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Ausgabe:

1909

Spalte:

554-555

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Weiß, Johannes

Titel/Untertitel:

Die Aufgaben der Neutestamentlichen Wissenschaft in der Gegenwart 1909

Rezensent:

Wernle, Paul

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Seite 1, Seite 2

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Theologische Literaturzeitung

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.
Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig. Halbjährlich 9 Mark.

, , • Manufkripte und redaktionelle Korrefpondenzen find ausfc hlie ßlich ft_ «,

Nr. 20, Jahrg. 34. anProfeflorD. Schürer in Göttingen, Friedländerweg 56, zu fcnden. 25. September 1909.

Rezenfionsexemplare ausfchheßlich an den Verlag. *•

Rossberg, De praepositionum Graecarum in

chartis Aegyptiis Ptolemaeorum aetatis usu

(Debrunner).
Weiß, Joh., Die Aufgaben der Neuteftament-

lichen Wiffenfchaft in der Gegenwart (Wernle).
Kückelheim, Zweck der Apoftelgefchichte

(W. Hauer).

Wünfche, Aus Israels Lehrhallen II, 2 und III
(Bacher).

Besnier, Lea Catacombes de Rome (Hennecke).
Berguer, La notion de valeur, sa nature

psychique, son importance en theblogie (Lob-

ftein).

Fifcher, Autorität und Erfahrung in der Begründung
der Heilsgewißheit (Titius).

Warneck, Die Religion der Batak (Titius).

Busseil, Christian Theology and Social Progress
(Titius).

Goltz, H. von der, Grundlagen der chriftlichen

Sozial-Ethik (Titius).
Unfer Glaube, Vorträge von Efenwein, Faut,

Günther, Hacker, Herzog, Vöhringer

(Kirn).

Strecker, Kants Ethik (E. W. Mayer).
Reck, Das Mißale als Betrachtungsbuch, i. Bd.

(Drews).
Notiz (Loofs).

Rossberg, Conradvs, De praepositionvm Graecarvm in char-
tis Aegyptiis Ptolemaeorvm aetatis vsv. Dissertatio phi-
lologica (Ienensis). Ienae, G. Nevenhahn MCMIX.
(63 P-) gr. 8"
Wenn ein auch fprachwiffenfchaftlich und theologifch

gleichen Marke unmittelbar folgende dvv xy dyaO-y
xvyy (für dy. xvyy) ftellt lediglich eine meines Wiffen's
der ältern Sprache in diefem Ausdruck fremde Ver-
ftärkung des im Dativ liegenden Begriffes ,mit Hilfe' dar.
P'erner follte bei 3b) unbedingt mindeftens zwifchen lokalem
, inftrumentalem und eigentlichem Dativ unterfchie-

gefchulter Philologe, von Lietzmann angeregt, eine Differ- | den fein, ebenfo bei 3 c) mindeftens zwifchen äußerem
tation über die Präpofitionen in den Papyri ptolemäifcher 1 und innerem Akkufativ. Sehr erwünfcht wären auch
Zeit fchreibt, fo erwartet man unwillkürlich eine Behand- Zeitangaben bei den Belegen und Gegenbeifpiele;
lung des Themas im Rahmen der helleniftifchen Sprach- | kommt z. B. dnaXXaxxEG&ai nur mit dnö (S. 19) oder
entwicklung und eine Ausnützung der Refultate für die | auch noch mit bloßem Gen. vor?

Sprache der griechifchen Bibel. Diefe Hoffnung wird Es wird jedoch die Lefer diefer Zeitfchrift mehr

leider bei Roßberg enttäufcht; zwar gelegentlich wirft ] intereffieren, was fich aus R.s Material für die Sprache
er einen Seitenblick auf die klaffifche oder nachklaffifche der griechifchen Bibel gewinnen läßt; ich laffe daher
Literatur, aber im allgemeinen befchränkt er fich auf Dis- 1 einige naheliegende Vergleichungen mit dem NT folgen

pofition und Vorführung des in den Ptolemäerpapyri vorliegenden
Materials. Daß er fich fein Ziel fo niedrig

d/jrpi und cbg lind vcrfchwunden (S. Ii) wie im NT.— dvxi
m Sinn von ,zur Vergeltung für' ift auf die Phrafe dvff'

