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Ausgabe:

1909 Nr. 18

Spalte:

524

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Dammann, Walter H.

Titel/Untertitel:

Die St. Michaeliskirche in Hamburg und ihre Erbauer 1909

Rezensent:

Bergner, Heinrich

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Seite 1

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523 Theologifche Literaturzeitung 1909 Nr. 18. 524

die Natur in einer dem ewigen göttlichen Weltzweck
widerfprechenden Weife verkehren kann. Man darf das
jedoch nicht zu hoch veranfchlagen. Was der Menfch
in diefer Hinficht unternimmt, ift für den Gang des Ganzen
fo verfchwindend, daß es denfelben nicht in ein neues
Geleis bringen kann, da der Menfch nicht ,naturmächtig'
ift und in allem feinen Beginnen fo wie Gott — nur
diefer innerlich wefenhaft, jener äußerlich —• an die Na-
turgefetzlichheit gebunden ift'. Verf. beruft fich auf den
,Sinn der altproteftantifchen Lehrbildung'. Hierzu die
Frage, ob fich in der, an fich abzulehnenden, alten Formel
vom ,concursus ad materiale, non ad formale' nicht
doch am Ende ein Anfatz zu einer befferen Löfung des
bekannten Meifterproblems, als die gegebene ift, rinden
ließe?

Im übrigen enthält der Vortrag, obwohl Refer. dem
und jenem, fo etwa der gelegentlich durchfchimmernden
Interpretation Schleiermachers nicht ganz zuzuftimmen
vermag, manches Beachtens- und einiges recht Beherzigenswerte
.

Straßburg i. E. E. W. Mayer.

Maximiiianus, Princeps Saxoniae, Praelectiones de litur-

giis orientalibus habitae in universitate Friburgensi
Helvetiae. Tomus primus, continens: 1. Introducti-
onem generalem in omnes liturgias orientales, 2. Appa-
ratum cultus necnon annum ecclesiasticum graecorum
et slavorum. Friburgi Brisg., Herder MCMVIII.
(VIII, 241 S.) 40 M. s —; geb. M. 6.40

Mit diefem Band beginnt Prinz Max von Sachfen,
z. Z. Profeffor in Freiburg i. d. Schweiz, feine Vorlefun-
gen über die orientalifchen Liturgien zu veröffentlichen.
Die Vorlefungen felbft wie ihre Veröffentlichung follen
der Wiedervereinigung der örtlichen Kirchen mit der rö-
mifchen dienen, ßazu fei aber, fo meint der Verfaffer, die
Kenntnis des örtlichen kirchlichen Lebens bei den Occi-
dentalen nötig, eine Kenntnis, die bisher fehle. Jedenfalls
fehle eine Darrtellung der örtlichen Liturgien unter
den theologifchen Vorlefungen: ,pro prima vice talis lec-
tio datur et fere nullibi in Europa jam haec materia ex
professo tradita est' (p. 1). Der vorliegende erfte Band
gibt zunächrt eine allgemeine Einleitung in alle örtlichen
Liturgien (p. 4—54), in der in 12 Abfchnitten gehandelt
wird de legitimitate, de authenticitate, de antiquitate et
origine, de hodiernis territonis, de integritate, de textibus
et editionibus, de Unguis liturgicis, de qualitatibus excel-
lentibus, de defectibus der orientalifchen Liturgien, fowie
de modo recitandi et canendi officia apud orientales, de
liturgiis orientalibus comparatis cum liturgia occidentali
und endlich de diversis liturgiis orientalibus comparatis in-
ter se. Der zweite Hauptteil handelt de ritu Graecorum

