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Ausgabe:

1909

Spalte:

333-334

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Traube, Ludwig

Titel/Untertitel:

Nomina sacra. Versuch einer Geschichte der christlichen Kürzung 1909

Rezensent:

Lietzmann, Hans

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung 1909 Nr. II. 334

Traube, Prof. Ludwig, Nomina Sacra. Verfuch einer Ge- der lateinifchen Abbreviaturen erwachten ift. Wie fehr
fchichte der chriftlichen Kürzung. (Quellen und Unter- , aber das alte Prinzip in der Sache begründet war, zeigt

, . . ■ ., , D,., , . A/rffQun.D^0 Luthers von ihm felbft erfundene Drucktechnik in dem

fuchungen zur lateinifchen Philo ogie des Mittelalters, r , . D . , , ... , ,

& s I 1523 erfchienenen Pentateuch, worüber er in der Vorrede

herausgegeben von Ludwig Traube. Zweiter Band.) /Er) Ausg 6^2^ handelt: §<S9Wt(S = Jahve, §ürr =

München. C. H. Beck 1907. (X, 295 S.) gr. 8° M. 15— Adonai, im N. T. = Chriftus." Unter Heranziehung feines

Traube hat es wie kein anderer verftanden, mit ge- unvergleichlich reichhaltigen Materials hat Traube nun
nialem Blick große Probleme zu erfpähen, wo gewöhn- in den Grundzugen fkizz.erte Ihefe genutzt die

liehe Menfchen alltägliches zu fehen meinten, und feine l^^lZ^^N^ T'? F 1 .! ""i r°"
Kunft wußte aus de&r trockenen Lehre vom Schreiben möglich zeitlich und örtlich feftgelegt fo daß auch dies

der Bücher lebendige Bilder verfallener Zeiten hervor- i J^T™ £ k .zugle,,c. ^ ™ R^Ttum

zuzaubern. Das bezeugt auch dies Buch wieder, zu dem j ^ZZ^ZZ fr , ^ il£ TS^SS1

er viele Jahre lang gelümmelt hat, deffen Niederfchrift ; »ÄJ^S fV",, l^räST^^rS^

, J , .,__ff .■ ■, „Li,.;f^.mKH ,,»r chriltlicher Literatur aufhellen wird. Daß die fortgefetzte

er begann, als ihm der Arzt — wahrheitsgemal.i — ver- msi,„*s~.. ., r 1 -i n. ^ tvt u. ■ 1

fichert hatte, feine unheilbare Krankheit werde ihm doch , Bubhka 10" v°n. Denkmalern ftets neue Nachtrage und
nochwenigftens zwei Jahre Leben laffen, und deffen letzter ; E f^nZ^Kb,nnge" >,rd' J<£ 7" £ ' f"

Druckbogen allein von feinem brechenden Auge nicht ! ^^1-1 Kfle.n.gkeiten: Die Infchrrft der Marcioniten-

o _ CJimP nflp im l7rilrhf>n 1 pK.hn w/-,rr» l^hrp 1 T X fl PK17 IT

mehr geprüft werden konnte

Die Schreibungen KC 0C IC XC haben wir wohl
alle bisher für .Abkürzungen' gehalten: wir lernen jetzt,

gemeinde im fyrifchen Lebaba vom Jahre 318 (LeBas III
n. 2558 Dittenberger Or. inscr. 608) hat T(>Y K'Y KAI
Cf IM XfHCTOY, bei LeBas 2697 lefen wir IHC <>

daß diefe Annahme falfch ift. Denn der Plural von 0C NAXaJPGCÜC ...OY TOY (>Y- Die Lcfung «PC
und KC heißt nie Ol Kl, fondern wird ftets ausgefchrieben : alErd/ng e'^r^eab%

OCOI und KYPIOI, ünd das gleiche widerfährt auch LeBas 2°87.(V-J- 473) ein Beleg für KJ'C. FurS. 128
dem Singular, wenn 'ein anderer als der wahre Gott und ^/^^m^'T ^ a~ 5*?*? 2°?

ein anderer 'Herr' als Jefus gemeint ift. Auch kennt EZr^*^ TT«Ä'^Pn i° .l^ffi

das nicht als Ab- ; ^f^f^ f^ &t™"^ W*</ox6Zaa>q

kürzungszeichen, fondern benutzt ihn zur Hervorhebung, < "f^Kontraktion

wie wir unterftreichen. Drittens widerfpncht die Form PKBS findT t fich in Ober.tahen Diehl lat.-chriftl. Infchr.
der fonft üblichen griechifchen (und lateinifchen) Art der , n' % V' 5 7 . • , . , ^ u M lr ,
Abkürzung: man bedient fich ftets der 'Suspenfion' (DOA | Afucb wJlr Traube nicht gekannt hat, der lefe das
oder I rÖÄe = xöXtuov). Da es fich aber hier um die bib- ergreifende Nachwort feiner Sc^hwcfter: und er wird es
lifchen Gottesnamen handelt, fo werden wir von felbft auf ve^7o' w T d,efeYEuh Dahingefch.edenen nur
die graphifche Auszeichnung geführt, welche uns für das J? .ochfter Verehrung gedenken kann, und daß man
hebräifche Tetragramm in griechifchen, jüdifchen (u. a. ; Lewinn davon hat.

