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Ausgabe:

1909 Nr. 25

Spalte:

675-676

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Geschichte des jüdischen Volkes im Zeitalter Jesu Christi 1909

Rezensent:

Schürer, Emil

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6/5 Theologifche Literaturzeitung 1909 Nr. 25. 676

an erfcheint das Volk wieder als Einheit unter Führung länger erhalten hat und den Grundftock der jüdifchen

Mofes, das fetze fomit eine vorhergehende Reform-Aktion Diafpora in Ägypten gebildet hat. Bei dem großen

voraus. Ein folches Reformgefetz gegenüber götzen- Intereffe, welches diefe Papyri erwecken, glaubte ich,

dienerifchen Mißbräuchen ift Lev. 17, 1—7. Als Mofes aus ihnen reichlichere Mitteilungen machen zu follen

dann am Ende des 40. Jahres die künftige Lage des (S. 25—31). Aber auch die griechifchen Papyrusfunde

Volkes in Kanaan fchärfer ins Auge faßte, war eine ge-
fetzliche Änderung der nur in der Wüftenzeit durchführbaren
Praxis notwendig, und fo gibt denn Dt. 12, 1—7.
13—18 eine Opfervorfchrift nur für die an dem einen Heilig-

des letzten Jahrzehntes haben uns eine Fülle von Auf-
fchlüffen über die Gefchichte der jüdifchen Diafpora in
Ägypten gebracht. Daß diefe fchon im dritten Jahrhundert
vor Chr. eine fehr ftarke war, kann nicht mehr

tum Jahves gefchlachteten Tiere und erteilt andrerfeits j bezweifelt werden. Da uns die Texte die mannigfaltigften
betreffs der Hausfchlachtungen die Erlaubnis, von ihrem Einblicke in die fozialen Verhältniffe der Juden tun laffen,
Opfercharakter ganz abzufehen. Am Ausgang der habe ich auch diefes Material in nicht zu knapper Faffung
Richterzeit fuchte ein Gefetzgeber in Dt. 12, 8 ff. die vorgelegt (S. 40—50). Zugleich habe ich die Notizen über
fubjektive Willkür in der Wahl des Kultusortes zwar | die fpätere Diafpora in Afrika, Griechenland, Italien,
teilweife zu entfchuldigen, dringt andrerfeits aber auch, Spanien, Germanien, Gallien etwas reichlicher gegeben,
die Gefahr erkennend, auf die künftige Beobachtung des fo daß die Statiftik über die Ausbreitung des Judentums
Gefetzes. Er fpricht dabei die Erwartung aus, daß die j in der alten Welt von 38 auf 70 Seiten angewachfen
ungehinderte Befolgung des Gefetzes werde ermöglicht ift. — Ergänzungen von einigem Umfang finden fich
werden durch die bevorftehende Epoche der Ruhe Israels, ferner an folgenden Orten: S. 71—75 (die verfchiedenen
das weife unverkennbar auf die Zeit des Tempelbaus j Bezeichnungen für den Begriff ,Gemeinde', aus welchen
unter Salome zugleich die verfchiedene ftaatsrechtliche Stellung der

Das ift in kurzen Zügen der Inhalt der Schrift, die
wefentlich durch A. van Hoonackers Arbeit ,Le Heu du
culte dans la legislation des Hebreux' beeinflußt ift, nur
in Bezug auf Lev. 17, 1—7 und Deut. 12 geht E. andere
Wege. Nach den vorher gegebenen Andeutungen wird
es nicht nötig fein, eine weitere Kritik zu geben: auf
Zuftimmung in methodifch gefchulten Kreifen wird er
nicht rechnen können, dazu ift die Beweisführung zu
wenig überzeugend, ich erinnere nur an feine Aus
führungen über Ex. 23, 14 ff. und über Deut. 12: fo will

Gemeinden erfichtlich ift), 81 ff. (Ergänzung des Ma-
teriales über die Gemeindeverfaffung der Juden in Rom
auf Grund neuer Katakombenforfchungen von Nicolaus
Müller), 136—139 (die religiöfe Richtung des Judentums
in der Diafpora), 162—164 (Motive der jüdifchen Propaganda
), 180 f. (über die ,zwei Wege'), 214 f. (religöfe Richtung
des Jefus Sirach), 217 f. 221—224 (die hebräifchen
Fragmente des Jefus Sirach, deren Entdeckung ebenfalls
zu den überrafchendften und wichtigften Funden der
neueren Zeit gehört; beim Erfcheinen der vorigen Auf-

kürlich dort die von E. vorgenommene Ausfcheidung, läge war erft ein kleiner Teil davon bekannt), 241 f. (Be

fo unzuläffig die mit Heranziehung von Ex. 34 gegebene

Ziehungen des Buches Tobit zum Märchen vom dankbaren

Beweisführung ift, fo vergeblich ift der Verfuch darzutun, j Toten), 242 t. (der griechifche Text des Buches Tobit),
daß das Deut, fich nicht gegen die Privatheiligtümer j 247—258 (die Gefchichte des Achikar, die wegen der
überhaupt, fondern nur gegen die mit kanaanäifchem verfchiedenen mit ihr zufammenhängenden Fragen von
Kult richte. I erheblichem Intereffe ift; die Texte find erft feit 1898 in

