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Ausgabe:

1909 Nr. 2

Spalte:

44-45

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Heinisch, Paul

Titel/Untertitel:

Der Einfluß Philos auf die älteste christliche Exegese (Barnabas, Justin und Clemens von Alexandria). Ein Beitrag zur Geschichte der allegorisch-mystischen Schriftauslegung im christlichen Altertum 1909

Rezensent:

Hennecke, Edgar

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Theologifche Literaturzeitung 1909 Nr. 2.

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Philo durchweg moralifierender Intellektualifl. Für das I
Sprachgut der neuteftamentlichen Schriften kommen
unter anderem in Betracht öixaiovv im Sinne von für
gerecht, richtig halten (z. B. S. 104, 15. 124, 13 u. ö),
jtXngoööai, EXJtlrigcööcu, üilr)gmßa (S. 350, 15. 354, 21.
2,6l,2. 5 u. ö;), CjjXmxriq (S. 321,4 evöeßtlaq xal öixaio-
övvrjq ^rjlcozrjg), stagdxXrjxog (S. 58, 4 u. ö.), ßExgiojtdüEia
(S. 326, 24), Xoyiov für Gottesfpruch (S. 359, 4 u. ö.),
löbxißov (S. 362, 5), ßa{rvg og&gog (S. 66, 22 vgl. Luk.
24, 1), 01 vyiaivovxsg Xöyoi (S. 239, 12, vgl. III, 16,9
vyicdvovöa pad?]Otg), Xoyixog (S. 6t, 1 u. ö,), ipvyixög !
(S. 226, 14 u. ö.). Auch einige Sachparallelen greife ich J
heraus. Zu Matth. 15, 14 vgl. S. 268, 8, zu Matth. 19,26 j
S. 273,8, zu Luk. 14, 18 S. 274^12, zu Matth. 5,48 j
S. 319, S ßißsio&ai deov xa&"6öov olöv xs, zu Matth. 6,20. I
19, 21. Luk. 12, 33. Kol. 2,3 S. 359, 18 f. 6 dXrj&ivbg jtXovxog j
sv ovgavcp xaxdxsixai, zu Matth. 5, 21 f. (Strafbarkeit der
Gefinnung) S. 174, 10 f., zur Veranfchaulichung des Ge-
lübdewefens (Matth. 15, 5) vgl. S. 93, 9 f., zum Eide j
(Matth. 5, 34) S. 85, 11 f. 86, 12 f., zu Joh. 3, 20 vgl. S. 77,
10 f., zu Joh. 4,34 gibt S. 274,3 ein Widerfpiel. Zu
Apok. 2, II u. ö. vgl. S. 351, 20 (9-avdxov öixxov siöoq, j
aber der zweite Tod, der irdvaxoq dddvaxoq, ift ein
Leben in Trauer und Furcht). Zu Rom. Ii, 17 f. vgl.
S. 372, if. 376, iof., zu der Schilderung des Götzendienftes
und der Perverfitäten Rom. i,2of. vgl. S. 7, gf. 99, I f., zu I
den Oxsvuyfiol dvs.xla.Xryx01 Rom. 8, 26 S. 66, 1 f., zu den
öxiyfictza Gal. 6, 17 vgl. S. 15, 3 f. (3. Makk. 2,29), zu
der Kollekte 1. Kor. 16, 1 f. die Ausführung über die
Tempelfteuer S. 20, 8 f., auch die Wendung rb öoxovv j
vöxsgifyiv XQOOavenXrjQoooav (S. 335, 7) zu 2. Kor. 9, 12. j
Zum Blutfchänder 1. Kor. 5 vgl. S. 153,9, zu T- Kor. 9,10
vgl. S. 311, I f., zum Urfprung der Sünde durch freie
Tat (Rom. 5, 12) vgl. S. 343, 13 f., zur Charakteriflik des |
Hochmütigen 1. Kor. 4,9—13 S. 320,4 k, wo auch der
Ausdruck xad-dgßaxa vorkommt, zum Gewiffen 1. Kor.
8, 7 S.% 98, 15 {ovvsiörjOu rcöv ddixrjjidxcov), 330, 6^ (tö
övvsiöog 0 fiövov s$~ djidvxmv öixaöxrjgiov xsxvaiq Xoycov
ov Jtandysxai), auch die öfter gebrauchte Wendung vjtb ■
xov ovveidoxog sXsyxdfisvov oder e/tevyfta'c (z- B. 51, 21.
210, 19), zu I.Tim. 3,9. 2. Tim. 1,8 S. 354. 25 (01 djtb
xaO-agov xov avvsiöoxog xaxaxlr)ö£iq), zu den Warnungs-
beifpielen 1. Kor. 10 vgl. S. 324 k, zu den Schranken der >
Gotteserkenntnis (Rom. 1, 19. I. Tim. 6, 16) vgl. S. 344,
13k: wir erkennen von Gott, dem Vater und Heiland,
0x1 töziv, aber nicht d soxiv. Zu Hebr. 4, 2 vgl. S. 299, 2
(dvaxsxgafisvog XoyiOßcö), zu Efaus Sünde (Hebr. 12, 16) j
S. 330, 16 f. Auch für das Agraphon ylvsaOs dyairol
xgaMstfxai bietet S; 226, 20 k in dem Gleichnis von dem j
dgyvgctßoißbg aya&bg eine Parallele, und für die zwei
Wege (Didache 1. Barn. 18, vgl. Heinrici, Beiträge III
89) S. 233, 20. IV S. 14, 12 k