gefleckt hat, ift um fo befremdlicher, als fchon 1906 <ov ,zum Dank dafür, daß' befchränkt (S. 18) wie im
W. Kuhring in einer Bonner Differtation De praeposi- NT.— 'Pm/iatog xcöv anb GvvxXyxov (S. 20) ift eine vor-
tionum Graecarum in chartis Aegyptiis usu quaestiones zügliche Parallele zu Acta 12, 1 xivag xöjv derb xyc
selectac an ausgewählten Kapiteln aus der Präpofitions- j hxxXy6iagjp.no wie klaff. Ix gebraucht). — xaxcög dia-
lehre die Methode einer für die helleniftifche Sprache er- I xeiusvog an kxävov (S. 22, vgl. Kuhring S. 36 f.) zeigt
fprießlichen Behandlung der Frage gut vorgezeichnet hatte, j den Anfang der im Neugriechifchen durchgeführten Er-
Am brauchbarften ift der zweite Teil (S. 18—60), I fetzung ^011 vnb bei Paffiven und paffivifchen Verben
der das Material für jede Präpofition vorlegt nach den | durch anö; ähnliches im NT (Blaß, Gramm, des n.t.

gebräuchlichen Unterabteilungen (lokaler, temporaler ufw.
Gebrauch). Viel anfechtbarer ift der erfte Teil, der nach
einem ftatiftifchen Vergleich der Präpofitionen (nach ihrer
Häufigkeit und nach ihrer Verteilung auf die drei Käfus)
folgende Dispofition des Präpofitionsgebrauchs gibt: 1) Prä-
pofitionaler Ausdruck ftatt eines Nomens, 2) ftatt eines

Gnech.2 127). — avd kommt faft nur 1) in diva uioov
2) diftnbutiv vor (S. 34); ebenfo im NT. — Lokales
VJliQ mit Gen. ift fehr feiten (S. 40); im NT fehlt es ganz.

Zum Schluß feien zwei für die Koine im allgemeinen
beachtenswerte Einzelheiten hervorgehoben: 1) Im Eu-
doxospapyrus (2. Jahrh. vor Chr.; Notices et extraits

Adverbs, 3) Verbindungen von Subftantiven unter fich XVIII 2 Nr. 1, 406 [S. 69]; angeführt von R. IS. 18])
durch Präpofitionen (a) Präp. ftatt Gen., b) ftatt Dat, bietet fich ein zweites helleniftifches Beifpiel für das
c) ftatt Akk., d) ftatt Prädikat), 4) Präp. bei Inf. und 1 fonft nur im Dorifchen belegte lokale dvxi gegenüber,
Paitic. Welches ift aber die Normalfprache, die von j vor' (vgl. Brugmann, Gnech. Gramm.3 437, J. Wacker-
dem Wörtchen ,ftatt' beftändig vorausgefetzt wird? i nage], Hellenistica 5 f): öxav y öeXyvy xm yXim Iniöxo-
Wäre die der klaffifchen Literatur oder nur die der ; xyöy avxl xyg oipsmg yumv. — 2) Kür 'das attifche h
attifchen Profa oder dgl. gemeint, fo müßte das gefagt 1 xolg /laXiöxa .(darunter) vor allem' bringt R. (S. 27) einen
fein; aber S. 14 Anm. 2 erklärt ja R. felber, Klaffe 3a) , Beleg aus dem 2. vorchr. Jahrh. bei (Berliner Griech.
habe Veitreter in allen Perioden. Es follte alfo z. B. Urk. III igt 1 col. II 22; bei R. irreführend gedruckt: III
nicht heißen ,Präp. ftatt Akk.', fondern .Präpofitionaler 1011. II 23).

Ausdruck im gleichen Sinn, in dem fonft (allgemein- : Schiers (Graubünden). A Debrunner

griechifch oder klaffifch oder dgl.) der Akk. zu flehen 1
pflegt'. Auch fonft wäre an diefem erften Teil manches
auszufetzen. Vor allem ift oft ganz Ungleichartiges
unter einen Hut gebracht; z. B.vno xyg aloryvyg und
fein .normales' Äquivalent alcyvvy (das man übrigens,
wie faft alle Äquivalente, erraten muß) find aus total
verfchiedenen Vorftellungen hervorgegangen und in
Haffifcher Literatur beide gleichberechtigt — weil fie

Weiß, Johannes, Die Aufgaben der Neuteftamentlichen Wiffenfchaft
in der Gegenwart. (Vortrag, gehalte n im Badifchen
wiffenfehaftlichen Predigerverein zu Karlsruhe am 1.
Juni 1908.) Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht 1908
(56 S.) gr. 80 M. 1.40

Diefer vor dem badifchen wiffenfehaftlichen Prediger-
nicht identifch find; dagegen das bei R. unter der verein in Karlsruhe gehaltene Vortrag ftellt am Eingang

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