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Ausgabe:

1909 Nr. 17

Spalte:

493

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Arens, Franz

Titel/Untertitel:

Der Liber ordinarius der Essener Stiftskirche 1909

Rezensent:

Stengel, Edmund

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Theologifche Literaturzeitung 1909 Nr. 17.

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Außer diefer verdienftvollen Arbeit an dem Texte
hat der Verf. aber noch Einiges beigegeben, das zum
Teil ebenfalls Lob verdient. So fucht Nr. 4 den Gedankengang
des Büchleins nach feiner Auffaffung klar zu machen,
namentlich aber gibt Nr. 5 ,Beurteilung der Th. D. in
der Gefchichte' eine gute, wenn auch nicht vollfländige
Arens, Franz, Der über Ordinarius der Effener Stiftskirche. Überficht über die verfchiedenen Anflehten, die im Laufe
Mit Einleitung, Erläuterungen und einem Plan der der Zeit darüber laut geworden find. Den größten Bei

haben für fie nicht die dogmatifche Bedeutung wie für
die katholifche Kirche, welche letztere ja diefer Bücher
für die Begründung einiger Dogmen befonders bedarf.

Hannover. Ph. Meyer.

Stiftskirche und ihrer Umgebung im 14. Jahrhundert.
Paderborn, Junfermannfche Buchhandlung 1908. (XIV,
280 S.) gr. 8° M. 6.50

Durch die Textausgabe des Ritualbuches des Effener
Frauenftiftes erfährt die liturgifche Forfchung,

fall hat das Büchlein bei den Männern täuferifcher und
myftifcher Richtung in der Reformationszeit gefunden,
während wir der fchärfften Verurteilung auf calvinifcher
Seite, vor Allen bei Calvin felbft begegnen. Mäßiges
Lob finden wir hier und da bei den Lutheranern, verbunden
mit mäßigem Tadel gegen die Irrlehren', bei

daneben auch die kirchliche Rechtsgefchichte eine denen man jedoch die Zeit, der es angehört, in Rechnung
dankenswerte Bereicherung ihres Materials. Von den bringt. Offenes und unbedingtes Lob begegnet uns erd
beiden Handfchriften, in denen diefer Ordinarius erhalten j wieder in der Pietiftenzeit, bei Spener, Arnold u. A.,
ift, hat der Herausgeber die ältere, aus dem 14. Jahr- auch bei dem der reformierten Kirche entflammenden,
hundert flammende abgedruckt. Gewiß mit Recht; doch i aber feine eignen Wege gehenden Anhänger der Bourig-
wäre es vielleicht gut gewefen, hätte er charakteriftifche j non, Poiret. Während der Zeit des Rationalismus wurde
Abweichungen des jüngeren Exemplars, wenn folche i die Th. D. begreiflicherweife vergeffen, bis die neuere
vorhanden find, worüber er fich nicht ausläßt, anmerkungs- i Reftauration der Frömmigkeit ihr wieder begeiflerte
weife mitgeteilt. Über die literarifche Provenienz der Lobredner bringt, unter denen Jofias von Bunfen hervor-
Faffung des Ordinarius erfahren wir nichts. Und doch ; ragt. Von Seiten der katholifchen Kirche ift fie 1621
wird man erft dann die eigentlich lokalen Gewohnheiten auf den Index der verbotenen Bücher gefetzt, doch ift
deutlich unterfcheiden, wenn man die Vorlage, die wohl j ihr katholifcher Charakter auch noch im igten Jahrzweifellos
anzunehmen ift, kennt und im einzelnen feft- hundert von vereinzelten Katholiken behauptet worden,
zuftellen vermag, wie fie benutzt worden ift. Die zweite 1 Endlich fucht Mandel auch über die Stellung der
Hälfte des Bandes nehmen Erläuterungen ein. Zum Teil j Th. D. in der Gefchichte der Theologie überhaupt zu
find fie beftimmt, den wichtigften Inhalt des Ordinarius ; orientieren (Nr. 6) und kommt dabei vollftändig auf das
zu umfehreiben, zum Teil follen fie aus anderen Quellen 1 Urteil Luthers zurück, indem er am Schluffe der Einleitung
Ergänzungen geben. Nicht alles, was hier geboten wird, ; fagt: die Th. D. fei im Stande, nach allen Seiten die
meift mit Beziehung auf ältere Literatur, gehört eigent- j wirklich durchgreifende Apologetik zu bilden, freilich nur
lieh zur Sache. So gibt ein im Ordinarius erwähntes ! dem, der fie, wie Luther, ftudiert. Damit wäre ja nicht
Anniverfar für Bifchof Altfrid von Hildesheim doch ; nur das entgegengefetzte Urteil Calvins und der älteren
kaum genügenden Anlaß zu einer mehr als bödenlangen reformierten Dogmatiker, fondern auch die fich in der
Schilderung diefes Gründers von Effen und feiner Ver- Mitte haltende Anficht der meiden älteren Lutheraner

ehrung bis in die neuede Zeit.