Bei der Befchaffenheit der Textquellen ift es unvermeidlich
, daß der nachprüfende Lefer unbefchadet voller j
Anerkennung der Umficht und des Scharffinns des Heraus- j
geber nicht feiten eine andere Lefung oder Konjektur j
bevorzugen wird. S. 50, 21 ift beffer oXcov jroirjxov zu
lefen. S. 96, 13 ziehe ich die handfchriftlich beglaubigte |
Lesart tue rcöv der Konjektur boicov vor; es handelt fich j
um eine ideale Forderung, die hypothetifch charakteri-
fiert wird. S. 140, 8 dösiag braucht Philo öfter, daher
beizubehalten. S. 162, 5 fcheint mir die Lefung von
SF ext rcöv XayviOxegcov angemeffener; gleich den Syba- j
riten fteigern fie noch über das vorher gefchilderte hinaus
das Raffinement der Wolluft. S. 145 vermutet Cohn I
für das finnlofe bgxoiq das feltene Wort oXxolg. Muß
es dann nicht blxalq heißen? S. 267, 11 ift doch wohl
JtagaßdXXsod-ai nach stagdörjfiov zu lefen. S. 277, 8 ift die
vulgata ögxr)osoi beffer als tfy/öetft. S. 282, 3 fcheint mir
sjc'bgovg gegen die Konjektur öxogag zu halten, ebenfo
S. 284, 20 dg gegen jrgög. S. 295, 2 dßovlrjzcog ift beffer !
als dßovXrjxovg. Z. 12 ift die Konjektur Mangey's jtgo-
voiag der Lefung jtgovoßiag vorzuziehen. S. 299, n muß

wohl ov wegfallen. S. 309, i^ptoXvxgonog cbv dgsxy er-
fcheint beffer als xolvyovoq cbv dgszrjg, S. 13,5 jccgiov-
öiaCfj als nsgiovaia. Cfij. S. 316,10 ift mit dcpdxoiq oder
aopdvzoiq cpvosOiv nichts anzufangen; vielleicht ift dtyvxoiq
zu lefen, da xa 'ißipvxa folgt. S. 324, 8 erklärt fich das
dunkle xa&dnsg avxbg algslxai aus Deut. 26, 17. 18
xvgtog silaxo öe xxX. Gemäß feiner Erwählung ift der
einzelne ein Repräfentant feines Volkes. S. 343,21 ift
wohl ߣxa zrjv avzofia&rj (sc. cpvciv) zu lefen, was auf die
fpontane Kraft der Freude geht. S. 356, 10 ift djioga beizubehalten
; die Krokodile im Nil find gewiffermaßen
Nachbarn der Landbewohner.