Aquila) wie chriftlichen (vgl. Origenes) Handfchriften des 1 Jena. Hans Lietzmann.

Alten Teftamentes bezeugt ift. Die vokallofe Schreibung

von or; (und KC) ahmte das geheimnisvolle des Tetra- Mentz Prof Dr Georg, Johann Friedrich der Großmütige

gramms nach, der Strich hob es ehrend aus der Maffe ' rT> .. ° „ r , . ,

der gewöhnlichen Worte hervor. -Das diefe beiden'Kon- 1503- 1554- (Beitrage zur neueren Gefch.chte fhü-
traktionen tatfächlich im jüdifchen Gebrauch waren, wird ringens. Namens des Vereins für thüringifche Ge-
durch Zauberpapyri beftätigt. Dazu find IC XC oder j fchichte und Altertumskunde herausgegeben von dir

thüringischen hiftorifchen Komiffion. I. Band, 2. uri i
3. Teil.) Jena, G. Fifcher 1908. gr. 8° M. 30

2. Teil. Vom Regierungsantritt bis zum beginn des fchmalkaldi-

IHC XpC chriftliche Analogiebildungen. Daß wir hiermit
den alten Befand an Nomina sacra erfchöpft haben,
zeigt das Verhalten des Codex Vaticanus B und der

Gothifchen Bibel: der Kopte kennt außer diefen noch I fchen Krieges. (XXVI, 562 s.) M. 15—. — 3. Teil. (Schluß.)

Vom Beginn des fchmalkaldifchen Krieges bis zum Tode des Kur-
fürften. Der Landesherr. Aktenftitcke. (X, 602 S.) M. 15 —

FJNA AAA, der Armenier II IA II IM. Auch diefe vier
weiteren Formen find ebenfo wie IHA I IAp oyNOC
AiNTJC vielleicht jüdifchen, dagegen Yc; MHp CHf I Während der vor 5 Jahren veröffentlichte I.Teil der
CTC ficher chriftlichen Urfprungs: damit ift der Kreis Gefchichte Johann Friedrichs.des Großmütigen gewiffer-
der 'Nomina sacra erfchöpft, und andere 'Kontraktions- maBfn ™ & Einleitung zu dem Werke felbft bezeichnet
bildungen' als diefe kennt die griechifche Schrift der W«den tonnte, oVer lediglich die Jugend Job. Priedr.chs
älteren Zeit nicht: erft fpäter oder ganz vereinzelt fin- b'a zu feinem Regierungsan ritt behandelte, umfaßt der
den fich weitere Analogiebildungen. Ja die fakrale Be- nun^mehr vorliegende 2. und 3. Band die ganze übrige
deutung der Formen ift fo lange klar empfunden worden, Lebenszeit des Purften von 1532 bis zu einem a. 1554
daß fich erft feit dem IX Jahrhundert gelegentliche erfolgten Tode Ls ift die Zeit ,n der die Zukunft Deutfeh-
Benutzung diefer Schreibungen in profanen Texten ficher lanbs zum nicht Kmf^.a lei1 davuon abhlnfU W«^«
nachweifen läßt. Die lateinifchen Infchriften haben ein , Haltung man in Kurfachfen gegenüber den die Nation
reiches Syftem von Abkürzungen nach dem Prinzip der bewegenden pohtifchen und kirchlichen Fragen emneh-
Suspcnfion entwickelt: aber die alten Schreiber der ™e.n weJ:de- .Bekanntlich hat man vielfach vor allem
lateinifchen Bibelüberfetzungen vor Hieronymus haben J.ohan" - «fd"ch die Schuld gegeben, daß die gefchicht-
die Nomina sacra getreulich den Griechen nachgebildet: : 1,c»e E?twc77nß f.'",6" fÜr 7" Broteftantisrnus und die
iTc t%s£ ,„,. vne x:i.^ t i i . j• j i 1 nationale Selbftandigkeit unferes Vaterlandes fo wenig

gS DMS IHS XPS SPS - jedoch nicht die anderen! unfti Verlauf ^ Diefes Urteil aber ruhte docj;

Linen intereffanten Verfuch die Suspenfion damit zu «uf fe^r unflcherem Fundament, da das hierfür in Betracht
verknüpfen, finden wir in Afrika. Uber diefen Kreis hin- , kommende Aktenmaterial bis dahin nur fehr ungenügend
aus hat die late.n.fche Palaograph.e zunachft mancherlei bekannt war> Efft jeUt> nachdem Mentz mit eifernem
formen ürSANCTVS im Anfchluß an SPS, und NOSTER BHeiß die unzähligen für die Gefch. Johann Friedrichs zu
zu DMS gefchaffen, daneben hat fich in den einzelnen berückfichtigenden Aktenbände des Weim. Archivs durch-
Schreiberfchulen feit dem V. Jahrhundert bereits eine gearbeitet und auf diefer Grundlage die gefamte Tätigreiche
Fülle von Analogiebildungen entwickelt, aus denen keit Johann Friedrichs zum Gegenftand einer gefchicht-
dann im Laufe des Mittelalters das komplizierte Syftem liehen Darftellung gemacht hat, ift eine gerechte Beur-