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Ausgabe:

1909 Nr. 23

Spalte:

628-629

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Belleli, L.

Titel/Untertitel:

An independent Examination of the Assuan and Elephantine Aramaic Papyri with eleven plates and two appendices on sundry items 1909

Rezensent:

Smend, Rudolf

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Theologifche Literaturzeitung 1909 Nr. 23.

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connection beiween Christianity and Buddhism', I, in ff.)
befpricht. Auf dem bekannten Beftand gefchichtlicher
Zeugniffe baut fich hier eine Fülle teilweife mehr als
gewagter Kombinationen auf. ,My critics1, bemerkt der

winnen läßt. Dann feien ein oder zwei Einzelheiten hervorgehoben
. Mit Recht überfetzt Windifch (a. a. O. 126):
,Wenn der Bodhifattva aus dem Leibe der Mutter heraustritt
, nehmen ihn zuerft Götter in Empfang, dann erft

Verfaffer (I, 155), teil me that I am too fondof reasoning Menfchen'; Paralleltexte, die er beibringt, geben nähere
from the unknown. But I hold it to be a cardinal duty , Züge zum Bilde des Vorgangs. Warum verwifcht
of science to take account of the unknown and to watcli j Edmunds dies Bild, indem er überfetzt (I, 176) ,princes
for the source of stränge disturbances, as Adams and are the first to reccive htm, and common folk afterwards'1
Leverrier watcht for the outlying planet which was per- j Er verfaumt nicht, dazu zu bemerken, daß wörtlich da-
turbing the motions of Uranus'. Möge man mir die Be- i flehe ,angels' und fiurnan beings'; es ift nicht der minderte
merkung nicht verargen, daß es nur dann gelingen kann j Zweifel daran, daß das nicht nur getagt, fondern auch
,to take account of the unknozvn'', wenn das Bekannte oder gemeint ift. Im Zufammenhang derfelben Auseinander-
das, was bekannt fein könnte und follte, auf das ge- ! fetzungen wird auch (S. 172) Mära genannt, der Satan
nauefte ins Auge gefaßt wird. Ich glaube nicht, daß j des Buddhismus. Ift über diefen, der zu den wichtigften
dem Verf. — der übrigens offenbar unter ganz andern Geftalten der buddhiftifchen Mythologie gehört, wirklich
äußeren Schwierigkeiten arbeitete, als etwa an einem ! nichts Treffenderes, nichts Tieferes zu fagen, als das
deutfchen wiffenfchaftlichen Zentrum obwalten würden j Dürftige, was wir dort A. 5 lefen, z. B. daß Mära nach
— das immer gelungen ift. Und das gilt nun auch, wie i K. E. Neumann ,the equivalent of the Greek Pan' fei?
von der Einleitung, fo von den Parallelen felbft bzw. Wieder kann Windifch, Mära und Buddha (1895), zeigen,
den Zutaten, durch welche E. diefe zu erläutern oder wie viel weiter fich hier kommen läßt,
zur Geltung zu bringen bemüht ift. Exemplifizieren wir I So ftößt man, wie diefe Bemerkungen veranfchau-
gleich an den beiden erften. liehen, beftändig auf Unzureichendes und Fehlerhaftes,

Die erfte Parallele ift überfchrieben ,Supernatural j das den Wert des Dargebotenen auf das Ernftlichfte be-
birth' und ftellt dem Vers Luk. I, 35 eine Stelle des einträchtigt. Es wäre tief ungerecht, dem Fleiß und der
Majjhima Nikäya (38) gegenüber: ,Conception takes place, Belefenheit, mit der E. seine reichhaltige Materialfamm-
0 monks, by the union of three. In this world the father lung zufammengebracht hat, und vor allem der durch
and mother are united. The mother may be capable, but das ganze Werk hindurchgehenden Gefinnung reiner
the genius may not be" ready. It is by the union of these Wahrheitsliebe nicht volle und warme Anerkennung zu
three, 0 monks, that coneeption takes place'. Zunächft , zollen. Aber zugleich muß ausgefprochen werden, daß
fei auf die Nachläffigkeit der Wiedergabe hingewiefen; nach der Überzeugung des Ref. das Werk durchaus nur
der Text läßt da, wo ,the genius is not ready', die Em- 1 mit großer Vorficht benutzt werden kann,
pfängnis nicht zuftande kommen; zuftande kommt fie Zum Schluß feien die fehr wertvollen Zutaten, mit

nur, wo neben den beiden erften Bedingungen auch die denen Prof. Anefakis Kenntnis der chinefifchen buddhi-
dritte verwirklicht ift: ,the genius is ready' (vgl. den Verf. | ftifchen Literatur das Buch bereichert hat, mit befonderem
felbft, I, 108), Was ift nun ,the geniusf Der Pälitext ! Dank hervorgehoben.

gibt gandhabbo (Skt. gandharvah), und eine An- Göttingen. H. Oldenberg.

