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Ausgabe:

1909 Nr. 17

Spalte:

487-488

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Petschenig, M. (Ed.)

Titel/Untertitel:

Corpus Scriptorum Ecclesiasticorum Latinorum. Vol. LII, sect. VII, pars II 1909

Rezensent:

Jülicher, Adolf

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Seite 1

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4§7

Theologifche Literaturzeitung 1909 Nr. 17.

488

diefer Auffätze Jahre emfiger Sammelarbeit, handfchrift-
licher Studien, philologifcher Kleinarbeit flehen.

Jena. Hans Lietzmann.

Riggenbach, Prof. D. Eduard, Die alterten lateinifchen
Kommentare zum Hebräerbrief. Ein Beitrag zur Ge-
fchichte der Exegefe und zur Literaturgefchichte des
Mittelalters. (Forfchungen zur Gefchichte des neu-
teftamentlichen Kanonsund der altkirchlichen Literatur,
herausgegeben von Theodor Zahn. VIII. Teil. Hißo-
rifche Studien zum Hebräerbrief. I. Heft.) Leipzig,
A. Deichert'fche Verlagsbuchhandlung Nachf. 1907.
(X, 243 S.) gr. 8° M. 6.80

Das Abendland hat erfl allmählich feit dem IV. Jahrhundert
fich mit dem Hebräerbrief befreundet, und fo ift
in der klaffifchen Zeit kein lateinifcher Kommentar zu ihm
gefchrieben worden: was wir an Schriften derart haben,
fällt alles ins Mittelalter. So bildet die Arbeit Riggenbachs
einen wertvollen Beitrag zur Gefchichte der exegetifchen
Studien vornehmlich in karolingifcher und nachkarolin-
gifcher Zeit. Den erflen lateinifchen Hebräerkommentar
(nach der von Caffiodor vennlaßten Chryfoßomusüber-
fetzung Mutians) fchrieb Alkvin, freilich im wefentlichen
auf Grund diefes Mutian: feine Arbeit ift fpäter dem
Ambrofiafter als Ergänzung angehängt worden. Es folgt
die auch unter dem Namen Hattos von Vercelli gehende
Kompilation des Claudius v. Turin. Dann geht R. an das
Hauptproblem heran, die Unterfuchung des teils einem Pri-
mafius, teils Remigius, teilsHaimo zugefchriebenen Werkes,
welches zu einem Gefamtkommentar über alle Paulusbriefe
gehört. In eindringender Analyfe der verfchiedenen Schriften
und unter Berückfichtigung aller fonftigen ihm erreichbaren
Haimo- und Remigiuswerke kommt der Verf. fchließ-
lich zu dem bereits von Traube vermuteten Refultat, daß
der Mönch Haimo von Auxerre in der Mitte des IX. Jahrhunderts
den fraglichen Pauluskommentar ebenfo wie die
Erklärung des Jefaia und der kleinen Propheten gefchrieben
hat. Seine Abendmahlslehre gibt Remigius v. Auxerre
in der Schrift de celebratione missae wieder: er ift ein
Enkelfchüler Haimos, und diefem, als dem berühmteren,
hat das fpätere Mittelalter dann auch die Kommentare
gelegentlich vindiziert. Für die ,irifchen' Erklärungen
einer S.Galler Handfchrift, des Pfeudo-Hieronymus und des
Sedulius Scotus weift R. enge Verwandtfchaft nach, ohne
aber zu einem völlig befriedigenden Ergebnis zu kommen.
Einige Bemerkungen zu Kommentatoren des X. bis XII. Jh.
befchließen das Buch. R. hat mit größtem Fleiß die müh-
fame Arbeit durchgeführt, und wer bedenkt, daß der Verf.
auf die Hilfe fremder Augen angewiefen ift, wird feiner
Energie doppelte Anerkennung zollen. Größere Knappheit
nicht im mitgeteilten Material, aber in der Erörterung
würde das Buch eindrucksvoller gemacht haben.
Das Vorwort belehrt uns, daß wir eine Vorarbeit zu
einem Hebräerbriefkommentar R.s vor uns haben: auf
dem Titel fleht ,1. Teil'. Hoffentlich bringt der zweite
Teil eine gleich forgfältige Analyfe der zum Teil noch
ungedruckten Niketaskatene zum Hebr.: die Ergebniffe
würden zweifellos für das Verftändnis des Hebräerbriefes
felbft erheblich wertvoller fein.

Jena. Hans Lietzmann.

