zutreffend; denn entfcheidend ift doch der Fefttag
fich nicht wenige im Text, namentlich in den griechifchen I felbft. Mindeftens ift von hier aus alfo nicht zu argu-
Zitatcn. Müller fetzt übrigens feine neuteftamentlichen ! mentieren, weil in utramquc partcm argumentiert werden
Unterfuchungen beim Johannesevangelium fort. Vgl. An- kann. Daß das johanneifche Datum im Rechte ift, ift
zeigen der phil.-hift. Kl. der Wiener A. d. W. 08 Nro. XVIII. mir ftets wahrfcheinlich gewefen. Die von den Engländern
T • • r Li-;-,.:-: vorgefchlagene und an fich probable Interpretation der

e'pzip-_ neinrici. . Lukasftelie ftütet diefe Annahme, aber fie kann auch

Burkitt, F. C, and A. E. Brooke, St. Luke 22,15.16: What ohne fie beliehen.

is the general meaning? (The Journal of Theological i Berlin. A. Harnack.

Studies, 1908, July, p. 569—572.)

Rah man i, Ign. Ephraem II patr. Antioch. Syrorum, Apo-

Unabhängig von einander find die beiden englifchen . ,, ,„•■„.■ > ■ n-, i-

Gelehrten zu der Interpretation gekommen, daß Luk. cryphi Hypomnemata Dom.ni Nostn seu Acta Pilati antiqua

22, 15.16 — der Spruch ift dem 3. Evangeliften eigen- versio syriaca, quam nunc pnmum edidit, latine vertit
tümlich — befagt, daß Jefus das Paffa nicht mehr ge- atque notis illustravit I. E. R. (Studia Syriaca fasc. II.)
gcffen habe, allo am Tage vor dem Paffa gekreuzigt Monte Libano, Typis patriarchalibus in seminario
worden fei (fo bekanntlich Johannes) Da Lukas in den Scharfensi MCMVIII; in Comm. bei O. Harraffowitz,
unmittelbar vorhergehenden Verfen dem Markus folgt, : ' .

alfo Jefus das Paffa effen läßt, fo wäre, wenn jene Inter- I Leipzig. (24 et III, 38 p.) M. 8 —

pretation richtig ift, anzunehmen, Lukas habe den Spruch Der durch die Entdeckung des Tcstamcntum Domini

einer Quelle entnommen und nicht bemerkt, daß diefe bekannte Patriarch Rahmani hat bereits 1904 ein Heft
Quelle einer anderen Zeitbeftimmung folgte als Markus. Studia Syriaca herausgegeben, das u. a. den Brief des
Die Worte lauten: 'Emirvuia EJitQ-vjinoa xovxo xb jzaOya Jacobus an Quadratus, das euthalianifche martyrium Pauli,
rpayelv ,«£&' vucöv jcqo xov ue jtairElv ' llyco yao vulv, ein Stück über apoftolifche Sukzeffion der Hauptkirchen
ort ov fi?j qjctya» ctvxb eco^ bxov TthjQcoD fj ev x(j ßaOiksla und Texte Ephraems, Ifaaks uff. enthielt. In dem jetzt
roü &eov. ,Zeigt nicht', fo fagt Burkitt, ,das Pathos des , vorliegenden 2. Heft vermehrt er unfer Material für die
Spruchs an, daß das Verlangen nicht erfüllt worden ift?' Pilatus-Akten um ein wichtiges Stück. Nachdem durch
Mir fcheint diefe Frage fehr berechtigt zu fein. Unmittel- Conybeare 1896 zu der längft bekannten kopt. Verlion
bar vor der erhofften Erfüllung des Wunfehes muß Jefus ; (zu der neuerdings Lacau neue Stücke beigefteuert hat)

auf die Erfüllung verzichten: das fpricht er mit Schmerz
aus; zugleich aber enthält das Wort fo eine Weisfagung
nämlich daß lieh binnen 24 Stunden fein Gefchick erfüllen
wird. Damit bekommt der Vers Hand und Fuß

verfchiedene armenifche Texte hinzugekommen waren,
vermißten wir eine fyrifche Überfetzung, deren einfüge
Exiftenz fo gut wie ficher war. 1905 gab Fr. Schultheß
in den Chriftlich-paläftinifchen Fragmenten aus der Omaj-

