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Ausgabe:

1909 Nr. 1

Spalte:

20-23

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Niemöller, Heinrich

Titel/Untertitel:

Reformationsgeschichte von Lippstadt, der ersten evangelischen Stadt in Westfalen 1909

Rezensent:

Köhler, Walther

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19 Theologifche Literaturzeitung 1909 Nr. I. 20

Deutfche überfetzte. Während Kawerau die letztere unzutreffend. Denn ,ausbüßen' heißt Lücken ergänzen,

Schrift W. A. 8, 571 anführt, hat Knaake die erftere j fo z.B. beim Weinbau. Vgl. auch Fifcher, Schwäbifches

W. A. 7, 17 ff. überfehen. Aus den Widmungen lernt man i Wörterbuch 1,461. Das Wort Ausbüßnis fehlt fowohl

viele Freunde der Reformation, befonders auch den 1 bei Grimm, als bei Heyne, auch Henifch kennt es nicht,

Einfiedler Kreis kennen. Aber follte Parcillus S. 203, 3 ! aber es wird wohl im Schweizer Idiotikon fich finden,
v u. wirklich Überfetzung von Öchsli fein? Ift nicht etwa Stuttgart. G. Boffert.

Bovillns zu lefen? Lgh fetzt feine Mitteilungen zu

Zwingiis Bibliothek fort, während Th. Burckhardt-Bie- w T .. „ D . . - , 1KKO . .. ... .

dermann nachweift, daß der Basler Buchbinder Zwingiis NeV' /ultuS' Die Reformation III Trier 1559 und ihre Unter-

Mathias, den Glarean in feinen Briefen an Zwingli er- druckung. Erfies Heft: Der Reformationsverfuch. —

wähnt, ,Meifter Mathias Biermann am Vifchmarkt' ift. Zweites Heft: Die Unterdrückung. (Schriften des

Ferner ift ein weiteres Exemplar der Voten Zwingiis Vereins für Reformationsgefchichte. Nr. 88/89uncl 94 )

auf der Berner Disputation, nämlich feine Antwort auf Halle a< S_ _ Leipzig, Haupt & Hammon in Komm.

Burgauers Einrede gegen die vierte Schlußrede zutag g (m m g)

gekommen. Als Dichter zweier Lieder auf Zwingiis ^ / > t > / s a

Hütte werden die Brüder, der Diakon Joh. Georg Schmidt, Wilhelm, Die Kirchen- und Schulvifitation im

Schultheß +1802 Sept. 13. und D. Johannes, Profeffor fächlifchen Kurkreile vom Jahre 1555. Erftes Heft: Die

der Theologie, von Lechner nachgewiefen. A. Fluri kirchlichen und fittlichen Zufiände. (Dasfelbe Nr. 90.)

gibt eine Biographie des 1 ondichters Losmas Alder, der > T!,, . _ c. on ,,

Zwingiis Tod befang, und Lehmann eine Charakterifiik Ebd ^ (IV> 74 S.) gr. 8° M. 1.20

des Zürcher Medailleurs Hans Jak. Stampfer, dem man j — Dasfelbe. Zweites Heft: Die wirtfchaftlichen Verhält-

die Bilder Zwingiis und Blarers verdankt, und feiner' niffe. (Dasfelbe Nr.92.) Ebd. 1906. (III, 88 S.)gr.8° M. 1.20

Werke. Wir fehen aufs neue: Protestantismus artibus u j. x 11 a ■• t-rö;„,;^v, D«<n.moiiAn.n.r.u:.i.4« „.„ ■

. 1 ■ r . ,r ■■ -r ttu « r 1. j Niemoller, Heinrich, Ketormationsqelcnicnte von Lippltadt,

hauet tnraustus (Gruneiien). Uber aen Charakter der n ' , 0i .. ■ „, nr , .„rrr ,,

Reformation Zwingiis fetzt fich Gerold Meyer von der erften evangelifchen Stadt m Weftfalen. (Dasfelbe

Knonau mit Brieger (.die Reformation' in Ullfteins Welt- Nr. 91.) Ebd. 1906. (79 S.) gr. 8° M. 1.20

gefchichte, herausgegeben von Dr. von Pflugk-Harttung), Kawerau, Guftav, Paul Gerhardt. Ein Erinnerungsblatt,

auseinander und wehrt fich kräftig gegen den von Har- (Dasfelbe Nr. 93.) Ebd. 1907. (85 S. mit 1 Bildnis.)

„^^-1. .nf ahnten <Z ^ +, . Fl« FJ A A c A.^ U-U „ r-L T.V 5J ' » / J J

nack entlehnten Satz: ,Die Hände, die fich nach Luther
ausftreckten, — Karlftadt, Schwenkfeld, Zwingli ufw. —

gr. 8° M. 1.20

und die fcheinbar nur durch die Abendmahlslehre am Weltphal, Pfr. F., Zur Erinnerung an Fürft Georg den Gott-

Zugreifen gehindert waren, waren keine reinen Hände'. feiigen zu Anhalt. Zum 400jähr. Geburtstage am 15. VIII.

Zur Biographie des einfügen Zwinglifamulus Hieron. Igo7 (Dasfelbe Nr. 95.) Ebd. 1907. (III, 93 S. m.