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merkung informiert uns, auf Grund von Monier Williams
Wörterbuch, über eine Menge von Funktionen des Gan- j Belleli, Dr. L., An independent Examination of the Assuan
dharvaxn der vedifchen Mythologie, von welchen Funk- j and Elephantine Aramaic Papyri with eleven plates and

tionen .several comcidewiththe functions of the Holy Ghost . j , .. T , T „,

T;, y. , . c .. . , { , ■/. c . n two appendices on sundry items. London, Luzac &

Eben die fpeziel e Seitennchtung aber der auf den G.

bezüglichen Vorftellungen, um die es fich hier handelt,
ift dabei vollftändig überfehen worden. Ich glaube, daß

Co. 1909. (VII, 204 p.) gr. 8°
Die von Sayce und Cowley herausgegebenen jüdifch-

diefe Richtung neuerdings durch die eingehenden Dis- aramäifchen Papyri von Affuan bezw. Elephantine (Lon-
kuffionen zwifchen Pifchel, Vedifche Studien I, 78; 11,234, ' don 1906) find nach Regierungsjahren der perfifchen
GGA. 1895, 452, Hillebrandt, Ved. Mythologie I, 427, : Könige und nach aramäifchen Monaten und Monatstagen,
II, 255, 84. Jahresbericht der Schief. Gefellfch. für vaterl. aber auch nach ägyptifchen Monaten und Monatstagen
Kultur, und mir, Religion des Veda 249 A. 1, ZDMG. ! datiert. Bezüglich der Berechnung der Königsjahre ift
49, 178 (f. jetzt auch Windifch, Buddhas Geburt 12 f.) auf- ! dabei von befonderem Intereffe Pap. B Zeile 1 u. 2: ,im
geklärt ift. Der gandhabba bei der Empfängnis ift das 21. Jahre (nämlich des Xerxes), im Anfang der Regierung,
im Lauf der Seelenwanderung von einer früheren Exiflenz als Artaxerxes den Thron beftieg'. Damit ift die Poft-
herkommende Wefen, das im Begriff fleht in ein neues I datierung der Königsjahre erwiefen. Da ferner die Dauer
Dafein hinüberzuwandern und den Augenblick eines >des ägyptifchen Jahres und auch die jeweiligen ägyptifchen
Zeugungsaktes erwartet, um in ein folches Dafein einzu- 1 Jahresanfänge bekannt find, fo kann man aus dem Paral-
treten: die Bereitfchaft eines folchen gandhabba ift ein 1 lelismus der aramäifchen und der ägyptifchen Monats-
Erfordernis der Empfängnis. Von all dem weiß der | und Tagesangaben die Termine beftimmen, an denen die
Verf. nichts. Was hat nun der gandhabba in diefem j Juden von Elephantine in den hier genannten Jahren
Sinn mit dem Heiligen Geilt, und was hat diefe von dem | ein neues Jahr begannen. Einigermaßen wenigftens ift
buddhiftifchen Text für jede Empfängnis aufgehellte eine folche Berechnung möglich, fofern man annehmen
Lehre, dies Stück von phyfiologifchem Folklore damit j darf, daß ihre Monate ungefähr 29 1j2 Tage dauerten, und
zu tun, daß über Maria jtvevua ccytov esteksvasrai? Wird j fie mit 12 Monaten ungefähr auf ein Jahr von 354 Tagen

eine folche Zufammenftellung wirklich dazu beitragen,
Chriften über den Buddhismus, Buddhiften über das
Chriftentum aufzuklären?

In der zweiten Nummer, ,The nativity' begegnen
wir den Sätzen des Majjhima Nikäya 123 über die wunderbaren
Umftände von Empfängnis und Geburt des Bodhifattva
. Im allgemeinen fei hier bemerkt, daß Windifchs
Behandlung diefer Vorftellungskreife (.Buddhas Geburt
und die Lehre von der Seelenwanderung' 1908) auf das
bette veranfehaulichen kann, wie viel mehr religions-
gefchichtlicher oder legendengefchichtlicher Gehalt bei
eindringenderer Erforfchung fich dem Gegenftand abge-

kamen. Ich komme dabei zu etwas anderen Refultaten
als Belleli (S. 71 u. 72) und berechne nach Pap. A—K:
A 14. J. Xerxes I (472) 1. Tischri = 5/6. Okt.
B 21. J. Xerxes I (465) b Tischri = 8. Okt.
D 6. J. Artaxerxes I (459) I. Tischri = 24. Aug.
E 19. J. Artaxerxes I (446) 1. Tischri == 18. Sept.
F 25. J. Artaxerxes I (440) 1. Tischri = 22. Okt.
J 8. J. Darius II (417) 1. Tischri = 16. Okt.
K 14. J. Darius II (411) I. Tischri = 22. Sept.
Pap. A ift freilich vom 18. Elul des 15. J. des Xerxes
datiert, aber der Anfang des betreffenden jüdifchen Jahres
fiel allem Anfchein nach in das 14. J. des Xerxes.