Im anderen Falle begreift man weder das Pathos recht ' jaden-Mofchee zu Damaskus als Anhang S. 134—136 7 von
noch andrerfeits die Mattigkeit der Ankündigung, die ; ihm nicht identifizierte Sätzchen, die der Referent fofort
für die Endkataftrophe noch ein ganzes Jahr Spielraum als Bruchftücke der Pilatus-Akten (Kap. 1,6; 2,1; 2,5k)
läßt. Die Textuberlieferung— woran Brooke erinnert— erkannte. Heute kommt vom Libanon her ein oftfyri-
lehrt auch, daß das runde ov (ti) (päyco Anftoß gegeben | fcher Text: Patriarch Rahmani legte zunächft eine junge
hat; denn das ficher unechte ovxixi ift (>StABC*VI HL I Hdfchr. aus Mofful (14. Jahrh.) dem Druck zugrunde, erft
al* sali cop) fehr ftark bezeugt (durch die übrigen Un- j während der Arbeit kam ihm eine 2. viel ältere Hdfchr.
cialen, auch D, itak, yulg., fyr. [auch fyr.9in], arm. aeth. ; aus der Samonakirche von Mediad bei Mardin in altem
Origen.). Tovxo xb jtaaya heißt bei diefer Erklärung nicht Eftrangelocharakter des 8. (?) Jahrh. zu Geficht, deren
,das hier auf dem Tifche liegende Paffa', fondern ,das dies- ' Varianten (nur 22 an Zahl) er im Anhang mitteilt und
jährige Paffa'. Das fcheint mir keine Schwierigkeit zu haben; j in den Noten zur lat. Überfetzung befpricht. Da beide
die einzige Schwierigkeit— denn das y&Q ift bei beiden i Hdfchrr. mit Kap. 1,2 ExßacÖE 6 xovqocoq beginnen, müffen
Interpretationen nicht ganz bequem — liegt in der An- j fie auf die gleiche vorn verftümmelte Vorlage zurücknähme
,daßLukas den Widerfpruch nicht bemerkt hat. Aber j gehen. Diefe bot nur den erften Teil, wie gr. cop. arm.,
diefe Schwierigkeit ift nicht groß, wenn man beachtet, daß j und zwar genauer nur bis 16,7 wie in dem älteren arm.
ja höchft wahrfcheinlich auch bei Markus derfelbe Wider- l Die Überfetzung trägt in dem Stil und der Art der
fpruch begegnet; denn Mark. 15,21 ift nur zur Not, Mark. ! Translkription griech. Wörter durchaus den Stempel der
14,2 aber nur gewaltfam mit 14, 12 zu vereinigen (f. Well- : jüngeren fyrifchen Überfetzungstechnik des 6. Jahrh., wie
häufen z. d. Stellen). Überzeugt man fich, daß Luk. wir fie aus Philqx. und Heracl. kennen. Die Bibeltexte
22,15 k fo zu verliehen ift, wie die beiden englifchen Ge- zeigen, daß der Überfetzer fich dabei um keine der in Gelehrten
vorfchlagen, fo fleht die Annahme, Jefus habe brauch befindlichen Verfionen kümmerte,
noch das Paffa gegeffen, allein auf der Autorität des Als griechifche Vorlage fcheint ein Text der Klaffe

Markus, während drei unabhängigeZeugen dagegen zeugen, DEFH gedient zu haben. Der fyrifche Text ift auffallend
nämlich eine Quelle bei Markus felbft, eine Quelle des kurz gegenüber dem von Tifchendorf gedruckten. Der
Lukas und drittens Johannes. Dagegen zeugt aber auch Herausgeber Hellt die Vermutung auf, daß er auf die
die innere Unwahrfcheinlichkeit des Berichts und ferner die ältere, dem Epiphanius bekannte Form der Pilatus-Akten
Wundereinkleidung, in der er bei Markus auftritt. Was zurückgehe, während uns in den griechifchen Hdfchrr. eine
fpricht denn übeihaupt für ihn? Man fagt, daß er von Bearbeitung von c. 426 vorliege. Die Hypothefe ftützt
tendenziöfer Symbolik frei fei, während das andere Da- fich außer auf die größere Kürze des fyrifchen Textes
tum den Verdacht errege, Jefus folle felbft als das ge- hauptfächlich darauf, daß dem hier als Nachfchrift er-
fchlachtete Paifalamm erfcheinen. Allein (f. Wellhaufen fcheinenden Ananias-Prolog die auf Theodofius II und
zu Joh. 19,31 ff.) diefes Argument ift vielmehr umzu- Valentinian weifende chronologifche Notiz fehlt. Ich kann
kehren; denn Jefus ftirbt ja nach Johannes etc. am Tage mir diefe Beweisführung nicht aneignen. Die Notiz fehlt
vor dem Paffa, dagegen nach Markus am Paffatage, der z. B. auch in lateinifchen Texten (ABC bei Tifch., die
am Abend begann. Beurteilt Johannes (wie Paulus) Jefus jüngere lat. Verfion), die ficher nicht eine ältere Textform
als das wahre Paffaopfer und läßt ihn doch am Tage repräfentieren. Der Syrer trägt nicht nur deutliche Zeichen
vor dem Paffamahl Herben, fo muß das auf Tradition der Verkürzung: er Hellt eine jüngere, mit kanonifchen
beruhen. Der Einwand, daß nach Johannes Jefus gerade Zügen untermifchte Bearbeitung dar, wie wir fie in den
um die Stunde des 14. Nifan ftirbt, in der nach dem Gefetz Hdfchrr. DE befitzen. Aus Tifchendorfs Apparat mit den