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Ausgabe:

1909

Spalte:

402

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Weinel, Heinrich

Titel/Untertitel:

Die urchristliche und die heutige Mission. Ein Vergleich 1909

Rezensent:

Schuster, Hermann

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Jährlich 26 Nm. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig. Halbjährlich 9 Mark.

_^ , Manufkripte und redaktionelle Korrcfpondcnzen find ausfch ließ lieh _ IaAa

Nr. 14, Jahreane: 34. an ProfelTor D. SchürerinGöttingen,Friedländcrweg56, zu fenden. J, JuJl 19(J9.

O w Rezenfionsexemplare ausfchließhch an den Verlag.

Ueligionsgefchichtliche Volksbücher (Schufter):
IV, 3—4: Krüger, Das Papfttum.
IV, 5: Weinel, Die urchriftliche und die

heutige Million.
IV, 6: Mehlhorn, Die Blütezeit der deut-
fchen Myftik.
V. 5: 0. Schmiedel, Richard Wagners
religiöfe Weltanschauung.

Ehrlich, Randgloffen zur hebräifchen Bibel,
i. Bd. (Frankenberg).

Cafpari, Echtheit, Hauptbegriff und Gedankengang
der meffianifchen Weisfagung Jef. 9, 1—6
(Volz).

Kegel, Das Gebet im Alten Teftament (Volz).
Wendling, Die Entftehung des Marcus-Evangeliums
(R. A. Hoffmann).

Lidzbarski, Altfemitifche Texte, r, Heft j Baldenfperger, Urchriftliche Apologie (H.
(Smend). Holtzmann).

Schettler, Die paulinifche Formel ,Durch

Chriftus' (Heitmüller).
Pofchmann, Die Sichtbarkeit der Kirche nach

der Lehre des hl. Cyprian (Krüger).
Braun, Die Bedeutung der Concupiscenz in

Luthers Leben Und Lehre (Tfchackert).
Kolb, Die Aufklärung in der Württembergifcheu

Kirche (Heinr. Hoffmann).
Titius, Der Bremer Radikalismus (Niebergall).
Müller, Joh., Die Reden Jefu verdeutfeht und

vergegenwärtigt (Derf.).

Krüger, Prof. Dr. Guftav, Das Papfttum. Seine Idee und
ihre Träger. (Religionsgefchichtliche Volksbücher für
die deutfehe chriftliche Gegenwart. IV. Reihe, 3.(4. Heft.)
Tübingen, J. C. B. Mohr 1907. (160 S.) 8° M. 1

Weinel, Prof. D. Heinrich, Die urchriftliche und die heutige

Million. Ein Vergleich. 1.—10. Taufend. (Religionsgefchichtliche
Volksbücher. IV. Reihe, 5. Heft.) Tübingen
, J. C. B. Mohr 1907. (64 S.) 8° M. — 50;
kart. M. 1.25; feine Ausg. geb. M. 2— kart. M. —75; feine Ausg. M. 1.50

In diefem ftarken Doppelheft hat K. feine Aufgabe, ! Kapitel 1 will beweifen, wie viel beffer im Durch-
das Papfttum in einem .Volksbuch' zu fchildern, mufter- j fchnitt der Boden für die urchriftliche als für die heutige
gültig gelöft, fowohl was Auswahl und Ordnung des Million bereitet war. Die Sicherheit im römifchen Reich,
Stoffes, als was klare und anfehauliche Darfteilung an- j das Band der griechifchen Sprache, die Ausgleichung
betrifft; es ift deshalb auch für einen Lefer, der den ! der Raffenunterfchiede (trotz des antiken Antifemitismus),
kirchengefchichtlichen Stoff kennt, ein hoher Genuß, auf ! die Wegebereitung durch griechifch-philofophifche Pro-
dem beherrfchenden Wege des Papfttums das weite und ! paganda und jüdifche Miffion, auch etwas Negatives
breite Land abendländifcher Kirchengefchichte zu durch- aber fehr Wichtiges: ,die Miffion war damals durch das
eilen. Wer am Ende des Weges zurückblickt, ftaunt über politifche Problem lange nicht fo erfchwert wie heute'
die vielfältigen Beziehungen und Anregungen, die von j (China! Südweft!), endlich das Entfcheidende: ,das Evan-
diefer vielleicht größten welthiftorifchen Inftitution aus- > gelium kam, „als die Zeit erfüllet" und im allertiefften
begangen find; charakteriftifchabererfcheinen zweiLücken: j Sinne reif geworden war für die Botfchaft von dem
wie gering ift doch die Beziehung des Papfttums zur Vatergott, der feine Sonne aufgehen läßt für die Un-
Wiffenfchaft (verglichen mit feiner Kunftpflege), und wie | gerechten wie für die Gerechten' (dagegen die fteinerne
verfchvvindend feine Anregung für die große katholifche j Verhärtung unterer mohammedanifchen Welt!). — Das

