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Ausgabe:

1909 Nr. 11

Spalte:

329

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Eickmann, Walther

Titel/Untertitel:

Die Angelologie und Dämonologie des Korans im Vergleich mit der Engels- und Geisterlehre der Hl. Schrift 1909

Rezensent:

Schwally, Friedrich

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Seite 1

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329 Theologifche Literaturzeitung 1909 Nr. tt. 330

think' die Aufforderung gefetzt werden (,denketl). — S. 95,
Z. 5 ,if thcre be at band'. Das ift Verkennung der Bed.
von ao, das als Arabismus zu betrachten ift. Es muß
heißen: ,wenn ein gefchickter Arzt exiftierte'. — S. 116,
Z. 7 an thc moon' es muß heißen: unterhalb der Mond-
fphäre.

Den Midrafch von den Zehn Märtyrern hat G., wie
im Inhaltsverzeichniffe angegeben ift, aus einem in feinem i
Befitze befindlichen Manufkripte überfetzt. Aber ich habe j
keine Verfchiedenheit zwifchen diefem und der Ausgabe
Jellineks (Beth-Hamidrafch II, 64—72) gefunden. Für
den Lefer wären einige Angaben über die Helden der
Legende fehr erwünfcht, befonders da, was fonft über J
fie aus den Quellen bekannt ift, vielfach von dem in der j
Legende Berichteten abweicht. S. 121, Z. 2 ,a wicked
royal'. Es muß heißen: das frevelhafte Reich, d. h. j
Rom. — S. 125, Z. 16. Hier hat G. die Bedeutung von j
(= aram. stji«s f. Levy, Neuh. Wb III 148), Pfennig j
nicht erkannt und überfetzt aTOsi mit ,without ado'
(alfo 'S = einfach), ftatt ,um einen Pfennig'. — S. 126,
Z. 17. Vor Teradyon find die Worte ,Hanina bar' aus-
gefallen. — S. 128, Z. 5 v. u. ,upon the surfacc of his
face' ift irrige Überfetzung von nK"l» plpttS (,ftatt eines
Spiegels'). — S. 138, Z. 12 ,immolate', Überf. von brjl (es
ift vom römifchen Senator die Rede, der an fich felbft
die Befchneidung vollzog und fo als Jude ftarb).

Der graziöfe Dialog Leo Modenas (1571—1649) über
das Kartenfpiel bildet den Schluß des Bandes und ift |
in fehr gelungener, den ftiliftifchen Eigentümlichkeiten
des Werkchens gerecht werdender Weife überfetzt. Diefe
witzige, im Original recht feiten gewordene Schrift des 1
vielfeitigen Rabbiners von Padua verdiente es, einem
größeren Leferkreife zugänglich gemacht zu werden.

Budapeft. W. Bacher.

Eickmann, Pfr. Dr. Walther, Die Angelologie und Dämonologie
des Korans im Vergleich zu der Engel- und
Geifterlehre der Hl. Schrift. New-York 1908 (Leipzig,
P. Eger). (IV, 62 S.) gr. 8" M. 1.80 j

Die Schrift behandelt in einer kurzen Einleitung die
Bedeutung der Perfon Muhammeds und das Wefen j
feiner Religion (S. 1 —10), im erften Abfchnitt (S. n—31)
die Engel und Dämonen im allgemeinen, im zweiten 1
(S. 33—40) die Engel in ihrem Verhältnis zu Gott und
im dritten (S. 41—56) die Engel in ihren Beziehungen
zu den Menfchen. Zwar hat der Verf. einige gute Bücher
benützt, aber er kennt weder die Literatur noch den
gegenwärtigen Stand der Probleme hinreichend. Das
macht fich befonders in der Einleitung ftörend bemerkbar
. Seine Kenntniffe des Arabifchen und des He-
bräifchen fcheinen ziemlich rudimentäre zu fein. Brauch-
bar ift die Zufammenftellung des Materials und die i
aus der altchriftlichen wie altjüdifchen Literatur beigebrachten
Parallelen. Sonft ift bei Benützung der j
Schrift große Vorficht geboten.

Gießen. Fr. Schwally.

Seeberg, Prof. Dr. Reinhold, Lehrbuch der Dogmen- j

gefchichte. Erfter Band: Die Anfänge des Dogmas
im nachapoftolifchen und altkatholifchen Zeitalter.
Zweite, durchweg neu ausgearbeitete Auflage. Leipzig,
A. Deichert'fche Verlagsbuchb. Nachf. 1908. (X, 570 S.)
gr. 8° M. 12.40

