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Ausgabe:

1909

Spalte:

536-538

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ligeard, H.

Titel/Untertitel:

La Theologie scolatique et la Transcendance du Surnaturel 1909

Rezensent:

Heim, Karl

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Jahren faft nur durch feine Nennung im Schriftfteller-
katalog des Ebedjefu bekannt. Mit Affemani fetzte man
ihn an das Ende des 9. Jahrhunderts, fpäter um 100 Jahre
früher; jetzt fragt es fich, ob er nicht ans Ende des 6.
und in den Anfang des 7. Jahrhunderts gehöre (f. darüber
hier S. XIV—XVI). Auch fein Beiname ift fonft nicht
belegt; Sachau fchlug vor, ihn Kevanai = Saturninus zu
vokalifieren (p. XVII). Die Entfcheidung diefer Fragen
muß bis auf weitere handfchriftliche Funde ausgefetzt
werden. Von einer Hdf. in Alkofch haben Pognon und
Baumftark Abfchriften bekommen, auf einer 1897 angefertigten
Kopie einer Urmiaerhandfchrift beruht die
vorliegende Veröffentlichung. Sicherlich wären Theologen
und Hifloriker ihrem Herausgeber dankbar gewefen, wenn
er feinem Texte auch eine Überfetzung beigefügt hätte.
Zu Gen. 10 gibt Theodor eine Lifte der Könige von
Nimrod bis Abraham. ,Eine '— foweit ich fehe — neue,
aber doch wohl wertlofe Lifte der 10 Könige von Nimrod
bis Abraham' fagt die Anmerkung S. 25. ,Keinen der
Namen, von denen manche biblifch find, habe ich in den
einfchlägigen Literaturerzeugniffen wiedergefunden. Bei
folchen wie -ptibo und oitt^ttU (Gilgames?) mag die
urfprüngliche, femitifche Form beim Durchgange durch
ein fremdes Medium eine ftarke Umformung erlitten haben'.
Die Lifte lautet im Text:

Es regierte nach der Flut in den Tagen des Peleg Nimrod.

Nach Nimrod nlüayn, unter dem Re'u geboren wurde.

Als dritter UtoV

Als vierter bist, unter ihm Serug geboren.

Als fünfter Jltt^ti; als fechfter Jlüibnst; unter ihm

Nachor im Land der Chaldäer geboren.
Als fiebenter jnaiT», als achter "PtJbo, in deffen Tagen

Tarah geboren wurde.
Als neunter liaibntt der zweite, als zehnter D1K3PMS,

unter dem Abraham in Ur der Chaldäer geboren

wurde.

Für 7 geben die Anmerkungen S. 25 nach der Hand-
fchrift P ■p-iÜElfr, für 8 "PHOS, für 10 DIMBS, dann noch
11 un« und 12 oisaba.

Sehr merkwürdig ift die durch Gen. 23,16 begründete
Veränderung der Münzprägung nach derZeit diefer Könige.

Bei der in Anm. 9 befprochenen Stelle des Theodor
von Mopfueftia über Haran den Alteren wird nur durch
einen Textfehler von einem Matthäuskommentar die
Rede fein.

Aus der Zahl der in den Scholien erörterten Fragen
möge genannt werden: warum erftmals der Hagar ein
Engel erfchienen fei, nie vorher. Antwort: weil bald
darauf der Herr der Engel dem Abraham erfcheinen
wollte. Die Demütigung (im Syrifchen: Befchimpfung)
der Hagar durch Sara (16,6) habe nicht, wie einige wollen,
darin beftanden, daß Sara die Hagar befchnitten habe;
denn die Befchneidung flamme von Egypten und fei
noch jetzt bei den Ifmaelitinnen Sitte; fo der Text, den
der Herausgeber in der Anmerkung ins Maskulinum verändern
will. —Die Dreizahl in 15,9 weift auf die 3 Generationen
Levi, Kahat, Amram. — Daß auf den Stäben,
welche Jakob nach 30,38 in die Wafferrinnen legte, der
Gottesname Adonai gefchrieben gewefen, fei nicht richtig,
denn die Schrift fei damals noch gar nicht erfunden gewefen
; fonft hätten Jakob und Laban ihren Bund nicht
mit einem Steinhaufen begründet.