Corpvs Scriptorvm Ecclesiasticorvm Latinorvm. Editvm con-
silio et impensis Academiae Litterarvm Caesareae Vin-
dobonensis. Vol. LH. Sancti Avreli Avgvstini
Opera (sect. VII Pars II). Scriptorum contra Donatistas
pars II: contra litteras Petiliani libri tres, epistvla ad
catholicos de secta Donatistarvm, contra Cresconivm
libri quattvor. Recensvit M. Petschenig. Vindobo-

nae, F. Tempsky.— Lipsiae, G. Freytag MDCCCCIX.
(XV, 601 p.) gr. 8° M. 20 —

Von Auguftins antidonatiftifchen Schriften ift im
Wiener Corpus nunmehr das zweite Drittel erfchienen, das
die drei Bücher contra litteras Petiliani enthält, die epis-
tula ad catholicos de secta Donatistarum und die zu den
Meifterftücken literarifcher Polemik zu rechnenden vier
Bücher gegen den Grammatiker Cresconius. Der Herausgeber
Petfchenig arbeitet hier genau fo forgfältig und glücklich
wie bei dem erftenTeil; was ich (ThL-Ztg 1908, 560—2)
bei der Befprechung von vol. 51 zu feinem Ruhme zu
fagen hatte, wäre hier lediglich zu wiederholen. Wenn, wie
zu hoffen, bald auch der dritte, der Schlußband, erfcheint
und mit ihm die von dem Herausgeber bereits mit fo
ausgezeichnetem Erfolg bei feiner Arbeit verwendeten
j Regifter, wird fich vollends beftätigen, einen wie be-
l deutfamen Fortfehritt über die Benediktiner— und natürlich
Migne — hinaus in diefer Abteilung von Auguftins
Werken die Wiener Ausgabe darfteilt. Es fehlt wahrlich
auch nicht an kühnen und doch einleuchtenden
Konjekturen, insbefondere Ergänzungen ausgefallener
Worte und Sätze, aber meift wird Äuguftin aus fich
felber wieder hergeftellt, durch intenfive Beobachtung
feines Sprachgebrauchs und die umfaffendfte Verwertung
der in diefer Streitliteratur ja recht zahlreichen
Parallelen.

In der Praefatio ift P. diesmal faß noch wortkarger als
bei Teil I, aber er läßt nichts im Unklaren. Bei der Datierung
der Schrift gegen Petilian hätte die Regierungszeit
des Papßes Anaftafius nicht fo unbedenklich auf
398—402 datiert werden dürfen; in der Verteidigung der
Echtheit der epistula catholica gegen die Zweifel der
Mauriner ßehen wir ganz auf P.s Seite: nur wünfehte
ich, daß er S. X die Entfcheidung darüber, ob Augußin
hier Schriftßellen paffend wider die Donatißen herangezogen
und richtig ausgelegt habe, nicht den Theologen
zufchöbe, fondern felber, wozu feine Kompetenz außer
Frage ßeht, dahin träfe, daß in der epistula catholica
wie in den unangezweifelten Schriften ganz nach dem
Vorbild der Kirche Augußins Weizen und Unkraut nebeneinander
ßehen. Die Abfaffung der vier Bücher wider
Cresconius würde ich gern etwas tiefer hinter die Antido-
natißen-Gefetze von 405, als 406—407 herabrücken. Die
Nichtbeachtung der S. XIV aufgezählten Handfchriften
bedaure ich wiederum; ein Beweis für ihren Mangel an
eigenem Wert kann für den, der die Arbeitsweife der
Loewener Augußih-Editoren kennt, keinenfalls daraus entnommen
werden, daß deren Ausgabe, obwohl ihnen fünf
belgifche Codices zu Gebot ßanden, von Verderbniffen
jeder Art wimmele.

Marburg. Ad. Jülicher.

Sancti Aurelii Augustini episcopi De Civitate Dei libri
XXII. Textum recognovit B. Dombart. Vol. I.
Lib. I—XIII. (Bibliotheca scriptorum graecorum et
romanorum Teubneriana.) Lipsiae, B. G. Teubner
MCMIX. (XXXIV, 599 p.) 8° M. 5—; geb. M. 5.60

Vor 3V2 Jahren konnte ich an diefer Stelle (ThL-Z.
1905, 676 ff.) den kurz zuvor erfchienenen zweiten Halbband
von Dombarts dritter Rezenfion der Bücher über
den Gottesßaat dankbar begrüßen und die Hoffnung aus-
fprechen, daß dem hochverdienten Augußinforfcher vergönnt
fein möge, was er felber nicht mehr zu hoffen
wagte, die neue Ausgabe zu vollenden. Allein er iß
nach fchweren Leiden im Herbfl 1907 entfchlafen, und
feine wertvolle Studie ,zur Textgefchichte der civitas
DeP in Harnacks Texten und Unterfuchungen 32,2a
1908 hat O. Stählin nach einer letzten Durchficht ver-
; öffentlicht. Nunmehr hat ein andrer Fßeund, A. Kalb,
j auch die Drucklegung der 13 erßen Bücher der civitas
! Dei für die Bibliotheca Teubneriana fertiggeßellt, von