fer. So behauptet er mit beneidenswerter, durch keinerlei
Sachkenntnis erfchütterter Sicherheit, daß die Jerufa-
lemer griechifche Jakobus-Liturgie letztlich auf den Apo-
ftel Jakobus zurückgehe, ebenfo die alexandrinifche
Markus-Liturgie auf den Apoftel Markus. Er zweifelt
ferner keine Sekunde daran, daß Markus der erfte
Bifchof von Alexandrien war und daß er fein Evangelium
auf Petri Veranlaffung in Rom gefchrieben hat. Daß
man zur Zeit der Apoftel in Paläftina griechifchen Gpttes-
dienft gehalten habe, verfucht er durch folgende Sätze
wahrfcheinlich zu machen: ,Sanctus Jacobus Hierosoly-
mitanus, quem habemus, Graecus est, Utrum ipse fuerit
originale, an sit translatio, nescimus. Non esset omnino
impossibile, quod antiquissimi christiani Palaestinenses
in lingua Hebraica sacra sua fecerint. Tarnen cum epi-
stola ad Bebraeos, directa ad illos Palaestinenses christi-
anos, Graece scripta sit, haud impossibile est liturgiam
Palaeslinensem Semper fuisse Graecam' (p. n). Daß
alle ägyptifchen Liturgien von der Markus-Liturgie ab-
ftammen, ift dem Verfaffer abfolut ficher. Diefe Beifpiele
mögen genügen, um mein obiges Urteil zu belegen. Dabei
berührt es eigentümlich, wenn der Verfaffer den örtlichen
Liturgien ,defectus sanae criticae' und ,nimia facilitas in
recipiendis rebus apocryphis vel dubiis' vorwirft (p. 47).
So werden wir evangelifche Theologen fchwerlich fleißige
Benutzer diefes Buches werden, es fei denn, daß wir es
da und dort als Nachfchlagewerk benutzen wollten. Freilich
wird es auch nach diefer Seite hin nicht alle berechtigten
Wünfche erfüllen. In den Literaturangaben
z. B. (p. iöff.) fehlen wichtige Werke, wie etwa unter
den armenifchen Liturgie-Ausgaben die von Catergian
u. Dashian (Wien 1897) oder das Rituale Armeniorum,
das Conybeare und Maclean (Oxford 1905) herausgegeben
haben. Bald vermißt man auch in Literaturangaben das
Jahr des Erfcheinens des genannten Werkes oder den
genauen Titel. Es fchmälert auch den Wert des Buches,
daß nirgends für die vorgetragene Behauptung oder Tatfache
die Belegftelle angegeben ift.

Halle a. S. P. Drews.

Dam mann, Dr. Walter H., Die St. Michaeliskirche in Hamburg
und ihre Erbauer. Ein Beitrag zur Gefchichte
der neueren proteftantifchen Kirchenbaukunft. Mit
20 Abbildungen. (Studien über chriftliche Denkmäler
. Herausgegeben von J. Ficker. 7. u. 8. Heft.)
Leipzig, Dieterich 1909. (VI, 207 S.) gr. 8° M. 6—;

geb. M. 7.50

Man wird das Buch in die Hand nehmen mit der
Erwartung, eine allfeitig belehrende Monographie über
die neben der Dresdner Frauenkirche bedeutendfte Bau-
fchöpfung des Proteftantismus zu empfangen. Das ift
et Slavorum (p. 55—214), und zwar wird hier der liturgifche ; nicht der Fall. Vielmehr geht der Verf. gleich in Spe-
Apparat (Gebäude, Gefäße, Gewänder, Bücher, Perfonen) zialunterfuchungen über die beiden Erbauer Preu und
und darauf das Kirchenjahr befprochen. , Sonnin und deren Arbeiten ein, wobei eine lange, fehr

Diefe Vorlefungen legen mit Fleiß und Sorgfalt den | belehrende Abhandlung über die Schriften und Kunft-
katholifchen Hörern das Wiffenswertefte über den Gegen- | anfchauungen Sturms (S. 84—134) eingeflochten wird,
ftand dar. Was wir evangelifche Dozenten als eine ! Deffen Einfluß auf Sonnin wird S. 163—180 durch
Hauptaufgabe unfrer theologifchen Vorlefungen anfehen, ! eine peinliche Unterfuchung des .Gebälkmodulus' feft-
Einführung in die fchwebenden Probleme und Anregung ; geftellt und auch in der Neugeftaltung des Grund-
und Anleitung zu felbftändiger Mitarbeit, das kennt diefer ; riffes (181 — 199) nachgewiefen. Der Turm, Sonnins
fürftliche katholifche Theologieprofeffor nicht. Fehlt ihm I eigenfte Schöpfung, erweift fich als eine finguläre Ent-
doch felbft das Bewußtfein von den zahlreichen und fchwe- wicklungsform. Der Verf. redet ausfchließlich als Geren
Problemen, mit denen fein Gegenftand belaftet ift. i lehrter zu Gelehrten, denen er aus einer reichen Lite-
Für ihn find alle wichtigen Fragen bereits gelöft. An- ratur- und Denkmälerkenntnis allerdings fehr viel und
dere katholifche Liturgiker denken darin freilich ganz | fehr Feines zu fagen hat.

anders und arbeiten kräftig mit an der Herausftellung der , Nifchwitz S.-A. Dr. H. Bergner

Probleme und an deren Lolung. So kann dem vorliegen- ö
den Buch ein wiffenfchaftlicher Wert in diefem Sinne

nicht zugefprochen werden. Davon überzeugt fich der -

Lefer fchon auf den erften Seiten. Jede auch nur leife
Spur von Kritik an der Überlieferung fehlt dem Verfaf-