Dies zur Probe aus diefen Scholien, die namentlich
auf die chronologifchen Fragen genau eingehen. Die
150 Anmerkungen des Herausgebers enthalten dankenswerte
Nachweife; aber die Frage unter 144, ob die 100
Lämmer von 39, 19 (jlpD) nicht in Unzen zu verwandeln
feien («ipia = »ip31») als Überfetzung von SBitop, wird
eben durch die von Lewin nach Perles angeführte Stelle
Midr. Ber. r. 79 erledigt, wo den Jlp: die Überfetzung
IpKbt) entfpricht, auch fchon durch das äuvoov und
a/ivaöcov der Septuaginta; vgl. jetzt auch 023 in den
Affuan-Papyri und dazu die Dürftigkeit unfrer hcbräifchen

Wörterbücher, die zu einem fo feltenen und merkwürdigen
Wort feine Wiedergabe durch die verfchiedenen aiten
Überfetzungen anzuführen nicht für ihre Aufgabe zu
halten fcheinen.

Druckfehler zu berichtigen unterlaffe ich, aber daß
S. XIX zwei mal das unausrottbare Origines wiederkehrt,
kann ich nicht unterdrücken.

Maulbronn. Fb. Neftle.

Ligeard, Prof. H., La Theologie scolastique et la Transcen-
dance du Surnaturel. (Bibliotheque apologetique. 8.)
Paris, G. Beauchesne & Cie. 1908. (VIII, 138 p.) 8<>

fr. 1.50

Diefe Studie über das Verhältnis des Natürlichen
zum Übernatürlichen in der Scholaftik (1. in der thomifti-
fchen Schule, 2. in der fkotiftifchen Schule, 3. in der
auguftinifchen Schule) hat, wie der zweite prinzipielle
Teil (über die Verwertung der fcholaftifchen Theorie
für die Apologetik) zeigt, die Tendenz, nachzuweifen,
daß die Äuseinanderfetzung des Thomas mit dem na-
turaliftifchen Pantheismus der arabifchen Philofophie der
heutigen Apologetik den Weg weift, die es mit der modernen
Form derfelben philolöphifchen Richtung zu tun
hat. Die mittelalterliche Theologie wird uns, fobald wir
uns nur die Mühe nehmen, uns in fie zu vertiefen, die Waffen
zur Überwindung des moderniftifchen Immanentismus in
die Hand geben. Diefe Äuseinanderfetzung mit dem
modernen Evolutionismus befteht nun aber nicht in einem
Verdammungsurteil im Namen einer mit dem Abfolut-
heitsanfpruch auftretenden Offenbarung, wie es in der
proteftantifchen Apologetik fo häufig ift, fondern in
dem Nachweis, daß der Glaube an das l bernatürliche
die notwendige Ergänzung der über fich felbft hinausweifenden
irnmanentiftifchen Denkweife ift. Dabei zeigt
fich in intereffanter Weife, daß fich die katholifche
Religion auch in ihrer mittelalterlichen Ausprägung dem
pantheiftifchen Naturalismus viel leichter akkomodieren
kann, als das proteftantifche Chriftentum, weil das
katholifche Heilsgut der pantheiftifchen Myftik innerlich
viel näher fleht, fich von ihr vielleicht nur durch
die Einkleidung in die Form eines gefchichtlich ermöglichten
und kirchlich vermittelten Gefchenks unter-
fcheidet, während das proteftantifche Heilsgut die mit
dem Pantheismus unverträgliche Beziehung auf eine
gefchichtliche Perfon als notwendiges Element in fich
enthält. Da nach Thomas {Summa theologica, Ia
Ilae q2) die beatitudo im Genuß des bonum universale
befteht, alfo in der vollkommenen Verwirklichung
derfelben bonitas, deren teilweife Verwirklichung die
innerweltlichen Begehrungsobjekte darftellen, nicht in
einem den übrigen Begehrungsobjekten inhaltlich entgegengefetzten
Inhalt, bezw. in der intuitiven Erkenntnis
der allen Erfcheinungen gleichermaßen zugrunde liegenden
causa prima, nicht einer den übrigen Wirklichkeiten
inhaltlich entgegengefetzten Macht, fo unterfcheidet fich
der Katholizismus von einer am All orientierten Reli-
giofität nicht durch eine inhaltlich entgegengefetzte Auf-
faffung des Ziels, dem die Seele entgegengeführt werden
foll, fondern nur durch eine andere Meinung über die
Bedingungen, die die Erreichung diefes Ziels ermöglichten.
,Pour le catholicisme, le surnaturel est le don gratuit,
fait par Dieu a [komme, d'utte Verite et d'tine Vie, radi-
calement superieurcs aux exigences de la nature et inac-
cessibles a ses energies; la theologie catholique est donc
une doctrme de transcendance. La theoric de l'imma-
nence, au contraire, considere le surnaturel commc le
produit et Vepanouissement final de [activite naturelle'
{Preface). Daß in diefer Weife den natürlichen Energien
die Fähigkeit zur Erreichung ihres eigenen Ziels, die fie
: nach dem Immanentismus haben, von kirchlicher Seite
abgefprochen wird, folgt nicht mit innerer Notwendigkeit