Gunz (Zwingliana 1,401—408) gibt Burckhardt-Biedermann Bildnis") er 8° M 1 20

Ergänzungen, befonders über feinen Basler Aufenthalt, ■ •) & • , ' '

und weift nach, daß er nicht nur in Münchenftein, fon- ' Friedensburg, Staatsarchiv-Dir. Prof. a. D. Walter, Die

dern auch in Rümlang Pfarrer war. Die Daten dafür erften lehnten in Deutichland. (Schriften für das deutfche

laffen fich aber bis jetzt nicht ficher feftftellen. Geholfen Volk, herausgegeben vom Verein für Reformations-

wäre wenn noch Kirchenrechnungen vorhanden wären gefchichte Nr.41.) Halle 1905. Leipzig, Haupt & Ham-

welche über die Gehaltsbezüge Auskunft geben. Noch . c. ' fl0 M _

nicht benutzt ift der Brief Biblianders (Vadianfche Brief- mon- ^74 »0 Kl. 8 m. 15
fammlung 6, 59), der Gunz 1542 für die Schule in St. Nr. 88/89 und 94: Julius Ney bietet eine eingehende
Gallen empfahl, da ihm die Befchäftigung in der Druckerei Darfteilung der Reformation und Gegenreformation in
entleidet war. Durch feine Heirat war er mit Joh. Opo- Trier. Auf diefem gut katholifchen Boden, da die Erz-
rinus verwandt geworden {ajfinis). Egli zeigt, daß der bifchöfe niemals die Stadt als reichsunmittelbar betrach-
Basler Karthäufer und Chronift Carpentarius identifch ift teten, wie diefe fich felbft einfchätzte, mit (allerdings wenig
mit Zwingiis Studienfreund Georg Pontanus (von Brugg) bedeutender) Univerfität, regem kirchlichen Leben— Tre-
und gibt auch Auskunft über Werner Steiners Refor- veris sancta ift Ehrentitel — hat die Reformation nur fpät
mationschronik, die nur in Zufätzen zu Bernh. Wyß fich ausbreiten können. Wie in der Regel bei Bifchofs-
Chronik Steiners Eigentum ift. Weiter gibt er ein ftädten geben die Reibungen zwifchen Stadt und Bifchof
Itinerar eines Handwerkers aus dem Anfang des 16. Jahrh. den Boden für die Reformation ab, Bewegungen in der
und einen Bericht Bullingers über den Brand des Groß- Nachbarfchaft kommen hinzu, die Situation ift die gleiche
münfterturms 1572. wie in Münfter. Die Bürgerfchaft bittet feit 1556 um
Die Zwingliana geben auch einen Lichtdruck von evangelifchePrädikanten, die Bitte wird abgefchlagen, aber
Stampfers Medaillen und von einem Ölgemälde Kon. in dem Stadtkinde Kafpar Olevianus, der als Lehrer
Pellikans, wozu Egli eine Probe aus feinem Chronikon — zunächft wirkt, gewinnt die ev. Partei den zielbewußten
feine Anfänge in Zürich und eine kurze Charakterifiik Führer. Alsbald greifen aber die kurfürftlichen Räte
des Gelehrten — gibt. Aus Thomas Platters Selbftbio- ein, der Bürgerfchaft vorgelegte Fragen werden von
graphie hebt er das Charakterbild von deffen Mutter, diefer wenigftens zum dritten Teil mit einem Bekenntnis
einer fehr kamelshärenen, aber treuherzigen, frommen zur Augsburger Konfeffion beantwortet. Der Kurfürft
Frau heraus. Daneben findet fich noch eine Reihe kleiner felbft greift ein und befiehlt die Verhaftung Olevians,
Notizen. Für Zwingiis Charakter ift der kleine Zug, den in der Hofpitalkirche zu St. Jakob kommt es zu einer
Pellikan berichtet, beachtenswert. Er wachte gewiffen- ftürmifchen Szene zwifchen Olevian und dem von kurhaft
über die notwendigen Ausgaben feines nach Zürich fürftlicher Seite als Gegenprediger beftellten Peter Fae
berufenen und des Haushalts ungewohnten Freundes von Boppard. Mit den Evangelifchen, die eine ent-
(S. 194). fchiedene, aber ruhige Sprache führen, werden Verhandln
der Zufammenftellung von Cosmas Alders Kom- , hingen eingeleitet, von gegnerifcher Seite wird gefchickt
pofitionen durch Prof. Dr. Thürlings ift S. 219 Z. 17 das der Calvinismus Olevians ausgefpielt, um den Religions-
Fragezeichen zu ,vs pussnus' zu ftreichen und beides als fchutz des Augsburger Friedens illuforifch zu machen,
ein Wort zu lefen. Denn gemeint ift ein Lückenbüßer aber die Evangelifchen bleiben ftandhaft, der Kurfürft
oder Intermezzo, das bei Aufführung des geiftlichen befchließt den Weg der Gewalt, verläßt die Stadt, um
Schaufpiels vom Noah gefpielt wurde. Die Erklärung fie alsbald regelrecht zu belagern. Im Innern der Stadt
,alfo wohl zur Buße(?) und beim Wein komponiert' ift gibt das den Evangelifchen zunächft die Möglichkeit