Caritas, zumal in den letzten Jahrhunderten

Wie unparteiifch Krügers Darfteilung ift, mögen
folgende Sätze über das Verhalten der dem Vatikanum

find die Hauptmomente, die den Satz beweifen, daß der
Acker bereit war für den Samen des Chriftentums. Mit
Recht urteilt W., daß die urchriftliche Miffion überhaupt

widerftrebenden Bifchöfe zeigen (S. 147). ,Es verdient : nicht einfach mit unferer .äußeren' Miffion verglichen
die höchfte Achtung, daß die Bifchöfe bei ihrem Wider- werden darf, fie berührt fich oft viel enger mit unferer
fpruch bis zuletzt beharrten. Kettelers Fußfall wird .inneren' Miffion.

immer eine denkwürdige Epifode bleiben. Daß fie ihr Die folgenden vier Kapitel behandeln Ziele, Träger,

7ion placet dem heiligen Vater in einer Sache, die ihn Mittel und Erfolg der Miffion. Bei einem Vergleich der
fo nahe anging, ins Angefleht rufen follten, das wird nie- ; Miffionsmittel zeigt fich, daß wefentlich gleich geblieben
mand, der weiß was Katholizismus ift, von katholifchen ift nur eins: die Wortverkündigung; überlegen war die alte
Bifchöfen verlangen wollen, fie handelten nicht nur korrekt, Kirche durch foziale Organifation und echt brüderliche
fondern aus Überzeugung, wenn fie vor der entfeheidenden Liebesgefinnung (,So gut gemeint unfere Hülfe ift, fo
Sitzung Urlaub nahmen'. — Übrigens warnt K. vor Über- vielfach ift all unfere innere Miffion gedrückt durch den
fchätzung des Vatikanums: das Programm der Encyklika Abftand, der zwifchen Objekt und Subjekt unferer Liebes-
von 1864 ift nur teilweife erfüllt, weil fich die Un- tätigkeit befteht'), durch den kräftigen Sakramentsglauben
fehlbarkeit direkt nur auf ,eine den Glauben oder die (freilich ein zweifelhafter Vorzug) und vor allem durch
Sitten betreffende Lehre', nicht auch auf .Rechts- und Wunder und Heilungen. (Wünfcht Weinel die im Ernft
Disziplinarfragen' erftreckt. ,So ift, meint K., die Be- erneuert? S. 53). Andererfeits fehlte ihr ei ns der Haupt-
hauptung nicht zu kühn, daß gerade die vatikanifchen ! mittel unferer heutigen Miffion: die Schule; auch die Kunft
Dekrete die wirkfamfte Schranke gegen Übergriffe des fpielte anfangs keine Rolle, überhaupt jedes Mittel der
Papfttums auf das weltliche Gebiet bedeuten'. Kultur.

Frankfurt a M Schufter Uber, den Erfol§ urteilt W" 'So gewaltiSe Erfolge

wie manches moderne Miffionsgebiet hat die alte Predigt

kaum gehabt; höchftens in Kleinafien mag fich Ähnliches

ereignet haben'. Und: .Nicht im erften, fondern im 19.

Jahrhundert ift das Chriftentum am gewaltigften gewachfen'.

Frankfurt a. M. Schufter.

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