Marburg. Edm. E. Stengel.

völlig zurückgefchlagen. Wir wollen, was die Sache
felbft betrifft, hier nicht darüber urteilen, zumal unfere
Sympathie auch mehr auf der Seite Luthers deht, aber
das muffen wir doch bemerken, daß der Beweis Mandels
[Luther,] Theologia deutfeh. Herausgegeben von Pnv.-Doz. uns njcht zutreffend erfcheint, fchon deswegen nicht weil
Lic. Herrn. Mandel. (Quellenfchnften zur Gefchichte er unferer Anficht nach auf einer nicht richtigen' An-
des Protedantismus. Herausgegeben von Proff. fchauung von der Mydik überhaupt und von dem Ver-
Toh Kunze und C. Stange. Siebentes Heft.) Leipzig, j hältnis von Mydik und Scholadik im Mittalelter fpeziell
A. Deichert'fche Verlagsbuchh. Nachf. 1908. (XLVI,
114 S.) gr. 8U M. 2.60

Unter den Quellenfchriften zur Gefchichte des Protedantismus
, die von den Profefforen Johannes Kunze
und Carl Stange in Greifswald herausgegeben werden,
verdient das genannte Werk befondere Beachtung. Denn
obwohl dasfelbe mehrfach gedruckt id (in Überfetzungen)

beruht.

Berlin. S. M. Deutfeh f.

Meiler, Prof. Dr. Augud, Einführung in die Erkenntnistheorie.

(Philofophifche Bibliothek. Band 118.) Leipzig, Dürr-
fche Buchhandlung 1909. (VI, 199 S.) 8° M. 2.40

An Einführungen in die Philofophie' id augenblick-
fo id doch die ältede und bdle Ausgabe, die von Luther, lieh Überfluß: mit welchem Satz eine Tatfache fedge-
feit feiner Zeit in ihrer urfprünglichen Gedalt nicht wieder- ; dellt, aber nicht beklagt werden foll. Einführungen in
erfchienen. Dagegen id von Prof. Reuß in Würzburg eine i die Erkenntnistheorie' find, fofern fie nicht in jenen beneue
Handfchrift vom J. 1497 (jetzt auf der fürdlichen j fchloffen find, feltener. Vor kurzem hat R. Eisler eine
Hofbibliothek in Kl. Heubach) entdeckt worden, die von folche veröffentlicht (Leipzig, Barth, 1907), die zwar
der von 1518 nicht unbeträchtlich abweicht. Pfeiffer hat nicht immer in die Tiefe dringt, aber doch für eine
diefen Text für beffer als den Lutherfchen gehalten und , allererde Orientierung Diende leiden kann. Die hier
ihn den Ausgaben von 1851 und 1854 zu Grunde gelegt, j vorliegende, die O. Külpe gewidmet wird, id vornehmer
allein Knaake hat in dem erden Bande der Weimarfchen in der Haltung, obwohl knapper in der Form eigentlich
Ausgabe der Werke Luthers das Urteil begründet, daß j gründlicher, ohne darum weniger anfehaulich oder durch-
er dem Lutherfchen vielmehr nachdehe, doch id die von fichtig und in geringerem Maße ,gemeinverdändlich'
Knaake angekündigte neue Ausgabe des Lutherfchen zu fein.

Textes leider unterblieben. Und der Verfuch, den Herrn. Ein erdes Kapitel bedimmt, zum Teil im Anfchluß

Büttner 1907 gemacht hat, den urfprünglichen Text der | an Erdmann, die Aufgaben der Erkenntnistheorie und
Th. D. wiederherzudellen, hat fich als untunlich erwiefen. deren Verhältnis zum wiffenfehaftlichen und vorwiffen-
So id dem Verf. der vorliegenden Ausgabe die Aufgabe j fchaftlichen Erkennen. Das zweite befchäftigt fich mit
geblieben, die Lutherfche Ausgabe, doch mit Hinzufu- der ,Wahrheitsfähigkeit' des Denkens und nimmt, unter
gung der Zufätze und Erweiterungen der neueren Hdfchr. darker Betonung des ,gegendändlichen' Charakters des
herauszugeben, und er hat diefe Aufgabe in durchaus letzteren, Stellung zu den verfchiedenen einfehlägigen
anerkennenswerter Weife gelöd. Anfchauungsweifen: dem Dogmatismus, Skeptizimus, Kriti-