Wie der Verfaffer im Vorwort ausführt, hat er in
diefem Bande weniger eine zweite Ausgabe feines Lehrbuchs
der Dogmengefchichte der alten Kirche von 1895,
als ein neues Werk geliefert, das mit den erften 157 Seiten
des früheren Lehrbuchs hauptfächlich die Einteilung gemein
hat — ein neuer § 20, Rückblick, ift am Schluß

hinzugekommen — fonft allerwärts fehr erhebliche Ergänzungen
und Veränderungen aufweift und in einigen
Stücken wie §§8 und 14 gewaltig über die Vorlage hinaus-
gewachfen ift. Was dem Verf. bei der Neubearbeitung
als Ideal vorfchwebte, erweckt ein günftiges Vorurteil;
er wollte ein Lehrbuch, das ja ,auch Gelehrten dienen'
foll, fo geftalten, daß ,der ganze Stoff dem Lefer klar
und präzis vorgeführt' wird, daß forgfältig ausgewählte
Quellenftellen den Lefer in den Stand fetzen, fich eine
eigene Anfchauung zu bilden, daß zu den Behauptungen
auch die Beweife treten und zugleich die Kenntnis und
Kritik anderer Urteile vermittelt wird. S. möchte auch
in der Mitteilung neuer Beobachtungen und Hypothefen
nicht allzu zurückhaltend fein: wahrhaftig mit Recht, denn
die ,ficheren Refultate' der Forfchung noch einmal zu-
fammenzuftellen, lag kein Bedürfnis vor.

Wenn man Seebergs neues Buch bloß an dem von
1895 oder gar an feinem inhaltsarmen Grundriß der
Dogmengefchichte mißt, wird man einen beträchtlichen
Gewinn fleißiger Arbeit und guten Willens, aus den
Quellen wie aus der neueften Fachliteratur zu lernen,
gern anerkennen. An Stoff, an Quellenftellen, an alten
und neuen Behauptungen ift kein Mangel. Die Dar-
ftellung ift im ganzen klar, bisweilen frifch. An einzelne
Unarten wie ,fo — als' ftatt ,fo — wie' und an die leidige
Vorliebe für letzterer und erfterer gewöhnt man
fich (z. B. S. 560: die chriftliche Religion ift die Kritik
und die Vollendung der fonftigen Religionen, .indem
letzteres auch erfteres'); nur eine Ausnahme bilden Kon-
ftruktionen wie S. 464h: ,Das war der Zeit nach (?) keineswegs
fo fremdartig, als daß es den fchroffen Widerfpruch
verftändlich machen könnte'. —An Druckfehlern ift leider
befonders in den griechifchen, doch auch den lateinifchen
Quellenftellen ein fataler Überfluß vorhanden; allein die
Anm. 2 auf S.305 enthält 7 Fehler, darunter die Aus-
laffung von (rrjv) rcöv ynacpmv vor sgrjyrjöiv. 287 n. 3
wirkt stvev/iatog ftatt Ocoparog, 259 n. 1 die Fortlaffung
von xal jtvsvjia vor xal övvafiig fehr ftörend. — Wer
die Länge der Tertulliankapitel kennt, wird eine Stellenreihe
, wie S. fie 344 n. 1 (ähnlich 343 n. 2) bietet, c. Marc.
III. 8, de pat. 3, de carn. Chr. 6 ufw. nicht eben zweckmäßig
nennen. Nicht immer find die Belegftellen glücklich
eingeflochten; z. B. 291 f.: ,Die Worte der Schrift
müffen vernünftig aufgefaßt werden, denn z. B. cradelem
Deum qui non intelligit credit', wo felbft der gelehrte
Lefer einen Sinn, ohne nachzufchlagen, nur erraten kann.
Bei der Besprechung von Iren. III 3, 2 paffiert es S., daß er
im 1 ext S. 308 ad haue {Romarn) necesse est omnem conve-
nire ecclesiam überfetzt: jede Gemeinde müffe mit Rom
übereinftimmen, in Anm. 3 uns aber belehrt, conve-
nire bedeute nicht die Übereinftimmung, fondern
den Verkehr (Böhmer). Nebenbei verfichert er uns, hier
liege über die Autorität Roms ein rein gefchicht-
liches, noch kein dogmatifches Urteil vor. Ich würde
eine Mifchung von beiden konftatieren. Ganz falfch ver-
ftanden hat S. den Tertullian adv. Prax. 23, wenn er ihn
S. 471, Z. 7 v. u. fagen läßt, die Lehre von der Unter-
fcheidung {distinetid) der Perfonen des Vaters und des
Sohnes fei eine beffere als der unus deus versipellis der
Praxeaner. Vielmehr wirft Tert. den Monarchianern entgegen
, die von ihnen verläumderifch den Orthodoxen
untergefchobene Lehre von der divisio (Gottes) würde
immer noch erträglicher fein, als jener eine deus versipellis.

Immerhin überwiegt in den beiden letzten Kapiteln
durchaus das, was wohlerwogen und aus den Quellen
mit einiger Wahrfcheinlichkeit belegt heißen mag. Ka-
I pitel 2, die häretifche Umdeutung des Evangeliums und
j antikatholifche Reformverfuche, bringt am wenigften
Eigenes, über den Inhalt von §§ 6 und 7 Breitet man
j beffer nicht, weil, wo S. fich im Bann Zahnfcher Exegefe
j befindet, er ja die Verantwortung nicht felber trägt.
I Dürftigeres als die dogmengefchichtliche Würdigung, die
! hier das Urchriftentum erfährt, läßt fich kaum denken

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