Beachtenswert ift die Arbeit aber in andrer Hinficht
infofern fie zeigt, daß man auch auf diefer Seite erkannt
hat, daß ohne ftarke Konzeffionen an die Kritik nicht
mehr auszukommen ift. Für E. handelt es fich nicht um
die literarifche Frage nach der Abfaffung des Pentateuch
bezw. feiner Quellenfchriften, fondern um die hiftorifche,
ob Mofes die perfönliche Autorität gewefen ift, von
der die Gefetze ihrem Inhalt nach ausgegangen find.
Das fei der innerfte Kern der Tradition über den mo-
faifchen Urfprung des Pentateuch. Nimmt man dazu

genügendem Maße bekannt), 274 ff. (über die Kompofition
des Buches Henoch habe ich meine Anficht modifiziert),
300 (die Assumptio Mösts nicht von einem Zeloten, fondern
von einem ,Quietiften'), 327 (zur Erklärung und
Kritik des Adlergefichtes im IV. Buch Esra), 339 ff.
(neue Unterfuchung über die Entftehungsverhältniffe der
Teftamente der XII Patriarchen auf Grund der neuen
Ausgabe von Charles, welche erft eine fichere Grundlage
für die höhere Kritik gefchaffen hat), 351 f. (Fragmente
eines bisher unbekannten Teftamentes des Levi), 362 f.

die von E. vorgenommene Ausfcheidung von Gefetzen j (lateinifches Fragment der Elias-Apokalypfe, durch
aus dem Ende der Richterzeit, die Annahme einer Be- | welches auch ein neues Licht auf das Zitat I Kor. 2,9
arbeitung, die von der verkehrten Vorausfetzung mofai- geworfen wird), 367—369 (die koptifche Apokalypfe des
fcher Abfaffung geleitet ift, vgl. S. 86 ufw., fo kann man j Zephanja), 371 ff (über das Buch der Jubiläen, welches
fich folcher Erfolge kritifcher Arbeit nur freuen. j ich mit anderen jetzt in die vorheiodianifche Zeit glaube

Straßburg i. E. W. Nowack.

Schürer, Prof. D. Emil, Gefchichte des jüdifchen Volkes im
Zeitalter JefuChrifti. 4. Auflage. Dritter Bd. Das Judentum
in der Zerftreuung und die jüdifche Literatur.
Leipzig, J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung 1909. (VII,
719 S.) gr. 8° M. 15—; geb. M. 17.25

Statt einer Selbftanzeige erlaube ich mir hier das | der fibyllinifchen Orakel), 584!. (ob es eine babylonifche

verlegen zu müffen), 384—386 (über den pfeudophiloni-
fchen Uber antiquitatum biblicarum), 405 (Fragment der
Legende von Jannes und Jambres), 406 f. (das Teftament
des Hiob), 438 (neue Fragmente des Aquila), 446 f. (Verhältnis
des griechifchen Esra zum kanonifchen), 459 (das
Gebet des Manaffe), 484 (die neuere Kritik des IL Makka-
bäerbuches), 519—521 (über die Echtheit der Fragmente
des Ariftobul), 531 f. (der Hiftoriker oder Geograph Mnafeas
als Judenfeind), 567—570 (zur Überlieferungsgefchichte

Vorwort zum Abdruck zu bringen. Es lautet: Die Er- j Sibylle gegeben hat), 660—662 (zur Chronologie der
Weiterungen, welche diefer Band in der neuen Auflage ! Schriften Philos). — Viel zahlreicher find felbftverftänd-

erfahren hat, find noch ftärker als die beim zweiten
Bande. Sie find faft durchweg durch neue Funde und

lieh die kleineren Ergänzungen und Modifikationen, zu
welchen teils eigene Erwägungen teils die Arbeiten

neue Forfchungen notwendig geworden. Unter den ! anderer Veranlaffung gegeben haben.

Funden überragen die aramäifchen Papyri aus Elephan
tine alle anderen an Bedeutung. Was bisher niemand
ahnen konnte, fleht jetzt feft: daß es fchqn im fechften

Jahrhundert vor Chr. im äußerften Süden Ägyptens eine j Göttingen. E. Schürer

jüdifche Gemeinde gegeben hat, die fich als folche min- '
deftens ein Jahrhundert lang, wahrfcheinlich aber viel

Die Seitenzahlen der vorigen Auflage find auch
diesmal wieder am inneren Rande in eckigen Klammern
angegeben.