Der großen kritifchen Ausgabe ift fofort die kleinere
Textausgabe mit veränderter Seitenzählung gefolgt, in
der Druckfehler der großen — fie find feiten und unerheblich
— befeitigt find und der eine Überficht über die
wichtigeren Textverbefferungen voraufgefchickt ward.

Leipzig. G. Heinrici.

Heinifch, Prieft. Dr. Paul, Der Einfluß Philos auf die älteite
chriftliche Exegele (Barnabas, Juftin und Clemens von
Alexandria). Ein Beitrag zur Gefchichte der allegorifch-
myftifchen Schriftauslegung im chriftlichen Altertum.
(Altteftamentliche Abhandlungen. Herausgegeben von
J. Nikel. Heft 1/2.) Münlter i. W., Afchendorff 1908.
(VIII, 296 S.) gr. 8° M. 7.60

Es wird hier in Nachfolge der Arbeiten von Gfrörer
(1831) und Siegfried (1875) über Philo eine zufammen-
faffende Unterfuchung feines Einfluffes auf die älteften
chriftlichen Exegeten bis auf Gem. Alex, gegeben, womit
Verf. eine Lücke zu näherer Beleuchtung der alexandri-
nifchen Flxegetenfchule auszufüllen hofft (vgl. über die
antiochenifche Exegetenfchule Kihn 1866) und auch wirklich
ausfüllt. Da es fich um die Anfänge handelt und
das Verfahren auch der neuteftamentlichen Schriftfteller
berührt wird, ohne daß diefes freilich im Titel und in
der Einleitung zum Ausdruck käme, ift der Gegenftand
der Darftellung von doppelter Wichtigkeit. (Wie fehr,
geht z. B. daraus hervor, daß M. Friedländer, Patriftifche
und talmudifche Studien, Wien 1878, — vom Verf. nicht
zitiert — S. 6. 29 von feinem Standpunkte aus feftftellt,
daß Männer wie Ariftobul und Philo um das Judentum
keine, um das Heidentum refp. Chriftentum, durch die
von ihnen herbeigeführte Zerreißung des Judentums, große
Verdienfte fich erworben hätten.) Große Konzeptionen
über bereits Erkanntes hinaus wird man freilich nicht
erwarten, um fo verdienftvoller ift eine nüchterne und
klare Darftellung des Tatbeftandes bis in die Einzelheiten,
die wir durch Heinifch empfangen. Die Arbeit zeichnet
fich durch große Sorgfalt aus, auch in den Literaturangaben
, unter denen diejenigen katholifcher Autoren voll-
ftändig fein werden. Im Anfangsabfchnitt über die
Entwicklung der allegorifchen Schriftauslegung von den
Griechen her wird der Unterbau ausreichend und überzeugend
vorgeführt; hier hätte ihm noch Geffckens gelehrtes
Buch (fiehe 1908 Nr. 7 diefer Zeitung) einiges bieten
können, auch bezüglich Philos felbft (fiehe auch Heinrici
in Nr. 3, 1903). — Nur an einer Stelle habe ich eine
Beeinfluffung des hiftorifchen Urteils des Verf. durch das
dogmatifche gefunden, wenn er fich S. 14E für die Frage,
ob das Alte Teftament außer dem Wortlinn ,noch einen

höheren, verborgenen, geiftigen Sinn enthält, der.....

auch ein wahrer Sinn der Schrift ift', auf Thomas von
Aquino beruft und gleich darauf im Anfchluß an diefen,
aber im Gegenfatz zu den alexandrinifchen Juden, die
Umdeutung von Anthropomorphismen, welche Gott
Glieder beilegen, als den Literalfinn bezeichnet (S. 15 f.).
Dazwifchen läuft ihm die Ungenauigkeit unter, bildliche
Reden des A. T. als Allegorien zu faffen, wo der übertragene
Sinn doch im Bilde felbft gegeben ift. Ander-
feits finde ich die wirkliche Allegorie des Paulus Gal. 4